Kampf mit unbemannten Systemen
Unbemannte Systeme übermitteln Daten nahezu in Echtzeit, bieten Plattformen für verschiedenste Fähigkeiten und ermöglichen es, ein hohes Tempo im Gefecht zu generieren. Demnach nutzt auch der Übungsgegner Rot unbemannte Systeme, wenn es darum geht, die Voraussetzungen für seinen Erfolg im Gefecht zu schaffen. Mit anderen Worten ausgedrückt: „Technik verändert Taktik“ – auch beim Übungsgegner Rot.
Wirken
Der Feuerkampf ist ein zentrales Element für den Übungsgegner Rot, um die Voraussetzungen für den Erfolg im Gefecht zu schaffen. Darin begründet sich die quantitative Ausprägung der Steilfeuersysteme in den Gliederungen der Verbände von der unteren bis zur oberen taktischen Führungsebene. Das Ziel ist es, mit Feuer auf den Feind zu wirken, bevor Bodentruppen ins Gefecht treten. Neben traditionellen Waffensystemen der Rohr- und Raketenartillerie werden dazu auch vermehrt unbemannte Systeme genutzt.
Insbesondere luftgestützte unbemannte Systeme (Drohnen) ermöglichen es dem Übungsgegner Rot, sich einen Überblick über große Teile des Gefechtsraumes zu jeder Zeit mit einem effektiven Aufklärungs- und Wirkungsverbund zu verschaffen und so für ihn den Feuerkampf zu unterstützen. Auch bodengestützte unbemannte Systeme (Roboter) werden durch den Übungsgegner Rot eingesetzt.
Sowohl der Einsatz von Drohnen als auch von Robotern zielt nicht darauf ab, Waffengattungen zu ersetzen, sondern die Wirkung der bestehenden zu steigern. Bei den Landstreitkräften bilden Drohneneinheiten und -verbände bereits eine neue Waffengattung. Neben der Unterstützung der Bodentruppen sind diese auch zur selbstständigen Erfüllung von Gefechtsaufgaben befähigt.
In der Vorbereitung und während der Durchführung des Kampfes der verbundenen Waffen erfüllen unbemannte Systeme folgende allgemeine Aufgaben im Gefecht:
- Aufklärung und Erkundung;
- Überwachung großer Räume über einen längeren Zeitraum;
- Überwachung von Bewegungen und Sperren;
- Ziel- und Wirkungsaufklärung an der Front und im rückwärtigen Raum des Feindes;
- Feuerunterstützung für motorisierte Schützen- und Panzertruppen;
- Vernichtung feindlicher Hochwert- und Einzelziele;
- Vernichtung beziehungsweise Zerstörung wichtiger Objekte und der militärischen Infrastruktur.

Integration von Drohnen
Durch die Nutzung von Drohnen erweitert sich das Fähigkeitsspektrum der gefechtstechnischen und unteren taktischen Führungsebene erheblich. Insbesondere im Bereich der Aufklärung im schwer zugänglichen oder feindbesetzten Gelände sowie bei der Wirkung zur Abnutzung des Feindes ist es so dem Übungsgegner Rot möglich, seine Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit im Gefecht deutlich zu erhöhen.
Der Übungsgegner Rot beabsichtigt die Integration organischer Drohneneinheiten bzw. Drohnenverbände von der gefechtstechnischen bis zur oberen taktischen Führungsebene.
Die Integration erfolgt stets im Verbund von Aufklärungs- und Kampfdrohnen. Reichweiten und Stärken der Wirkmittel sind an die Bedürfnisse der jeweiligen Führungsebene angepasst. Der Kampf soll dabei über die gesamte Tiefe des Feindes gegen noch nicht im unmittelbaren Kampf stehende Kräfte geführt werden.
So verfügt eine motorisierte Schützendivision oder eine selbstständige motorisierte Schützenbrigade beispielsweise über ein eigenes Drohnenbataillon. Regimenter besitzen eine organische Drohnenkompanie. Ein motorisiertes Schützenbataillon verfügt hingegen über einen Drohnenzug. Dieser kann zur Unterstützung des unmittelbaren Kampfes aufgeteilt und an die Kompanien unterstellt werden.

