Militärmedizin im Wandel

Allgemein
M. Horn
Verwundetenversorgung auf dem Gefechtsfeld (Foto: VBS/gemeinfrei)

Seit der Antike hat der technologische Fortschritt die Waffensysteme, die Organisation des Sanitätswesens und deren Zusammenwirken geprägt. Versagt die Kette der Sanitätsversorgung, kann bereits ein einziger Verwundeter verhindern, dass Soldaten ihren Auftrag erfüllen können.

Die Militärmedizin befasst sich mit Kampfverletzungen, die durch physische Gewalteinwirkung wie Projektile, Explosionen oder chemische, biologische und atomare Waffen entstehen. Während zu Beginn des Kriegswesens ab der Antike eine schwere Verletzung fast immer den Tod bedeutete, betreiben westliche postheroische Gesellschaften seit ihrer Demokratisierung einen hohen sanitätslogistischen Aufwand, um für jeden Soldaten die bestmögliche Versorgung zu sichern. 

Antike und Altertum

Die Hieb-, Stich-, Wurf- und Pfeilwaffen dieser Zeit führten zu großen Risswunden, offenen Knochenbrüchen, inneren Blutungen sowie Muskel- und Sehnenrissen. Typische Kampfordnungen wie die griechische Phalanx oder die römische Kohortenordnung (Kohorte: taktische Einheit der römischen Legionstruppen, rund 500 bis 600 Mann; Anm.) endeten häufig in chaotischen Nahkämpfen.

Ein organisiertes Sanitätswesen nach heutigem Maßstab war nicht vorhanden. Nach dem Ende der Gefechte trugen Kameraden oder Sklaven die Verwundeten vom Schlachtfeld. Behandelt wurden vor allem sozial Höhergestellte. Amputationen und die Behandlung von Knochenbrüchen waren bereits möglich. Es handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach aber nicht um die allgemeine Praxis. Heilkundige entfernten Pfeile und saugten Blut ab, um vermeintliche Gifte zu beseitigen. Sie trugen Salben, Kräuter oder Hausmittel wie Bier, Milch, Honig, heißes Wasser oder Wein auf. Diesen Mitteln schrieb man eine infektionshemmende Wirkung zu. Es fehlte dafür aber jeglicher wissenschaftlicher Beleg.

Mittelalter und Renaissance

Armbrüste, Langbögen und später das Schießpulver revolutionierten die Durchschlagskraft der Geschoße beträchtlich. Tiefgestaffelte Pikeniere (Soldaten, ausgerüstet mit drei bis fünf Meter langen Spießen; Anm.) verursachten schwere Stich- und Pfählungsverletzungen. Gepanzerte Reiter überrannten die gegnerische Infanterie und bewirkten desaströse Knochenbrüche, und zertrümmerten die Schädel- und Beckenknochen und führten nicht selten zu vollständig zerstörten Körpern. Deformierte Brustpanzer und tief eingedrungene Holz- oder Metallsplitter machten Atembewegungen unmöglich.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen brachten Bauern und Knechte die Verwundeten vom Schlachtfeld. Bader und Feldschere (Heilkundige; Anm.) führten kleinere Eingriffe unter Alkoholbetäubung durch. Feuer oder glühendes Eisen wurde zum Veröden offener Blutungen verwendet. Das medizinische Wissen war oft nur den Klöstern vorbehalten. Eiter galt als notwendiger Teil des Heilungsprozesses und wurde nicht als Zeichen einer Wundinfektion verstanden. Überlebt wurden fast ausschließlich einfache Verletzungen – sofern nicht Wundbrand oder Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus, Pest, Ruhr und Cholera zum Tode führten. 

Die Abbildung zeigt eine vereinfachte Darstellung der Evolution der Militärmedizin von der Antike bis zu aktuellen Konflikten. (Grafik: Martin Horn)

Neuzeit bis industrielle Revolution

Mit der Entwicklung gezogener Feuerwaffen, schwerer Kanonen und der ersten automatischen Schusswaffen stiegen Feuerrate und Feuerkraft erheblich an. Die letale Wirkung war allerdings auf relativ kurze Distanz begrenzt. Daher waren Amputationen schon wenige Hundert Meter hinter den Kampfhandlungen möglich.

