KOMBATT 267

Ausbildung
C. Stranner
Übung KOMBATT 267
(Foto: Bundesheer/Thomas Landstetter)

Beim Kampf der verbundenen Waffen im scharfen Schuss waren vom Schützen bis zum Brigadekommandanten alle gefordert.

Die eigene Brigadeaufklärung liegt seit Stunden unerkannt in Stellung, als die ersten gegnerischen Kräfte antreten. Diese hatten schon zuvor die „Multinational Division“, in der auch die 3. Jägerbrigade (BSK) eingegliedert ist, angegriffen. „Die Angriffe der aus Westen antretenden verstärkten 6. Panzerdivision  und der 7. motorisierten Schützendivision konnten frühzeitig abgewehrt werden und verzeichneten keinen nennenswerten Raumgewinn. Der tiefe Raumgewinn ausweichender Kräfte der 9. motorisierten Schützendivisio bringt dem Gegner aktuell jedoch den Vorteil, relativ ungehindert in der Tiefe manövrieren und handstreichartig Drehscheiben für einen erneuten Ansatz der Hauptkräfte in Besitz zu nehmen. Die wahrscheinlichste Variante ist die Inbesitznahme der Drehscheibe Zwettl.“ So lautete sinngemäß die Lage der Konfliktparteien.

Der Auftrag „3. JgBrig (BSK) verteidigt am vordersten Rand der Verteidigung, verhindert die Inbesitznahme der Drehscheibe Zwettl durch gegnerische Kräfte und schafft die Voraussetzungen für den Gegenangriff der 4. Panzergrenadierbrigade.“ war der Ausgangspunkt für das Kampfgruppenschießen der 3. JgBrig (BSK), das als Übungsreihe seine Fortsetzung fand. Der Terminus technicus für das Kampfgruppenschießen ist ein Gefechtsschießen verbundener Waffen. An diesem nahmen insgesamt 960 Soldaten teil. 

Übung KOMBATT 267
 Vorbereiten des nächsten Feuerkommandos.
Der Einsatz der Panzerabwehrlenkwaffe erfolgt flankierend.

Gefecht

„Im Raum Edelbach West wurden im Vorgehen Richtung Westen erkannt: Schützenpanzer: drei, Kampfpanzer: sechs, Feldhaubitzen: sechs, vermutliche Spitzenkompanie des gemischten 94. Panzerregiments mit Teilen einer Raketenartilleriegruppe beim Stellungsbezug. Kommen!“, lautet die knappe Meldung der Aufklärer an ihr vorgesetzes Kommando.

Damit beginnt das zeitlich und räumlich gestaffelte Bekämpfen zugewiesener Ziele aber auch die komplexe Synchronisation des Gefechtsablaufes bei den Verteidigern. Die Panzerhaubitzbatterie (PzHBt) des Aufklärungs- und Artilleriebataillons 3 (AAB3) und der Granatwerferzug des Jägerbataillons 19 haben indes ihre Feuerstellungsräume bezogen. Beide sind bereit, Feuer vor die eigenen Linien u bringen. Durch diese Maßnahme soll der vorrückende Gegner verlangsamt und „abgenutzt“ werden.

Nachdem Steilfeuer auf den gegnerischen Kräften liegt und diese nur mehr zögerlich vorrücken, kommt ein Panzerabwehrlenkwaffenzug zum Einsatz. Dieser bringt durch seinen flankierenden Einsatz und seine Reichweite von knappen 2 200 Metern die Feindspitzen erneut zum Stehen. Die Stellungswechsel, die die Lenkwaffentrupps nach der Schussabgabe vornehmen, werden vom Nebel der Granatwerfer gedeckt. Solche miteinander in Verbindung stehenden Gefechtshandlungen bedürfen einer zeitlichen Abstimmung im gesamten Gefechtsablauf.

