• Veröffentlichungsdatum: 03.12.2020
  • – Letztes Update: 21.12.2020

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Corona-Test für Soldaten

Robert Zanko

(Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
(Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)

Bei grippeähnlichen Symptomen wie Schnupfen, Fieber, Husten oder Halsschmerzen können sich Angehörige des Österreichischen Bundesheeres unbürokratisch testen lassen. Das Amt für Rüstung und Wehrtechnik betreibt dazu einen COVID-19-Testcontainer und bietet dort den genauen PCR-Test sowie den raschen Antigen-Test an. Das Ergebnis kommt zumeist noch am selben Tag. Die mobilen Testteams fahren auf Anforderung in die Garnisonen im gesamten Bundesgebiet sowie zu den Auslandseinsätzen, um die Soldaten in den Kompanien auf den Coronavirus zu screenen.

Das Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) betreibt einen COVID-19-Testcontainer und ein biomedizinisches und bioforensisches Labor in Wien. Das bundesheereigene Biologisch-Technische Zentrum (BTZ). Es hat die Möglichkeit biologische Materialien bzw. Kampfstoffe zu analysieren. In den Sanitätszentren des ÖBH können einzelne Tests ebenfalls durchgeführt werden werden, jedoch ist eine Probenbearbeitung in größerer Anzahl nur im Labor des ARWT möglich. Dort kann nicht nur eine Aussage getroffen werden, ob ein Patient den Coronavirus in sich trägt, sondern es kann auch eine weiterführende Analyse erfolgen. So kann ebenfalls die genaue Virenlast mittels absoluter Quantifizierungsverfahren bestimmt werden. Zusätzlich ist es im Heereslabor möglich, Mutationen und „Trace-back“ Analysen mittels Gesamtgenomsequenzierungen durch Sequenzanalysen zu bestimmen. Der Forensiker des Biologisch-Technischen Zentrums (BTZ), sagt dazu: „Diese Veränderungen sind auch bereits bei SARS-CoV-2 eingetreten.“

Testanmeldung

Termine für einen Corona-Test können für Bedienstete und Dienstellen des ÖBH beim Biologisch-Technischen Zentrum (BTZ) beim Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) unter btz.arwtsymbolbmlv.gvpunktat   vereinbart werden. Das ARWT hat ein Sammel-E-Mail-Postfach eingerichtet. Abteilungsleiter und Einheitskommandanten können dort ein Screening für ihre Mitarbeiter mit einem mobilen Testteam (das dann zu ihnen kommt) anmelden, genauso wie Einzelpersonen einen Termin vereinbaren können. So wurden beispielsweise die gesamte Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt oder die Soldaten im Auslandseinsatz KFOR und EUFOR getestet. Sensible Dienststellen wie das Cybersicherheitszentrum werden in regelmäßigen Abständen getestet. Bei diesen Tests oder Screenings werden sowohl genaue PCR-Tests (Polymerase-Ketten-Reaktions-Test), als auch schnelle Antigentests verwendet. Das Bundesheer kauft diese Tests von zivilen Firmen und stellt die Test-Kits selbst zusammen.

Der Abstreicher trägt die Schutzmaske M2000 mit einem biologischen Filter der einen geringeren Atemwiderstand als der ABC-Filter hat und dabei auch kostengünstiger ist. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der Abstreicher trägt die Schutzmaske M2000 mit einem biologischen Filter der einen geringeren Atemwiderstand als der ABC-Filter hat und dabei auch kostengünstiger ist. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)

Testteam

Das Testteam des ARWT, besteht es aus einem Abstreicher und einem Dokumentator. Durch die derzeitigen Sonderbestimmungen dürfen aktuell die Berufsgruppe der Rettungssanitäter und Biologen die Abstriche durchführen; Biologen dürfen die Abstriche befunden. Besonders die Befundungen im Labor wird dadurch erleichtert, da ansonsten ein Mediziner zur Befundung gebunden wäre. Das Testteam wird aus Sicherheitsgründen regelmäßig COVID-19 getestet. Ein Testteam schafft bei guter Organisation bis zu 70 Abstriche pro Stunde, wobei die Kapazität durch mehr parallel arbeitende Teams erhöht werden kann. Dieser Erfahrungswert kommt aus den Massentestungen von den Soldaten in den Einsätzen KFOR und EUFOR im April 2020. .

Der Abstreicher trägt eine ABC-Schutzmaske mit einem biologischen Filter. Dies ist eine Eigenart des ÖBH, da hier Schutzmasken für jeden Soldaten vorhanden sind. Sie schützen zuverlässiger als ein Selbstschutz aus einer FFP-3 (Filtering Face Piece)-Maske kombiniert mit einem Gesichtsvisier, da mit der Schutzmaske auch die Augen vor Aerosolen abgeschirmt werden. Der übliche ABC-Filter (Atomar-Biologisch-Chemischer Filter) wird durch einen kleinen B-Filter (Biologischer Filter) ersetzt. Der B-Filter hat einen deutlich geringeren Atemwiderstand als der ABC-Filter und ist dabei auch noch kostengünstiger. Der Dokumentator trägt eine FFP-3-Schutzmaske mit Ausatemventil. 

