Wehrpflicht für Frauen
Die Wehrpflicht für Frauen ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Nordeuropa zeigt, dass es Leitbilder gibt, nach denen Frauen ihren Militärdienst leisten. Norwegen und Schweden sind Vorreiter einer neuen Form von Gleichstellung: Wehrpflicht als Ausdruck staatsbürgerlicher Verantwortung und gesellschaftlicher Teilhabe – unabhängig vom Geschlecht.
Zu Beginn eine Klarstellung: Wenn die öffentliche Diskussion unter der Überschrift „Wehrpflicht für Frauen“ geführt wird, so handelt es sich faktisch um eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht, in der das biologische Geschlecht kein Unterscheidungsmerkmal ist. In diesem Beitrag werden die drei Fallbeispiele Norwegen, Dänemark und Schweden vorgestellt sowie die aktuelle Diskussion zur Wehrpflicht in Deutschland und Österreich, in der die geschlechtsneutrale Wehrpflicht nur ein Randthema ist, kurz umrissen.
Skandinavien hat in Europa bei der Gleichberechtigung und der geschlechtsneutralen Wehrpflicht eine Vorreiterrolle. So hat Norwegen 2015 als erstes NATO-Mitglied die allgemeine Wehrpflicht geschlechterübergreifend eingeführt. Seither sind Männer und Frauen gleichermaßen verpflichtet, sich der Musterung zu stellen und gegebenenfalls den Dienst in den Streitkräften zu leisten. Die norwegischen Streitkräfte setzen bewusst auf eine hohe Qualität der Rekrutierten. Nur etwa 15 bis 20 Prozent eines Jahrganges werden tatsächlich einberufen. Der Anteil der Frauen unter den Wehrpflichtigen liegt bei etwa einem Drittel – ein Wert, der nicht nur die Zusammensetzung der Streitkräfte verändert, sondern auch deren Kultur nachhaltig positiv beeinflusst.
Ähnlich verhält es sich in Schweden, das 2017 die zuvor ausgesetzte Wehrpflicht wieder einführte und dabei von Beginn an Männer wie Frauen gleichermaßen berücksichtigte. Hier zeigt sich ebenfalls: Die Wehrpflicht für beide Geschlechter trägt nicht nur dazu bei, den Personalbedarf der Streitkräfte zu decken, sondern setzt ein klares Zeichen in Richtung Gleichberechtigung. Zugleich wirft das schwedische Beispiel Fragen auf, die für Österreich von Bedeutung sind:
- Wie lässt sich die Wehrgerechtigkeit in einer modernen Gesellschaft umsetzen, in der nicht jeder Dienstpflichtige tatsächlich eingezogen wird?
- Welche Rolle spielt die Freiwilligkeit in einem verpflichtenden System?
- Wie wirkt sich eine gemischte Truppe langfristig auf die Motivation, die Disziplin und den Zusammenhalt aus?
Außerhalb Europas
Während die skandinavischen Staaten in Europa hinsichtlich einer geschlechtsneutralen Wehrpflicht eine Vorreiterrolle einnehmen, ist in den meisten Staaten der Welt der Militärdienst für Frauen freiwillig. Eine der bekanntesten Ausnahmen ist Israel. Die Dienstpflicht von Frauen in den israelischen Streitkräften besteht seit 1949. Der Unterschied: Frauen werden 24 Monate eingesetzt, Männer 32 Monate. Israels Frauen zogen 2006 erstmals zusammen mit den Männern in einen Krieg – dem zweiten Libanon-Krieg.
In den Vereinigten Staaten können Frauen seit 1993 in Kampfeinheiten dienen und seit 2010 (Mannschaftsdienstgrade erst ab 2016) auch auf U-Booten. Mit etwa 200.000 Soldatinnen stellen sie 14 Prozent des Gesamtpersonals. In China unterliegen jene Frauen im Alter von 18 bzw. 19 Jahren der Wehrpflicht, die einen Schulabschluss haben und die Anforderungen für bestimmte militärische Berufe erfüllen. Burma, Osttimor und Nordkorea verpflichten Frauen ebenfalls zum Wehrdienst. In Nordkorea müssen Frauen seit 2015 Militärdienst leisten; das Mindestalter beträgt 17 Jahre und kann je nach Bildungsgrad bis zu sieben Jahre dauern.
Die höchste Anzahl der Länder mit einer Wehrpflicht für Frauen ist in Afrika. Im ostafrikanischen Staat Eritrea beträgt die Dauer der Wehrpflicht für Männer und Frauen gleichermaßen 18 Monate. Im Tschad, in Guinea-Bissau, Mali, Mosambik, auf den Kapverden und im Niger ist der Dienst mit der Waffe für Frauen ebenfalls verpflichtend. Eine nähere Betrachtung dieser Wehdienstmodelle ist nicht sinnvoll, da dort andere gesellschaftliche und staatspolitische Voraussetzungen herrschen und daher die Ableitungen für Europa nur bedingt brauchbar sind.
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Norwegen
Norwegen gilt seit Jahren als Vorreiter, wenn es um die Einberufung von Frauen in die Wehrpflicht geht. Es wird international oft als „Modellfall“ genannt. Viele Staaten beobachten und analysieren die Erfahrungen Norwegens, um die eigenen Reformbestrebungen zu adaptieren.
2015 führte der Staat als erstes NATO-Mitglied eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht ein. Seitdem werden Männer und Frauen gleichermaßen gemustert und können zum Militärdienst herangezogen werden. Diese Entscheidung war nicht nur ein sicherheitspolitischer, sondern vor allem ein gesellschaftlicher Schritt: Dieser wurde in Norwegen als Signal verstanden, dass bei den staatsbürgerlichen Pflichten ebenso die Gleichstellung gilt. Fast ein Jahrzehnt später zeigt sich, dass die Reform militärisch und gesellschaftlich ihre Wirkung entfaltet hat – jedoch nicht ohne Reibungen und Kontroversen.

Grundlage
Die Wehrpflicht hat in Norwegen eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert war sie fest in der Gesellschaft verankert und galt ausschließlich für Männer. Frauen erhielten erst in den 1980er-Jahren die Möglichkeit, freiwillig Wehrdienst zu leisten. Der entscheidende Schritt erfolgte 2013, als das norwegische Parlament nach einer intensiven Debatte die geschlechtsneutrale Wehrpflicht beschloss. Zwei Jahre später trat das Gesetz in Kraft.
Seither gilt, dass alle norwegischen Staatsbürger zwischen 19 und 44 Jahren (bzw. 55 Jahre für Offiziere) grundsätzlich wehrpflichtig sind. Die Einberufung zur Stellung erfolgt in dem Jahr, in dem man 17 Jahre alt wird. Jedes Jahr werden etwa 65.000 Männer und Frauen zur Stellung einberufen, aber nur rund 9.000 werden zu Wehrpflichtigen. Damit liegt die Einzugsquote bei etwa 15 bis 20 Prozent pro Jahrgang. Die Erhöhung dieses Kontingentes ist Teil des norwegischen Aufwuchsplanes. Die gesetzliche Regelung ist also „universal“ in Bezug auf das Geschlecht, aber „selektiv“ in Bezug auf die tatsächliche Zahl der Eingezogenen. Dieser Spagat ermöglicht es, hohe Standards zu halten und den Dienst attraktiv zu gestalten.
