• Veröffentlichungsdatum: 14.03.2018

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"Call the Austrians" - 25 Jahre AFDRU

Markus Bock

(Foto: HBF/Roland Kaimbacher, Montage: Rizzardi)

Die Austrian Forces Disaster Relief Unit (AFDRU) wurde 1990 gegründet und hat sich in zahlreichen unterschiedlichen Einsätzen bewährt. Auslöser zur Schaffung dieser Truppe war 1988 das Erdbeben in Armenien, wo internationale österreichische militärische Katastrophenhilfe angefordert wurde. Der Weg von AFDRU und seine Vorgeschichte soll in diesem Beitrag skizziert werden.

Schon vor der eigentlichen Schaffung der „Austrian Forces Disaster Relief Unit“ beteiligten sich österreichische Soldaten aktiv an der Hilfe nach Naturkatastrophen im Ausland. Diese Einsätze mussten aufgrund fehlender Gesetze in Kooperation mit Partnern durchgeführt werden. Einsätze dieser Art wurden bereits 1963 in Skopje (Makedonien) und 1980 in Calabritto (Italien) durchgeführt, wo österreichische Soldaten u. a. als Rot-Kreuz-Helfer im Einsatz waren.

Einsatz in Leninakan

Am 7. Dezember 1988 ereignete sich das für die Gründung der AFDRU maßgebliche Erdbeben im Kaukasus, das die Gegend um die nordarmenische Stadt Spitak (Provinz Lori) in der damaligen Sowjetunion erschütterte.­ Mit einer geschätzten Anzahl von mindestens 25 000 Toten und einer Million Obdachlosen zählt es zu den schwersten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte. Es hatte eine Stärke von 6,9 auf der Momenten-Magnituden-Skala (nach Richter).

In der Folge kam es zum ersten Mal während des Kalten Krieges zu humanitären Hilfsmaßnahmen westlicher Organisationen in der Sowjetunion. Verglichen mit anderen Erdbeben ähnlicher Magnitude richtete es verheerende Schäden an, einerseits weil das Epizentrum nur etwa fünf Kilometer unter der Erdoberfläche lag, andererseits weil die Bausubstanz der Gebäude in Spitak und den umliegenden Ortschaften äußerst schlecht war.


1988 arbeiten die österreichischen Soldaten zur
Rettung von Personen auch mit Baumaschinen
aus der Sowjetunion. (Foto:HBF/Robert Hotovy)

Der damalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow besuchte sofort das Erdbebengebiet und entschloss sich, angesichts des Ausmaßes der Verwüstung die internationale Staatengemeinschaft um Katastrophenhilfe zu ersuchen. Diesem Hilfeleistungsansuchen kam neben vielen anderen westlichen Staaten auch die Republik Österreich mit der Entsendung von Such- und Rettungsteams der ABC-Abwehrtruppe nach.

Am 10. Dezember 1988, drei Tage nach dem verheerenden Beben gab es grünes Licht für einen Einsatz regulärer Kräfte des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) in Armenien. Noch am selben Tag konnten die ersten Mannschaften per zivilem Lufttransport in das Katastrophengebiet fliegen. In den folgenden Stunden verlegten insgesamt 119 Soldaten mit ihrer Ausrüstung und zivilen Hundeführern des Österreichischen Bergrettungsdienstes in das Katastrophengebiet und führten Rettungsmaßnahmen durch, wo sie bis 19. Dezember verblieben. In diesem Zeitraum gelang es den österreichischen Helfern, insgesamt 14 Personen lebend aus den Trümmern zu befreien.

In Leninakan hatte sich die Qualität der österreichischen Hilfe rasch herumgesprochen und immer, wenn es eine schwierige Situation zu lösen galt, konnte man den Ruf „Call the Austrians!“ hören. Ein Zeichen für das Vertrauen, das sich die österreichischen Soldaten innerhalb kürzester Zeit erwerben konnten.

Der Einsatz internationaler Kräfte in Leninakan zeigte aber auch unerbittlich, trotz des Erfolges, alle Schwächen der internationalen Erdbebenhilfe sowie die Mängel (siehe nächstes Kapitel) der Vorbereitung beim ÖBH auf.

Aufstellung von AFDRU

Die Rette- und Bergekräfte des ÖBH waren auf einen Einsatz dieser Art wie in Armenien 1988 weder personell noch materiell vorbereitet. Man verfügte damals noch über keinerlei Erfahrungen im Lufttransport, und es ist nur dem Engagement aller an dem Einsatz beteiligten Dienststellen zu verdanken, dass der Einsatz derartig positiv abgewickelt werden konnte.

Es galt also, die Formierungs- und Entsendeverfahren zu verbessern, um rasch und effizient einen Einsatzraum zu erreichen. Die ABC-Abwehrschule wurde beauftragt gemeinsam mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) ein Konzept zu entwickeln Katastrophenhilfekräfte bereitzuhalten, um sie im Anlassfall rasch formieren und entsenden zu können - AFDRU war geboren.