Zivile Hilfskrankenträger und Regimentsmusiker unterstützten pferdegezogene „Fliegende Krankenwagen“ und evakuierten Verwundete zu frontnahen Wundärzten. Deren Eingriffe waren rudimentär, schmerzhaft und von Eile geprägt, weil die klinische Sorgfalt der Geschwindigkeit weichen musste. Unzureichende Hygiene und der Irrglaube, die Hitze der Geschosse würde Wunden sterilisieren, sowie ein falsches Verständnis von Eiter führten selbst bei vergleichsweise einfachen Verletzungen zu lebensbedrohlichen Infektionen. Hausmittel wie Schweineschmalz, Zwiebel oder (noch immer) das Übergießen mit Wein oder kochendem Wasser verschlechterten die Situation. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte die Anästhesie längere und schmerzärmere Operationen.

Eine koordinierte Sanitätsversorgungskette war aufgrund einer fehlenden sanitätsdienstlichen Führung sowie eingeschränkter Kommunikationsmittel praktisch unmöglich. Die Einführung einer strukturierten Triage, der Einteilung und Priorisierung medizinischer Hilfeleistung bei unzureichenden Ressourcen, wurde notwendig. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbesserte sich zwar die Ressourcenverteilung, folgte aber noch keinem übergeordneten Ziel. Der Weitertransport geschah oft ohne sanitätsdienstliche Begleitung zu Fuß, mit Pferdefuhrwerken oder später mit Eisenbahntransporten. Lange und beschwerliche Transportwege, extreme Kälte, Hunger und Infektionskrankheiten forderten nach wie vor mehr Opfer als die direkte Waffenwirkung.

Sanitätsversorgung der ukrainischen Armee

Die medizinische Evakuierung startet direkt am Gefechtsfeld, meist aus den Schützengräben. Gewöhnlich müssen wir fünf bis sieben Kilometer bis zum Stabilisierungspunkt zurücklegen. In bestimmten Situationen erlaubte die taktische Lage dies nicht, weshalb die Verwundeten 24 bis 48 Stunden an der Front verbleiben mussten. Wegen dem Steilfeuerbeschuss und der Drohnenbedrohung müssen wir oft bis zur Dämmerung abwarten, ehe wir den Transport in gehärteten Fahrzeugen fortsetzen können. Es ist uns nicht möglich, Patienten Priorität einzuräumen. Mit dem Vorhandensein eines gehärteten Fahrzeuges müssen alle Verwundeten, die hineinpassen, transportiert werden. Da unklar ist, ob und wann wir ein weiteres gehärtetes Fahrzeug erhalten, dürfen wir keinen Verwundeten warten lassen.“

Imperialismus und Weltkriege

Das Aufeinandertreffen von Massenheeren mit Panzern, Artillerie, Maschinengewehren und chemischen Kampfstoffen führte zu verheerenden Verlusten. Durch die weitreichende Waffenwirkung von Luftangriffen und Artillerie mussten Verwundete oft unversorgt über mehrere Kilometer bis zur ersten Triage und chirurgischen Behandlung gebracht werden. Obwohl im Zweiten Weltkrieg fortschrittliche Kommunikationsmittel und geländegängige Transporte die Evakuierungsmaßnahmen beschleunigten und die Transfusion von Vollblut möglich war, erreichten viele Verwundete oft nur mehr ausgeblutet ein Feldlazarett.

Brand- und Fliegerbomben sowie der Einsatz von Flammenwerfern steigerten Explosionstraumata, Brandverletzungen und Inhalationsschäden, die ohne rechtzeitige Behandlung zu massiver Narbenbildung und Gewebeverkürzungen führten. Die Versuche, zahlreiche verbrannte Gesichter und Hände funktionell und ästhetisch wiederherzustellen, trieben die Entwicklung der plastischen Chirurgie voran. Durch eine strukturierte kriegschirurgische Ausbildung, die Einbindung sanitätsdienstlicher Führung sowie das Aufstellen von Sanitätskompanien und -verbänden wurde ein organisiertes Sanitätswesen geschaffen. Sanitätssoldaten auf Kompanieebene waren darauf trainiert, Verbände anzulegen, Infusionen zu verabreichen und Verwundete zu evakuieren. Die Überlebenschancen wurden durch medizinisches Röntgen, externe Fixation (Stabilisierung von Knochenbrüchen durch Metallstifte; Anm.) und intramedulläre Marknagelung (ein chirurgisches Verfahren zur Versorgung von Brüchen von Röhrenknochen; Anm.), die Sanierung des Wundbettes durch Entfernung nekrotischer und fibrinöser Beläge sowie durch antibiotische Therapien verbessert. Amputationen zur Verhinderung von Infektionen wurden dadurch nahezu überflüssig.

