Deutsche Marinepolitik im Ersten Weltkrieg

Rezension
Benjamin Miertzschke

Das vorliegende Buch beruht auf Dissertation des Autors. Der renommierte Professor Dr. Michael Epkenhans fungiert als Doktorvater und ist auch Garant für die Qualität der Arbeit. Der Autor befasst sich eingehend mit den Fragen der deutschen Marinepolitik während des Ersten Weltkrieges.

Der Seekrieg nach 1914 wurde bereits umfassend erforscht, jedoch sind Fragen welche Vorstellungen die Marine über ihrer Zukunft nach dem Ende des Krieges haben würde, welche neue Schiffstypen erforderlich oder Kriegszielpläne zu verfolgen wären bisher weniger untersucht. Genau in diesen Bereich dringt das Werk nun vor und erläutert bisher wenig bekannte Sachverhalte. Drei leitende Fragen werden behandelt: Die Fortsetzung der Flottenrüstung während des Krieges, die Weiterentwicklung der deutschen Seestrategie nach dem Scheiterndes Konzepts der Entscheidungsschlacht in der Helgoländer Bucht und die Kriegszielpolitik der Marine in Zusammenhang der Flotten- und Strategieentwicklung. Zusätzlich wird auch das Thema der Marinepropaganda beleuchtet.

Das Buch ist in zwei große Abschnitte geteilt. Der erste Teil untersucht das Ende der Tirpitz-Ära und geht auf das Scheitern der seestrategischen Konzeption nach dem erfolglosen Doggerbank-Gefecht ein. Hier wird auch die beginnende Kriegszieldebatte aufgegriffen, die Anstrengungen zum Ausbau der Flotte und das Zerwürfnis zwischen dem Reichkanzler und Tirpitz, welches mit der Absetzung des Staatsekretärs 1916 endete, behandelt.

Der zweite Abschnitt konzentriert sich auf das Wirken Tirpitz‘ Nachfolgers Admiral von Capelle. Da in dieser Zeit der Einfluss des Admiralstabs und des Flottenkommandos unter Admiral Scheer stark zunahm, werden auch diese Marinestellen näher betrachtet. Ebenso werden die Typenplanungen nach der Skaggerak-Schlacht näher erläutert, diese sollten nun der Überlegenheitsdoktrin folgen. Hier wird auch auf die Auswirkungen der Ausweitung der U-Bootproduktion auf den Flottenbau eingegangen.

Ein eigenes Kapitel ist den Beziehungen zwischen der Marine und der Werftindustrie gewidmet. Interessant sind auch die Darstellungen zu den Überlegungen der Marine in Bezug auf das Baltikum, Skandinavien und den Überseebesitzungen. Hier offenbarten sich auch die Unterschiede in der Beurteilung der Kriegsziele zwischen der Marine auf der einen Seite und der Reichs- und der Heeresleitung auf der anderen Seite. Zusätzlich wird auf die vorbereiteten und teilweise mit europäischen Staaten verhandelten Marinekonventionen eingegangen. Hier sollten durch strategische Schlüsselpositionen, darunter auch auf dem Gebiet der k.u.k. Monarchie, Rohstofflieferungen und Unterstützungskräfte gesichert werden.

Das vorliegende Werk ist eine äußerst wertvolle Ergänzung zu den bisherigen Abhandlungen zur Kaiserlichen Marine in der Zeit unmittelbar vor dem und während des Ersten Weltkrieges. Es liefert umfassende, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die sich aus dem Studium bisher wenig untersuchter Quellen ergeben. Das Buch sollte in keiner Marinebibliothek fehlen.

-hb-

Link zum Buch

Benjamin Miertzschke

Deutsche Marinepolitik im Ersten Weltkrieg

Der Erbe des Tirpitz-Plans und der Kampf um die „Zukunft auf dem Wasser“

Brill, Schöningh Verlag, 2025

ISBN: 978-3-506-79685-1

563 Seiten

101,77 €