• Veröffentlichungsdatum: 05.04.2022
  • – Letztes Update: 07.04.2022

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Die Wehrmacht – Krieg und Verbrechen

Michael Epkenhans, John Zimmermann

Michael Epkenhans, John Zimmermann

Die Wehrmacht – Krieg und Verbrechen

Reclam, Stuttgart, 2019

160 Seiten, zahlreiche Fotos (Farbe und s/w)

€ 15,40

ISBN: 978-3-15-011238-0

Das Bild der Deutschen Wehrmacht hat sich in den Jahrzehnten seit dem Kriegsende 1945 mehrfach gewandelt. So schaffte es die Wehrmachtsführung bzw. jene die dort gedient hatten, in den Nachkriegsjahren ihre Rolle im deutschen Angriffskrieg kleinzureden, die eigene Verantwortung auf andere (den Apparat der NSDAP) abzuwälzen oder sich auf Sachzwänge bzw. vermeintlich moralische Werte (Eid auf Adolf Hitler) zu berufen. Der Kalte Krieg und der Umstand, dass die deutschen Armeen – sowohl die Deutsche Bundeswehr (BRD) als auch die Nationale Volksarmee (DDR) – an der „kalten Front“ zum Einsatz gekommen wären, beschleunigte ihre Rehabilitierung bei den Alliierten des Zweiten Weltkrieges. Zeitgleich legte sich ein „Schleier des Vergessens“ (bzw. der Verdrängung) über Europa. Zu Zeiten der wirtschaftlichen Hochkonjunktur und der Bedrohung durch einen möglichen Atomkrieg standen andere Themen stärker im gesellschaftlichen Fokus.

Eine Zeit, die von so ungeheuerlichen Verbrechen gekennzeichnet war, wie die NS-Zeit, lässt sich jedoch nicht vergessen. Irgendwann wird sie wieder thematisiert. Im konkreten Fall begann diese Auseinandersetzung ab Mitte der 1980er-Jahre. Und dieses Mal wurde die Diskussion, trotz vieler Abwehrversuche aus verschiedenen Richtungen, ausgetragen. Ein Grund dafür war wohl, dass die Weltkriegsgeneration (jene, die in der Wehrmacht dienten und danach Führungspositionen in Politik und Wirtschaft innehatten) de facto abgetreten war und diese Diskussion nicht mehr verhindern konnte. Spätestens mit dem „Fall Waldheim“ hatte diese Auseinandersetzung (zumindest in Österreich) endgültig die Gesellschaft erreicht und musste geführt werden. Ein Beispiel wie diese geführt wurde, war die Wehrmachtsausstellung, die ab 1995 in Deutschland und Österreich gezeigt wurde. Sie war ein Tabubruch, der das damals (noch immer) weitgehend intakte Narrativ der sauberen Wehrmacht offen in Frage stellte und von vielen Weltkriegsveteranen als Angriff gewertet wurde.

Das vorliegende Buch schlägt thematisch in dieselbe Kerbe, wie diese Ausstellung. Es beschreibt die Rolle der Wehrmacht im NS-Staat bzw. in diesem Angriffs-, Raub- und Vernichtungskrieg, in dessen Pläne die Heeresleitung bereits frühzeitig eingeweiht war. Ihre Verstrickung mit der NS-Führung ab deren Machtergreifung (Jahre vor dem Krieg) und die dahinterliegende Motivation werden darin genauso erörtert, wie die Ablenkungs- und Abwehrstrategien nach 1945. Nicht zu kurz kommt dabei die exemplarische Darstellung von Verbrechen, die auf mehreren Ebenen erläutert wird: der strategischen (z. B. mit Befehlen, Planungen der Wehrmachtsführung), der operativen (am Beispiel der Belagerung von Leningrad) und der taktischen (Beteiligung an diversen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit).

Obwohl der Fokus, wie bereits der Titel verrät, auf den Verbrechen der Wehrmacht liegt, werden in dem Werk weder Soldaten pauschal als Mörder dargestellt noch eine gesamte Generation verdammt. Vielmehr ist der Inhalt ein Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit der militärischen Vergangenheit, der zeigt wie rasch und skrupellos manche Soldaten – teilweise höchste Offiziere – ihre Tugenden über Bord warfen. Das bezieht sich nicht nur auf die Verbrechen während des Krieges, sondern auch auf den skandalösen Umgang mit der eigenen Verantwortung und der eigenen Rolle im NS-Staat nach 1945.

Der Inhalt des Buches ist gut geeignet, um sich mit der dunklen Rolle der Wehrmacht auseinanderzusetzen. Es bietet eine rasche, verständliche und dennoch hochwertige Übersicht zum Thema. Das war, wie die Wahl des Verlages und des Formates zeigt, wohl auch die Intention dieses Werkes, die jedenfalls gelungen ist. Für eine vertiefte Auseinandersetzung bleibt der Inhalt jedoch zu sehr an der Oberfläche und da auf Quellenangaben verzichtet wurde, ist es auch schwierig dort weiterzulesen, wo das Buch aufhört. Das sollte aber den Wert dieses Buches nicht schmälern, da dessen wesentliche Leistung, die verständliche Darstellung eines komplexen Sachverhaltes mit relativ wenig Text, sehr gut gelungen ist.

-keu-

 

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