Mit dem Aufstellungserlass AFDRU wurde eine Katastrophenhilfeeinheit gegründet, die in der Lage ist, nach einem Elementarereignis oder einem großen technischen Störfall mit Personal aus dem Präsenzstand des BMLV, ergänzt durch Spezialisten aus der Miliz innerhalb kürzester Aktivierungszeit im Ausland tätig zu werden. Daneben wurde in zusätzliche Ausrüstung für diese Einheit investiert und das bestehende Gerät der ABC-Abwehrtruppe ergänzt. Am 11. Mai 1990 bekam die ABC-Abwehrschule die Aufstellungs- und Formierungsverantwortung für AFDRU.

INSARAG

Auch international reagierte man auf Erfahrungen aus dem Einsatz in Armenien. Es wurde erkannt, dass zwar viele Länder hochqualifizierte Hilfe zur Verfügung stellten, diese Teams jedoch voneinander weder Fähigkeiten noch Verfahren kannten und so teilweise unkoordiniert eingesetzt wurden. Des Weiteren zeigte sich, dass die Behörden eines betroffenen Landes selbst von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen sind und nicht über ausreichende Kapazitäten verfügen, neben regionaler und nationaler Hilfe, auch noch internationale Hilfe zu koordinieren.

Deshalb schlossen sich einige europäische Länder unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zusammen und entwickelten Koordinations- und Einsatzrichtlinien für den internationalen Erdbebeneinsatz. In einem Workshop auf dem Truppenübungsplatz Wattener Lizum wurde der Grundstein für die Schaffung der International Search and Rescue Advisory Group (INSARAG) gelegt.

Heute ist die INSARAG ein weltweites Netzwerk von Spezialisten in der Erdbebenhilfe, die unter der Leitung des Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (UN-OCHA) der Vereinten Nationen Standards für die Internationale Erdbebenhilfe erarbeitet und die internationale Katastrophenantwort ständig evaluiert und verbessert.

D-A-CH (Deutschland- Österreich-Schweiz)

Parallel zu der Entwicklung von INSARAG lernten sich Erdbebenhelfer der deutschen Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) sowie des Österreichischen Bundesheeres (AFDRU) kennen. Diese beschlossen, eine Kooperation zwischen ihren Ländern einzugehen. In Beuggen (Schweiz) wurde ein Memorandum of Understanding - die „Beuggener Deklaration“ -­ unterzeichnet, worin sich die drei Länder darüber verständigen, im Bereich der internationalen Katastrophenhilfe zusammenzuarbeiten.

Heute gehören dieser Kooperation neben den drei Gründungsmitgliedern THW, AFDRU und SKH auch die Search and Rescue Unit Vorarlberg (SARUV), das Rapid Response Team (RRT) des Arbeiter Samariterbundes Österreich, International Search and Rescue (ISAR)-Germany und die Katastrophenhilfe des Großfürstentums Luxemburg (ASS) an.

Von Polen bis Taiwan, von Mosambik bis Bosnien

Der Formierungserlass AFDRU ordnete an, dass die militärische Katastrophenhilfe sich nicht nur auf Erdbebenkatastrophen beschränkt, sondern alle Eventualitäten, die einen Einsatz von militärischen Kräften zur Katastrophenbewältigung erfordern, in Betracht zu ziehen sind. Daher wurden folgende Fähigkeiten im Organisationsplan von AFDRU abgebildet:

  • Detektion von ABC-Kampfstoffen und Gefahrstoffen zivilen Ursprunges;
  • Dekontamination nach großräumiger Verstrahlung, Verseuchung oder Vergiftung von Menschen, Gerät, Gebäuden und Infrastruktur;
  • Retten und Bergen nach dem Einsturz von Objekten;
  • Wasseraufbereitung, um einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können, inklusive der nötigen biologischen und chemischen Untersuchung des Wassers (seit 1996);
  • Medizinische Versorgung, einerseits des eingesetzten Personals, andererseits der Opfer von Natur- und technischen Katastrophen;
  • Fähigkeit zur Kampfmittelabwehr und Kampfmittelbeseitigung (EOD).

Austrian Humanitarian Contigent/Poland (ATHUM/PL)

Nach schweren Regenfällen in Deutschland und Polen trat im Raum Oderbruch die Oder über die Ufer und überflutete weite Teile Westpolens. Nach einer Anforderung durch das „Department for Humanitarian Affairs“ der Vereinten Nationen (Vorgängerorganisation von UN-OCHA) am 16. Juli­ 1997 setzte das BMLV militärische Katastrophenhilfekräfte zur Wasseraufbereitung in Marsch. AFDRU erlebte in einem neuen Fachgebiet seine Feuer- (oder besser Wasser-)Taufe.

Der damalige Auftrag an das Kontingent lautete, die ansässige Bevölkerung bis zur Instandsetzung der zivilen Infrastruktur mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Dies erfüllten die 44 Soldaten bis zum Ende ihres Einsatzes am 29. August 1997. Dabei wurden rund 850 000 Liter Trinkwasser produziert und damit 21 Ortschaften mit insgesamt etwa 6 000 Personen mit Wasser versorgt.

