Genozid - Völkermord im 20. Jahrhundert. Geschichte. Theorien. Kontroversen.
Es gibt zahlreiche Themen mit denen sich die Gesellschaft und ihre Individuen auseinandersetzen sollten oder sogar müssen, obwohl – oder gerade weil – sie „schwer verdaulich“ sind. Der Genozid, der geplante und systematische Völkermord, ist ein solches Thema.
Gerade in Österreich, das historisch mit diesem Verbrechen belastet ist, kann man sich nicht vor diesem wegducken. Um sich jedoch mit einem komplexen Sachverhalt, der noch dazu ideologisch aufgeladen und somit auch emotional und politisch ist, zu beschäftigen, gilt es sich diesem theoretisch anzunähern.
Hier setzt das bereits 2006 erschienene Buch des mittlerweile verstorbenen Genozidforschers und Historikers Boris Barth an. Dieses beginnt mit einem Kapitel, das sich der Einordnung, Klassifikation und Darstellung sowie der Kontroversen sowie den begrifflichen Problemen des Genozids widmet. Danach stellt er in weiteren Kapiteln eindeutige Fälle von Völkermorden und jene mit Genozidverdacht dar, bevor er sich der Struktur von Gesellschaften widmet, in denen solche Verbrechen verübt wurden und auch Frühwarnsignale erörtert, um einen Genozid zu erkennen.
Wie schwierig es selbst für einen ausgewiesenen Experten ist, dieses Thema sachlich und ohne darzustellen ohne dabei Andere vor den Kopf zu stoßen oder Kontroversen hervorzurufen, wird an vielen Stellen des Buches sichtbar. Das kann aber auch dazu animieren, sich mit diesem Sachverhalt auseinanderzusetzen – obwohl oder weil es ein „kommunikatives Minenfeld“ ist. Als Einstieg ist diesen Themenkomplex ist Barths Werk bedingt geeignet, da es sich über weite Strecken einem akademischen Diskurs widmet, der missverstanden werden kann und schon 20 Jahre alt ist. Für jene, die mehr als nur Zahlen, Daten und Fakten suchen, ist dieses Buch eine interessante Lektüre, die als Basis für eine weitere Diskussion und Auseinandersetzung geeignet ist.
-keu-
Link zum Buch

Boris Barth
Genozid
Völkermord im 20. Jahrhundert. Geschichte. Theorien. Kontroversen.
Verlag: C.H. Beck, München 2006
978-3-406-52865-1
Softcover, 271 S.
€ 14,90