Abstrich

Ein Test-Kit besteht aus einem etwa 20 cm langen Wattestäbchen und einem Reagenzbehälter mit einer Pufferlösung. Das Wattestäbchen wird durch medizinisches Personal mit der Mindestqualifikation Rettungssanitäter etwa 7 cm in die Nase eingeführt und ein Abstrich genommen. Im COVID-Test-Container des Bundesheeres erfolgte das an diesem Tag durch einen erfahrenen Sanitätsunteroffizier, der gerade auch Schüler an der Gesundheits- und Krankenpflegschule des ÖBH ist. Der Abstrich ist zwar schmerzlos, fühlt sich aber ausgesprochen unangenehm an und treibt einem schon Mal die Tränen in die Augen. Das Wattestäbchen mitsamt dem Nasenschleim – in dieser Kombination Nasenabstrich genannt – wird in den Reagenzbehälter mit der Pufferlösung gegeben und der Stiel des Wattestäbchens abgebrochen. Der Reagenzbehälter beinhaltet jetzt eine Flüssigkeit mit allerhand Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen.

Die Dokumente mit den persönlichen Stammdaten sind ausgefüllt und der Abstreicher mit dem Wattestäbchen ist bereit. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Die Dokumente mit den persönlichen Stammdaten sind ausgefüllt und der Abstreicher mit dem Wattestäbchen ist bereit. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Die zu testende Person schnäuzt sich noch unmittelbar vor dem Test und nimmt Platz. Das Wattestäbchen wird etwa 7 cm in die Nase eingeführt. Der Abstrich ist zwar schmerzlos, fühlt sich aber ausgesprochen unangenehm an und treibt einem schon Mal die Tränen in die Augen. (Foto: RedTD/Zanko)
Die zu testende Person schnäuzt sich noch unmittelbar vor dem Test und nimmt Platz. Das Wattestäbchen wird etwa 7 cm in die Nase eingeführt. Der Abstrich ist zwar schmerzlos, fühlt sich aber ausgesprochen unangenehm an und treibt einem schon Mal die Tränen in die Augen. (Foto: RedTD/Zanko)
Das Wattestäbchen mitsamt dem Nasenschleim wird in den Reagenzbehälter mit der Pufferlösung gegeben. Der Stiel des Wattestäbchens wird abgebrochen, sodass der Reagenzbehälter oben verschraubt werden kann. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Das Wattestäbchen mitsamt dem Nasenschleim wird in den Reagenzbehälter mit der Pufferlösung gegeben. Der Stiel des Wattestäbchens wird abgebrochen, sodass der Reagenzbehälter oben verschraubt werden kann. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der Reagenzbehälter beinhaltet nach dem Abstrich die Pufferflüssigkeit mit allerhand Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen. Die untere Verschlusskappe des Reagenzbehälters wird nun geöffnet und etwas Flüssigkeit auf den Reagenzträgers des Antigentestes getropft. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der Reagenzbehälter beinhaltet nach dem Abstrich die Pufferflüssigkeit mit allerhand Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen. Die untere Verschlusskappe des Reagenzbehälters wird nun geöffnet und etwas Flüssigkeit auf den Reagenzträgers des Antigentestes getropft. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Nach 15 Minuten Wartezeit wird das Ergebnis – wie bei einem Schwangerschaftstest – angezeigt. Ein Streifen bedeutet „kein Corona“, zwei Streifen bedeuten „Corona positiv“. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Nach 15 Minuten Wartezeit wird das Ergebnis – wie bei einem Schwangerschaftstest – angezeigt. Ein Streifen bedeutet „kein Corona“, zwei Streifen bedeuten „Corona positiv“. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)

Antigentest

Für den Antigentest wird am unteren Ende des Reagenzbehälters die Verschlusskappe geöffnet und ein Tropfen auf dem Indikatorstreifen appliziert. Nach 15 Minuten Wartezeit wird das Ergebnis – wie bei einem Schwangerschaftstest – angezeigt. Ein Streifen bedeutet „kein Corona“, zwei Streifen bedeuten „Corona positiv“.

PCR-Test

Der Reagenzbehälter mit unterschiedlichen Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen kommt zur weiteren Analyse in das Labor. Die Pufferlösung wird zuerst manuell oder mit dem Roboter vorgereinigt (saubere RNA-Analyse zur weiteren PCR-Analyse). Hierzu benötigt der Roboter für 96 Proben zweieinhalb Stunden. Die vorgereinigten Proben kommen danach in den Cycler zur PCR-Analyse für weitere eineinviertel Stunden. Diese Zeiten umfassen nur die reinen Laufzeiten des Geräts. Weitere Manipulationszeiten wie Umschlichten, Einschlichten und Dokumentieren müssen noch hinzugerechnet werden. Die Testanzahl wird durch Zusammenführen von jeweils vier Proben in ein Reagenzbehältnis erhöht. Dadurch kann der Durchsatz je Maschine um das Vierfache – von 96 auf rund 384 Proben – erhöht werden. Sollte ein Reagenzbehälter mit vier Proben den COVID-19-Virus enthalten, werden diese vier Proben erneut und diesmal vereinzelt untersucht.