War ein Wundarzt im amerikanischen Bürgerkrieg für die Soldaten eines gesamten Regiments verantwortlich, so findet heute sanitätsdienstliche Versorgung bereits auf Gruppenebene statt. (Grafik: Martin Horn)

Postnukleare Kriege

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki enthüllten ungeahnte Dimensionen der Zerstörung. Massive Opferzahlen und der Zusammenbruch infrastruktureller und gesellschaftlicher Strukturen machten eine organisierte Triage aussichtslos. Militärische Großmächte streben an, Konflikte durch technologische Abschreckung bereits im Keim zu ersticken. Weitreichende Artillerie-, Luft- und Raketensysteme waren in der Lage, schwere Druck- und Explosionsverletzungen wie Lungenrisse, Schädel-Hirn-Traumata und ausgedehnte Weichteilschäden zu verursachen. Chemische Kampfstoffe verursachten Organschäden und schwere Fehlbildungen bei Ungeborenen. Guerillataktiken technologisch unterlegener Gegner mit häufigem Einsatz von improvisierten Sprengfallen führten zu penetrierenden Mehrfragmentverletzungen und zu komplexen, stark verunreinigten Wunden.

Die Fortschritte in der Mobilität und Kommunikation beschleunigten die Kontrolle über die Gefechtsfelder. Um den taktischen Bedürfnissen flexibel gerecht zu werden, wurden im Koreakrieg bewegliche „Mobile Army Surgical Hospitals“ eingeführt, die sich später zu weniger mobilen, aber weiterhin verlegbaren „Combat Support Hospitals“ weiterentwickelten. Neu geschaffene „Forward Surgical Teams“ führtenfrontnah eine lebensrettende chirurgische Erstversorgung durch. Die Sanitätssoldaten auf Teileinheitsebene legten Abbindesysteme wie Tourniquets (schlingenförmiges Instrument zum Abklammern von Blutgefäßen; Anm.) und Druckverbände sowie Schienungen an und leiteten eine frühzeitige Flüssigkeitssubstitution, Antibiotika- und Schmerztherapie ein. 

Die Hubschraubereinsätze verkürzten die Zeit bis zur definitiven chirurgischen Versorgung auf etwa eine Stunde. Dieses Prinzip der „Golden Hour“ prägt bis heute die militärischen und zivilen Evakuierungskonzepte. Durch medizinische Innovationen konnten nun offene Schädelverletzungen, ein Blutungsschock oder ein Nierenversagen wirkungsvoll therapiert werden. Die Anerkennung psychologischer Kriegsauswirkungen leistete wichtige Grundlagen für die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen und chronischer Schmerzen.

Die Grafik zeigt die dominierende Methode zur Evakuierung von Verwundeten (zu Fuß – motorisiert – luftbeweglich) sowie die Zeit, bis eine medizinische Versorgungseinrichtung erreicht wird. Die „Golden Hour“ beschreibt das Verbringen eines Verwundeten von seinem Ausfallsort zu einer ersten chirurgischen Versorgung innerhalb einer Stunde. Sie konnte während des Global War on Terror überwiegend eingehalten werden. (Grafik: Martin Horn)
Die Sanitätsversorgungs- und -evakuierungskette sind gemäß NATO-Standard in verschiedene Stufen gegliedert. Die Bezeichnungen entsprechen der im Bundesheer verwendeten Terminologie. (Grafik: Martin Horn)

NATO-Standardisierung

Hochgerüstete Streitkräfte mit Präzisionsmunition, Satellitensystemen, Echtzeit-Vernetzung, Nachtkampf- und Cyber-Fähigkeiten stehen unkonventionell agierenden Gegnern mit improvisierten Explosivwaffen gegenüber.