Seit Einführung der geschlechtsneutralen Pflicht stieg der Anteil von Frauen unter den Eingezogenen deutlich: von etwa 17 Prozent 2015 auf rund 33 Prozent 2023. In manchen Jahrgängen wird fast die Hälfte der Eingezogenen je nach Bedarf und Bewerberlage durch Frauen abgedeckt. Im aktiven Militärdienst beträgt der Frauenanteil etwa 14 Prozent. In den höchsten Führungsebenen liegen fünf von 16 Spitzenposten in weiblicher Hand – eine Quote, die international hervorsticht. Dennoch bleibt der Übergang vom Grundwehrdienst zu einer längeren Verpflichtung eine Schwachstelle. Viele Frauen absolvieren zwar die Grundausbildung, entscheiden sich aber nicht für die Berufslaufbahn.
Ablauf und Dienstzeit
Der Grundwehrdienst dauert in der Regel zwölf, in einigen Einheiten sogar bis zu sechzehn Monate. Unverändert bleibt, dass die Grundausbildung etwa sechs bis acht Wochen dauert und die Reservisten durch wiederkehrende Übungen an die Truppe gebunden werden können. Insgesamt darf die Summe aus aktivem Dienst und Übungen neunzehn Monate nicht überschreiten. Eine Reservepflicht besteht bis zum 44. Lebensjahr.
In den Kasernen werden Männer und Frauen, die in einer Einheit dienen, in den meisten Fällen gemeinsam im selben Zimmer untergebracht – auf freiwilliger Basis. Seit einigen Jahren hat sich diese Praxis bewährt und durchgesetzt. „Ein Effekt ist, dass sich die Frauen und Männer gegenseitig als Soldaten betrachten und nicht als Vertreter des anderen Geschlechtes. Und das ist vorteilhaft für die Streitkräfte“, argumentierte 2015 die damalige Verteidigungsministerin.
Gesellschaft
Für viele Norwegerinnen ist die Pflicht ein Symbol einer echten Gleichstellung. Männer und Frauen tragen gemeinsam die Verantwortung für die Sicherheit des Landes. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die geschlechtsneutrale Wehrpflicht unterstützt. Bereits 2009 war eine klare Mehrheit der Norweger für die Einführung einer Wehrpflicht für Frauen. Etwa 60 Prozent der Befragten waren dafür, Männer und Frauen gleich zu behandeln. Besonders jüngere Befragte und Frauen selbst zeigten eine hohe Zustimmung. Die Studie wurde durchgeführt, bevor das Parlament 2015 tatsächlich die geschlechtsneutrale Wehrpflicht beschloss.
Es gibt jedoch auch Einwände. Frauenrechtsorganisationen wie der „Norsk Kvinnesaksforening“ argumentieren, dass eine Gleichstellung nicht durch Zwang erreicht werde. Vielmehr brauche es gleiche Chancen im Zivilen – etwa in der Bildung und Arbeitswelt. Zudem sei die Vereinbarkeit von Wehrdienst mit Care-Aufgaben problematisch, da Frauen noch immer einen Großteil der familiären Verantwortung tragen.
Am Anfang gab es Spannungen. Einige männliche Rekruten akzeptierten weibliche Vorgesetzte nur zögerlich. Inzwischen hat sich dies weitgehend normalisiert. In gemischten Einrichtungen berichten viele Rekrutinnen, dass sie sich als gleichberechtigt behandelt fühlen. Die Befürworter sehen die Wehrpflicht für Frauen als „großen Gleichstellungsschritt“. Sie betonen, dass das Militär von der Diversität profitiert und die Auswahl nach Fähigkeiten und Motivation und nicht nach Geschlecht erfolgt. Die Gegner sehen eine Militarisierung des Gleichstellungsdiskurses. Sie fürchten, dass Pflichtdienste die individuelle Freiheit einschränken. Das gilt genauso für Männer.
» Für viele Norwegerinnen ist die Wehrpflicht ein Symbol einer echten Gleichstellung «
Herausforderungen
Nicht alle eingezogenen Rekrutinnen (und auch Rekruten) absolvieren die gesamten zwölf Monate, sondern beenden vorzeitig den Dienst. Die Abbruchquoten entstehen, wenn gesundheitliche Probleme auftreten oder wenn der Dienst nicht mit den eigenen Bildungsplänen vereinbar ist. Für Studierende kann eine Dienstzeit zwischen Schule und Universität zum Karrierehemmnis werden. Die Integration vieler Frauen erforderte zahlreiche Investitionen. Kasernen wurden umgebaut, Sanitäranlagen erweitert und Ausbilderinnen eingestellt. Zudem mussten Uniformen und Schutzausrüstung in unterschiedlichen Größen verfügbar gemacht werden. Dieser Anpassungsprozess ist bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen.
Nutzen
Norwegen verfolgt mit der Wehrpflicht zwei Hauptziele: erstens den Ausbau der Personalbasis. Mit fast 10.000 neuen Soldaten pro Jahr werden die regulären Kräfte ergänzt und zweitens stellt die norwegische Heimwehr (HG) einen wesentlichen Faktor dar. Die Hauptaufgaben sind die Wahrung der territorialen Integrität, die Stärkung das militärische Präsens und der Schutz wichtiger Infrastrukturen. Die HG verfügt über 40.000 Soldaten (einschließlich 3.000 Schnellreaktionssoldaten und fast 600 Festangestellte), die auf elf Regionen verteilt sind. Der größte Teil des Personals sind Soldaten, die nach Abschluss einer zwölfmonatigen Grundausbildung integriert wurden. Dadurch kann eine gesellschaftliche Verankerung dauerhaft und substanziell gewährleistet werden, denn durch die breite Auswahl bleibt das Militär eng mit der Gesellschaft verbunden.
Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen in Europa, insbesondere seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, ist die Wehrpflicht auch ein Signal an die Partner in der NATO und der Europäischen Union. Norwegens langfristiger Verteidigungsplan sieht in einer umfassenden Verteidigungsstrategie bis zum Jahre 2036 eine erhebliche Aufstockung der Zahl der Wehrpflichtigen und der Reservisten vor. Ziel ist es, die Zahl der wehrpflichtigen Soldaten bis 2036 von derzeit 9.000 auf 13.500 jährlich zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Reservekräfte bis 2036 um weitere 13.700 Personen aufgestockt werden. Bereits im Haushaltsvorschlag für 2025 hat die Regierung eine Aufstockung des Personals um etwa 400 Wehrpflichtige für den Grundwehrdienst und 655 Reservisten vorgesehen.
