Kamerad Roboter, Kommandant KI

Allgemein
W. Rys
KI-generierte Darstellung autonomer Kriegsführung im digitalen Zeitalter
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Künstliche Intelligenz, autonome Systeme, Exoskelette und vernetzte Gefechtsführung: Was heute noch wie Science-Fiction klingt, prägt die militärische Entwicklung von morgen. Während KI-Agenten zunehmend Aufgaben von Beratern, Spezialisten und Entscheidungshilfen übernehmen, entstehen neue Fragen nach Verantwortung, Führung und dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Ein Blick auf das Gefechtsfeld der Zukunft zeigt, wie tiefgreifend technologische Innovationen das Militär verändern werden.

Ein junger Generalstabsoffizier wird auf Truppenpraxis geschickt, so weit, so normal. Sein Auftrag ist aber ungewöhnlich. Er soll nicht als Kommandant oder Stabschef agieren, sondern als ein hoch ausgebildeter, militärwissenschaftlich kompetenter Berater, äquivalent zu einem PhD. Alle Funktionen des Verbandes, zu dem er kommt, soll er beraten können – und er wird genau das tun. Also vom Schützen bis zum stellvertretenden Kommandanten, alle. Und er tritt eben nicht in der Kommandantenrolle, sondern als Coach auf. Er hat das Wissen über alles, was hier passieren soll. Und er kennt den Gesamtzusammenhang, wie alles zusammenwirken soll. Was er aber nicht kann, ist umsetzen, denn dafür wurde er nicht trainiert. Aber er hat einen Stab von spezialisierten Offizieren und Unteroffizieren. Jeder von ihnen kann spezielle, hoch spezifische Aufgaben wahrnehmen. Dieses Team wird er führen und koordinieren. Was diese ganzen zusätzlichen Helfer des Verbandes charakterisiert: sie dürfen nicht selbstverantwortlich arbeiten. Auch nicht in den Bereichen, die sie konkurrenzlos schnell und exakt beherrschen – obwohl sie genau für diese Aufgaben trainiert worden sind. 

Denn sie sind keine Menschen und fallen deswegen auch nicht unter die Allgemeinen Dienstvorschriften für Soldaten (ADV), auch wenn sie viele Aufgaben und Hilfestellungen für diese übernehmen können. Denn sie sind alle basierend auf KI-Modellen! Das heißt, die letzte Verantwortung bleibt beim Menschen, dem Kommandanten. Der muss alle diese Helfer koordinieren und wissen, was sie tun. Auch wenn ein KI-Agent die anderen steuert, die Kommandantenverantwortung bleibt. Die KI kann noch die Helfer, virtuelle Offiziere und Unteroffiziere, bestimmten Funktionsträgern zuweisen, aber die letzte Verantwortung, gemäß Gesetzen und Verordnungen, tragen ebenfalls in jedem Fall die Menschen, die Soldaten, für welche die ADV gilt. 

KI-generierte Darstellung: Moderne Kriegsführung in dramatischer Szenerie
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Doch es gibt bereits weitere KI-unterstützte „Soldaten“ (manche unter menschlicher Aufsicht, manche autonom agierend): Drohnen und Kampfroboter aller Art. Sie erreichen mittlerweile die Größe eines Black Hawk bzw. eines LKW, oder sogar eines Kampfpanzers. Das autonome Handeln begründet sich in immer mehr Notwendigkeiten: Funklöcher, „Jammer“, die Mobilfunksignale unterdrücken – und nicht zuletzt der menschliche Faktor: mögliches Zögern oder zu lange Reaktionszeiten gegenüber den Aktionen gegnerischer Drohnen und Roboter. 

Dort, wo „boots on the ground“ weiter benötigt werden, sind die Soldaten der Zukunft mit Exoskeletten leistungsoptimiert und mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Diese erfassen nicht nur das Lagebild und andere Umfeldbedingungen in Echtzeit, sondern liefern permanent Daten über Stresspegel und Gesundheit des eingesetzten Personals. Die Übertragung der Daten erfolgt mit Unterstützung von Quantentechnologie über europäisch betriebene Satelliten, um feindliche Aufklärung oder gar Störung, wie durch das Einspeisen falscher Daten, zu verhindern. 

