• Veröffentlichungsdatum: 23.09.2020
  • – Letztes Update: 29.09.2020

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Tick in the Box

Markus Reisner, Gerald Hoffmann, Robert Blochberger

(Foto: Referat CUA)
(Foto: Referat CUA)

Durch die COVID-19-Krise müssen in Lehre und Ausbildung innovative Wege beschritten werden, um Lernziele zu erreichen. Begriffe wie Distance Learning, Blended Learning, E-Learning, Self Study und unzählige mehr, die bis jetzt oft nur zaghaft umgesetzt wurden, werden nun mit Leben erfüllt. Der Druck der verordneten Isolation machte es möglich, Prozesse in Gang zu setzen, die sich davor nur langsam entwickelt hatten. Der Theresianischen Militärakademie gelang es durch das Referat Computerunterstütze Ausbildung der Entwicklungsabteilung, die Ausbildung als Fernlehre weiterzuführen. So konnten die notwendigen Ausbildungsziele auch in dieser herausfordernden Zeit erreicht werden.

Mitte März 2020 befand sich nahezu das gesamte Personal und die Auszubildenden der Theresianischen Militärakademie im Homeoffice. Während große Teile des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) dazu übergingen, COVID-19-spezifische Einsatzaufgaben zu übernehmen, waren die militärischen Bildungseinrichtungen gefordert, um weiterhin eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu gewährleisten. Für die Theresianische Militärakademie bedeutete dies, dass die lehrenden Institute gemeinsam mit der für die computerunterstützte Ausbildung verantwortlichen Entwicklungsabteilung rasch ein Konzept für das weitere Vorgehen definierten. Dabei wurde nicht gezögert, wo es notwendig war, „alte Zöpfe abzuschneiden“ und erfolgsorientiert an die Aufgabe heranzugehen. So konnten Lehrende und Entwickler, trotz der räumlichen Distanz, Lösungen erarbeiten und die Fernlehre-Tools weiterentwickeln.

Logo des Referates Computerunterstützte Ausbildung der Entwicklungsabteilung an der Theresianischen Militärakademie. (Grafik: Referat CUA)
Logo des Referates Computerunterstützte Ausbildung der Entwicklungsabteilung an der Theresianischen Militärakademie. (Grafik: Referat CUA)

Fernlehre im Einsatz

Durch die Nutzung der gemeinsamen Lernplattform SITOS Six des ÖBH und unter Einbeziehung ausgewählter Messenger Apps war von Beginn an die Möglichkeit einer leistungsfähigen und belastbaren digitalen Kommunikation gegeben. Basierend auf dieser notwendigen Voraussetzung, konnte auf die einzelnen Bedürfnisse maßgeschneidert eingegangen werden. Somit konnten von Beginn an für die auszubildenden Jahrgänge der Theresianischen Militärakademie individuelle Lösungen erarbeitet werden.

Im Erstansatz wurde das Institut für Offiziersausbildung beim Führungstraining Verteidigung/Angriff unterstützt. Dabei wurden nicht nur gezielte digitale Lernunterlagen zur Verfügung gestellt, sondern es erfolgte auch eine Wissensabfrage. Als Nächstes wurde ein Lehrgang zur Sprachausbildung Englisch erstellt und online verfügbar gemacht. In der Taktik-ausbildung wurde die Vermittlung der Einsatzart Angriff durch das Erstellen von Unterrichtsvideos, einem Lernprogramm sowie Tests zur Selbstüberprüfung umgesetzt. Hierbei kam der Virtual Classroom zum Einsatz.

Der nächste Schwergewichtseinsatz erfolgte für die Miliz. Hier war es notwendig, in Zusammenarbeit mit der Heeresunteroffiziersakademie, das „Informationsmodul Miliz“ zu erstellen. Dieser „SITOS Six-Lehrgang“ diente zur konkreten Einsatzvorbereitung für die bevorstehende Einberufung ausgewählter Milizeinheiten. Dabei wurden die grundlegenden Rahmenbedingungen der bevorstehenden Mobilmachung vermittelt. Das nächste Projekt der Entwicklungsabteilung beschäftigte sich mit der Umsetzung des Brigademoduls für das Institut für Offiziersweiterbildung.