Fazit
Die Einführung der Wehrpflicht für Frauen hat Norwegen zu einem Pionier gemacht. Das Land hat ein sichtbares Zeichen für die Gleichstellung beim Militär gesetzt und seine Streitkräfte gestärkt. Frauen stellen etwa ein Drittel der Rekrutierung und sind in fast allen Bereichen vertreten. Im Jahr 2024 betrug der Frauenanteil in den norwegischen Streitkräften 15,7 Prozent des militärischen Personals. Bei den Wehrpflichtigen ist der Anteil der Frauen sogar noch höher und liegt bei 36(!) Prozent. Die Herausforderungen bleiben. Nicht jede Frau bleibt langfristig in der Armee, die Infrastruktur ist noch nicht überall optimal und die Balance zwischen Pflicht und Freiwilligkeit sorgt weiter für Diskussionen. Norwegen hat einen Weg gefunden hat, Pflicht, Gleichstellung und militärische Effizienz zu verbinden.
Dänemark
Dänemark hat in einer relativ kurzen Zeit eine sicherheits- und gesellschaftspolitische Zäsur vollzogen. Aus einer lange männlich dominierten und für Frauen freiwilligen Wehrpflicht wird ein geschlechtsneutrales System. Die politischen Auslöser waren ein verschärftes Bedrohungsbild, der Wunsch nach mehr Resilienz, ein gesteigerter Personalbedarf bei den Streitkräften und eine starke Überalterung in der Hjemmevaernet (Dänische Heimwehr). Seit dem Sommer 2025 werden Frauen schrittweise denselben Regeln unterstellt wie Männer. Ab 2026 verlängert sich zudem die reguläre Dienstzeit deutlich. Diese Reformen markieren für Dänemark den größten Umbau des Wehrpflichtsystems seit Jahrzehnten. Die Regierung begründet die Reform mit der sicherheitspolitischen Lage in Europa, der hohen Bündnisdichte in der NATO und EU und dem Bedarf an einer verlässlichen Personalbasis. Es wird wiederholt auf die russische Aggression verwiesen, die den Druck zur Stärkung konventioneller und hybrider Verteidigungsfähigkeiten erhöht.

Ausgangslage
Mit der Verlängerung auf elf Monate ist eine neue Struktur vorgesehen. Diese umfasst einen etwa fünf Monate dauernde Grundausbildung und einen sechs Monate währenden truppennahen Einsatz oder einen anderen Verwendungsdienst. Das Ziel ist es, die Effektivzeit in der Truppe zu erhöhen und die Einheiten spürbar zu entlasten. Bis 2025 waren nur Männer wehrpflichtig (Musterung mit möglichem Losverfahren), Frauen konnten freiwillig dienen, ähnlich wie in Österreich. Die Neuregelung sieht vor, dass alle, die nach dem 1. Juli 2025 unabhängig vom Geschlecht 18 Jahre alt waren, in das Auswahlverfahren geschickt werden. Dänemark bleibt – ähnlich wie Norwegen – bei einem „qualitativ selektiven“ Pflichtmodell. Freiwillige werden weiterhin bevorzugt, der Rest wird per Lossystem ergänzt. Das erlaubt, Jahrgangsstärken flexibel zu steuern und die Ausbildungskapazitäten nicht zu überlasten.
Damit ist Dänemark eines der wenigen Staaten, das Frauen verpflichtend erfasst. Zugleich wurde beschlossen, die Dauer des Grundwehrdienstes schrittweise von bislang vier Monaten (in dieser Ausgestaltung diente dieses Modell fast ausschließlich Rekrutierungszwecken; ausgenommen einzelne Verwendungen bis zu zwölf Monate) auf künftig elf Monate anzuheben. Die Verlängerung auf elf Monate war bewusst gewählt, denn bei sechs Monaten war die Ausbildungszeit zu kurz, um die Soldaten effektiv in die Einheiten einzugliedern. Elf Monate gelten als optimal, um einerseits eine fundierte Ausbildung zu gewährleisten, andererseits die Lebensplanung der jungen Erwachsenen nicht übermäßig zu blockieren. Kurz gesagt: weniger administrative „Anlaufverluste“, mehr produktive Monate in der Einheit. Für Truppenteile mit vielen Übungen sowie Funktionsdiensten wie Wachdienste oder Bereitschaften schafft dieses Wehrpflichtmodell eine spürbare Entlastung. Gleichzeitig verbessert eine längere gemeinsame Zeit der Soldaten die Kameradschaft in den Einheiten.
Zeitplan und Bedarf
Das Verteidigungsministerium kündigte an, den Start der verlängerten Dienstzeit wegen der Dringlichkeit vorzuziehen – nun ab Februar 2026 statt später im Laufe des Jahres. Diese Vorverlegung soll die Einberufung der Kontingente einen neuen Jahresrhythmus anpassen und die Truppenstärken früher erhöhen.
Die dänischen Streitkräfte zogen 2024 etwa 4.700 Dienstleistende ein (davon etwa 24 Prozent Frauen – bis jetzt als Freiwillige). Mit der Reform soll die Anzahl der Einzuberufenden zunächst auf 5.000 pro Jahr steigen und spätestens bis 2030 auf 6.500 pro Jahr anwachsen. Die aktuelle Vorgabe der Regierung umfasst die Einberufung von 7.500 Wehrpflichtigen pro Jahr, davon 6.500 für die Streitkräfte und 1.000 für Aufgaben der zivilen Landesverteidigung. Entscheidend ist, dass sich der Personenkreis der Wehrpflichtigen erhöht und die Dienstzeit (bzw. die Nutzungsphase) länger wird. Abhängig ist diese Bandbreite vom konkreten Finanz- und Infrastrukturpfad. Beides ergibt eine Erhöhung des verfügbaren Personals. Selbst am unteren Ende der Spanne steigt damit die verfügbare Dienstleistung gegenüber 2024 um mehr als 30 Prozent. Bei elf Monaten Dienstzeit erhöht sich die „Mann-Monate“-Leistung pro Jahr nochmals – ein Multiplikatoreffekt, der in den Planungen ausdrücklich einkalkuliert wird.
Anpassungen
Parallel zur quantitativen Ausweitung treiben die Streitkräfte die qualitativen Maßnahmen voran. Ein begleitendes Mentoring und eine zielgerichtete Berufs- und Studienberatung sollen die Abbruchquoten reduzieren. Die zentrale Herausforderung aus Sicht der Streitkräfte ist es, sämtliche Grundwehrdiener – Frauen wie Männer – dauerhaft an die Armee zu binden. Das Ziel ist es, Frauen nicht nur in die Armee zu bringen, sondern auch zu halten – als Sprungbrett für längere Verpflichtungen oder als Reservisten.
Die Reform erforderte zusätzliche Unterbringungs-, Ausbildungs- und Ausrüstungskapazitäten. Nach Angaben der Regierung werden die Kasernen und die Ausrüstung „gender ready“ gemacht. Gleichzeitig sollen das Personal- und die Auswahlverfahren an den erhöhten Bedarf angepasst werden. Für traditionsreiche Einheiten wie die Königliche Garde wurden parallel dazu die Einstellungsbarrieren gesenkt (zum Beispiel der Wegfall bestimmter Körpergrößen), um den Bewerberpool – einschließlich der Frauen – zu vergrößern.