Im Cycler (PCR-Testgerät) wird nicht nur das Virusmaterial des SARS-COV-2-Virus (Corona) nachgewiesen, sondern es kann auch eine Aussage über die Viruslast getroffen werden.Wenn das Gerät beispielsweise bereits bei Zyklus 20 die spezfischen Genabschnitte feststellt, dann ist die Viruslast sehr hoch. Es handelt sich um eine starke Infektion. Benötigt der Cycler aber beispielsweise 35 Durchgänge, um die Virus-RNA nachzuweisen, ist die Viruslast niedrig. Abgekürzt wird das der „Ct-Wert“ genannt.

Diese Testvariante ist wesentlich genauer als der Antigen-Test, aber auch aufwändiger und vor allem zeitintensiver. Trotz dieses Aufwandes schaffte es das Labor des Bundesheeres in der Regel, die infizierten Testpersonen noch am selben Tag über das Testergebnis zu informieren.

Die Pufferlösung mit den Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen wird manuell … (Foto: RedTD/Zanko)
Die Pufferlösung mit den Viren, Bakterien und sonstigen Verunreinigungen wird manuell … (Foto: RedTD/Zanko)
... oder mit dem Roboter für eine saubere DNA-Analyse zur weiteren PCR-Extraktion vorgereinigt. (Foto: RedTD/Zanko)
... oder mit dem Roboter für eine saubere DNA-Analyse zur weiteren PCR-Extraktion vorgereinigt. (Foto: RedTD/Zanko)
Im Labor des Biologisch-Technischen Zentrums mit der Schutzstufe 3 können auch kombiniert schädliche Materialien analysiert werden. Das wären beispielweise radioaktiv verstrahlte Milzbranderreger. (Foto: RedTD/Zanko)
Im Labor des Biologisch-Technischen Zentrums mit der Schutzstufe 3 können auch kombiniert schädliche Materialien analysiert werden. Das wären beispielweise radioaktiv verstrahlte Milzbranderreger. (Foto: RedTD/Zanko)
Der PCR-Test wird mit dem Cycler gemacht und umfasst 96 Reaktionskammern. Hier sind zwei Cycler zu sehen. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der PCR-Test wird mit dem Cycler gemacht und umfasst 96 Reaktionskammern. Hier sind zwei Cycler zu sehen. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der DNA-Sequenzer kann eine Veränderung im Erreger-Genom erkennen. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)
Der DNA-Sequenzer kann eine Veränderung im Erreger-Genom erkennen. (Foto: RedTD/Zanko; Montage: Rizzardi)

Dokumentation

Bei groß angelegten Screenings wird bereits im Vorfeld die Dokumentation vorbereitet. Barcodes an den Dokumenten und an den Reagenzbehältern beschleunigen die Prozesse maßgeblich. Der Abstrich, die Auswertung, die Befundung, die Information der CORONA-Infizierten Personen und das Einmelden in das epidemiologische Meldesystem bleiben dabei in der Hand des ARWT. Dadurch sind die Zuständigkeiten und Prozesse klar geregelt und beschleunigen die Abläufe. Den abschließenden Bescheid stellt die zuständige Behörde und nicht das Bundesheer aus. Unabhängig von Bescheid oder Nicht-Bescheid muss sich eine Person, die mit Coronaviren infiziert ist und davon Kenntnis hat, von sich aus und sofort in Quarantäne begeben.

Einstufung von Kontaktpersonen

Die Einstufung von Kontaktpersonen wird durch die Dienststellenleiter auf Basis der aktuellen Bestimmungen des Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Link: https://www.sozialministerium.at/) festgelegt. Die Dienststellenleiter erhalten nach dem Screening eine Übersicht, wie viele Personen aus welchen Abteilungen sowohl positiv, als auch negativ getestet wurden. Diese Gesamtübersicht ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber den tröpfchenweisen eintreffenden Krankmeldungen bzw. Quarantänemeldungen im zivilen Bereich.

Biologisch-Technisches Zentrum des ARWT

Unter btz.arwtsymbolbmlv.gvpunktat bietet das ÖBH seinen Bediensteten unbürokratisch individuelle Tests und Screenings im In- und Ausland an. Das Biologisch-Technische Zentrum mit seinem Labor kann atomare, biologische und chemische Kampfstoffe untersuchen und hat das bereits bei den Vorfällen mit Anthrax (Milzbrandsporen) im Jahr 2001 unter Beweis gestellt. Nun nutzen sie ihr Fachwissen während der COVID-19-Pandemie. Das Erforschen der Viruslast im Krankheitsverlauf, das Erkennen von Virus-Mutationen, das Anbieten von Testmöglichkeiten sowie die Beratung aller Dienststellen und Ebenen ist der aus Wissenschaftlern bestehenden Abteilung mehr als nur ein daily business..

Oberstleutnant Mag.(FH) Robert Zanko ist Leitender Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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