Während der COVID-19-Krise blieben die Lehrsäle an der Militärakademie leer. (Foto: Referat CUA)
Während der COVID-19-Krise blieben die Lehrsäle an der Militärakademie leer. (Foto: Referat CUA)

Kritische Bilanz

Als Ergebnis der praktischen Umsetzung der Fernlehre durch computerunterstützte Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie am bisherigen Höhepunkt der COVID-19-Krise im April und März 2020 lassen sich bereits wesentliche Ableitungen treffen. Tatsächlich kann festgestellt werden, dass durch eine konsequente Umsetzung die geforderten Ziele der computerunterstützten Fernausbildung erreicht werden konnten. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Fernlehre müssen geeignete und aufeinander abgestimmte Hardware- und Softwarelösungen verfügbar sein. Zusätzlich ist es erforderlich, über eine leistungsfähige Kommunikationsarchitektur zu verfügen.

Je synchronisierter Anbieter und Bedarfsträger den Fernlehrprozess betreiben, desto reibungsloser kann der geforderte Ablauf gewährleistet werden. Dabei müssen das Lehrpersonal, die Auszubildenden und die Entwickler bereit sein, individuelle Lösungen zu erarbeiten. Schließlich ist es erst während des Prozesses möglich, angewandte Methoden zu synchronisieren und zu vereinheitlichen. Vom Auszubildenden muss hingegen die Flexibilität mitgebracht werden, Neues und Unerprobtes zu testen und mitzuentwickeln, was bei jungen Benutzern jedoch kaum ein Problem darstellt. Laufende Rückmeldungen an die Entwickler und Lehrenden helfen dabei, das Produkt zu verbessern und zu verfeinern. Für eine zielorientierte Umsetzung des Selbststudiums ist aber auch die notwendige Selbstdisziplin aufzubringen.

Computerunterstützte Ausbildung – Erfahrungen

Um die Fernausbildung erfolgreich umzusetzen, sind folgende Voraussetzungen bezüglich Hardware, Software sowie Soft Skills notwendig:

  • Lerninhalte müssen vorbereitet sein;
  • Lehrgänge müssen im Vorfeld angelegt werden oder benötigen eine Vorbereitungszeit;
  • Stammportalkennungen der Studierenden müssen vorhanden sein;
  • Derzeit muss hauptsächlich privates Gerät verwendet werden (PC mit Lautsprecher und Mikrofon oder Headset und Webcam);
  • Internetzugang muss vorhanden sein;
  • Die Lehrenden müssen geschult und ausgebildet sein;
  • Technisches Verständnis und Computer-Grundkenntnisse sind eine Voraussetzung für alle Beteiligten;
  • Für den Virtual Classroom muss die Software „Adobe Connect“ auf dem Rechner installiert werden (kostenlos verfügbar).

Vorteile der Fernlehre

Der Beweis für den Erfolg der Fernlehre an der Theresianischen Militärakademie ist die Tatsache, dass sie es möglich machte, trotz Krise die notwendigen Ausbildungserfolge mit Online-Tools zu erreichen. Das Zur-Verfügung-Stellen von portionierten Lerneinheiten bzw. die aktive Teilnahme am Unterricht im Virtual Classroom hat mehrere Vorteile. So kann der Auszubildende sein Lerntempo selbst bestimmen, und das Wiederholen von aufgezeichneten Lerninhalten steigert deren nachhaltige Vertiefung und Festigung. Darüber hinaus kann sich der Lernende selbst eine optimale Umgebung nach seinen Bedürfnissen schaffen.

Der Virtual Classroom begrenzt die Teilnehmeranzahl nur durch die technische Leistungsfähigkeit der Kommunikationsleitung. Das Stellen von Fragen ist trotz räumlicher Distanz über unterschiedliche Wege (z. B. live gestellte Fragen oder Nutzung eines Chats) jederzeit möglich. Somit kann auch der Lehrende auf die Fragen der Hörer zeitgerecht eingehen. Bei der didaktischen Umsetzung sind dem Lehrenden kaum Grenzen gesetzt. Gepaart mit der Kreativität der Entwickler ist es möglich, animierte sowie anschauliche Inhalte darzustellen und diese jederzeit anzupassen.