Die einseitige Luftüberlegenheit führt zu nahezu uneingeschränktem Hubschraubereinsatz und zur raschen medizinischen Evakuierung (MEDEVAC – Medical Evacuation). Gut organisierte Feldspitäler auf Containerbasis oder in festen Anlagen bieten bereits im Einsatzraum Versorgungsstandards, die mit zivilen Traumazentren vergleichbar sind. Die Gesamtsterblichkeit von Soldaten ist so gering wie in keinem anderen Krieg zuvor. Das Bild eines „überlebbaren Krieges“ wird vermittelt.

Die üblichen Spreng- und Explosivwaffen führen zu komplexen Wunden, offenen Knochen- und Schädelbrüchen, massiven Gewebezerfetzungen, verbranntem und abgelöstem Gewebe sowie starker Fremdkörper-Kontamination. Beinahe die Hälfte der Verwundeten berichtete später über chronische Schmerzen. Die Sofortbehandlung lebensbedrohlicher Blutungen beginnt bereits unter feindlichem Beschuss (Verwundetenversorgung unter Feuer). Medizinisch geschultes Personal (Medics) auf Halbzugs- bis Zugsebene behandeln Atemwegsverlegungen, massive Blutungen, Wärmeverlust, Gewebeübersäuerung und Schock hinter der nächsten Deckung (Taktische Feldversorgung) und während der Evakuierung (Taktische Evakuierungsphase). 

Gemäß der Roles of Medical Care (Role) wird innerhalb einer Stunde eine medizinische Notfallversorgung (Role 1/2) sowie innerhalb von zwei Stunden eine fachchirurgische Versorgung (Role 3) erreicht. Eine strategische MEDEVAC erlaubt zudem den Transport Schwerverwundeter innerhalb von drei Tagen zu Traumazentren im Heimatland (Role 4). Zu den medizinischen Neuerungen, die auch für die Militärmedizin verfügbar sind, zählen technologisch unterstützte Chirurgie, intensivmedizinische Behandlung, Breitbandantibiose (Behandlung einer bakteriellen Infektion mit einem Breitbandantibiotikum; Anm.), laborwertgezielte Therapie, Substitution von Gerinnungsfaktoren und Blutprodukten sowie Organersatzverfahren.

» Die Errungenschaften der Genfer Konvention wie der besondere Schutz von Sanitätspersonal und Verwundeten scheinen vergessen zu sein. «

Russisch-Ukrainischer Krieg

Cyber-Angriffe, künstliche Intelligenz, Drohnen, biometrische Zielerkennung, Echtzeitaufklärung und die Wiederkehr von ABC-Bedrohungen verändern das Gefechtsfeld grundlegend. Bis zu zwei Drittel der Angriffe erfolgen durch Drohnen. Thermobare Waffen verursachen stumpfe, penetrierende, thermische und toxische Verletzungen. Moderne Panzer, Rohr- und Raketenartillerie wird auch gegen ungehärtete Bodenziele eingesetzt. Die Rückkehr zu groß angelegten Kampfhandlungen belastet die ohnehin stark beanspruchten Gesundheitssysteme in den Ländern der beiden Kriegsparteien.

Die Sterberate ist im Vergleich zu den früheren Konflikten fünfmal so hoch: Mehr als 75 Prozent der Verwundeten bzw. Verletzten versterben am Ausfallort oder vor Erreichen einer medizinischen Versorgungseinrichtung. Zu 90 Prozent handelt es sich um Extremitätenverletzungen, gefolgt von schweren Schädel-, Hirn-, Thorax- und Abdominaltraumata (Verletzung des Bauchraumes; Anm.). 60 Prozent der penetrierenden (Stich- und Schussverletzungen; Anm.) Wunden liegen seitlich der Körperpanzerung, in 30 Prozent darunter. Bis zu zehn Prozent der Geschoße durchschlagen die Panzerungen. Durch den Kampf in Stellungssystemen haben Splitterverletzungen der durch die Splitterschutzwesten ungeschützten Körperflanke zugenommen.