Die gegnerischen Kräfte greifen – trotz ihrer Verluste – weiter an. Sie bilden eine neue Spitze und rücken weiter vor. Dabei treffen sie auf drei Jägerzüge in Stellung. Diese werden von einer Scharfschützengruppe – ausgestattet mit dem mittleren Scharfschützengewehr (8,6mm mSSG) – und einer mittlerweile zurückgenommenen Granatwerfergruppe unterstützt. Auch hier soll der Gegner durch eilig bezogene und zeitlich begrenzte Verteidigung in seinem Vorgehen verlangsamt werden, auch in dieser Phase unterstützt die PzHBt mit Steilfeuer: „ … Wirkungsschießen 1. Batterie, sofort, kommen!“ Die Überdehnung des Verteidigungsbereiches macht es notwendig, drei Jägerzüge vorne als Gefechtsvorposten einzusetzen.  Ein weiterer, durch Scharfschützen verstärkter Jägerzug liegt in der Tiefe der Kompanie in Stellung. Er soll das Abbrechen der zeitlich begrenzten Verteidigung der vorne eingesetzten Züge unterstützen.

Brigade schnelle Kräfte

Die 3. Jägerbrigade, auch Brigade Schnelle Kräfte genannt, besteht aus dem Jägerbataillon 17 aus Straß in der Steiermark, dem Jägerbataillon 19 aus Güssing, dem Jägerbataillon 33 aus Zwölfaxing, dem Pionierbataillon 3 aus Melk, dem Aufklärungs- und Artilleriebataillon 3 aus Mistelbach und dem Stabsbataillon 3 aus Mautern. Auch das Kommando der 3. Jägerbrigade befindet sich in Mautern.

Die Bezeichnung „Brigade Schnelle Kräfte“ gründet vor allem auf der Designierung als Ersteingreifkraft des Österreichischen Bundesheeres in Brigadestärke. Die Abkürzung „KOMBATT 267“ bezieht sich pars pro toto auf die beübten Kompanien und Batterien, die Nummerierung steht für die siebente Serie des Schießens und für das Durchführungsjahr.

Feindliches Steilfeuer – dargestellt durch pyrotechnische Sprengladungen – liegt auf den Stellungen der 1. Jägerkompanie des Jägerbataillons 19. Eine feindliche Drohne taucht über den Stellungen auf und versucht, die eigene Truppe aufzuklären. Sie muss rasch bekämpft werden.

Der Folgeauftrag der zurückgenommenen Kompanie lautet: „Aufnahme aller vorne eingesetzten Teile über den vordersten Rand der Verteidigung.“ Detonationen erschüttern das Gefechtsfeld: Soldaten des Pionierbataillons 3 haben mit vorbereiteten Sprengungen eine Baumsperre errichtet, die gegnerische Kräfte an ihrem Vorgehen hindern soll.  Erneut gilt es, Kräfte, Raum und Zeit präzise zu synchronisieren. Das ist wichtig, weil die Einheiten und Verbände der 3. Jägerbrigade durch ihre Ausstattung mit den Mannschaftstransportpanzern „Pandur“ und seinem Nachfolgemodell „Pandur Evolution“ gleichermaßen mobil wie auch kampfkräftig sind.

Absitzen zum Gefecht aus dem  „Pandur Evolution“.
Feuerunterstützung durch den sGrW während der Bewegunsphasen.
Ein „Spotter“ sichert das Absitzen eines Scharfschützens.

Der krönende Abschluss

Bisher war der Gefechtsverlauf vom Verzögerungskampf, dem Erkämpfen von Zeit sowie dem koordinierten und überschlagenden Zurücknehmen eigener Teile in Verbindung mit der zeitlich begrenzten Verteidigung geprägt. Nun gilt es, den Feind aus durchlaufenden Stellungen vollends zum Stehen zu bringen und die Inbesitznahme der Drehscheibe Zwettl zu verhindern, um einen weiteren Ansatz der eigenen Division zu gewährleisten.