Einsatz von Drohnen im Gefecht
Verhältnismäßig hohe Reichweiten moderner Drohnensysteme ermöglichen dem Übungsgegner Rot eine nahtlose und ebenenübergreifende Zielbekämpfung. Einhergehend mit der hohen quantitativen Verfügbarkeit von Drohnen hat er damit auf der unteren taktischen und der gefechtstechnischen Führungsebene ein zusätzliches Wirkmittel im Repertoire. Damit können motorisierte Schützenbataillone oder sogar motorisierte Schützenkompanien nunmehr Ziele bekämpfen, die nach traditionellem Verständnis dem Regiment oder der Division zugeordnet waren.
Verstärkt der Übungsgegner Rot beispielsweise eine motorisierte Schützenkompanie mit einer First-Person View(FPV)-Kampfdrohnen-Gruppe, ist diese befähigt, in ihrem Gefechtsstreifen selbstständig auf große Entfernung feindliche Kräfte zu bekämpfen. Das vor dem unmittelbaren Kampf durchzuführende Abnutzen des Feindes findet damit zum einen außerhalb der Reichweiten der Flachfeuerwaffen und zum anderen ohne die Unterstützung der vorgesetzten Führungsebene statt. Das ursprünglich weitreichendste Wirkmittel der motorisierten Schützenkompanie, beispielsweise die am BMP-2M montierte 9K135 „Kornet“ (NATO-Codename: AT-14 „Spriggan“) mit einer Reichweite von rund fünf Kilometern wird also um die Reichweite der FPV-Kampfdrohne ergänzt. Die motorisierte Schützenkompanie verfügt somit über eine theoretische Reichweite für Maßnahmen zum Abnutzen des Feindes, die mit der Reichweite des Mehrfachraketenwerfers BM-21 „Grad“ verglichen werden kann.
Auch im Hinblick auf den Aufklärungs- und Wirkungsverbund des motorisierten Schützenbataillons hat die Verfügbarkeit von Drohnen weitreichende Auswirkungen. So wird hier das ursprünglich weitreichendste Waffensystem, der Granatwerfer mit einer Reichweite von rund sieben Kilometern, deutlich übertroffen. Dies gilt auch, wenn davon ausgegangen wird, dass die Feuerstellungsräume des Drohnenzuges nicht direkt im vordersten Rand der Verteidigung eingebettet sind, sondern sich etwa einen Kilometer dahinter befinden. Beispielsweise wird ein in der Stellungsverteidigung (siehe TD-Heft 1/2025 „Stellungsverteidigung Schützenregiment“) befindliches motorisiertes Schützenbataillon damit befähigt, nicht alleine die Spitzen einer angreifenden Panzergrenadierbrigade zu bewirken. Ebenso befinden sich die weiter in der Tiefe befindlichen Elemente der angreifenden Panzergrenadierbrigade wie Reserven, Feuerstellungsräume der Artillerie oder Logistikeinrichtungen nunmehr innerhalb der Reichweite des Bataillons.
Der durch den Übungsgegner Rot verfolgte Grundsatz, dass vor dem Wirksamwerden der Bodentruppen im Gefecht das Feuer der Artillerie am Feind liegt, wird somit auch beim Einsatz von Drohnen angewendet. Dadurch werden sowohl die Durchsetzungsfähigkeit als auch die Durchhaltefähigkeit der Bodentruppen im unmittelbaren Kampf unterstützt. Der umfassende Einsatz von Aufklärungsdrohnen bietet dem Übungsgegner Rot die Möglichkeit, die Informationsüberlegenheit im Gefecht zu gewinnen und vor Überraschungen vorzubeugen bzw. mögliche Lücken im Dispositiv des Feindes zu erkennen und diese auszunutzen.

Einsatz von Robotern im Gefecht.
Neben luftgestützten unbemannten Systemen gibt es vermehrt bodengestützte unbemannte Systeme in den Gliederungen des Übungsgegners Rot. Diese ferngesteuerten unbemannten Roboter sollen vornehmlich zur Aufklärung und zur Unterstützung der motorisierten Schützen im Gefecht eingesetzt werden.
Im Angriff integriert der Übungsgegner Rot robotergestützte Aufklärungs- und Feuerunterstützungssysteme beispielsweise in eine Sturmabteilung zur Erstürmung eines befestigten oder urbanen Raumes. In diesem Zusammenhang werden auch mit Sprengstoff beladene Kamikaze-Roboter eingesetzt, die Bunker und ausgebaute Stellungen zerstören können. Ebenso eingesetzt werden Roboter zur Überwachung und zum Schutz von Flanken. Zur Unterstützung der Angriffsbewegung von Manöververbänden verwendet der Übungsgegner Rot auch spezielle Unterstützungsroboter zum Räumen von Minen.
In der Verteidigung stellen die in die Stellungen integrierten robotergestützten Aufklärungs- und Feuerunterstützungssysteme die Bekämpfung des angreifenden Gegners mit Panzerabwehrlenkwaffen, Flammenwerfern und Maschinenkanonen bzw. Maschinengewehren sicher. Die Fernsteuerung der Systeme ermöglicht der Bedienmannschaft den Feuerkampf aus geschützten Unterständen. Die Systeme sind auch dazu geeignet, um die vorgeschobenen Stellungen mit ihren Waffen- und Aufklärungssystemen zu verstärken oder überhaupt die vorgeschobenen Stellungen ausschließlich mit Robotern zu besetzen.

Zusammenfassung
Der Spruch „Technik verändert Taktik“ trifft auch auf den Übungsgegner Rot und seine Doktrin zu. Der Einsatz unbemannter Systeme im Kampf lässt jedoch keine revolutionäre Entwicklung taktischer Verfahren erwarten – der Kampf mit dem Feuer bleibt weiterhin zentral. Vielmehr ist die Doktrin des Übungsgegners Rot im Hinblick auf die Integration unbemannter Systeme von einer evolutionären Weiterentwicklung bestehender Verfahren geprägt. Ohne die grundlegenden taktischen Prinzipien der Gefechtsführung zu verändern, erhöhen unbemannte Systeme die Wirksamkeit insbesondere in den funktionalen Teilbereichen Aufklärung und Feuer erheblich. Ein weiterer Mehrwert besteht darin, dass die Integration unbemannter Systeme eine Risikoreduktion für den unmittelbaren Kampf von Bodentruppen bewirkt. Zudem ist es dem Übungsgegner Rot dadurch möglich, sowohl Personal als auch traditionelle Waffensysteme zu ergänzen und zu ersetzen.
Auf einem Blick
Der Einsatz von unbemannten Systemen hat sich in den letzten Jahren zu einem der dynamischsten Bereiche der modernen Gefechtsführung entwickelt. Entwicklungszyklen werden nicht mehr in Jahren, sondern in wenigen Monaten gemessen. Eine hohe Innovationsdichte sowie technologische Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz, Sensorik und 3D-Druck führen dazu, dass Systeme immer schneller angepasst und verbessert werden können. Damit einhergehend sind auch taktische Verfahren den immer dynamischer werdenden Entwicklungszyklen unterworfen. Die Anpassungsfähigkeit von Landstreitkräften stellt somit eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg im Gefecht dar.
Autoren
Oberstleutnant dG Alexander Baumann, BA MA
Oberstleutnant dG Christopher Stuk, BA MA
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