KI-generierte Darstellung: Zukunftsgefecht im vernetzten Terrain
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Dies alles wird durch ein Battlefield Management System zusammengeführt, das alle Lageentwicklungen dokumentiert, dem Kommandanten zur Entscheidung vorlegt und diese Entscheidungen dann umsetzt. Die erforderliche Energie hat der Soldat dieser Zukunft in Wasserstoffzellen am Mann verfügbar. Neuartige Pufferbatterien auf Graphitbasis stellen sicher, dass die Datenübertragung nicht abreißt. Lokale KI-Systeme (idealerweise am Mann direkt verfügbar) stellen sicher, dass die Aufträge des vorgesetzten Kommandos auch bei Ausfall aller Verbindungen weiter plangemäß umgesetzt werden, auch bei unvollständigem Lagebild.

» Eine seltsame Vision? Durchaus – aber sie wird jeden Tag realer. Deswegen müssen wir uns genau darauf vorbereiten. Denn ob wir es wollen oder nicht, es wird vermutlich kommen. Was von Menschen gedacht wurde, kann nicht einfach zurückgenommen werden. «

Krieg von morgen

Beginnen wir den Streifzug durch diese digitalisierte Welt der Streitkräfte der Zukunft mit einem Blick in die Vergangenheit. Denn: Wie oft in der Militärgeschichte haben Festungsingenieure in abgelegenen Garnisonen Einfälle umgesetzt, welche letztlich die Festungsbauweise ganzer Reiche neu ausgerichtet haben? Viele solche Erfinder in Uniform kennen wir – Gunther Burstyn (Vordenker der Panzerwaffe) oder Franz Uchatius (Erfindungen für die Artillerie, Pionier der Fotografie), um nur zwei zu nennen, wurden Namensgeber für Kasernen, manche wurden in der Kaiserzeit in den Adelsstand erhoben, manche wurden gänzlich vergessen – doch sie alle schrieben in der einen oder anderen Form Geschichte.

KI-generierte Darstellung eines Reiters im Sturm über brennender Stadt
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Wie oft waren diese Erfindungen bzw. Entwicklungen entscheidend für den Ausgang von Kriegen – und somit auch dafür, welche Werte, welche Gesetze, welche Regierungsformen und welches Gesellschaftsmodell diese Reiche in den folgenden Jahrhunderten prägten? Die arabische Welt war um das Jahr 1000 dem Abendland weit überlegen – Technik, Wissenschaft, Hygiene, Recht, Bewässerungstechnik und vieles mehr. Doch ihre Unterlegenheit gegenüber der mongolischen Angriffstechnik um 1270 – ein Regen von Pfeilen aus der Deckung, überlegene Belagerungstechnik, schlanke Logistik und vieles mehr – führte zum Fall Bagdads, zum Untergang des Kalifats – einem Trauma, das bis heute nachwirkt. Diese blutige Eroberungswelle durch die Mongolen brachte zugleich eine innere Befriedung der eurasischen Landmasse, die es Marco Polo ermöglichte, seine Reise nach China in relativer Sicherheit anzutreten. So fanden auch Erfindungen, Handelsgüter und Ideen ihren Weg von einem Ende des gigantischen Mongolenreiches zum anderen – eine Art „Globalisierung zu Lande“.

In weiterer Folge begann Europa gut 300 Jahre später mit der „Globalisierung zu Wasser“. Ursprüngliches Ziel war die „Umzingelung“ der islamischen Reiche durch ein Bündnis mit Indien; und Christoph Columbus hatte den Auftrag, Indien von Westen her zu erreichen. Nach und nach begannen nun Portugal, Spanien, dann die Niederlande und England mit der Aufteilung der Erde von den Meeren her. Nur die damals größte Flotte der Welt hätte dieser Expansion Einhalt gebieten können. Doch diese Flotte wurde auf Befehl des Kaisers, der über sie verfügte, zerstört – er wollte die Staatsfinanzen im höchsten Ausmaß in die Renovierung und Verstärkung des größten Bauwerks der Geschichte umleiten: der Chinesischen Mauer. Dies war zunächst erfolgreich. 

Ironie der Geschichte: Die Erfolge, welche die Flotten der genannten europäischen Mächte in den folgenden Jahrhunderten errangen, wurden nach einigen Jahrhunderten diesem Reich selbst zum Verhängnis: Chinas „Jahrhundert der Demütigungen“ mit der Errichtung von Kolonien in Hong Kong, Macau etc., Bürgerkriege und „Warlords“, das Millionen von Toten im (zumindest) zweistelligen Millionenbereich forderte – waren die späte Rechnung für den Verzicht auf diese große Flotte. 