Eine Besonderheit muss bei dem Fallbeispiel Dänemark berücksichtigt werden: Frauen stellten schon vor der Pflichtausdehnung mit etwa einem Viertel der Einberufenen in den jüngsten Jahrgängen einen substanziellen Anteil. Die gesellschaftliche Akzeptanz war bereits vorhanden, und die Armee hat sich weitgehend an die Herausforderungen angepasst. Die Pflichtausdehnung dürfte diesen Trend stabilisieren und in den kommenden Jahrgängen sogar erhöhen, zumal nunmehr ein gesamter Jahrgang systematisch erfasst wird.
Die Musterung mit Eignungsfeststellung, medizinischen Checks und Fähigkeitsprofilen bleiben der Dreh- und Angelpunkt. Die vereinheitlichte Dienstdauer von elf Monaten kann bei Spezialeinheiten oder bestimmten Verwendungen weiterhin abweichen. Das Modell erhöht die Nettoausbildungszeit und erlaubt, die Rekruten früh in einsatzrelevante Grundtätigkeiten einzubinden. In Summe entstehen aus den vier zentralen Hebeln
- mehr Jahrgänge im Pool;
- längere Dienstzeit;
- priorisierte Freiwilligkeit und
- gezielte Losergänzung
ein deutlich höherer Personalbeitrag pro Kalenderjahr.
» Alle, die vom Staat Schutz erwarten, sollen auch zum Schutz beitragen «
Debatte und Vergleich
In der öffentlichen Diskussion dominierte ein wesentliches Gleichstellungsargument, dass die staatsbürgerliche Pflicht nicht beim Geschlecht enden soll. Die Meinungsbilder zeigten eine breite Unterstützung für die gestärkte Verteidigungsfähigkeit. Zeitgleich wurden Fragen nach den Studien- und Berufsplänen, der Care-Arbeit und der Vereinbarkeit gestellt. Ein entscheidender Akzeptanzfaktor ist, dass Dänemark weiterhin Freiwillige bevorzugt und die Losziehung als Ergänzung nutzt – ein Mechanismus, der die Eingriffe in individuelle Lebensläufe abmildern soll. Medienberichte dokumentieren eine hohe Zustimmung zu den Grundzielen, bei teils kontroverser Detailkritik.
Die Regierungschefin Mette Frederiksen und der Verteidigungsminister preisen die Reform als „Gleichstellung plus Wehrhaftigkeit“ an, was sich in mehr Fairness zwischen den Geschlechtern und mehr Durchhaltefähigkeit der Landesverteidigung ausdrückt. Die Botschaft lautet daher: Wer abschreckt und Krieg verhindern will, braucht Substanz – materiell und personell.
Way ahead
Die Regierung flankiert die Reform mit einem beschleunigten Investitionspfad. In zwei neuen Verteidigungsabkommen aus 2024 wurden Investitionen von 1,26 Mrd. Euro beschlossen, ebenso wie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben um insgesamt 9,16 Mrd. Euro für 2024 bis 2028 zur Finanzierung zentraler Vorhaben, zur Unterstützung der Ukraine und zur Konsolidierung der eigenen Fähigkeiten. Das zeigt, dass die Wehrpflichtreform in Dänemark nicht isoliert betrachtet wird, sondern als Teil eines größeren „Defence Agreement“-Komplexes gesehen werden muss. Damit wird Dänemark dauerhaft über die innerhalb der Allianz geforderten Zielmarken herangeführt. So ist das Budget für die Landesverteidigung 2025 knapp unter drei Prozent des BIP und wird die Marke von drei Prozent ab 2026 dauerhaft bis 2033 überschreiten.
Herausfordernd bleiben die Ausbildungs- und Kaserneninfrastruktur, die Bindung und der zusätzliche Bedarf von Ausbildungskader, die Synchronisierung mit den Hochschulen und den zivilen Betrieben sowie die Balance zwischen der Freiwilligenquote und der Losergänzung. Auch mit dem verlängerten Dienst ist die Nettoverwendungszeit endlich. Entscheidend wird sein, wie effektiv die Jahrgänge, was die operativen Bedürfnisse anbelangt (im Bereich des Heeres und des Heimatschutzes, in der Marine, im Cyber Warfare und in der Logistik), den einzelnen Einheiten zugeteilt werden können. Die Regierung hat bereits angekündigt, die Kapazitäten dynamisch zu justieren und die Investitionspfade je nach Lage fortzuschreiben. Voraussetzung dazu ist, dass der politische Wille auch in Zukunft anhält.
Mit dem Schritt zur geschlechtsneutralen Wehrpflicht positioniert sich Dänemark in der kleinen Gruppe europäischer Staaten, die Frauen verpflichtend erfassen. Die Reform hat die Debatten in den Nachbarländern befeuert und liefert „harte“ Kennzahlen, an denen sich die Wirksamkeit messen lässt. Anhand der Einberufungen pro Jahr, des prozentuellen Frauenanteils, der Durchhaltefähigkeit der Einheiten sowie der entscheidenden Übergangsquoten in die längeren Verpflichtungen soll dies verdeutlicht werden. Die kommenden Jahrgänge werden zeigen, ob die Kombination aus Gleichstellung, Qualität und längerem Dienst die erhoffte Wirkung entfaltet.

Schweden
In Schweden entfachte 2013 die ins Auge gefasste Einführung der Wehrpflicht für Frauen eine intensive politische Debatte. Hintergrund war die angespannte Sicherheitslage, die das Vertrauen in die rein freiwillige Truppenstärke erschütterte. Befürworter argumentierten, dass eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht nicht nur die Truppenstärke sichere, sondern auch ein klares Signal für Gleichberechtigung senden würde. Kritiker warnten vor der unnötigen Belastung und den finanziellen Kosten.
Lage und Personal
Als 2010 die Wehrpflicht unter der bürgerlichen Regierung ausgesetzt wurde, begründete man dies folgendermaßen: Schweden brauche in Friedenszeiten keine Wehrpflichtigen mehr, eine Berufsarmee sei ausreichend. Es zeigte sich aber relativ schnell, dass die Berufsarmee zu klein war. Die schwedischen Streitkräfte hatten einen akuten Personalmangel und konnten ihre Einsatzfähigkeit nicht mehr sicherstellen. Mit dem aggressiveren Auftreten Russlands und den zunehmenden Spannungen in der Ostsee wuchs der Druck, die Verteidigung zu stärken. Schweden war alleine militärisch zu schwach. Das Land hatte zu wenig Personal und eine zu geringe Abschreckungswirkung. Daraufhin beschloss die Regierung 2017, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Neu hingegen war, dass sie diesmal sowohl für Männer als auch für Frauen galt. Die Entscheidung fand im Reichstag eine breite Zustimmung.
