Folge 1: Definition und Einsatz im Bundesheer

• Kommentar
J. Vyskocil
(Symbolbild: KI-generiert, ChatGPT)
(Symbolbild: KI-generiert, ChatGPT)

Als ehemaliger Redakteur, Texter, Lektor und Korrektor selbst von der Künstlichen Intelligenz (KI) Betroffener möchte ich Sie, werte Leserinnen und Leser, in diesem neuen Forum begrüßen. Aber keine Angst! Ich werde Ihnen nicht als „Balkon-Muppet“ irgendwelche mehr oder weniger sinnvollen Ratschläge erteilen. Im Gegenteil!

Zu Worte kommen sollen vor allem Sie – als Experte oder als Betroffener. Ich ersuche Sie deshalb, der Redaktion Ihre Vorstellungen, Erwartungen. Ängste, Überlegungen und Vorschläge in Bezug auf KI mitzuteilen. Auch wenn die Redaktion eventuell – aus welchen Gründen auch immer, sei es Persönlichkeitsschutz, Geheimhaltung, zu ausufernde Darstellung, Platzmangel oder Ähnliches – nicht jeden Beitrag im vollen Wortlaut veröffentlichen kann, werden Ihre Beiträge an die zuständigen Stellen weitergeleitet. 

Alle Aspekte des „Monsterthemas“ KI gleichzeitig abzuarbeiten bzw. zu diskutieren wäre allerdings zu verwirrend, zu unstrukturiert und daher nicht zielführend. Die einzelnen Folgen des KI-FORUMS werden sich auf einige Teilbereiche und wenige Frage beschränken. Die Gesprächspartner in den ersten sieben Folgen sind Oberleutnant Alexander Segur-Cabanac, BA MSc (S6 beim Jägerbataillon 33) und Oberleutnant Alexander Zandl, BA MSc (Hauptlehroffizier und Kommandant Lehrgruppe Informationsmanagement und Informationstechnologie-Services an der Führungsunterstützungsschule). Bei der ersten Folge werden die Begrifflichkeiten geklärt und die Möglichkeiten des Einsatzes von KI im Bundesheer thematisiert.

Wie lautet die korrekte Definition bzw. Beschreibung der Künstlichen Intelligenz für das Bundesheer bzw. wie sollte oder könnte diese lauten?

Segur-Cabanac: KI ist ein unterstützendes Tool, das von Soldaten im Einsatz und im Dienstbetrieb genutzt werden kann, um deren Aufträge schneller und präziser zu erfüllen. KI ist eine Unterstützung und soll Soldaten nicht ersetzen.

Zandl: KI ist ein maschinengestütztes System, das aus den ihm zugeführten Daten Schlussfolgerungen zieht und daraus Vorhersagen, Empfehlungen oder Inhalte erzeugt – mit unterschiedlichem Grad an Eigenständigkeit. Diese Beschreibung lehnt sich an die international gebräuchlichen Begriffsbestimmungen an und ist bewusst technologieoffen gehalten. Für das Bundesheer folgt daraus: KI ist kein Ersatz des Soldaten, sondern ein Werkzeug, das ihn unterstützen soll. Sie wertet Daten schneller aus, erkennt Muster rascher, als es ein Mensch könnte und schafft so die Grundlage für raschere und bessere Entscheidungen. Verantwortung und Endentscheidung verbleiben jedoch beim Menschen.

Welche Teilbereiche umfasst die KI im Bundesheer bzw. sollte sie umfassen? Soll dabei strikt zwischen KI in Waffensystemen und KI in Führungs-, Aufklärungs-, Informations-, Ortungs- und anderen Systemen getrennt werden (analog zu Teilbereichen bei den Waffengattungen)? Was unterscheidet das Bundesheer dabei eventuell von anderen Streitkräften, oder sollte es unterscheiden?

Segur-Cabanac: KI kann in allen Teilbereichen des Bundesheeres integriert werden, um Arbeitsabläufe zu optimieren. Je nach Waffengattung und Einsatzbereich muss auf die jeweiligen Anforderungen der Nutzer eingegangen werden. Je besser diese definiert werden, desto besser können KI-Systeme trainiert und an die jeweiligen Anforderungen angepasst genutzt werden. Das Bundesheer unterscheidet sich von anderen Streitkräften in seiner Struktur und seinen Arbeitsabläufen. KI-Tools müssen an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

Zandl: KI kann und soll in allen Teilbereichen die Arbeit der Soldaten vereinfachen und optimieren. Je nach Ebene und Waffengattung unterscheiden sich die Anforderungen an diese. Sie könnte etwa zum Filtern und Verarbeiten großer Datenmengen, zur Analyse von Luftbildern oder im Planungsprozess zur Unterstützung des Führungsverfahrens herangezogen werden. Eine Trennung zwischen KI in Waffensystemen und KI in Führungs-, Aufklärungs- oder Informationssystemen halte ich für sinnvoll – allerdings nicht nach einer Systemkategorie, sondern nach der Funktion in der Wirkkette: Sobald ein System Ziele selbst nominiert, priorisiert oder Wirkmitteln zuordnet, sollten strengere Regeln gelten, unabhängig davon, unter welcher Bezeichnung es beschafft wurde. Liefert es dagegen nur Lagedaten, die ein Mensch weiterverarbeitet, ist das nicht erforderlich. Dass diese Abgrenzung praktisch relevant ist, zeigen aktuelle Entscheidungsunterstützungssysteme, die formal als Aufklärungssoftware geführt werden, tatsächlich aber die gesamte Wirkkette in einer Oberfläche zusammenführen. Das Bundesheer unterscheidet sich von anderen Streitkräften in seiner Struktur und in seinen internen Abläufen. Eine KI muss an diese Gegebenheiten angepasst werden.

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Auf einen Blick

KI ist eine Unterstützung und soll Soldaten nicht ersetzen. Sie kann und soll die Arbeit der Soldaten vereinfachen und optimieren. Verantwortung und Endentscheidung verbleiben beim Menschen.

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Autor

Oberst i. R. Josef Vyskocil, MSc

Ehemaliger Leitender Redakteur in der Redaktion TRUPPENDIENST. Texter, Lektor und Korrektor. Ehemaliger Lehroffizier bei der damaligen Fernmeldetruppenschule.