Lage Römerhöhe

• Ausbildung
A. Baumann, C. Stuk
Der Mannschaftstransportpanzer "Pandur" feuert mit dem Bord-Maschinengewehr der Waffenstation.
Der Mannschaftstransportpanzer "Pandur" feuert mit dem Bord-Maschinengewehr der Waffenstation.

„Der Entschluss ist der Ausdruck des Willens des Kommandanten
als Ergebnis einer Beurteilung der Lage, womit das Wesentliche
des Einsatzes der Kräfte und Mittel und der durch diesen Einsatz
zu erreichende Zweck festgelegt werden“. (MiB RdNr.: 91)

Der Entschluss im Fokus

Die Ausrichtung des Bundesheeres auf die militärische Landesverteidigung lässt das oberste Ziel militärischer Führung, die Erringung des  Erfolges im Kampf, aktueller denn je erscheinen. Eine entscheidende Rolle dabei hat der militärische Kommandant, der die Fähigkeit besitzen muss, blitzschnell, vernünftig und mutig zu handeln.
Ein nützliches Hilfsmittel zur Beurteilung der Lage sowie zur Entschlussfassung sind hierbei Entschlussaufgaben. Wer sich Zeit nimmt, die Entschlussaufgabe „Bataillon“ zu lösen, wird in eine Lage versetzt, die ihn zu einem sofortigen, selbstständigen Entschluss, in Zusammenschau mit der Absicht der übergeordneten Führungsebene, zwingt. 
Ein verteidigungsbereites Bundesheer braucht tatkräftige und entschlossene Kommandanten!
 

Lage Römerhöhe

Die 31.JgBrig befindet sich als nördlichstes Element der Division im Angriff Richtung Westen. Um 1425B verteilt der BrigKdt folgenden Gefechtsbefehl über das Führungsinformationssystem:
Feindlage:
Kräfte im VRV zerschlagen – schwache Teile Richtung Westen ausgewichen. Ein vmindmotSRgt (2 motSB, 1 PzB) angreifend aus Tiefe entlang nördlicher Flanke. Vermutliche Absicht dieses Regiments wird es sein ab 1620B im Rm RÖMERHÖHE wirksam zu werden, um so die Voraussetzungen zum Zerschlagen der 31.JgBrig zu schaffen. 
Eigene Lage:
Die JgB311 & JgB312 (Angriffsspitzen der Brigade) konnten bereits einen Einbruch in den vordersten Rand der gegnerischen Verteidigung erzielen und sind derzeit dabei die Einbruchsräume auszuweiten. Das JgB313 (Tiefe der Brigade) wird in Kürze den Angriff zum Durchbrechen des gegnerischen Verteidigungsdispositivs fortsetzen. 3000m ostwärts BERGHAM befindet sich das gemJgB314 (Reserve der Brigade).
Absicht:
Unverändert!
Aufträge:
 - JgB312 & JgB313 unverändert!
 - JgB311 setzt Angriff weiter fort. Zusätzlich ist mit einer Kp im Rm KREILBERG West Richtung Norden eilig bezogen zu verteidigen und ein Durchstoßen von Teilen des angreifenden vmindmotSRgt in die kurze Flanke der Brigade zu verhindern.
 - gemJgB314 verteidigt eilig bezogen nördliche Flanke der Brigade und verhindert ein Durchstoßen des angreifenden vmindmotSRgt in den Rm RÖMERHÖHE.
Koordinierende Maßnahmen: 
 - Allgemeine Linie KREILBERG – MITTERFELD WEST ist die Grenze zwischen JgB311 & gemJgB314 – Anschlusspunkt Kote 304.
 - FlA-Schutz durch Brigade bis in den Rm PÖTZLBERG NORD gewährleistet.
 

Das Gelände

Darstellung der Ausgangslage
© Alexander Baumann, Christopher Stuk

Gliederung des verminderten motorisierten Schützenregiments (vmindmotSRgt)

Gliederung der feindlichen Kräfte
© Alexander Baumann, Christopher Stuk

Gliederung der eigenen Kräfte

Gliederung der eigenen Kräfte
© Alexander Baumann, Christopher Stuk

Kampfunterstützung durch 31.JgBrig:

  • 2x ZERSCHLAGEN mit Bombletmunition

  • 2x 10‘ min BLENDEN 500m

  • 3x ZERSCHLAGEN 200m x 200m

Verteidigung ist eine Einsatzart der Landstreitkräfte mit dem Zweck, einen festgelegten Raum gegen gegnerische Angriffe zu halten und dabei möglichst starke Teile des Gegners zu vernichten.
Eine durch Zeitmangel oder unmittelbare Feindeinwirkung erzwungene improvisierte Verteidigung wird als eilig bezogene Verteidigung bezeichnet. Diese ist durch vorne eingesetzte, mindesterforderliche Kräfte an günstigen Geländehindernissen und Bereithalten starker bzw. mehrerer Reserven anstelle stationärer Tiefenbildung gekennzeichnet.
 