Am 1. Januar 2018 trat die Reform bereits in Kraft. Jährlich stieg die Zahl der eingezogenen Wehrpflichtigen (2018 rund 4.000, inzwischen sind es mehr als 8.000). Aus österreichischer Sicht politisch interessant ist dabei, dass die damalige Regierung Löfven I (2014 bis Ende 2018) eine Koalition aus Sozialdemokraten und den Grünen war. Schweden versteht sich in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit als Vorreiter. Eine Wehrpflicht nur für Männer wäre in Schweden mit diesem Selbstverständnis kaum vereinbar gewesen. Daher wurde die „neue“ Wehrpflicht von Anfang an geschlechtsneutral gestaltet. Männer und Frauen sind gleichermaßen verpflichtet, sich registrieren zu lassen und gegebenenfalls den Wehrdienst zu leisten.
Die geschlechtsneutrale Wehrpflicht sollte nicht nur die Personalprobleme lösen, sondern auch ein gesellschaftliches Signal setzen. Die Verteidigung ist die Aufgabe aller Bürger, nicht nur der Männer. Damit wollte man die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen und Vorwürfe der Ungleichbehandlung vermeiden. Schweden war nach Norwegen (2015) der zweite europäische Staat, der Frauen aktiv in die Wehrpflicht einbezog. Die Entscheidung passte zu einem nordischen Modell, worin Gleichstellung im Militär als Teil der Gleichstellungspolitik insgesamt betrachtet wird.
Anfänge
1901 kam es zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Alle schwedischen Männer mussten Grundwehrdienst leisten. Frauen wurden nicht einbezogen, konnten aber freiwillig im Militär mitwirken (zum Beispiel in Hilfsdiensten). Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg gab es hohe Einberufungsquoten. Schweden blieb neutral, hielt aber große Streitkräfte bereit. In Spitzenzeiten mussten bis zu 50.000 Rekruten pro Jahr dienen. In den 1990er-Jahren begann mit dem Ende des Kalten Krieges wie überall in Europa eine Reduzierung der Streitkräfte. Immer weniger Wehrpflichtige wurden tatsächlich eingezogen. Viele Jahrgänge mussten überhaupt keinen Dienst mehr leisten. 2010 wurde die Wehrpflicht offiziell ausgesetzt. Schweden setzte auf eine Berufsarmee mit Freiwilligen.
Alle 18-Jährigen müssen einen Fragebogen („Musterungsunterlage“) ausfüllen, der den Gesundheitsstatus, die Motivation etc. abfragt. Danach werden geeignete Kandidaten medizinisch und physisch geprüft. Der Dienst ist für Frauen und Männer gleich. Heute betrachtet Schweden die Wehrpflicht als Kernstück seiner Verteidigungsfähigkeit. Sie gilt als Modell, das die Gleichstellung betont (Pflicht für Männer und Frauen) und genug Flexibilität nach sich zieht (nur ausgewählte werden tatsächlich eingezogen). Es müssen nicht alle Wehrpflichtigen den Dienst leisten, da eine Auswahl erfolgt.
Der Anteil der Frauen unter den Wehrpflichtigen wächst langsam, war aber schon seit 2018 relativ stabil du lag im Bereich von etwa 15 bis 18 Prozent. Aktuell sind etwa 20 Prozent der Wehrpflichtigen in Schweden Frauen. Nach Angaben der Einberufungsbehörde werden unter beiden Geschlechtern diejenigen ausgewählt, die am besten geeignet sind und das Potenzial haben, eine Grundausbildung zu absolvieren, wobei die Motivation ein wichtiger Faktor für die Auswahl ist. Ziel der schwedischen Streitkräfte ist es, den Anteil der wehrpflichtigen Frauen auf 30 Prozent zu heben.
Politische Diskussion
Schweden zeigt insgesamt eine große Bereitschaft, das Land militärisch zu schützen. 53 Prozent aller Schweden sind bereit, ihr Land im Kriegsfall militärisch zu verteidigen. Männer äußern sich dabei deutlich entschlossener (etwa 69 Prozent) als Frauen (etwa 37 Prozent). Unter den jungen Menschen (18 Jahre) können sich 62 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen vorstellen, den Wehrdienst zu leisten (Meldung aus Juli 2023).
Viele Argumente hinsichtlich der Wehrpflichtdebatte sind in Schweden ähnlich wie in Dänemark und Norwegen. In der schwedischen Öffentlichkeit war die Diskussion um die Wehrpflicht in den vergangenen Jahren von einer Spannung zwischen Sicherheitsinteressen und individuellen Freiheitsrechten geprägt. Nach 2014 akzeptierten viele Bürger, dass das Land ohne Wehrpflicht zu verwundbar sei. In Schweden gibt es eine so genannte „Totalförsvarplikt“, bestehend aus einer zivilen und militärischen Dienstleistungspflicht, bzw. einer allgemeinen Dienstpflicht (Gesetz aus 1994). Diese gilt für jeden schwedischen Staatsbürger und wird nach wie vor weitgehend mit einer selbstverständlich empfundenen Pflicht gegenüber dem Staat und der Gesellschaft bereitwillig erfüllt.
Die Zustimmung blieb nicht widerspruchslos. Kritiker, unter anderem die Friedensorganisation „Svenska Freds“ und einige Studentenverbände, warfen dem Staat vor, junge Menschen mit Zwang in eine Institution zu pressen, die auf Gewaltanwendung beruht und sahen darin einen Widerspruch zu den demokratischen Prinzipien. Auch Themen wie die psychischen Belastungen, die Transparenz über die Rechte und Pflichten als Soldat, Fragen nach Auslandseinsätzen sowie die Probleme bei der Integration von Frauen wurden immer wieder hervorgehoben. Die Befürworter betonten dagegen, dass Wehrpflicht für alle den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärke und ein klares Zeichen der Gleichberechtigung sei.
Insgesamt ist die öffentliche Meinung gemischt, aber mit einer klaren Mehrheit für die Notwendigkeit des neuen Modells. Einerseits erfüllt die Schweden mit Stolz, dass sie zu den ersten Ländern mit einer gleichgestellten Wehrpflicht gehören, andererseits gibt es deutliche Bedenken hinsichtlich der Freiheitseinschränkungen, der Geschlechtergerechtigkeit in der Praxis und der Belastung für junge Menschen. So prägt die Diskussion in Schweden bis heute eine grundsätzliche Akzeptanz aus sicherheitspolitischen Gründen, verbunden mit einer kritischen Debatte über die Konsequenzen im Alltag.
Die vom Parlament im Dezember 2024 verabschiedeten Wehr- und Budgetgesetze für den Zeitraum 2025 bis 2030 sehen vor, die Zahl der Wehrpflichtigen bis 2030 auf 10.000 und zwischen 2032 und 2035 auf etwa 12.000 zu erhöhen. Die Anzahl der Auffrischungslehrgänge wird erhöht, um die Fähigkeit zu erhalten. Das Ziel für die schwedische Home Guard ist es, bis 2030 rund 26.000 Personen (derzeit etwa 22.000) zu umfassen. Die Pro- und Contra-Argumente in der öffentlichen Debatte sind teilweise ähnlich wie in den anderen Fallbeispielen.