Heute beginnt China in vielen Bereichen von Wirtschaft, Technik und Militär aufzuholen, gar zu überholen – gut 500 Jahre nach der größten Chance, die es zuvor für eine weltweite Einflussnahme hatte. Aktuell beziehen wir viele Produkte, darunter den Großteil der elektronischen Hardware, aus China und erleben: E-Autos werden aus Kasernen verbannt, weil sie als datenschutzrechtlich bedenklich eingestuft werden, die USA verbieten Router aus chinesischer Produktion aus ähnlichen Gründen. In fiktiven Werken der Belletristik werden Szenarien durchgespielt, in denen Halbleiter und ähnliche Elektronikbauteile „Hintertüren“ enthalten, über die Malware eingespielt wird oder gar das Kommando über militärische digitale Systeme übernommen wird.

Zukunftsforum Bundesheer

Ein langer Exkurs, kurzgefasst: es waren manchmal einfache Soldaten, oft Unteroffiziere und Offiziere, die ohne nennenswerte Mittel Ideen hatten und diese einfach ausprobierten – Ideen, die entscheidende Wendungen brachten. Wir bekommen hochentwickelte Systeme, aber die kritischen Fragen, der sogenannte „Lackmustest“, stellen sich erst bei der Truppe. Auch die Zeitkarten – als alltägliches Beispiel – wurden durch die Initiative von “Troupiers” in die Richtung gebracht, die wir heute kennen.

Um diese Ideen zusammenführen findet sich aktuell ein freiwillig zusammenarbeitendes informelles, aber noch in offizielles Team von Soldaten und Zivilbediensteten des BMLV bzw. des Bundesheeres zusammen. Dieses hat ein gemeinsames Ziel: Wir möchten dazu beitragen, dass die Anstrengungen des Ressorts für ein ÖBH 2032+ durch die Erfahrungen, Erkenntnisse, Wünsche und Ableitungen aus verschiedenen Bereichen ergänzt werden, die durch Digitalisierung lösbar scheinen. .

Ein gesamthafter Ansatz ist das Gebot der Stunde: Nicht alleine isoliert arbeitende Experten, nicht Gesetze und Verordnungen, nicht zeitgemäße Hardware alleine können ausreichende Antworten auf die Fragen der heutigen Zeit finden, sondern wir brauchen das Schwarmwissen der Menschen vor Ort. Dazu sollen in der Truppe Informationen über die derzeitigen technischen Entwicklungen, Grundlagen der sogenannten Künstlichen Intelligenz und mögliche Bedeutung anderer „neuer Technologien“ verfügbar werden, um möglichst vielen klugen Köpfen die Chance zu geben, die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologien für ihren Bereich zu erkennen und mögliche Anwendungsfälle zu identifizieren, im Idealfall sogar Lösungsvorschläge anzuregen. 

Wer etwas beitragen kann und will, ist eingeladen sich daran zu beteiligen (Kontakt: truppendienst@bmlv.gv.at). So können künftige Beiträge in dieser Reihe gezielt Erfahrungen von der Truppe für die Truppe bereitstellen. Denn privat erworbene Kompetenzen und Fertigkeiten werden die dienstliche Tätigkeit immer stärker inspirieren und umgekehrt.

KI - aber wie?

Österreich ist mittlerweile für die Rolle einer „Lead Nation“ für Künstliche Intelligenz im Rahmen des Capability Development Plan (CDP) der European Defence Agency (EDA) der EU auserkoren. In diesem Plan wurden seitens der EU 22 prioritäre Fähigkeiten definiert, die von militärischen und zivilen Institutionen gemeinsam erarbeitet bzw. sichergestellt werden müssen. 

Zukunftstechnologien werden hierzulande rasch bekannt sein, vielleicht sogar verfügbar. Für das Verteidigungsressort bedeutet das unter anderem: Eine größere Bereitschaft zum Wechsel zwischen Militär und Privatwirtschaft wird nicht vermeidbar sein – sie sollte vielmehr gewünscht werden. Unteroffiziere und Offiziere können neue Karrierechancen finden, für die ihre Erfahrung einen besonderen Wert hat. Umgekehrt wird das BMLV immer öfter Experten brauchen, die nicht nur als Leiharbeiter oder Werkvertragsnehmer zur Verfügung stehen, sondern dem System mit allen Rechten und Pflichten zur Verfügung stehen – besonders in hochsensiblen Bereichen. 