AFDRU/Turkey (AFDRU/TU)

Die Strapazen bei AFDRU in der Türkei bei Temperaturen
von über 30°C stehen den Einsatzkräften ins Gesicht
geschrieben. (Foto: HBF/Roland Kaimbacher)

Am 17. August 1999 um 0302 Uhr Ortszeit erschütterte ein Erdbeben der Magnitude 7,6 nach Richter den Bereich der nordwestlichen Türkei im Raum ?zmit-Gölcük. Die am schlimmsten vom Beben betroffenen Städte waren Kocaeli, Yalova, Gölcük und Adapazar?. Insgesamt starben bei diesem verheerenden Beben 14 559 Menschen, 24 093 Personen wurden verletzt und 94 466 Gebäude zerstört.

Bereits in den Morgenstunden des 17. August lief die internationale Hilfe, gesteuert durch UN-OCHA an. In den Nachmittagsstunden des 18. August befanden sich bereits rund 1 000 Helfer aus 19 Nationen im Bebengebiet, darunter seit etwa 1500 Uhr das AFDRU-Kontingent. Dieses war in den Nachtstunden des 17. August im Lufttransport nach Istanbul verlegt worden mit dem Einsatzraum Yalova an der Küste des Marmarameeres. Bereits um 1700 Uhr des 18. August begann man mit den Rette- und Bergemaßnahmen, die bis zum 24. August andauerten.

Eingesetzt wurden zwei Rette- und Bergegruppen, eine ABC-Abwehrgruppe sowie ein Kommando und ein Versorgungselement in der Stärke von 67 Soldaten sowie zwölf zivile Hundeführer der AFDRU Rescue Dogs. Ihnen gelang, neben der Bergung von unzähligen Leichen, die Rettung von zwölf Personen aus den Trümmern, darunter zwei Kinder. AFDRU/TU verließ bis auf einen Rücklass am 25. August den Einsatzraum.

Noch während des Einsatzes zeichnete sich ein Folgeauftrag für die österreichischen Soldaten ab, der die Trinkwasserversorgung von Teilen der Bevölkerung beinhaltete. So traf am 28. August das Kontingent ATHUM/TU (Austrian Humanitarian Contingent Turkey) im Einsatzraum Yalova ein.

ATHUM/Turkey (ATHUM/TU)

Am 25. August 1999 stellte die Regierung der Türkei nach dem verheerenden Erdbeben vom 17. August ein weiteres Hilfeersuchen an die internationale Staatengemeinschaft mit dem Ersuchen um Zurverfügungstellung von Sanitäranlagen, Hygiene-, Sanitäts-, und Dekontaminationsmaterial sowie von Wasseraufbereitungsanlagen.

Die österreichische Bundesregierung beschloss die Entsendung von 60 Soldaten mit vier Wasseraufbereitungsanlagen und einem Tanklöschfahrzeug für die Dauer von einem Monat in das Bebengebiet. Am 28. und 29. August wurde das Kontingent im Lufttransport in den Einsatzraum verlegt, wo es durch den Rücklass des Kontingentes AFDRU/TU in Empfang genommen wurde.

Ab 30. August konnte die Bevölkerung Yalovas durch die Österreicher mit Trinkwasser versorgt werden. Die Kapazität der Wasseraufbereitung erreichte etwa 120 000 Liter Trinkwasser pro Tag von denen 90 000 Liter der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden konnten.

Am 25. September wurde der Einsatz erfolgreich beendet und das Kontingent nach Österreich zurückverlegt. Noch während des Einsatzes bebte die Erde an einer anderen Stelle der Welt erneut - dieses Mal in Taiwan.

Der Wasseraufbereitungsplatz in Yalova. Durch die zentrale Lage des Platzes konnte die Bevölkerung sich selbst Wasser abholen - zum Teil wurde das lebenswichtige Nass auch mit Tanklöschfahrzeugen verteilt. (Foto: ABCAbwS)

Multinational Search and Rescue Unit/Taiwan (S&R/TW)

Am 21. September 1999 um 0147 Ortszeit ereignet sich in Zentraltaiwan im Landkreis Nantou ein schweres Erdbeben der Stärke 7,6 bis 7,7 nach Richter. 51 711 Gebäude werden bei diesem Beben vollständig, 53 769 teilweise zerstört. Die taiwanesische Regierung beschloss in einer Notsitzung neben eigenen Kräften zur Katastrophenbewältigung auch internationale Hilfe anzufordern.

Trotz des noch laufenden Einsatzes von AFDRU in der Türkei zur Wasseraufbereitung wurde beim ÖBH ein Probealarm für AFDRU ausgelöst, um Zeit zu gewinnen und die Verfügbarkeit von Einsatzkräften sicherzustellen. Darüber hinaus wurden die verantwortlichen Stellen der D-A-CH wie bei jeder Situation dieser Art kontaktiert, um gegenseitig Informationen auszutauschen.

