Säulen der Kampfkraft
Mit dem Aufbauplan 2032+ und der Neuausrichtung des Bundesheeres auf seine militärischen Kernkompetenzen entwickelt sich auch die 4. Panzergrenadierbrigade konsequent weiter. Neue Fähigkeiten, technologische Entwicklungen und die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten und Kriegen zeigen deutlich, dass das moderne Gefechtsfeld andere Anforderungen an Ausbildung, Führung und Belastbarkeit von Soldaten stellt.
Drohnen, Sensorik und digitale Aufklärung machen das Gefechtsfeld zunehmend transparent. Bewegungen werden oftmals schnell erkannt, große Gefechtsformationen rasch aufgeklärt und Einrichtungen der Versorgung und Führungsunterstützung in vermeintlich sicherer Tiefe gezielt bekämpft. Gleichzeitig verkürzen moderne KI-unterstützte Führungsinformationssysteme, Sensor- und Waffensysteme die Entscheidungszyklen erheblich und ermöglichen bzw. verlangen mehr Eigenständigkeit auf allen Führungsebenen.
Für mechanisierte Verbände ergeben sich daraus klare Anforderungen, wie
- Tarnung und Signaturdisziplin,
- bewegliche und dezentrale Gefechtsführung,
- bewusster Umgang mit Drohnenbedrohungen und vor allem
Soldaten, die auch unter hoher Belastung kampfkräftig sowie führungsfähig bleiben.
Parallel dazu zeigt das Soziale Lagebild 2025 des BMLV, dass sich die Rahmenbedingungen innerhalb der Streitkräfte verändern. Mit den Generationen Z und Alpha treten Soldaten in die Truppe ein, die anders sozialisiert sind, anders kommunizieren und andere Erwartungen an die Führung haben sowie eine völlig andere persönliche Entwicklung aufweisen als die Generationen davor. Diese Entwicklungen stellen wesentliche sowie zusätzliche Anforderungen an Ausbildung, Führungskultur und Betreuung innerhalb der Truppe. Das bestätigt die eingeschlagene Marschrichtung der 4. Panzergrenadierbrigade.
Die Ideen hinter dieser Marschrichtung sind keineswegs neu. Kameradschaft, Verantwortung, Disziplin, Gehorsam und Leistungsbereitschaft waren schon immer die Grundlagen militärischer Stärke. Die Aufgabe für alle langgedienten Soldaten kann es daher nur sein, neue Kameraden so in die Kampfgemeinschaft aufzunehmen, dass sie diese Werte und Normen verstehen, annehmen und selbst weitertragen, um für die Aufgaben des Gefechtsfeldes des 21. Jahrhunderts vorbereitet zu sein. Das zuvor genannte militärische Narrativ muss zwar teilweise neu formuliert werden, die Normen, Werte und vor allem die Ansprüche an die Soldaten bleiben jedoch unverändert.
Als Kommandounteroffizier ist es meine Vision für die 4. Panzergrenadierbrigade, eine hoch einsatzbereite, moderne mechanisierte Kampfgemeinschaft zu sein, die den Kampf der verbundenen Waffen beherrscht und deren Soldaten körperlich belastbar, mental widerstandsfähig und fachlich kompetent sind. Vor diesem Hintergrund wurden in der Brigade drei miteinander verbundene Maßnahmen – die „Säulen der Kampfkraft“ – im Bereich der Personalentwicklung etabliert, für die ich als Kommandounteroffizier verantwortlich bin:
- Onboarding;
- Mentoring;
- Resilienz.
Das Onboarding gibt den neuen Soldaten Orientierung. Dabei werden Auftrag, Struktur und Werte der Verbände der 4. Panzergrenadierbrigade frühzeitig vermittelt. Das erleichtert den jungen Soldaten den Einstieg in ihre militärische Heimat. Durch diese strukturierte Integration können Ausbildungszeiten effektiv genutzt, Überlastungen beim Kader sowie bei den Rekruten reduziert und die Bindung an den Verband erhöht werden.
Das Mentoring begleitet die Kadersoldaten bei ihrer weiteren Entwicklung. Erfahrene Kameraden unterstützen jüngere sowohl in ihrer fachlichen als auch in ihrer persönlichen Karriere. Damit stärken sie Verantwortung, Zusammenhalt und Führungsfähigkeit. Das ist ein zusätzliches Werkzeug für die Kommandantenverantwortung – ersetzt diese aber nicht.
Die Resilienz zielt darauf ab, die körperliche, mentale und fachliche Belastbarkeit jedes Einzelnen und in weiterer Folge der gesamten Truppe zu stärken und auszubauen. Soldaten werden unter anderem dazu befähigt, auch bei Unsicherheit, Zeitdruck und Belastung handlungsfähig zu bleiben und ihren Auftrag zu erfüllen.
Gemeinsam stärken diese drei Ansätze die Kampfgemeinschaft über die Bataillonsgrenzen hinaus. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung des Kampfwertes als Grundlage der Kampfkraft der 4. Panzergrenadierbrigade, denn:
- Onboarding schafft Orientierung;
- Mentoring fördert Entwicklung;
- Resilienz sichert Einsatzfähigkeit.
Die drei Säulen der Kampfkraft wurden nicht isoliert entwickelt. Sie basieren auf den Erfahrung und Impulsen der Truppe. Das Onboarding greift auf die Ergebnisse des Think Tank der Brigade zurück, während das Mentoring wesentlich vom Engagement und den praktischen Erfahrungen der Mentoren in den Verbänden geprägt ist.
Eines bleibt trotz aller technologischen Entwicklungen unverändert: Moderne Ausrüstung alleine entscheidet kein Gefecht. Entscheidend für den Erfolg auf dem Gefechtsfeld – für das Erfüllen des Auftrages und das Überleben – sind immer die Soldaten, die mit dieser kämpfen. Ohne Kampfgeist, Entschlossenheit und den unbändigen Willen zum Sieg bleibt selbst die modernste Ausrüstung wirkungslos.
Autor
Offizierstellvertreter Armin Regittnig
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