Pro
Die Entwicklungen in Russland und die Spannungen in der Ostsee machen eine größere, einsatzfähige Armee nötig. Nur die Wehrpflicht liefert ausreichend Personal. Der Wehrdienst wird als „gemeinsame Aufgabe“ verstanden, die alle Bürger betrifft. Er stärkt das Verantwortungsgefühl und die nationale Einheit. Männer und Frauen leisten gleichermaßen Dienst. Dies wird als Symbol für Schwedens Anspruch gesehen, weltweit Vorreiter in Gendergerechtigkeit zu sein. Verteidigung gilt als Bürgerpflicht: Diese gilt als demokratisch legitim: Alle, die vom Staat Schutz erwarten, sollen auch zum Schutz beitragen. Der Wehrdienst bietet eine Ausbildung und den Zugang zu Berufen beim Militär, bei der Polizei und beim Zivilschutz. Er wird als Sprungbrett für Jugendliche gesehen.
Contra
Die Wehrpflicht wird als Eingriff in die persönliche Freiheit interpretiert – junge Menschen werden zum Dienst und zur militärischen Ausbildung verpflichtet. Fälle von Überlastung, Angststörungen und sogar Suiziden haben die Sorgen verstärkt, dass das System nicht ausreichend auf die mentale Gesundheit achtet. Die Kritiker bezeichnen die Wehrpflicht als „staatlichen Zwang“, der im Widerspruch zu schwedischen Freiheits- und Demokratieprinzipien stehe. Da nur ein Teil eines Jahrganges eingezogen wird, sehen manche die Wehrpflicht als ineffizient an. Nicht alle leisten gleich viel, manche fühlen sich unfair ausgewählt.
Kritisiert werden die Strafen bei einer Antwortverweigerung und die Pflicht zur Teilnahme am Fragebogen. Jeder 18-Jährige in Schweden muss einen Fragebogen („Musterungsunterlage“) ausfüllen. Wenn man den Fragebogen nicht abgibt, droht eine Geldstrafe (etwa 200 Euro). Die Kritik besteht darin, dass das System zwar als „freiwillig“ angesehen wird, aber faktisch ein Zwang zum Ausfüllen besteht, verbunden mit rechtlichen bzw. vermindernden Konsequenzen. Nur ein Teil derjenigen, die die Fragebögen ausfüllen, werden tatsächlich ausgewählt, da der Bedarf an Wehrpflichtigen deutlich unter der Zahl liegt, die gemustert werden müssen. Einige beanstanden, dass viele Jugendliche zwar mitmachen, aber nicht rein aus Interesse, sondern aus Pflichtgefühl oder gesellschaftlichem Druck.
Außerdem wird debattiert, ob das Auswahlverfahren fair ist, wie stark Gesundheits- oder Fitnesskriterien eingreifen und ob bestimmte Gruppen (zum Beispiel Frauen oder Menschen mit Behinderungen) benachteiligt werden. Damit hängen ebenfalls Fragen der Transparenz und Gleichbehandlung zusammen. Junge Menschen melden sich bei Friedensorganisationen, wenn sie sich in Situationen befinden, in denen sie etwa verpflichtet sind, Waffen zu tragen oder in Einsätzen zu dienen, die sie moralisch ablehnen.
Einige empfinden den Dienst als zu konfrontativ oder fühlen sich schlecht vorbereitet. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Diskussion um die Wehrpflicht oft „top-down“ geführt wird (von der Regierung und dem Militär), weniger von den Betroffenen selbst. Vor allem Jugendliche wünschen sich mehr Informationen und eine Mitsprache sowie mehr Transparenz über die Auswahlkriterien, Verpflichtungen und Rechte. Es gibt auch noch rechtliche und verfassungsrechtliche Fragen. Besonders in Deutschland wird oft gefragt, ob ein Modell wie das schwedische überhaupt mit den jeweiligen Verfassungen vereinbar wäre. Dort geht es unter anderem um die Gleichbehandlung, den Zwang und die Pflichten, die gesetzlich klar geregelt sein müssen.
» Verteidigung ist die Aufgabe aller Bürger, nicht nur der Männer «
Frauenanteil
Die lineare Projektion zeigt, dass bei gleichbleibendem Trend der Frauenanteil von 30 Prozent erst im Jahr 2035 erreicht werden würde. Das liegt deutlich hinter dem Ziel der schwedischen Streitkräfte, die diese Schwelle schon in den 2030er-Jahren verwirklicht sehen wollen. Dafür wären aber zusätzliche Maßnahmen nötig. Schweden verfolgt ein Bündel davon, um den Frauenanteil unter den Wehrpflichtigen (und im Militär allgemein) zu erhöhen. Die schwedischen Streitkräfte haben eigene Werbekampagnen gestartet, die speziell Frauen ansprechen – mit dem Ziel, den Wehrdienst nicht als „typisch männliche“ Aufgabe darzustellen. Dazu gehören Bilder, Spots und Social-Media-Inhalte, die die Diversität betonen und Frauen in verschiedenen Rollen zeigen. Soldatinnen werden stärker in der Öffentlichkeit präsentiert, um als Role Models zu wirken. Weibliche Offiziere oder Frauen in technisch anspruchsvollen Bereichen sollen zeigen, dass Karriere im Militär für Frauen möglich und attraktiv ist. Kasernen und Unterkünfte werden angepasst, damit sie für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet sind (zum Beispiel sanitäre Einrichtungen, getrennte Bereiche).
Maßnahmen gegen Belästigung und Diskriminierung sind ein erklärtes Ziel, da dies in Umfragen oft als Hindernis genannt wurde. Es wird diskutiert, ob das 30-Prozent-Ziel durch kontingentierte Auswahl unterstützt werden soll. Das heißt, bei der Auswahl für die Grundausbildung soll ein Mindestanteil an Frauen berücksichtigt werden, auch wenn Männer in der Masse verfügbar sind. Die Angebote für die Ausbildung, das Studium und für technische Berufe innerhalb der Armee sollen attraktiver gestaltet werden, um junge Frauen für den Dienst zu gewinnen. Betont wird auch, dass der Wehrdienst ein „Sprungbrett“ sein kann, etwa für die Polizei, den Zivilschutz oder andere staatliche Institutionen. Es sollen mehr Beratungsstellen angeboten werden, wobei unter anderem auch geschlechtersensibel vorgegangen werden soll. Dies kann helfen, die Abbruchquote zu senken und den Wehrdienst für Frauen sicherer und ansprechender zu machen.