Ein gemeinsamer Einsatz von AFDRU, THW und SKH wurde als die beste Lösung beurteilt, um der taiwanesischen Bevölkerung Hilfe zu leisten. Innerhalb des gemischten Kontingentes sollten der schweizerische Anteil für die biologische Ortung, der deutsche für die Rettung und der österreichische für die technische Ortung, statische Beurteilung und notfallmedizinische Versorgung verantwortlich sein.

Am Abend des 22. September verlegten daher zehn österreichische Soldaten mit einem Linienflug nach Zürich, um von dort gemeinsam mit den Schweizern und Deutschen in den Einsatzraum zu fliegen. Im Einsatzraum wurde das D-A-CH-Kontingent im Raum Taichung eingesetzt, wo es insgesamt 18 Personen ortete, von denen 13 jedoch nur mehr tot geborgen werden konnten. Dennoch gelang es den Kräften zusammen mit einem koreanischen Hilfeteam, ein sechsjähriges Kind lebend zu retten, das ca. 90 Stunden in den Trümmern verschüttet war.

AFDRU/TU2

Bei AFDRU/TU2 1999 müssen vor der Rettung
verschüttete Personen erst geortet werden.
(Foto: ABCAbwS)

Am 12. November 1999 in den späten Nachmittagsstunden ereignete sich ein schweres Erdbeben mit der Magnitude 7,1 im Bereich der Stadt Düzce in der Türkei. Unmittelbar nach dem Beben erreicht ein Hilfeersuchen die internationale Staatengemeinschaft. Auch Österreich beteiligte sich an der Erdbebenhilfe, und die Einsatzverantwortlichen alarmierten AFDRU.

Das Kontingent verfügte über vier Rette- und Bergegruppen, einen Kommando- und Versorgungsanteil sowie eine ABC-Abwehr- und eine Wasseraufbereitungsgruppe. Mit an Bord waren auch wieder Rettungshunde der Plattform AFDRU Rescue Dogs.

Bei diesem Einsatz konnten durch die Österreicher leider nur Tote geborgen werden, einzig die Mithilfe bei den Arbeiten anderer Teams führte zu einer Lebendrettung. Die Sanitätskräfte des AFDRU-Teams führten in dieser Phase rund 150 ambulante Behandlungen an Erdbebenopfern sowie eine Entbindung durch. Am 21. November kehrte AFDRU/TU2 wieder nach Österreich zurück.

INSARAG External Classification

Ähnlich dem OCC-Evaluierungsprozess der NATO wurde ein Klassifizierungsprozess von Erdbebenkräften durch die International Search and Rescue Advisory Group im Jahr 2007 geschaffen. Ziel dieses Prozesses ist es, die Fähigkeiten von Teams zur Erdbebenhilfe anhand der INSARAG-Guidelines zu überprüfen, um von Erdbeben betroffenen Ländern die bestmögliche Hilfe angedeihen lassen zu können.

Der Klassifizierungsprozess selbst gliedert sich in drei Teile:

  • Vorlage eines Comprehensiv Portfolio of Evidence (die schriftlichen Dokumente der Einsatzstruktur);
  • In Barracks Inspection (eine Begutachtung der Vorbereitungsmaßnahmen);
  • Field Exercise (Volltruppenübung).

Im vorgelegten Portfolio of Evidence werden neben der Struktur des Teams auch alle formalen Punkte der internationalen Erdbebenhilfe, wie die innerstaatliche und internationale Vernetzung, dargestellt sowie die Fähigkeiten des zu entsendenden Teams beschrieben.

Bei der In Barracks Inspection werden die Formierungs- und Entsendeprozesse durch ein internationales Team überprüft, um sicherzustellen, dass das Erdbebenhilfeteam in der erforderlichen Zeit mit der geforderten logistischen Autarkie (ca. 14 Tage) im Erdbebengebiet wirksam werden kann.

In der anschließenden Field Exercise werden die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Teams an Schadenstellen, die Interoperabilität mit anderen Teams und mit nationalen sowie internationalen Behörden von einem Team erfahrener Erdbebenspezialisten (IEC-Classifiers) überprüft.

AFDRU unterzog sich im September 2012 dieser Klassifizierung und ist seit diesem Jahr als „INSARAG Classified Heavy Urban Search and Rescue Team“ neben 23 anderen Teams aus der ganzen Welt gelistet. Diese Überprüfung muss in einem Fünf-Jahresrhythmus wiederholt werden, die für AFDRU 2017 ansteht.

ATHUM/Mocambique (ATHUM/MOC)

Eine Flut und Wirbelsturmkatastrophe über Süd- und Südostafrika führte Anfang Februar 2000 in den Ländern Südafrika, Botswana und Mosambik zu schweren Überflutungen. Am schlimmsten war die Situation jedoch in Mosambik. Hier waren rund 1 000 Tote und hunderttausende Obdachlose die Folge der Naturkatastrophe.

Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan selbst rief die internationale Staatengemeinschaft zur Hilfe auf. Auch Österreich kam diesem Aufruf nach und entsendete ein Wasseraufbereitungskontingent ATHUM/MOC in das Katastrophengebiet. Aufgrund der großen Entfernung und der damit verbundenen Problematik der Anschlussversorgung des Kontingentes entschied man, das Kontingent mit einer versorgungsmäßigen Autarkie von mindestens einem Monat in den Einsatzraum zu verlegen.

Die österreichischen Soldaten versorgen die von
den Überflutungen betroffene Bevölkerung in
Mosambik mit Trinkwasser. (Foto: HBF/Günter Wilfinger)

Am 10. März 2000 verlegte ein Vorkommando mit vier Soldaten in den Einsatzraum nach Maputo, um dort mit den nationalen Behörden sowie mit Vertretern des Technischen Hilfswerkes (THW) und des Departements für Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweiz (DEZA) Kontakt aufzunehmen und ein gemeinsames Vorgehen abzusprechen. Inzwischen wurde in Österreich der Einsatz vorbereitet. Eine 60-köpfige Mannschaft sowie 90 Tonnen Material verlegten mit vier angemieteten Iljuschin 76 (Il-76) am 16. März 2000 nach Maputo.

Die Einsatzräume der Österreicher waren Samora Machel und Chibuto. Die Verlegung dorthin erfolgte mit Hubschraubern der U.S. Air Force. Dort angekommen begannen die Österreicher mit der Produktion und Ausgabe von Trinkwasser. Der Rest des Kontingentes verlegte zwischen 18. und 20. März mit Unterstützung der deutschen Luftwaffe und der U.S. Air Force in den Raum Chibuto, errichtete auf dem dortigen Flugfeld das Basislager und begann ebenfalls mit der Trinkwasserproduktion. Insgesamt wurden während eines Zeitraums von 16. März bis 9. April etwa 3,3 Millionen Liter Trinkwasser produziert.

Die Rückverlegung stellte das Kontingent vor große Herausforderungen, galt es doch, die gesamte Ausrüstung wieder über Maputo nach Österreich zu bringen. Da viele Teams zur Katastrophenhilfe das Land bereits verlassen hatten, standen Lufttransportmittel nur mehr eingeschränkt zur Verfügung, um Maputo zu erreichen. So musste ein Teil des Anmarsches zum Flughafen Maputo im Landmarsch bewältigt werden. Dennoch konnten alle Teile des Kontingentes am 19. April 2000 die Rückverlegung nach Österreich antreten.

AFDRU/Algeria (AFDRU/AG)

Am 21. Mai 2003 kam es im Mittelmeer ca. 20 km vor Boumerdès zu einem Erdbeben der Stärke 6,8. Dabei wurden rund 40 000 Gebäude zum Teil zerstört oder beschädigt. Bei dem Beben verloren ca. 2 200 Menschen ihr Leben, mehr als 10 000 wurden verletzt und etwa 150 000 obdachlos.

Nach einem Hilfeersuchen der algerischen Regierung wurden internationale Teams in das Bebengebiet entsandt. Das ÖBH beschloss, eine AFDRU Rette- und Bergeeinheit in der Stärke von 39 Mann zur Rettung von Personen aus Vertrümmerungen in das Katastrophengebiet zu schicken. Am 23. Mai konnte die Einheit im Raum Boumerdès die Rettungsarbeiten aufnehmen.

Durch die angespannte Sicherheitslage (Entführungen von Ausländern durch Terrormilizen; Anm.) war es dem Team ausschließlich am Tag möglich, an den Schadenstellen zu arbeiten. Leider gelang es den Soldaten nicht, lebende Personen zu retten. Die Ärzte des Kontingentes nahmen sich jedoch eines kleinen Mädchens an, das bei dem Beben beide Arme verlor. Aufgrund der Situation in Algerien hätte das Mädchen in seinem Heimatland vermutlich keine Überlebenschance­ gehabt. Es wurde nach Österreich gebracht, wo es im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg versorgt wurde. Die Kosten dafür trug das Land Salzburg.

AFDRU/Iran (AFDRU/IR)

In Österreich war gerade das Weihnachtsfest vorüber, als am 26. Dezember 2003 um 0526 Uhr Lokalzeit die Erde in Bam in der Provinz Kerman in der Islamischen Republik Iran bebte. Das Beben erreichte eine Stärke von 6,6, die Schäden waren jedoch aufgrund der Bauweise der Gebäude in Bam enorm. Beinahe 100 Prozent der historischen Stadt an der Seidenstraße wurden zerstört.

