• Veröffentlichungsdatum: 27.01.2023
  • – Letztes Update: 25.01.2023

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Der Zweite Weltkrieg in Italien 1943-1945

Thomas Vogel

Thomas Vogel

Der Zweite Weltkrieg in Italien 1943-1945

RECLAM, Ditzingen 2021

€ 18,50

160 Seiten, Klappenbroschüre, 15x21,5cm

ISBN: 978-3-15-011208-3

Im Vergleich zu den beiden Hauptfronten, im Westen ab dem Juni 1944 und im Osten nach dem Beginn des „Unternehmens Barbarossa“ im Jahre 1941, blieben die Fronten in Nordafrika, am Balkan und ab 1943 in Italien Nebenschauplätze. Hitlers langjähriger Verbündeter, das faschistische Italien, erreichte nie die militärische Bedeutung, die es im eigenen Selbstverständnis wohl gerne gehabt hätte. Allzu oft musste der deutsche Verbündete zugunsten des Achsenpartners eingreifen, wenn dessen hochfliegenden Pläne zu scheitern drohten. Mit dem Verlust Nordafrikas drohte der Angriff der siegreichen Anglo-Amerikaner auf das italienische Festland (den weichen „Unterbauch Europas“ – „soft underbelly“ –, wie ihn Winston Churchill bezeichnete), der am 10. Juli 1943 begann und am 2. Mai 1945 endete.

Thomas Vogel, Historiker und Offizier der Deutschen Bundeswehr, legt mit diesem Buch ein komprimiertes Werk für diese kaum zwei Jahre dauernde Phase des Zweiten Weltkrieges vor. Das Werk ist eine Studie der klassischen Operationsgeschichte in zehn Kapiteln, die nach zwei kurzen Einleitungskapiteln über die Vorgeschichte mit der „Operation Husky“ (Invasion Siziliens) beginnt. Danach folgt chronologisch-geographisch kapitelweise die Beschreibung des langsamen Vormarsches der Alliierten vom „Stiefel“ aus nach Norden (Sizilien Juli/August 1943, Süditalien September/November 1943, Mittelitalien November 1943 bis September 1944, Norditalien September/April 1944).

In drei Kapiteln werden der Sturz des italienischen Faschismus im Sommer 1943 bzw. der deutschen Besetzung Italiens, aber auch die Kriegsverbrechen während diesem Zeitraum behandelt. Der Autor gibt einen Einblick in die Grausamkeiten des Krieges abseits der Fronten und geht auf beide Kriegsparteien ein. Da die Wehrmacht, (Waffen-) SS und die deutsche Polizei ungleich mehr Kriegsverbrechen begangen hatten, als die Westalliierten, nehmen diese auch in diesem Kapitel einen breiteren Raum ein. Der vorletzte Abschnitt des Buches behandelt ein Thema, das in Österreich und Deutschland vermutlich weniger bekannt ist, das Wiederaufblühen der organisierten Kriminalität in Sizilien und Kalabrien (Mafia und Camorra) nach der Befreiung Italiens vom Faschismus. Dieser hatte deren Strukturen stark unterdrückt und viele Kriminelle zur Auswanderung gezwungen. Als Abschluss („Schlussbetrachtungen“) legt Thomas Vogel seine Ableitungen dar und gibt einen kurzen Ausblick auf die italienische Nachkriegszeit samt dem Verhältnis zwischen der neuen BRD und der (ab 1946) Republik Italien.

Das Buch bietet eine gute Zusammenfassung des Kriegsgeschehens im Stil der Operationsgeschichte des Krieges in Italien, die als Basiswerk für eine vertiefte Betrachtung des Themas gute Dienste leistet. Der Autor hat militärische Einheiten fast ausschließlich von der Division aufwärts sowie die großen militärischen Abläufe im Blick. Zentral sind für Vogel stets die höchsten Entscheidungsträger beider Seiten und ihre Beweggründe für ihr Handeln. Das erfordert vom aufmerksamen, nicht fachkundigen Leser stets die im Buch vorhandenen Karten miteinzubeziehen, um nicht den Überblick über die Landschaften, (Fluss-)Täler oder Gebirgszüge zu verlieren.

Anmerken muss man jedoch, dass die für das Buch benutzte Literatur überschaubar bleibt und kaum Einblick in die Lebensweise der Zivilbevölkerung, der Soldaten aller Seiten bzw. den italienischen Kriegsalltag bietet. Auf einen Topos, den Sönke Neitzel in seinem Buch „Deutsche Krieger“ herausgearbeitet hat, das Verlernen des modernen Artilleriegefechtes im Gegensatz zu Briten und Amerikanern – etwa bei Anzio („Operation Shingle“ 22. Jänner bis 25. Mai 1944), geht der Autor leider nicht ein. Sehr positiv sind jedoch in Kästen zusammengefasste und erläuterte Ereignisse wie das „Kommandounternehmen Eiche“ (Befreiung Mussolinis am 11. September 1943) oder die „Erklärung Roms zur offenen Stadt“.

-pri-

 

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