Deutschland
Die Wehrpflicht in Deutschland ist seit 2011 ausgesetzt, aber nicht abgeschafft. Verfassungsrechtlich bleibt diese durch den Art. 12a im Grundgesetz jederzeit reaktivierbar. Sie betraf bisher ausschließlich Männer ab 18 Jahren. Diese einseitige Pflicht wirft zunehmend rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter. Der Art. 3 des Grundgesetzes garantiert die Gleichheit von Männern und Frauen, erlaubt aber in bestimmten Bereichen Differenzierungen. Das Bundesverfassungsgericht hat die ausschließliche Wehrpflicht für Männer mehrfach mit der Begründung gebiligt, dass der Gesetzgeber auf die besondere Rolle der Männer in der militärischen Verteidigung hinweisen dürfe. Dennoch bleibt dies vor dem Hintergrund moderner Diskurse über die Gleichberechtigung umstritten.
Gesellschaftlich wird argumentiert, dass eine nur auf Männer beschränkte Wehrpflicht einem überholten Rollenbild nachgeht, nämlich Männer als „Verteidiger“ und Frauen als „Ausgenommene“. In Zeiten, in denen Frauen im Militär gleichberechtigt dienen können und dies faktisch auch tun, wirkt diese Differenzierung anachronistisch. Das beweisen die vorhergehenden Beispiele in Norwegen und Schweden. Diese Modelle zeigen, dass eine zeitgemäße Wehrpflicht nicht zwingend an ein Geschlecht gebunden sein muss.
In Deutschland bestehen praktische und politische Bedenken. Eine Ausweitung auf Frauen würde organisatorisch einen erheblichen Mehraufwand erfordern und könnte auf gesellschaftliche Widerstände stoßen. Zudem wird generell diskutiert, ob die allgemeine Wehrpflicht – unabhängig vom Geschlecht – in Deutschland notwendig ist. Genau zu Redaktionsschluss hat sich der deutsche Bundestag nach einer wochenlangen Debatte auf einen neuen Wehrdienst geeinigt. Der Dienst bleibt zunächst freiwillig, jedoch kommt es bei Personalmangel zu einer „Bedarfswehrpflicht“. Ab 2026 werden an alle jungen Männer und Frauen zum 18. Geburtstag ein Online-Fragebogen versandt. Männer müssen ihn ausfüllen, für Frauen ist das freiwillig. Dabei soll das Interesse am Dienst in der Bundeswehr abgefragt werden. Geeignete Kandidaten werden danach zur Musterung eingeladen. Es gibt also weiterhin keinen Zwang zum Wehrdienst. Ab dem 1. Juli 2027 wird die Musterung für alle Männer ab dem Jahrgang 2008 wieder verpflichtend. Ziel ist es, ein umfassendes Lagebild über das potenziell verfügbare Personal zu gewinnen.
Im Wesentlichen eröffnet dieses Gesetzes die Möglichkeit, die Wehrpflicht flexibel handzuhaben. Die Bundesregierung erhält die Befugnis, die Einberufung zum Grundwehrdienst per Rechtsverordnung anzuordnen. Dies ist auch außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalles möglich, sofern die verteidigungspolitische Lage einen schnellen Aufwuchs der Streitkräfte erfordert, der auf freiwilliger Basis nicht erreicht werden kann. Es ist unklar, welche Mechanismen greifen sollen, wenn sich nicht genügend Freiwillige finden. Das Losverfahren lehnte Verteidigungsminister Pistorius ursprünglich ab.
Insgesamt bewegt sich die Diskussion zwischen drei Polen:
- völlige Abschaffung der Wehrpflicht;
- geschlechtsneutrale Ausweitung;
- Rückkehr zum alten Modell.
Vor dem Hintergrund neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen – etwa durch den Krieg in der Ukraine – wird diese Debatte wieder aktueller.
Österreich
In Österreich ist die Wehrpflicht durch Art. 9a B-VG verfassungsrechtlich festgeschrieben und betrifft alle männlichen Staatsbürger ab der Vollendung des 18. Lebensjahres. Frauen sind davon ausgenommen, können aber seit 2023 freiwillig den Grundwehrdienst beim Bundesheer ableisten. Bislang rückten 126 Frauen zum Wehrdienst im Bundesheer ein. Diese Ungleichbehandlung wird zunehmend diskutiert, da der Gleichheitsgrundsatz auch gleiche Pflichten nahelegt. Die ehemalige Bundesministerin Maria Rauch-Kallat betonte etwa: „Gleichberechtigung bedeutet auch Gleichverpflichtung.“ Österreich befindet sich in der Wehrpflichtdebatte an einem Scheideweg. Zwar besteht nach wie vor die allgemeine Wehrpflicht für Männer, doch die Diskussion ist (zu Redaktionsschluss) keineswegs beendet.
2013 kam es zu einer Volksbefragung über die Wehrpflicht – als Gegenpol zur Berufsarmee. Von den Frauen war damals keine Rede. Im Juni 2025 hat Verteidigungsministerin Claudia Tanner eine Wehrdienstkommission eingesetzt, die bis Jahresende 2025 drei konkrete Reformvorschläge für den Wehr- und Zivildienst erarbeiten soll. Die Kommission besteht aus 23 Experten unter dem Vorsitz des Milizbeauftragten Generalmajor Erwin Hameseder. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer möglichen Verlängerung des derzeit sechsmonatigen Grundwehrdienstes und der Stärkung der Miliz. Auch das Zusammenspiel von Wehr- und Zivildienst wird neu durchdacht. Gleichzeitig werden vereinzelt Stimmen lauter, die eine „geschlechtergerechte Wehrpflicht“ fordern. Es wurde jedoch explizit festgehalten, dass eine Ausweitung auf Frauen derzeit nicht im Fokus stehe.
Kritiker wenden ein, dass eine Wehrpflicht für Frauen organisatorisch und finanziell kaum umsetzbar wäre, da die Infrastruktur des Bundesheeres dafür nicht ausgelegt ist. Zudem sei die historische Begründung der Wehrpflicht als „männliche Verteidigungspflicht“ weiterhin gesellschaftlich tragfähig und eine freiwillige Beteiligung von Frauen biete bereits ausreichend Möglichkeiten. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner reagierte zur Frage der Wehrpflicht für Frauen folgendermaßen: „Solange die Frauen nicht faktisch gleichgestellt sind den Männern, nämlich in jedem Bereich, macht das für mich keinen Sinn.“

Der Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft Brigadier Erich Cibulka hat sich im Gegensatz dazu öffentlich ausgesprochen „über eine Wehrpflicht für Frauen nachzudenken“. Er hält es für möglich, die Wehrpflicht nicht alleine auf männliche Staatsbürger zu beschränken. Für Generalmajor Hamedseder ist die Frage der Wehrpflicht für Frauen noch zu früh und verweist auf einen „politischen Realitätscheck“.