Im Iran werden mit einer Kamera, der „Searchcam“,
Hohlräume nach Verschütteten untersucht.
(Foto: HBF/Harald Minich)

Noch am selben Tag löste man einen AFDRU-Probealarm aus, und am 27. Dezember kam die Weisung für die Entsendung der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU. Noch am selben Tag traten 120 Männer und Frauen der ABC-Abwehrtruppe sowie zivile Hundeführer den Lufttransport in Richtung Bam an. Aufgrund der Zerstörung des Flughafens in Bam musste das österreichische Kontingent in Kerman landen und wurde von dort mit Luftfahrzeugen der iranischen Luftwaffe weiter in den Raum Bam geflogen.

Zusammen mit anderen Hilfseinheiten wurden das Basislager (Base of Operations - BoO) in einer Kaserne am Stadtrand von Bam errichtet und sofort mit den Rettungsmaßnahmen begonnen. Wieder konnten nur mehr Tote geborgen werden.

Die Zusammenarbeit mit den D-A-CH-Partnern funktionierte reibungslos, und Informationen wurden ständig ausgetauscht. So konnte z. B. in einer gemeinsamen Notoperation das Leben eines Rettungshundes des AFDRU-Teams nach einer Magendrehung gerettet werden.

Am 31. Dezember 2003 bedankte sich die iranische Regierung bei den Helfern. Staatspräsident Mohammad Ch?tami besuchte persönlich die einzelnen Erdbebenteams und wünschte den Einsatzkräften ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr. Sogar ein kleiner Weihnachtsbaum wurde überreicht. Am 2. Jänner 2004 verlegte AFDRU zurück in die Heimat, wo die Rückorganisation begann. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass exakt ein Jahr später eine ungleich größere Katastrophe AFDRU wieder in ferne Länder verschlägt.

Zusammen mit einem schweizerischen Veterinär wurde u. a. auch ein Rettungshund im Sanitätszelt notoperiert. Der Kontingentsarzt und seine Mannschaft assistieren. (Foto: HBF/Peter Lechner)

Austrian Rescue Team/Thailand (ART/Thailand) und Sri Lanka (ART/Sri Lanka)

Am 26. Dezember 2004 ereignete sich um 0758 Uhr Ortszeit in Westindonesien und Thailand ein unterseeisches Megathrust-Erdbeben (großes Beben im Überschiebungsbereich von Platten; Anm.). Das Epizentrum lag im Indischen Ozean, 85 Kilometer vor der Nordwestküste der Insel Sumatra. Es war zu diesem Zeitpunkt das drittstärkste jemals aufgezeichnete Beben und löste eine Reihe verheerender Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans aus. Insgesamt kamen durch die Auswirkungen des Bebens rund eine Viertel Million Menschen ums Leben.

Aufgrund der Tatsache, dass sowohl Thailand als auch Sri Lanka beliebte Urlaubsdestinationen für Österreicher während der kalten Jahreszeit darstellen, ging das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten (BMaA) davon aus, dass auch viele österreichische Staatsbürger von der Katas­trophe betroffen sein würden und Hilfe benötigten. Deshalb forderte man Assistenzleistungen durch das BMLV, das BM.I und Katastrophenhilfeorganisationen zur Unterstützung der diplomatischen Vertretungen in den beiden Ländern an.

Da der Aufstellungserlass AFDRU neben der Entsendung eines Teams auch die Entsendung von Einzelpersonen vorsieht, wurden Katas­trophenhilfeexperten von AFDRU dem BMaA dienstzugeteilt und in die beiden am schwersten betroffenen Länder entsendet. Die Aufgabe dieser ressortübergreifenden Teams war es, österreichische Staatsbürger zu suchen, Opfer zu identifizieren, die IT-Infrastruktur aufzubauen, psychosoziale Betreuung für Betroffene zu bieten und bei der Heimreise zu unterstützen. Die ersten dieser Experten verlegten bereits am 28. Dezember nach Bangkok und Phuket, am 29. Dezember brach ein weiteres Team nach Sri Lanka auf.

Währenddessen lief im Rest der Welt die größte militärische humanitäre Hilfeoperation an. UN-OCHA entschloss sich, zusätzlich zu den schon getroffenen Maßnahmen, Military and Civil Defense Assets (MCDA; militärische und zivile Katastrophenhelfer) sowie UN-Civil Military Coordination Officers (CMC; Verbindungsoffiziere) einzusetzen. Die Staatengemeinschaft mobilisierte ihre militärischen und zivilen Katastrophenhelfer, und schlussendlich beteiligen sich 35 Staaten mit 30 000 Soldaten, 41 Schiffen, 43 Flugzeugen und 75 Hubschraubern an der humanitären Hilfe. Auch Österreich beteiligte sich neben den ART/Thailand und Sri Lanka an der humanitären Mission in Südostasien.

