Funktionsjacke im Einsatz
Während bei kommerziellen Produkten häufig Komfort, geringes Gewicht oder modische Aspekte im Vordergrund stehen, orientiert sich die Entwicklung militärischer Bekleidung an einem deutlich komplexeren Anforderungsprofil. Mit der Einführung der neuen Funktionsjacke erhält das Bundesheer einen Bekleidungsgegenstand, der diesen Anforderungen Rechnung trägt.
Mit der Einführung der Funktionsjacke wurde das Bekleidungssystem des Bundesheeres um einen weiteren Ausrüstungsgegenstand ergänzt. Die Jacke ist Bestandteil des Tarnanzuges und ist für die Verwendung durch Soldaten unterschiedlicher Waffengattungen entwickelt worden.
Mittlerweile hat das Bundesheer bereits rund 100 000 Funktionsjacken erhalten. Sie werden schrittweise an die Truppe ausgegeben und ergänzen künftig die bisher verwendete Thermojacke sowie die Thermojacke Aktiv als äußerstes Bekleidungsstück.
Zahlreiche österreichische Unternehmen beteiligten sich bei der Herstellung. Insgesamt wirken rund 15 Firmen an der Produktion mit. Die Laminierung des vierlagigen Materials übernimmt eine Firma aus Saalfelden.
Für Herbert Engel, Leiter für technische Grundlagen und Spezifikation in der Heeresbekleidungsanstalt, ist das ein wichtiger Aspekt: „Es macht mich besonders stolz, dass in jeder Jacke auch ein Stück Österreich steckt.“
Die technische Konzeption der Funktionsjacke basiert auf einer Erprobung innerhalb der Truppe. Bereits 2020 testeten ausgewählte Truppenkörper unterschiedliche Muster unter Einsatzbedingungen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Gestaltung des endgültigen Modells ein. Ziel war die Bereitstellung einer Funktionsjacke, die unter verschiedenen klimatischen Bedingungen eingesetzt werden kann und gleichzeitig den Anforderungen des militärischen Dienstbetriebes entspricht.

Material
Die Funktionsjacke besteht aus einem vierlagigen Laminat. Der Materialaufbau setzt sich aus einem Obermaterial aus Polyester, einer wasser- und winddichten Membran, einer isolierenden Vliesschicht sowie einem innenliegenden Vlies zusammen.
Der Aufbau ist so gewählt, dass mehrere Funktionen in einem Bekleidungsstück kombiniert werden. Dazu zählen der Schutz vor Wind und Niederschlag, die Wärmeisolation und der Abtransport von Feuchtigkeit.
Das Flächengewicht des Laminats beträgt rund 310 Gramm pro Quadratmeter.
Sämtliche Schichten bestehen aus Polyester. Dieses Material wurde gewählt, damit Beschädigungen möglichst einfach instandgesetzt werden können. Einzelne Komponenten der Jacke lassen sich in der Werkstätte der Heeresbekleidungsanstalt (HBA) reparieren oder austauschen. Dadurch können die Nutzungsdauer der Bekleidung verlängert und eine wirtschaftliche Instandsetzung sichergestellt werden.
Witterungsschutz
Laut der technischen Spezifikation verfügt die Jacke über eine wasser- und winddichte aber wasserdampfdurchlässige Membran. Zusätzlich wird das Obermaterial mit einer wasserabweisenden Imprägnierung versehen. Diese Kombination schützt vor Niederschlag und Wind, ermöglicht jedoch gleichzeitig den Abtransport von Feuchtigkeit aus dem Inneren der Jacke.
Die Prüfung der Wasserdichtigkeit erfolgte mittels hydrostatischen Druckversuches. Dabei muss das Material sowohl im Neuzustand als auch nach mehreren Waschzyklen sowie nach mechanischer Beanspruchung eine Wassersäule von mindestens 2 000 Millimetern erreichen.
Neben dem Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit berücksichtigten die Entwickler ebenfalls die Wasserdampfdurchlässigkeit. Die Atmungsaktivität wird über einen definierten Ret-Wert (Resistance of Evaporating Heat Transfer) bewertet und soll den Feuchtigkeitstransport während einer körperlichen Belastung unterstützen.