Das RIVIT-Gehaltsschema ist ein Schritt in diese Richtung, wird aber nicht für alle gesuchten Funktionen ausreichen. Umso wichtiger wird es sein, das verfügbare bzw. rekrutierte Personal gezielt höher zu qualifizieren und eine entsprechende Unternehmenskultur zu etablieren. Dazu gehört das Zulassen von Versuchen, ja die Ermutigung hierzu sowie eine neue Fehlerkultur ohne Mikromanagement, dafür gezieltes Hinführen zum Melden von Schwierigkeiten oder anderen Problemen. Ein dermaßen selbstbewusstes, problemlösungs-orientiertes Personal könnte mit den Schnittstellen in der Privatwirtschaft auf Augenhöhe arbeiten und Reibungsverluste minimieren. 

KI-generierte Darstellung: Europäische Verteidigungs- und Tech-Kollaboration mit Handschlag
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Die Aufgaben, die im Bereich KI vor uns liegen, werden nicht durch die Dion 6 alleine zu bewältigen sein. Infrastruktur, eine abgeschirmte ressorteigene 3.VE-KI („on premises“, in der eigenen Liegenschaft und unter eigener Kontrolle) und die Pflege sowie Aktualisierung dieser Systeme werden Mammutaufgaben! Die Umsetzung im eigenen Bereich erfordert KI-affine Soldaten und Bedienstete, die Stärken und Schwächen der KI-Systeme kennen. Vor allem müssen sie einschätzen können, was für den eigenen Verband, die eigene Kompanie, die eigene Abteilung benötigt wird. Wir müssen die Ressortangehörigen – Frau oder Mann, in Uniform oder zivil – ermutigen, sich mit dieser Materie proaktiv zu beschäftigen.

Plattformen im Internet wie Hugging Face und (mittlerweile mit angeblich nachlassendem Nutzen) GitHub ermöglichen das Herunterladen von KI-Modellen und anderen hilfreichen Codes für verschiedene Zwecke und in verschiedenen Größen – ohne weitere Kosten als den Download (Datenvolumen und Strom sind heute leistbar)! Diese Modelle können mit Plattformen wir Ollama und LM Studio lokal betrieben werden. Einschränkend ist hier der Bedarf an leistungsstarken Grafikkarten – unter 16 GB VRAM (Video Random Access Memory, nicht mit dem normalen Arbeitsspeicher, dem RAM zu verwechseln) ist man auf kleine, wenig leistungsstarke Modelle angewiesen. Für eingeschränkte Anwendungen kann man aber auch hier Erfolgserlebnisse haben. 

Ollama und LM Studio werden übrigens benötigt, weil die KI-Modelle im Grunde riesige Sammlungen von Matrizenrechnungen sind, die erst gelesen und zum Laufen gebracht werden müssen. Ähnlich wie Speichermedien wie SD-Karten, CDs und DVDs im Grunde riesige Sammlungen von Einsen und Nullen sind, die ein entsprechendes Lesegerät brauchen (DVD/CD-Player oder Computer), um nutzbar zu werden, ist es auch hier. Ollama und Co. spielen ihr Modell ab. Das bedeutet, sie führen Milliarden von Rechenoperationen in Sekundenbruchteilen durch. 

Um einen Token (die kleinste Dateneinheit, mit der eine KI arbeitet und etwa einem kurzen Wort entspricht) zu erzeugen, benötigt ein 26b-Modell wie gemma4:31b also 62 Milliarden Berechnungen (denn jeder Parameter wird pro Durchgang doppelt angesteuert)! Wenn hier also „nur“ 30 Token pro Sekunde berechnet werden, bedeutet dies gut eine Billion (1.000.000.000.000) Rechenvorgänge in einer einzigen Sekunde! Der Energiebedarf für solche Systeme ist enorm – dies bietet ein Argument für lokale, unabhängige Systeme mit dem notwendigen Schutz für hochsensible Daten – möglichst mit Solarenergie und leistungsstarken Akkus betrieben, das „gute alte“ Dieselaggregat für den Notfall hat aber trotz allem vermutlich noch nicht ausgedient.

Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei dieses Tutorial empfohlen: So denkt ein KI Sprachmodell – die überraschende Wahrheit!