Die Pinzgauer der Österreicher leisten in Sri Lanka bei der Verteilung von Trinkwasser wertvolle Dienste, da mit ihnen jedes noch so entlegene Vertriebenen-Camp erreichbar ist. (Foto: HBF/Livio Srodic)

AFDRU/Sri Lanka

Am 4. Jänner 2005 verlegt ein Wasseraufbereitungskontingent mit 80 Soldaten und rund 80 Tonnen an Ausrüstung von Wien-Schwechat nach Colombo auf Sri Lanka. Ziel der Mission war, der nach der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 notleidenden Bevölkerung in der Provinz Galle im Süden der Insel dringend benötigtes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Durch das sich bereits vor Ort befindende ART/Sri Lanka waren Details über den weiteren Einsatz erkundet worden, und so konnte AFRDU/Sri Lanka ohne größere Verzögerungen den Einsatzraum erreichen. Schon während der Erkundung des Einsatzraumes war klar geworden, dass mit der Aufbereitung von Wasser alleine der Auftrag nicht vollständig erfüllt sei. Die Verteilung desselben stellte die wesentliche Anforderung an das Kontingent dar. So wurden zum Wassertransport auch Fahrzeuge des Typs „Pinzgauer“ in den Einsatzraum mitgenommen, um die Aufenthaltsorte der Internally Displaced Persons (IDP; Binnenvertriebene) zu erreichen.

Das Kontingent selbst errichtete sein Basislager im Naturpark von Hyare, etwa fünf Kilometer außerhalb der Provinzhauptstadt Galle, wo es einen dort vorhandenen Stausee zur Erzeugung von Trinkwasser nutzten konnte. Mit den „Pinzgauern“ wurde das Trinkwasser in Falttanks zu vorbereiteten Wasserverteilungsstellen gebracht, wo es von der Bevölkerung in Empfang genommen werden konnte. Auch lokale Tanklastwagen wurden zum Trinkwassertransport eingesetzt, jedoch erst nach einer gründlichen Desinfektion durch AFDRU.

Entsprechend den österreichischen Vorschriften wurde aus jeder Wassercharge eine Probe gezogen und durch den Wasseranalysetrupp untersucht. Damit konnte, wie auch in vergangenen Einsätzen, sichergestellt werden, dass nur einwandfreies Wasser verteilt wird. Nachdem sich die Behörde von Galle über die einwandfreie Analyse der Österreicher informiert hatte, mussten in Folge alle anderen Wasseraufbereitungsteams Proben ihres Wassers an die österreichische Analysestelle liefern, die die Qualität des Wassers überwachte.

Der zuerst bis 31. Jänner 2005 geplante Einsatz musste aufgrund der noch vorherrschenden Situation im Land verlängert und mit einer teilweisen Ablöse und Verstärkung bis 22. Fe­bruar 2005 weitergeführt werden. Während des Hilfseinsatzes wurden ca. zwei Millionen Liter Wasser zu einwandfreiem Trinkwasser aufbereitet und verteilt.

AFDRU +

25 Jahre AFDRU haben die hohe Kompetenz österreichischer Soldaten bei der internationalen humanitären und Katastrophenhilfe unter Beweis gestellt. Dennoch muss diese Kompetenz überprüft und weiterentwickelt werden. 2013 wurde der Entschluss gefasst, AFDRU zu erweitern.

Diese Erweiterung findet in drei Schritten statt:

  • Einbindung relevanter Waffen und Truppengattungen wie Pionier-, Sanitäts- und Fliegerkräfte in das Fähigkeitsspektrum von AFDRU,
  • Vermehrte Zusammenarbeit und Kooperation mit zivilen Partnern im Wege des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM),
  • Weiterentwicklung und Öffnung von AFDRU zu einer „Mutinational Disaster Response Unit“ (MNDRU) in einer regionalen Kooperation mit den Nachbarstaaten.

Unter dem Arbeitstitel AFDRU + wurde diese Entwicklung mit einem Zeitplan versehen und erste Kontakte hinsichtlich der Durchführbarkeit hergestellt. Die ABC-Abwehrschule begann im Dezember 2014, dieses Vorhaben zu konkretisieren und leitete die ersten Schritte zur Umsetzung ein. Es wurden zivile Partner aus Österreich eingeladen, Gemeinsamkeiten zu besprechen und ein Memorandum of Understanding (MoU) zu entwerfen, wie die ersten beiden Schritte zur Umsetzung gelangen können.

Diese „Absichtserklärung zu gemeinsamen Aktivitäten im Rahmen der internationalen humanitären und Katastrophenhilfe“ wurde mit Vertretern des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport, des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, des Arbeiter Samariterbundes Österreich, der Search and Rescue Unit Vorarlberg und der Support Unit Austria erarbeitet und befindet sich nun im Begutachtungsverfahren. Darin kommen die Organisationen überein, in Zukunft gemeinsame Aktivitäten in Ausbildung, bei Übungen und im Einsatz durchzuführen.

Bereits 2016 soll der erste Schritt in einer gemeinsamen Field Exercise umgesetzt werden und der gemeinsame, übergreifende Einsatz von zivilen und militärischen Kräften in der Praxis einer Überprüfung unterzogen werden.

