Führungspersonal – Basis der Landesverteidigung
Die große Anzahl an Führungskräften ist eine herausragende Eigenheit des Österreichischen Bundesheeres im Vergleich zu anderen Organisationen und Institutionen. Um den Bedarf an Soldaten zu decken und diese entsprechend auszubilden, ist ein engmaschiges Netzwerk erforderlich, das die Bereiche Rekrutierung, Ausbildung und Bereitstellung von Arbeitsplätzen abdecken muss. Viele Dienststellen arbeiten dabei Seite an Seite – und offensichtlich auch gut – zusammen, um die personellen Erfordernisse des Aufbauplanes 2032+ erfüllen zu können.
Eine dieser Dienststellen ist die Heeresunteroffiziersakademie (HUAk), die bei der Grundausbildung sowie bei der Weiter- und Fortbildung der Unteroffiziere des Bundesheeres eine besondere Rolle hat. Die Erstellung der Curricula, die Planung, die Durchführung und die Leitung der Ausbildung sowie die Anleitung der unterstützenden Ausbildungsdienststellen sind die zentrale Aufgabe der HUAk. Der Aufwand ist enorm. Er erfordert planerischen Weitblick und Motivation für eine kompetente Umsetzung dieses Auftrages.
Das Lehr- und Ausbildungspersonal ist Träger der Ausbildung der Unteroffiziere zu fähigen Kommandanten und/oder Experten eines Fachbereiches. Neben dem Stammpersonal der HUAk ist das jenes der unterstützenden Dienststellen sowie die vielen externen Ausbilder und Gastlehrer. Die Qualität der künftigen Kommandanten hochzuhalten ist gerade bei einer steigenden Zahl an Lehrgangsteilnehmern eine besondere Herausforderung. Der Schlüssel dazu liegt in den Händen der HUAk und bedeutet das ständige Erhalten und Erweitern der Kompetenzen des dort beschäftigten Lehrkörpers. Erst durch das Erfüllen der hohen Anforderungen, die für den Einsatz als Lehr- und Hauptlehrunteroffizier bzw. Klassenleiter oder als Lehr- und Hauptlehroffizier bzw. Lehrgangsleiter nötig sind, kann der Qualitätsstandard der Absolventen gewährleistet werden.
Der Unterschied zwischen einem Ausbildungsunteroffizier und einem Lehrunteroffizier der Akademie ist schnell erklärt. Der Lehrunteroffizier muss die Zugskommandantenreife erreicht haben. Das heißt, er hat die Kaderausbildung 4 und 5 erfolgreich abgeschlossen und ist somit befähigt, einen Zug in den Verfahren zur Sicherstellung des Gefechtes zu führen. Ebenso ist die methodisch-didaktische Schulung sowie die persönlichkeitsbildende Komponente der Lehrkräftequalifizierung 3 für das Erfüllen der Aufgaben als Lehrunteroffizier erforderlich. Weitere Kompetenzen, wie jene eines Schießausbilders, eines Nahkampfinstruktors oder eines Teletutors für die Fernausbildung, erhöhen die Qualität des Ausbildungspersonals enorm. Nicht zuletzt macht die langjährige Erfahrung in Ausbildung und Einsatz bei der Truppe vor dessen Verwendung an der HUAk einen kompetenten Lehrunteroffizier aus, der sein Fach beherrscht und weiß, wovon er spricht bzw. was er ausbildet.
Der Bedarf an qualifiziertem Ausbildungspersonal am Standort Enns ist gleichbleibend hoch und wird auch in naher Zukunft bestehen bleiben. Die Ruhestandsversetzungen beim aktuellen Lehrkörper in den nächsten Jahren sind absehbar und erfordern umsichtige Maßnahmen zur Personalentwicklung. Daher sucht die HUAk stets Unteroffiziere mit einem reichen Erfahrungsschatz und einem hohen Kompetenzumfang, die die Motivation haben, dort Lehrunteroffizier zu werden.
Natürlich wäre es wünschenswert, die besten Zugskommandanten jedes Verbandes nach Enns zu holen. Dann wäre jedoch die Leistungsfähigkeit der Truppe für künftige Aufgaben geschmälert. Deshalb ist in diesem Bereich eine kluge Strategie notwendig, um den Bedürfnissen der Truppe und der HUAk gleichermaßen gerecht zu werden, die die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte nicht schwächt, sondern nachhaltig erhöht. Diese Strategie muss im Sinne des Qualitätsanspruches an künftige Führungskräfte für das Österreichische Bundesheer von allen Verantwortlichen jeder Ebene unterstützt werden.
Bis jetzt kann die erforderliche Anzahl an jungen Berufsunteroffizieren mit hilfe der unterstützenden Dienststellen ausgebildet werden. Wie eingangs erwähnt, bleibt der Bedarf aber unverändert hoch. Darüber hinaus ist es an der Zeit, die Absolventenzahlen bei den Milizunteroffizieren zu erhöhen, da diese gegenwärtig niedrig ist.
Der infrastrukturelle Mangel am Standort Enns ist seit Jahren bekannt und konnte bisher noch nicht gelöst werden. Die Folgerung ist, dass weiterhin Einheiten mit einem Auftrag zur Durchsetzung der militärischen Landesverteidigung – die Truppe – für die Ausbildung angehender Unteroffiziere herangezogen werden. Ob diese dann noch ihren Grundauftrag erfüllen können, darf hinterfragt werden. Für Einsatzaufgaben stehen sie in dieser Zeit jedenfalls nicht zur Verfügung.
Um die Verteidigungsfähigkeit eines Staates sicherzustellen, reicht es nicht, nur Rüstungsmaterial anzuschaffen. Auch der Ausbau der Infrastruktur, der zweifellos notwendig ist, wird keinen Aggressor abhalten. Erst durch gut ausgebildete Soldaten in ausreichender Anzahl und kompetentes Führungspersonal wird das Bundesheer zu einem zuverlässigen, ernstzunehmenden und kriegsfähigen Garanten der Sicherheit Österreichs.
Autor
Vizeleutnant Rudolf Pfalzer
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