Feuerunterstützung durch die Panzerhaubitze M-109 A5Ö.
(Foto: Bundesheer/ Dietmar Schabhuettl)

Sicherheit und Organisation

Beim Gefechtsschießen der 3. Jägerbrigade unterscheidet kein Schütze zwischen der fiktiven Lage und dem realen Scharfschießen. Alle Teilnehmer „leben in der Lage“. Sie achten auf ihren Beitrag zur Synchronisation des gesamten Gefechtsablaufes. Dabei sind die Sicherheitsbestimmungen für das Scharfschießen durchgehend verinnerlicht. Darüber hinaus achtet das Sicherheitspersonal auf die Einhaltung einschlägiger Sicherheitsbestimmungen.

Um das Gefechtsschießen so realitätsnah wie möglich zu gestalten, beinhaltete es Einspielungen wie die Verwundetenversorgung auf dem Gefechtsfeld oder die Verbringung des Verwundeten. Auch das Bergen, Abschieben und Instandsetzen von (gepanzerten) Fahrzeugen musste gewährleistet werden. Insgesamt kamen dazu drei Bergetrupps mit Tiefladesystemen zum Einsatz.

Wesentlich für die Motivation und mithin die Kampfkraft der Truppe ist bekanntermaßen die Verpflegung. Für diese war ein Feldküchentrupp, bestehend aus sechs Mann, nahezu rund um die Uhr im Einsatz.

Für 470 Grundwehrdiener stellte die KOMBATT267 den krönenden Abschluss ihres Grundwehrdienstes und zugleich die Zielüberprüfung dar. Eine Fortführung der Übungsserie mit der KOMBATT 268 befindet sich bereits in Planung.

Brigadier Mag. Christian Habersatter
(Foto: Bundesheer/Alfred Miesenböck)

Interview mit dem Kommandanten der 3. Jägerbrigade

Über Hintergründe des Gefechtsschießens sprach der Truppendienst (TD) mit Brigadier Christian Habersatter (CH).

TD: Der Gefechtsablauf des Kampfgruppenschießens beinhaltete Verfahren der Einsatzarten Verzögerung, Verteidigung und solche des Angriffs. Werden aktuelle Konfliktszenarien komplexer? 

CH: Die 3. Jägerbrigade befasst sich seit mittlerweile drei Jahren intensiv mit den Formen der Verteidigung und hat dieses Thema in das Zentrum der Aus- und Fortbildung gestellt. Ausbildungen am Führungssimulator und auch die Erkenntnisse aus aktuellen Konflikten zeigen, dass eigene Kräfte im gesamten Raum ständig von feindlicher Aufklärung und unmittelbarer Waffenwirkung bedroht sind. Dieser Umstand erfordert umfassende Tarnmaßnahmen und nach Möglichkeit stark ausgebaute Stellungen zum Schutz für stationäre eingesetzte Elemente. Vor allem der „Pandur Evolution“ gibt der Brigade nun auch die Möglichkeit, sich dem gegnerischen Feuer durch Bewegung zu entziehen. Daher steht vor allem bei den Kampfbataillonen der Brigade die bewegliche Einsatzführung in der Verteidigung im Vordergrund der Ausbildung.

Auf Brigadeebene ist es ein Ziel, die für die Einsatzführung erforderliche Zeit zu erkämpfen. Das gelingt mit weit vorgeschobenen Aufklärern und mit zur Verzögerung eingesetzten Kräften, die den angreifenden Gegner mit weitreichenden Wirkmitteln frühzeitig abnützen. Die Abstandsfähigkeit unserer Waffensysteme ist somit entscheidender als die Duellfähigkeit.

Den (Gegen-)Angriff führt die Brigade bei einer sich bietenden günstigen Gelegenheit zur Zerschlagung abgenutzter gegnerischer Angriffskräfte oder nach einem erzielten Abwehrerfolg zur Wiederinbesitznahme des Raumes.

TD: Sind bei der KOMBATT 267 Erkenntnisse aus aktuellen Konflikten eingeflossen? 