Kampfhandlungen dauern im Vergleich zu früheren Konflikten länger an. Die eigene Feuerüberlegenheit und der Schutz für medizinische Teams sind kaum mehr möglich. Die „Golden Hour“ kann faktisch nicht mehr eingehalten werden. Bodengebundener CASEVAC (Bergung und Transport von Verletzten und Erkrankten aus einem Kampfgebiet oder Krisenort zu einer sicheren Station für medizinische Versorgung; Anm.) unter Feindbedrohung sowie eine frontnahe verlängerte Feldversorgung bis zu 72 Stunden sind die bittere Realität. Wenn Extremitäten während dieser langen Evakuierungszeit unversorgt bleiben und abgebunden werden müssen, können sie nicht mehr gerettet werden. Die Zahl der Amputationen steigt wieder an.

CASualty EVACuation (Verwundetenevakuierung) und MEDical EVACuation (Medizinische Evakuierung) haben unterschiedliche taktische Vor- und Nachteile. (Grafik: Martin Horn)

Sanitätsversorgung und moderne Kriegsführung

Mittlerweile erhält jeder Soldat eine grundlegende Ausbildung in Sanitätsmaßnahmen. Medics auf Gruppenebene werden zwar angestrebt, es gibt jedoch einen Mangel an ausgebildetem Personal. Kleine Forward Medical Teams operieren zum Teil wenige Hundert Meter hinter den Kampfhandlungen, oft in Kellern und unter direkter Steilfeuereinwirkung. Die Elektronischen Kampf- und Aufklärungsmittel erschweren die Kommunikation und die Logistik, was den Betrieb elektrischer Medizingeräte und die Patientenleitung erheblich einschränkt. Selbst rückwärtige medizinische Einrichtungen sind nicht mehr sicher. Präzises Steilfeuer und Drohnenangriffe über bis zu 400 Kilometer Entfernung von der Front sind möglich. In Folge werden medizinische Fahrzeuge und Einrichtungen nicht mehr gekennzeichnet und Sanitätspersonal in infanteristischen Gefechtstechniken ausgebildet. Die Errungenschaften der Genfer Konvention wie der besondere Schutz von Sanitätspersonal und Verwundeten vor Angriffen scheinen vergessen zu sein. 

Soldaten lernen, wie man Selbst- und Kameradenhilfe leistet. Ein verwundeter Soldat wird erstversorgt und für den Weitertransport in einem gepanzerten Sanitätsfahrzeug vorbereitet. (Foto: Deutsche Bundeswehr/gemeinfrei)

Ausblick

Im Laufe der Zeit haben sich die Kriegsführung und Militärmedizin weiterentwickelt: Neue Strategien, präzise Waffensysteme und die digitale Vernetzung treffen heute auf asymmetrische Gegner. Cyber-Angriffe, Künstliche Intelligenz und autonome Waffensysteme werfen grundsätzliche, ethische und strategische Fragen auf.

Moderne Gefechte führen regelmäßig zu einer großen Zahl an polytraumatisierten und brandverletzten Soldaten, deren Behandlung enorme Mengen an Material, Logistik und Personal erfordert. Zugleich müssen Sanitätsteams immer häufiger unter direktem oder indirektem Beschuss agieren. Vor diesem Hintergrund ist zu erwägen, ob das medizinische Personal genauso umfassend ausgebildet, geschützt und mobil werden muss wie die Kampftruppe selbst. Dazu gehören mit der Kampftruppe eine vergleichbare Schutzausstattung, Selbstverteidigungsfähigkeiten und Vorräte für eine Patientenversorgung über einen Zeitraum bis zu 72 Stunden unter feindlichem Feuer. Nur so lässt sich in Zukunft sicherstellen, dass in hochdynamischen und gefährlichen Einsatzlagen die Versorgung Verwundeter schnell, effektiv und sicher erfolgen kann.


Autor

Major Mag. Dr. Martin Horn, MSc, MBA

S3 im Jägerbataillon Burgenland

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 04/2025 (406): Gamechanger Drohnen

Im vorliegenden Heft wird deutlich, wie vielfältig die Aufgaben moderner Streitkräfte sind. Reinhard Lemp erläutert, was Joint Fire Support in der Praxis bedeutet und welche technischen, taktischen und organisatorischen Voraussetzungen notwendig sind, um diese Fähigkeit wirksam einzusetzen. Moritz…