Taktik im Wohnzimmer. Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit Karte, Oleate und wasserfesten Stiften. (Foto: Referat CUA)
Taktik im Wohnzimmer. Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit Karte, Oleate und wasserfesten Stiften. (Foto: Referat CUA)
Taktik im Wohnzimmer. Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit Karte, Oleate und wasserfesten Stiften. (Foto: Referat CUA)
Taktik im Wohnzimmer. Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit Karte, Oleate und wasserfesten Stiften. (Foto: Referat CUA)

Verbesserungsmöglichkeiten

Die angewandte Fernlehre macht es für die Lehrenden notwendig, sich im Vorfeld ein strukturiertes didaktisches Konzept zurechtzulegen. Inhalte müssen portioniert, aufbereitet und dargestellt werden, da eine unmittelbare Rückmeldung durch den Auszubildenden unter Umständen nicht sofort möglich ist. Die technischen Rahmenbedingungen müssen hergestellt und einem Belastungstest unterzogen werden. Dazu ist es notwendig, über die erforderliche Hard- und Software zu verfügen. Darüber hinaus erfordert das Verfügbarmachen von Unterrichtsmaterialien (z. B. ausgewählte Lehrbücher) deren Digitalisierung und Bereitstellung.

Der Auszubildende ist unter Umständen gefordert, selbst für seine Erreichbarkeit und die dazu notwendigen technischen Voraussetzungen zu sorgen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, jeden Auszubildenden mit dienstlicher Hardware auszustatten. Trotz aller Innovation und Flexibilität muss der sicheren Handhabung von Daten auch weiterhin die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ausschließlich offene Inhalte verfügbar gemacht werden dürfen. Bei allen Vorteilen der computerunterstützten Ausbildung darf jedoch nie vergessen werden, dass die Fernlehre den direkten Kontakt nur eingeschränkt ersetzen kann. Schließlich können Unklarheiten in der direkten Kommunikation oft schneller ausgeräumt werden als im Virtual Classroom.

Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit der Lernplattform SITOS Six. (Foto: Referat CUA)
Ein Fähnrich der Militärakademie beim Home Schooling mit der Lernplattform SITOS Six. (Foto: Referat CUA)

Fazit

Die COVID-19-Krise zeigt, dass mit den bisher entwickelten Konzepten und Lösungsansätzen bei der computerunterstützten Ausbildung ein Lernerfolg möglich ist. Die Situation birgt sogar die Chance, Prozesse in Bewegung zu setzen, deren Umsetzung davor viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Der Druck führte dazu, dass sich die Lehrenden den notwendigen neuen Herausforderungen rasch zu stellen hatten und gezwungen waren, aktiv an deren Lösung mitzuarbeiten.

Für einen Erfolg in der Umsetzung ist ein exaktes Wissen hinsichtlich der notwendigen technischen Rahmenbedingungen erforderlich. Eine gezielte und vorausschauende Planung sowie das Einbinden von allen Beteiligten von Beginn an erleichtern den Entwicklern das Umsetzen der geforderten Aufgaben wesentlich. In Anbetracht der bisher gemachten Erfahrungen ist davon auszugehen, dass die computerunterstützte Ausbildung in der Zukunft nicht nur während einer krisenbedingten Telekooperationsphase, sondern auch in der Präsenzlehre zu einer wesentlichen Säule der Ausbildungsvermittlung wird. Und das nicht nur an der Theresianischen Militärakademie, sondern im gesamten ÖBH.

Oberst dG Dr. Markus Reisner, PhD ist Leiter der Entwicklungsabteilung.

Oberst Gerald Hoffmann, MSD MBA ist Leiter des Referats Computerunterstützte Ausbildung der Theresianischen Militärakademie.

Obstlt Robert Blochberger ist Produktionsleiter im Referat Computerunterstützte Ausbildung.

 

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