Aufgabe

Formuliere Sie einen Entschluss des Kommandanten des gemJgB314!


Enschlussvorschlag

gemJgB314 verteidigt eilig bezogen im Zuge KREILBERG – HERRNHOLZ – SCHACHENWALD

unter

mit

um ein Durchstoßen des vmindmotSRgt in den Rm RÖMERHÖHE und damit in die Flanke der 31.JgBrig zu verhindern.

Begründung

Dem gegenständlichen Entschlussvorschlag liegt die vermutliche Absicht des vmindmotSRgt zugrunde die einen Angriff im Verfahren zu einer Staffel (1 gemPzB, 1 gemmotSB) und einer allgemeinen Reserve (1 gemmotSB) vorsieht. Die Angriffsachsen der in der 1. Staffel angreifenden Bataillone werden wie folgt beurteilt:

Die Inbesitznahme des Rm RÖMERHÖHE – EDT ist somit die zu erfüllende Gefechtsaufgabe des angreifenden vmindmotSRgt, da von dort aus der rückwärtige Rm der 31.JgBrig bewirkt werden kann. Durch die eigene Aufklärung sind dabei die konkreten Stoßrichtungen, das Schwergewicht sowie der Reserveneinsatz zu erkennen.

Mit dem Einsatz der vstk1.JgKp und der 2.JgKp wird an den Engstellen HERRNHOLZ WEST und HERRNHOLZ OST verteidigt. Die beiden JgKp führen hierbei den Kampf gegen die 1. Staffel im Infanteriegelände. Zusätzlich können mit den PALZg der JgKp (PAL 2000) die Wirkungsräume KREXHAM SÜD und PÖTZLBERG OST bewirkt werden. Da die 1.JgKp durch den PALZg (PAL 4000) verstärkt wird ist ein verdichten des Feuers aus dem Rm KREILBERG in den Wirkungsraum PÖTZLBERG SÜDWEST möglich. Der Einsatz des SSchZg im Rm KREILBERG MITTE bezweckt die Überwachung der weniger leistungsfähigen Bewegungslinie über den KREILBERG. Diese bewusst in Kauf genommene „Schwachstelle“ muss durch das Vorsehen eines Riegels der Reserve südlich des KREILBERGS berücksichtigt werden.

Die gem3.PzGrenKp im Ersteinsatz als Gefechtsvorposten (GVP) im Rm PÖTZLBERG und in weiterer Folge als Reserve bereitzuhalten erfolgt deshalb, weil dieses Element ein hohes Maß an geschützter Beweglichkeit und große Feuerkraft aufweist. Dahingehend kann beim Einsatz als GVP im Rm PÖTZLBERG die Einsatzschussweite der PAL 4000 Systeme der SPz ausgenutzt werden. Das Abbrechen des Gefechts und das anschließende Ausweichen der gem3.PzGrenKp wird durch das Bataillon mit Steilfeuer sowie dem Einsatz von Loithering Munition unterstützt. Beim Wirksamwerden als Reserve können eingebrochene Feindkräfte aufgrund der hohen Stoßkraft der gem3.PzGrenKp vernichtet oder geworfen werden. Eine Unterstellung des Minenwerfers Skorpion an die gem3.PzGrenKp bietet sich an, da hier im Zuge des Einsatzes am GVP der Rm PÖTZLBERG vermint werden kann. Dem angreifenden vmindmotSRgt wird dadurch der PÖTZLBERG als Stellungsraum weitreichender Flachfeuerunterstützung verwehrt. Dass die gem3.PzGrenKp nach Rücknahme als GVP einen Zug abgibt, damit das Bataillon mehrere Reserven verfügbar hat, wird in gegenständlichem Entschlussbeispiel nicht als zweckmäßig erachtet.

Insbesondere gilt es den Nutzen und das Risiko der gem3.PzGrenKp als GVP abzuwägen. Sofern der Zweck des GVP in der Vernichtung der gegnerischen Aufklärung und im Abnutzen der 1. Staffel liegt, gilt es zu hinterfragen ob dieser Zweck auch mit den Mitteln der weitreichenden Kampfunterstützung gewährleistet werden kann. Diesbezüglich stehen dem gemJgB314 neben den Granatwerfern (Crossbow-Systeme), auch Loithering Munition sowie die zugewiesenen Wirkmittel der Brigadeartillerie zur Verfügung. Ein Verzicht auf den exponierten Einsatz im GVP verringert zudem auch das Risiko, dass Kräfte der gem3.PzGrenKp frühzeitig durch gegnerische Drohnen oder Artillerie vernichtet werden.


Autoren

Oberstleutnant dG Alexander Baumann, BA MA

Hauptlehroffizier & Forscher Referat Taktik/IHMF/LVAk

Oberstleutnant dG Christopher Stuk, BA MA

Hauptlehroffizier & Forscher Referat Taktik/IHMF/LVAk