• Veröffentlichungsdatum: 22.11.2016
  • – Letztes Update: 28.11.2016

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  • 588 Wörter

Das 40-mm-Granatgewehr

Wolfgang Weiß

(Foto: Jägerbataillon 12)

Neue Bedrohungsbilder und Einsatzszenarien erfordern eine neue Bewaffnung und Ausrüstung des Österreichischen Bundesheeres. Eine Waffe die den veränderten Anforderungen gerecht wird, aber auch die konventionelle Einsatzführung verbessert, ist das 40-mm-Granatgewehr.

Die Waffe

Das 40-mm-Granatgewehr wird entweder als eigenständige Waffe verwendet oder auf dem Lauf des Sturmgewehres 77 (StG 77) montiert. Von seiner Charakteristik ist das Granatgewehr ein Einzellader mit seitlich ausschwenkbarem Rohr. Mit der Waffe können Granat- und Geschoßpatronen verschiedener Längen mit geringer Geschwindigkeit verschossen werden. Das Granatgewehr verfügt über eine optische und mechanische Visiereinrichtung. Mit dem System können Einzelziele (in der Größe einer Türe) in einer Entfernung bis 100 m und Flächenziele bis zu 350 m bekämpft werden.

Stand-Alone Multilauncher (Foto: Madritsch)
Sturmgewehr 77 mit Anbaugerät. (Foto: Madritsch)


Herstellerinformation:
Der ML40mk (die zivile Bezeichnung des 40-mm-Granatgewehres; Anm.) kann sowohl als Stand-Alone Multilauncher als auch als Anbaugerät an einem Sturmgewehr verwendet werden. Der Multilauncher ist über eine Picatinny-Schiene mit der Trägerwaffe verbunden, die eine schnelle Montage und Demontage bzw. den Wechsel vom einen zum anderen Szenario innerhalb von Sekunden ermöglicht. 

Munitionsarten

Das 40-mm-Granatgewehr verfügt über verschiedene Munitionsarten für unterschiedliche Einsatzszenarien:

  • Die Sprenggranate dient zum Bekämpfen ungepanzerter Ziele im freien Gelände und wird drallstabilisiert verschossen.
  • Die Impulsgranatpatrone ist ein nicht letales Wirkmittel und wirkt durch ihre Auftreffwucht auf den Körper der getroffenen Person.
  • Die CS-Reizstoffpatrone wird beispielsweise bei CRC-Einsätzen (Crowd and Riot Control) eingesetzt. Sie verursacht starkes Brennen, Kratzen und Stechen im Hals, in der Nase und in den Augen. Typisch für den Reizstoff ist eine Brustbeklemmung und ein damit verbundenes Angstgefühl.
  • Die Leuchtpatrone gewährleistet die Gefechtsfeldbeleuchtung von Geländeteilen mit einem Durchmesser von 200 m für etwa 30 Sekunden.
  • Blitzknallgeschosse, die einerseits zur Ablenkung dienen und andererseits den möglichen Einsatz von Wirkmitteln, wie der Impulsgranatpatrone, ankündigen.
Schütze (li.) und Ausbilder am Stand (re.) beim Scharfschießen. (Foto: Jägerbataillon 12)

Das Granatgewehr im scharfen Schuss

Im Juni 2016 verlegte das Jägerbataillon 12 für die Schießausbildung mit dem Granatgewehr auf den Schießplatz Ramsau/Molln in Oberösterreich. Der erste Schritt der Ausbildung war eine theoretische und praktische Einweisung der Soldaten durch den Waffenmeister. Danach stand die Erprobung der Wirkung der unterschiedlichen Munitionsarten im Vordergrund des Scharfschießens. Dabei wurde deutlich, dass vor allem der Rückstoß des Gewehres von der verwendete Munition abhängig ist und deutlich variiert. Im scharfen Schuss wurden Spreng-, Impuls- und Reizstoffgranaten verschossen.

Die Soldaten übten darüber hinaus die richtige Handhabung der verschiedenen Zielvorrichtungen. Je nach Munitionsart ist die Visiereinrichtung des Granatgewehres unterschiedlich einzustellen. Beim Scharfschießen musste diese von Schießübung zu Schießübung an die jeweilige Munition angepasst und verändert werden. Um einen Praxisbezug herzustellen wurde der "scharfe Einsatz" des Granatgewehres bei einem CRC-Szenario geübt. Dabei stellte sich heraus, dass die Waffe relativ einfach zu bedienen ist.

Fazit

Das 40-mm-Granatgewehr steigert die Feuerkraft der Jägertruppe und erhöht ihre Effizienz in den unterschiedlichen Aktions- und Einsatzarten. Vor allem im Schutz wird durch dieses System eine Lücke, hinsichtlich der Ausrüstung mit adäquaten Wirkmitteln, geschlossen. Das Granatgewehr ist eine sinnvolle Ergänzung, die das Waffenarsenal des Österreichischen Bundesheeres wesentlich bereichert.

Um einen Praxisbezug herzustellen wurde der scharfe Einsatz des Granatgewehres bei einem CRC-Szenario geübt. (Foto: Jägerbataillon 12)
Ein Schütze auf der Schießbahn mit dem Stand-Alone Multilauncher. (Foto: Jägerbataillon 12)
Ein Schütze im Anschlag mit Sturmgewehr und montierten Multilauncher. (Foto: Jägerbataillon 12)

Hersteller

Die Granatgewehre des Österreichischen Bundesheeres werden von der Kärntner Firma Madritsch Weapon Technology, die ihren Firmensitz in Villach hat, erzeugt. Im Jahr 1955 begann das Unternehmen damit, Motoren die nicht mehr einwandfrei funktionierten oder beschädigt waren, zu reparieren. Seit 1999 stellt Madritsch komplexe Einzelteile, Baugruppen und Prototypen in Klein- und Mittelserien her, die mit CNC-Maschinen gefertigt werden.

Die Entwicklung des 40-mm-Granatwerfersystems inklusive dem Zubehör begann 2006. Die Firma verfügt über lokale Vertretungen in Slowenien, Ungarn, den USA sowie Australien und verkauft ihre Produkte unter anderem an die britische Polizei. Neben dem Granatgewehr produziert Madritsch Weapon Technology Sturm- und Präzisionsgewehre sowie Waffenzubehör. Das Österreichische Bundesheer wird seit 2013 mit dem Granatgewehr aus Kärnten beliefert.

Oberleutnant Wolfgang Weiß, BA ist Kompaniekommandant beim Jägerbataillon 12.

Der Schießplatz Ramsau/Molln während dem Scharfschießen. (Foto: Jägerbataillon 12)
 

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