Im Jänner 2015 begannen in der Arbeitsgruppensitzung D-A-CH-L-(Deutschland-Österreich-Schweiz-Luxemburg)Katastrophenhilfe ebenfalls grundsätzliche Überlegungen in diese Richtung. Ziel ist es, die „Gründungsurkunde“ von D-A-CH-Katastrophenhilfe - die Beuggener Deklaration - zu konkretisieren und Potenziale für gemeinsame Maßnahmen und Synergien in der Katastrophenhilfe zu erkennen sowie die legistischen Grundlagen für gemeinsame Einsätze bzw. Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen. 2019 soll während einer multinationalen Übung die Einsatzbereitschaft einer MNDRU überprüft werden.

AFDRU/Pakistan (AFDRU/PAK)

Die Untersuchung des produzierten Wassers ist
von enormer Wichtigkeit. Nur so kann die einwand-
freie Qualität garantiert werden. (Foto: ABCAbwS)

Am 8. Oktober 2005 um 0850 Uhr Ortszeit kam es in der pakistanischen Provinz Kaschmir zu einem Erdbeben der Stärke 7,6 nach Richter. Das Epizentrum lag in rund zehn Kilometer Tiefe in der Region Asad-Kashmir nahe der Regionalhauptstadt Muzaffarabad mit einer Bevölkerung von rund 750 000 Menschen.

Am 12. Oktober beschloss der Ministerrat auf Ersuchen Pakistans ein 65 Soldaten starkes Kontingent zur Wasseraufbereitung nach Pakistan zu entsenden. Nach Vorgesprächen mit der pakistanischen Vertretung in Österreich sollte der Einsatz direkt in Muzaffarabad stattfinden. Am 13. Oktober 2005 verlegte das Kontingent mit zwei Iljuschin 76 und einer Passagiermaschine nach Islamabad, und von dort ging es weiter nach Muzaffarabad. Nur kurze Zeit später konnten bereis 40 000 Menschen mit frischem Trinkwasser der Österreicher versorgt werden.

Insgesamt erzeugte AFDRU von 13. Oktober (Verlegung) bis 7. Dezember 2005 (Rückverlegung) rund fünf Millionen Liter Trinkwasser. Zum Wassertransport wurden die schon in Sri Lanka bewährten „Pinzgauer“ eingesetzt, die es ermöglichten, das Wasser direkt zu den Endverbrauchern zu liefern. Wiederum wurde das österreichische Labor zum Referenzlabor aller Wasseranalysen für alle Wasser produzierenden Hilfe­teams im Raum.

AFDRU/Bosnia and Hercegovina (AFDRU/BiH)

Am 22. Juli 2014 kehrte das 76 Sol­daten starke AFDRU-Kontingent nach einem zweimonatigen humanitären Katastrophenhilfeeinsatz aus dem Raum Orašje/Bosnien und Herzegowina (BiH) zurück. Vorangegangen war ein komplexer, vielschichtiger und intensiver Einsatz, der von den eingesetzten Soldaten alle soldatischen Tugenden abverlangte. Ein detaillierter Einsatzbericht des damaligen Kontingentskommandanten findet sich im TD-Heft 6/2014.

Strukturierte Milizeinheit AFDRU

Aufgrund der Tatsache, dass AFDRU nur im Anlassfall formiert wird, ist die Einheit milizartig strukturiert. Bei einem tatsächlichen Einsatz kommen sowohl Berufs- als auch Milizkader zum Einsatz, ergänzt durch zivile Spezialisten, die über einen Sondervertrag in den Dienststand des Bundesheeres aufgenommen werden. Derzeit verfügt AFDRU mit einigen Ausnahmen über eine Doppelbesetzung in jeder Funktion, was die Formierung erheblich erleichtert und beschleunigt. Das verfügbare Personal wird an der ABC-Abwehrschule evident gehalten und im Anlassfall verständigt.

Die Milizeinheit wird im Zwei-Jahresrhythmus zu Übungen einberufen, wo in deren Verlauf auch der Impfstatus jedes Einzelnen festgestellt und gegebenenfalls ergänzt wird. Schlüsselpersonal von AFDRU hat die Möglichkeit, sich an internationalen Übungen zu beteiligen, die v. a. als Stabsrahmenübungen durchgeführt werden.

Volltruppenübungen im In- und Ausland werden ebenfalls fallweise beschickt wie 1994 eine Übung in einem Industriegebiet in Astrachan (Stadt an der Wolga/Russland), wo Rette- und Bergemaßnahmen in einem kontaminierten Gebiet geübt wurden oder 1995 eine Übung auf der Halbinsel Kola, wo die Bewältigung der Auswirkungen eines Reaktorunfalles trainiert wurde. In den Jahren 2000 und 2002 fanden trilaterale Übungen der Arbeitsgruppe D-A-CH-Katastrophenhilfe in Österreich und der Schweiz statt.


Hauptmann Markus Bock ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe D-A-CH-L-Katastrophehilfe.


Mit Flugzeugen der iranischen Luftwaffe werden die AFDRU/IR-Hilfetruppen in das Erdbebengebiet verlegt, da der Flughafen von Bam ebenfalls teilweise zerstört ist. (Foto: ABCAbwS)
 

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