CH: Eindeutig! Daher hat im Verlauf des Schießens die Bedrohung aus der Luft – Stichwort Drohnen – und im elektromagnetischen Spektrum – Stichwort elektronische Kampfführung –
massiv zugenommen. Für die Brigade bedeutet das, dass sie nicht nur über Schutz- und Wirkmittel für den klassischen Kampf auf dem Boden, sondern auch über solche für den Luftraum das elektromagnetische Spektrum verfügen muss. Sichergestellt werden diese Fähigkeiten durch die sich in Aufstellung befindliche Flugabwehrbatterie mit dem modernen „Pandur Skyranger“, Drohnenabwehrelementen in den Jägerbataillonen und der Aufstellung von Elementen für elektronische Kampfführung in der Führungsunterstützungskompanie der Brigade.

Um Ihre Frage zusammengefasst zu beantworten: Ja, das moderne Gefechtsfeld ist komplex und eigene Kräfte sind vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt. Die 3. Jägerbrigade erhält jedoch die notwendigen Mittel und bildet ihre Soldaten bestmöglich aus, um am Ende des Tages als Sieger vom Platz gehen zu können.

TD: Die 3. Jägerbrigade ist auch als „Brigade Schnelle Kräfte“ bekannt. Welchen brigadespezifischen Fähigkeiten kam bei der KOMBATT 267 besondere Bedeutung zu?

CH: Vor allem der Führung des zuvor angesprochenen Kampfes der verbundenen Waffen. Die Ebene der Brigade ist die erste Führungsebene, auf der die unterschiedlichen Waffengattungen zum Zusammenwirken gebracht werden. Bei der beweglich geführten Verteidigung während des Gefechtsschießens kam auch der Koordinierung und Leitung des Aufklärungs-Wirkungsverbundes eine besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig diente die KOMBATT 267 der Fortsetzung des Fähigkeitsaufbaus unserer Bataillone im Bereich der Panzerfamilie „Pandur Evolution“.

Die Zusatzbezeichnung Brigade Schnelle Kräfte rührt daher, dass die 3. Jägerbrigade den Großteil der Reaktionskräfte für Einsätze im Inland bereitstellt. Zukünftig wird die Brigade den Kern des durchsetzungsfähigen Verbandes, eine gemischt-verstärkte Bataillonskampfgruppe mit speziell vorbereiteten und rasch verfügbaren Kräften zur Sicherstellung der Auslandsambitionen des Bundesheeres stellen.

TD: Was ist Ihr Fazit aus der Übung?

CH: In den beiden Übungswochen der KOMBATT 267 ist es uns gelungen, die Einsatzbereitschaft der Brigade weiter zu steigern. Darüber hinaus bildete das Gefechtsschießen den Höhepunkt der Ausbildung für die Grundwehrdiener des Einrückungstermins Oktober 2025.

Auch konnte das Führungspersonal auf den Ebenen Kompanie, Bataillon und Brigade die eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen und weiterentwickeln. Gerade die professionelle Leistung aller Soldaten hat ein unfallfreies Schießen ermöglicht.

Als Kommandant der 3. Jägerbrigade halte ich abschließend fest: Die eingeschlagene Richtung stimmt! Das Ziel muss es nun sein, Schießen dieser Größenordnung zumindest alle zwei Jahre, auch unter Einbindung unserer Milizsoldaten, durchzuführen. Mit einer Verlängerung des Grundwehrdienstes und verpflichtenden Milizübungen werden dann auch wieder Schießvorhaben noch größeren Umfanges mit mehreren Bataillonen der Brigade möglich sein.


Autor

Oberstleutnant Christof Stranner, BA

Leitender Redakteur in der Redaktion TRUPPENDIENST.

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 02/2026 (409): Hybrider Krieg

Die internationale Sicherheitslage bleibt angespannt. Der Krieg in der Ukraine dauert an, neue Konflikte verschärfen die globale Unsicherheit, und moderne Kriege wirken längst weit über das Gefechtsfeld hinaus. Neben militärischen Auseinandersetzungen prägen Desinformation, hybride Bedrohungen und…