» Wir versuchen umzusetzen, was die Truppe benötigt. Bekleidung ist etwas sehr Persönliches. «
Mechanische Belastbarkeit
Bekleidungsgegenstände im militärischen Einsatz sind regelmäßig hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund legt die technische Spezifikation Anforderungen an Abriebfestigkeit, Reißfestigkeit und Alterungsbeständigkeit fest. Die Scheuerbeständigkeit des Materials wird nach normierten Verfahren geprüft. Für das verwendete Laminat sind mindestens 40 000 Scheuertouren, ohne das Laminat zu beschädigen, vorgesehen.
Darüber hinaus wurden Anforderungen hinsichtlich der Delaminationsbeständigkeit definiert. Dabei wird überprüft, ob sich die einzelnen Schichten des Laminats auch nach längerer Nutzung und wiederholten Waschzyklen (200 Wäschen) voneinander lösen.



Konstruktion und Ausstattung
Die Jacke verfügt über eine verstellbare Kapuze, mehrere Taschen sowie Belüftungsmöglichkeiten unter den Armen. Die Positionierung einzelner Elemente erfolgte unter Berücksichtigung der Nutzung mit weiterer Ausrüstung. Die Kapuze ist so dimensioniert, dass sie auch in Verbindung mit militärischen Helmen verwendet werden kann. Angepasst wird sie mit Kordelzügen und Verstellsystemen.
Die Taschen sind mit spritzwasserfesten Reißverschlüssen ausgestattet und ermöglichen kleine Ausrüstungsgegenstände mitzuführen. Zusätzlich befinden sich an den Ärmeln Flächen, an denen Abzeichen angebracht werden können. Die Funktionsjacke wird in insgesamt 40 Größen gefertigt. Der Unisex-Schnitt ermöglicht die Nutzung sowohl durch Soldatinnen als auch Soldaten und trägt den unterschiedlichen Anforderungen innerhalb der Truppe Rechnung.
Tarnmuster
Militärische Tarnung beschränkt sich nicht nur auf das für den Menschen sichtbare Farbmuster. Moderne Nachtsichtgeräte arbeiten im nahen Infrarotbereich und machen Unterschiede in der Infrarotreflexion von Materialien sichtbar.
Damit Bekleidung unter diesen Bedingungen nicht auffällt, werden bei der Funktionsjacke spezielle Farbstoffe verwendet, deren Infrarotremission an die natürlichen Reflexionseigenschaften der Umgebung angepasst ist. So erscheint die Jacke bei der Beobachtung mit Nachtsichtgeräten ähnlich wie natürliche Vegetation und hebt sich nicht vom Hintergrund ab. Das Einhalten dieser Eigenschaften wird innerhalb der technischen Spezifikation überprüft und ist ein wesentlicher Bestandteil militärischer Tarnbekleidung.
Fazit
Die neue Funktionsjacke wurde als Bestandteil des Bekleidungssystems des Österreichischen Bundesheeres für den militärischen Einsatz entwickelt. Ihre technische Ausführung orientiert sich an den Anforderungen, die sich aus Ausbildung, Übungsbetrieb, Assistenzeinsätzen und internationalen Missionen ergeben. Im Mittelpunkt standen nicht einzelne Eigenschaften, sondern die Kombination mehrerer Anforderungen für ein Bekleidungsstück.
Der vierlagige Materialaufbau verbindet Wetterschutz, Wärmeisolation und Atmungsaktivität. Ergänzt wird dies durch Anforderungen an die mechanische Belastbarkeit, die Tarnwirkung im sichtbaren und infraroten Spektralbereich sowie die Nutzbarkeit in Verbindung mit weiterer militärischer Ausrüstung.
Die Funktionsjacke ist Teil eines Gesamtsystems, dessen einzelne Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Ihre Konstruktion verdeutlicht, dass militärische Bekleidung neben Tragekomfort und Schutzwirkung auch einsatzspezifische Anforderungen erfüllen muss, die bei zivilen Bekleidungsstücken oft keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die technische Ausführung der Jacke unterstreicht diesen Ansatz und zeigt die Vielzahl an Faktoren, die bei der Entwicklung moderner militärischer Bekleidung berücksichtigt werden müssen.
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