Die Pro- und Contra-Argumente sind teilweise ähnlich wie in Skandinavien. Argumentiert wird dabei zum einen mit dem Prinzip der Gleichberechtigung. Warum sollte die staatsbürgerliche Pflicht nur Männer betreffen, während Frauen davon ausgenommen sind? Zum anderen wird auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen verwiesen, die künftig möglicherweise ein größeres Rekrutierungspotenzial erforderlich machen. Die steigenden Anforderungen an die – jetzt wieder klassische – Landesverteidigung im Kontext mit hybriden Bedrohungen und internationalen Verpflichtungen hat dazu geführt, dass Österreich über neue Wege in der Personalbereitstellung nachdenken muss. Die demographische Entwicklung verschärft die Lage zusätzlich.
Gegner einer solchen Ausweitung verweisen wiederum auf die gesellschaftliche Gegebenheiten. Die Wehrpflicht für Frauen könnte als Eingriff in die individuelle Lebensgestaltung empfunden werden und bestehende Ungleichheiten im Bereich der Care-Arbeit verstärken. Zudem stellt sich die Frage, ob die Infrastruktur des Bundesheeres überhaupt ausreichend auf eine größere Zahl von weiblichen Grundwehrdiener vorbereitet ist. Die Stellungsstraßen zum Beispiel müssten ihre Kapazitäten erheblich ausweiten. Themen wie Unterkunft, Ausbildung und Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen würden erhebliche Anpassungen erfordern.
Die Befürworter betonen, dass gerade durch die Einbeziehung von Frauen ein moderneres und diverseres Bundesheer entstehen könnte, das sich stärker in der Gesellschaft verankert. Die Erfahrungen aus Skandinavien legen nahe, dass gemischte Truppen nicht nur die soziale Kompetenz fördern, sondern die operative Leistungsfähigkeit steigern können. Die Armee ist der Spiegel der Gesellschaft – ein Bild, das in Österreich bislang nur eingeschränkt sichtbar ist.

Die Frage nach der Wehrpflicht für Frauen berührt somit mehr als nur die Personalpolitik des Militärs. Sie ist ein Kristallisationspunkt für gesellschaftliche Grundsatzdebatten: Was bedeutet Gleichberechtigung in einem Bereich, der traditionell männlich geprägt war? Wie viel staatliche Pflicht lässt sich in einer Gesellschaft durchsetzen, die die Individualisierung und Selbstbestimmung hochhält? Und nicht zuletzt wirft die Wehrpflicht für Frauen noch die Frage auf, welche Rolle das Bundesheer in Zukunft spielen soll – eine Armee der gesamten Bevölkerung oder ein professionelles, spezialisierteres Instrument der Sicherheitspolitik?
Fest steht, dass sich Österreich den internationalen Entwicklungen nicht gänzlich entziehen kann. Ob die Einführung einer Wehrpflicht für Frauen tatsächlich bevorsteht oder ob sich alternative Modelle – etwa eine allgemeine Dienstpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger – durchsetzen, bleibt abzuwarten. Besonders in der Revitalisierung der Umfassenden Landesverteidigung sind Aufgaben neben der militärischen Landesverteidigung zu erfüllen. Sicher ist jedoch, dass die skandinavischen Fallbeispiele die österreichische Debatte bereits jetzt beeinflussen. Sie zeigen, dass Gleichstellung im Militär mehr sein kann als ein theoretisches Ideal. Sie kann Realität werden, wenn der politische Wille vorhanden ist und die Gesellschaft den Wandel mitträgt.
Fazit
Was kann eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht leisten und was nicht? Aus den Erfahrungen der angeführten Länder ergeben sich folgende Potenziale:
- Es steht eine größerer Personalpool in Zeiten höherer Anforderungen zur Verfügung. Landes- und Bündnisverteidigung stehen künftig im Vordergrund.
- Die gesellschaftliche Verankerung der Streitkräfte in der Gesellschaft wird ausgebaut und integriert (Armee der Bürger und Bürgerinnen).
- Es ergibt sich eine Gleichbehandlung bei den Rechten und Pflichten. Diese sichtbare Diversität verbessert die Führungs- und Teamkultur.
Es ergeben sich auch einige Herausforderungen:
- Es stellt sich die Frage der Selektionsgerechtigkeit, wenn nicht alle einrücken. Das Lossystem muss nach transparenten Kriterien erfolgen.
- Die Infrastruktur und die Ausrüstung müssen für Frauen angepasst werden. Das umfasst die Unterkünfte, die Sanitätseinrichtungen und die Schutzausrüstung sowie eine angepasste Betreuung.
- Die Vereinbarkeit mit Ausbildung oder Studium sowie der Care-Arbeit ist von der individuellen Situation der Soldatinnen abhängig. Eine pauschale Aussage ist daher nicht möglich.
- Die Bindung über den Grundwehrdienst hinaus ist in den Armeen der Beispielländer unterschiedlich stark (Offiziers/Unteroffizierslaufbahnen, Reserve). Allerdings gilt dies auch für die männlichen Wehrdienstleistenden, wie die derzeitige Personalfluktuation in Österreich zeigt.
Die Einbeziehung von Frauen in die Wehrpflicht ist in den vergangenen Jahren in mehreren europäischen Staaten vom Randthema zum Kern einer sicherheits- und gesellschaftspolitischen Debatte geworden. Der Blick nach Nordeuropa zeigt: Es gibt erprobte Modelle, in denen der Dienst an der Allgemeinheit geschlechtsneutral geregelt ist. Besonders Norwegen und Schweden setzen seit Jahren auf eine Wehrpflicht, die Männer und Frauen erfasst. Dänemark zieht seit 2025 nach. Dort ist Wehrpflicht nicht nur militärische Personalpolitik, sondern auch Ausdruck staatsbürgerlicher Verantwortung und gesellschaftlicher Teilhabe – unabhängig vom Geschlecht.
Die nordischen Erfahrungen zeigen: Geschlechtsneutrale Wehrpflicht kann funktionieren – militärisch und gesellschaftlich. Sie liefert das notwendige Personal für die Landesverteidigung, stärkt die Verankerung der Streitkräfte in der Gesellschaft und sendet ein starkes Signal für die immer wieder geforderte Gleichstellung. Wichtig ist die Begriffsschärfung: Wenn öffentlich von der „Wehrpflicht der Frauen“ gesprochen wird, ist die geschlechtsneutrale Wehrpflicht gemeint. Das biologische Geschlecht ist dabei kein Auswahlkriterium. Erst die geschlechtsneutrale Regelung ermöglicht eine echte Gleichbehandlung.
Für Österreich liegt der Ball vorerst bei der Wehrdienstkommission (zu Redaktionsschluss liegt noch kein Ergebnis vor). Ihre Vorschläge zur Dauer des Wehrdienstes, zur Miliz und zum Zusammenspiel mit dem Zivildienst werden der Debatte neue Impulse liefern. Ob daraus eine Pflicht für alle wird – oder ein modernisierter Status quo –, entscheidet sich entlang von Bedarf, Verfassungspraxis und besonders der politischen Realität. In der Debatte über eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht hinkt Österreich noch hinterher.
Autor
Oberst dhmfD Mag. Erwin Gartler, MBA, MPA, MSc
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