Klar, schnell, wirksam! Entschlussaufgabe Bataillon

Ausbildung
A. Baumann, C. Stuk
(Foto: Bundesheer/Rainer Zisser)
(Foto: Bundesheer/Rainer Zisser)

„Der Entschluss ist der Ausdruck des Willens des Kommandanten als Ergebnis einer Beurteilung der Lage, womit das Wesentliche des Einsatzes der Kräfte und Mittel und der durch diesen Einsatz zu erreichende Zweck festgelegt werden.“ (MiB RdNr.: 91)

Der Entschluss im Fokus

Die Ausrichtung des Österreichischen Bundesheeres auf die militärische Landesverteidigung lässt das oberste Ziel militärischer Führung, die Erringung des Erfolges im Kampf, aktueller denn je erscheinen. Eine entscheidende Rolle dabei hat der militärische Kommandant, der die Fähigkeit besitzen muss, blitzschnell, vernünftig und mutig zu handeln.

Ein nützliches Hilfsmittel zur Beurteilung der Lage sowie zur Entschlussfassung sind hierbei Entschlussaufgaben. Wer sich Zeit nimmt, die Entschlussaufgabe Bataillon zu lösen, wird in eine Lage versetzt, die ihn zu einem sofortigen, selbstständigen Entschluss, in Zusammenschau mit der Absicht der übergeordneten Führungsebene, zwingt. Ein verteidigungsbereites Österreichisches Bundesheer braucht tatkräftige und entschlossene Kommandanten!
 

Führungsgrundsatz Einfachheit

Einfachheit ist ein Führungsgrundsatz, welcher eine geradlinige, unkomplizierte und verständliche Vorgehensweise unter sich stets ändernden Bedingungen fordert. Als dem Führungsgrundsatz der Einfachheit folgend gilt der vermeintlich einfache frontale Ansatz im Angriff. Damit dieser erfolgreich ist, bedarf es jedoch einer umfassenden Feuervorbereitung sowie Feuerunterstützung durch eigens dafür vorgesehene Kräfte, beispielweise durch eine Stellungstruppe.

LAGE WEINGARTL

Das vstkPzGrenB141 hat den Auftrag, als Vorausangriffskraft angreifend die Bewegliche Sperrabteilung (BSA) im Raum WEINGARTL zu vernichten und dadurch die Voraussetzungen für den weiteren Angriff der 14.PzGrenBrig zum Zerschlagen eines feindlichen Panzerregiment zu schaffen. Der Angriff des vstkPzGrenB141 erfolgt über Kräfte der 11.PzGrenBrig, welche sich bereits im Abwehrgefecht mit der ersten Staffel des angreifenden Panzerregiments befinden. Nach dem Heranführen an den Bereitstellungsraum MELK nimmt der Kdt des vstkPzGrenB141 mit dem Kdt der zur Verteidigung eingesetzten 11.PzGrenBrig Kontakt auf, um letzte Lageinformationen abzugleichen. Der Kdt des vstkPzGrenB141 erhält dabei folgende Lageinformation: „Die BSA befindet sich derzeit in Bereitschaftsstellungen südlich WEINGARTL. Eigene Kräfte sind in der Lage, das Heraustreten des vstkPzGrenB141 durch Flachfeuer zu unterstützen. 6 000 Meter südlich der BSA wurde die bataillonsstarke Regimentsreserve im Verfügungsraum südlich OCKERT erkannt.“ 

(Grafik: Alexander Baumann)
(Grafik: Alexander Baumann)
(Grafik: Alexander Baumann)
(Grafik: Alexander Baumann)

Gliederung der gegnerischen beweglichen Sperrabteilung

Die Bewegliche Sperrabteilung hat die Aufgabe, in den erkannten Richtungen feindlicher Gegenangriffe Sperren zu errichten, offene Flanken und Lücken in der Gefechtsordnung mit Sperren abzusichern und die motorisierten Schützen beim Stellungsbau zu unterstützen. Um dies umzusetzen, besteht die Bewegliche Sperrabteilung in ihrem Kern aus Pionierkräften mit Minenlegern beziehungsweise Minenwerfern. Sie handelt selbstständig oder in Verbindung mit Elementen der Panzerabwehr, der Artillerie und den Heeresfliegern. Beim Einsatz im Infanteriegelände kann sie zudem durch motorisierte Schützen verstärkt werden. Im Angriff wie auch in der Verteidigung orientiert sich die Bewegliche Sperrabteilung an wahrscheinlichen Stoßrichtungen feindlicher Panzerangriffe sowie an den Flanken des vorgesetzten Verbandes.

(Grafik: Alexander Baumann)
(Grafik: Alexander Baumann)

Gliederung der eigenen Kräfte

Kampfunterstützung durch 14.PzGrenBrig:

  • 1-mal ZERSCHLAGEN mit Bombletmunition
  • 3-mal 10 min BLENDEN 500 m
  • 3-mal ZERSCHLAGEN 200 m x 200 m

Aufgabe

Formulieren Sie einen Entschluss des Kommandanten des vstkPzGrenB141!

Entschlussvorschlag

vstkPzGrenB141 greift als Vorausangriffskraft im Breitkeil in den Rm WEINGARTL an

unter

mit

um die BSA im Rm WEINGARTL zu vernichten und dadurch die Voraussetzungen für den weiteren Angriff der 14.PzGrenBrig zu schaffen.

Unmittelbar nach dem Zerschlagen der BSA im Rm WEINGARTL wird es die Absicht sein im Zuge der allgemeinen Linie KOGEL – WEINGARTL – KRICHBÜHEL zur eilig bezogenen Verteidigung überzugehen.

Begründung

Der frontale Ansatz aus dem Rm BUSCHWIESE zum Vernichten der BSA im Rm WEINGARTL wird deshalb gewählt, weil er durch die weitreichende Panzerabwehrmittel (PAL4000) des vstkJgB112 unterstützt werden kann. Zudem bietet der Rm BUSCHWIESE natürlichen Bewuchs der das Entwickeln unmittelbar nach dem Überschreiten der AblL begünstigt. Ein Angriff aus dem Rm BÄCKERKREUZ wird als ebenso möglich und zweckmäßig beurteilt.

Der flankierende Ansatz aus dem Rm OBERHOLZ – SPITZ wird in der gegenständlichen Lage als nicht zweckmäßig beurteilt. Dies liegt zum einen daran, dass unmittelbar nach dem Heraustreten aus der Enge OBERHOLZ – SPITZ die Gefahr besteht von der Flankensicherung des im Rm SPITZ SÜD angreifenden PzB bewirkt zu werden. Zum anderen kanalisiert die Brücke über den MANK-Fluss und bremst damit den Angriffsschwung des Angreifers stark.


Autoren

Oberstleutnant dG Alexander Baumann, BA MA

Hauptlehroffizier & Forscher Referat Taktik/IHMF/LVAk

Oberstleutnant dG Christopher Stuk, BA MA

Hauptlehroffizier & Forscher Referat Taktik/IHMF/LVAk

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:
Titelbild Feuerzauber

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