KI-generierte Darstellung eines futuristischer Technikarbeitsplatzes mit KI-Assistent
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

„Sapere aude!“ – wage es, zu wissen! In diesem Sinne gehen wir einen Schritt weiter. Wer diese KI-Modelle weiter adaptieren oder sogar weiter entwickeln möchte, um sie an den Bedarf der eigenen Organisation anzupassen, stößt an Grenzen. Um diese Grenzen zu erweitern, vielleicht zu sprengen, benötigt man Kenntnisse von Programmiersprachen. Ein Begriff, der heute öfter auftaucht, macht Hoffnung, ohne diese weiter zu kommen: Vibe Coding. Durch gezielte Eingaben in ein auf Kodierung spezialisiertes KI-Modell (Prompting) kann auch der relative Laie Programme oder Ergänzungen zu Programmen erstellen lassen, die quasi ohne Expertenwissen Lösungen anbieten.

Immer mehr Studien und Berichte legen nahe, dass Vibe Coding zwar tatsächlich hilft – aber fast ausschließlich erfahrenen Programmierern. Peter Steinberger, der Schöpfer des Massenphänomens des ersten Halbjahres 2026, „OpenClaw“ hat erklärt, dieses großteils mittels Vibe Coding erstellt zu haben. Aber als Experte konnte er in diesen endlosen Programmzeilen rasch Probleme identifizieren, die ein Laie nicht oder nur mit mehreren Gegenchecks durch andere KI-Modelle (vielleicht) gefunden hätte. Kurz gesagt: wer tiefer in die Materie eintauchen will, es vom bloßen Anwender zum (Hobby)-Entwickler bringen möchte, dem bleibt es nicht erspart, sich mit grundlegenden Kenntnissen des Programmierens vertraut zu machen. Die wichtigste, und vor allem angeblich relativ leicht erlernbare Programmiersprache zu diesem Zweck heißt „Python“. Hierüber sollen spätere Beiträge informieren – heute soll einmal Neugierde geweckt werden.

Es gibt zahlreiche Methoden, die empfohlen werden, solche Kenntnisse zu erwerben bzw. zu vertiefen. Werkzeuge wie Visual Studio Code von Microsoft erleichtern den Zugang zu Programmierkenntnissen, Tutorials auf YouTube und zahlreiche andere kostenlose Angebote ermöglichen das „Hineinschnuppern“ in diese Materie, ohne viel (privates) Geld in die Hand zu nehmen. Wer Gefallen an diesen Dingen findet, kann Wissen erwerben, das für den Dienst von großem Nutzen ist, aber auch Grundlage für eine neue Karriere werden kann. Der Öffentliche Dienst bietet hier Möglichkeiten, die kaum ein Arbeitgeber ermöglicht: Herabsetzung der Dienstzeit, Karenzierung oder einfach ein lukrativer Zuverdienst als Nebentätigkeit zum regulären Dienst. In Österreich hat leider der MINT- (Mathematik, Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie Technik)-Bereich nicht die Anerkennung und den Stellenwert, den er haben sollte, um die Zukunft als Staat und EU-Mitglied angemessen mitzugestalten. Aber jede und jeder hat die Möglichkeit, hier aktiv mitzuwirken – wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, wenn wir persönliche Neugier und Spieltrieb diesem Bereich gegenüber zulassen.

Ausblick

Ein Blick auf gegenwärtige Kriegsschauplätze zeigt, welche Rolle Drohnen und Kampfroboter bereits einnehmen und wie – das Modewort muss sein – disruptiv diese Technik auf alle Bereiche der klassischen Kriegsführung wirkt. Lag der Fokus in den vergangenen Jahren auf dem Ukraine-Krieg, so ist mit den Drohneneinsätzen des Iran gegen Israel und die arabischen Verbündeten der USA eine neue Front eröffnet worden. Ironischerweise wirken nun ukrainische Experten als Berater zahlreicher Staaten, mit Saudi-Arabien wurde sogar ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen. Wo liegt die Ironie? Darin, dass die Ukraine gerade durch Angriffswellen unter anderem mit Iskander-Drohnen iranischer Bauart jahrelang ihre Abwehrtechnik immer stärker verfeinern musste. Nun stehen diese Mittel auch den Gegnern des Iran, der diese Drohnen verbreitet hatte, zur Verfügung. Doch auch der Iran hat von der Ukraine gelernt. Nicht nur militärische Ziele, sondern auch kriegswichtige Industrieanlagen der Gegner werden getroffen, zuletzt eine Chemiefabrik, die Kunstharz für Platinen aller Art erzeugt – nach der Speicherkrise droht nun also auch ein Mangel an Mainboards für moderne Hardware. Und dies gerade zu einer Zeit, die nach immer mehr Serverfarmen giert.

Was allerdings oft übersehen wird: Der Krieg beginnt nicht erst, wenn die Drohnen fliegen (oder rollen oder gar laufen wie kleine Brüder des „Terminator“). Wer die Herzen und Hirne einer Gesellschaft rechtzeitig gekapert hat, wird keinen einzigen Schuss abgeben müssen – dies wusste schon der chinesische Stratege Sun Tsu vor zweieinhalb tausend Jahren. Die heutigen Gesellschaften – es betrifft nicht nur die westliche, aber diese ist für uns und unsere Art zu leben nun einmal die entscheidende – leiden unter Vereinzelung, Flucht in Social Media und ähnlichen Phänomenen. Hier setzt zum Beispiel Micro-Targeting an: Einzelindividuen werden vollautomatisch ausgewählt und an speziell entworfene digitale Inhalte herangeführt, die dazu dienen, Zorn über und Wut auf Institutionen des eigenen Staates, auf die EU sowie die NATO zu erregen. Berichte über Verhaltensweisen und Einstellungen, die alte Werte zerstören, Migranten, die ein Kalifat errichten werden oder eine Vielzahl an Bedrohungen, denen nur durch einen „Starken Mann“ Einhalt geboten werden kann, um nur einige zu nennen.

Vor diesem Hintergrund scheint es zunächst banal, Themen wie „KI-Literacy“ anzusprechen: Guidelines und die Ausbildung zum verantwortungsvollen Umgang mit KI-Anwendungen als Notwendigkeit. Die Sektion II - Gneraldirektion Präsidium als federführende Stelle für die grundlegenden Anordnungen, die Direktion 6 - IKT und Cyber als umsetzende und ausführende Stelle sind die großen „Player“ im BMLV/Bundesheer. Diesen zur Seite tritt die neue Abteilung „Neue Technologien“ – dem Leiter Generaldirektion Verteidigungspolitik direkt unterstellt –, welche diese, sich unvorhersehbar entwickelnden, sich rasch verbreitenden Phänomene („Emerging Disruptive Technologies“) wohl genauer beobachten wird und hoffentlich die notwendigen Ableitungen finden wird, um die Verantwortungsträger, die „Stakeholder“, kompetent zu beraten. Denn es geht nicht nur um staatliche Entscheidungsträger: die Masse der relevanten technischen Entwicklungen findet, wie weiter oben bereits angesprochen, in privaten Firmen statt. Auch diese werden Beratung von Seite des BMLV/Bundesheer brauchen, da man ihnen die Erfordernisse der Truppe klar kommunizieren muss, weshalb man die Sprache, den Jargon der Techniker, soweit beherrschen muss, dass man einander ausreichend versteht. Entscheidend wird die Umsetzung im Alltag sein, dienstlich – aber auch privat! 

Das heißt aber auch: Die klassische Trennung in dienstliche und private Person funktioniert immer weniger. Wir müssen verstehen, dass das privates Ich zunehmend im Fokus gegnerischer Aktivitäten stehen wird, um das dienstliche Ich zu negativem Handeln gegen unsere eigenen Interessen zu veranlassen. Auch beim Experimentieren mit Software und KI-Modellen ist daher immer zu prüfen, ob wir uns nicht etwa „bösartige“ Codes einfangen. Am Ende unseres Streifzuges sollte nun unser Bewusstsein (Awareness, modern gesagt) für all diese Dinge soweit geschärft sein, dass wir mehr Sicherheit und mehr Verständnis für den Umgang mit diesen aktuellen Phänomenen entwickeln. Denn, so ironisch es formuliert ist, so steckt doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit darin: „Paranoia rettet Leben!“

Darstellung einer KI-generierten Kriegsmatrix: digitale Kriegsführung und Kontrolle
(Foto: KI-generiert/ChatGPT)

Autor

Hofrat Mag. Walter Rys

Hauptlehroffizier an der Landesverteidigungsakademie; dzt. dienstzugeteilt bei der Abteilung Eigene Medien