Traumberuf Panzerfahrer
Die Motoren brummen mit bis zu 1 500 PS – zuerst der „Leopard“ 2A4, dann der Schützenpanzer „Ulan“ mit 721 PS und schließlich die Panzerhaubitze M-109 mit 440 PS. Während auf dem Übungsgelände die Prüfungsfahrten stattfinden, berichten zwei Fahrschullehrer und drei Grundwehrdiener über die Ausbildung zum Panzerfahrer.
Um beim Bundesheer Panzerfahrer zu werden, muss der Bewerber eine intensive Ausbildung absolvieren. Dazu sind verschiedene Voraussetzungen und Eignungen notwendig. Marcel Taschwer spricht mit den Heeresfahrschullehrern Jürgen und Georg sowie mit drei Grundwehrdienern, die kurz vor ihrer Fahrprüfung stehen. Nach vier intensiven Wochen Ausbildung auf den unterschiedlichen Panzern steht nun die entscheidende Prüfungswoche an.

Karriere mit PS
Jürgen, gelernter Tischler, war am 31. Jänner 1994 in Ried/Innkreis eingerückt. Schon damals habe ihn die Technik mehr interessiert als das Schreinerhandwerk. So kam er zu dem Entschluss, Panzerfahrer zu werden. Damals war das jedoch noch mit einer Verpflichtung als Zeitsoldat verbunden gewesen.
„Die Ausbildung hat fünf Wochen gedauert, wie heute auch. Die Fahrschule war in Treffling. Als die acht Monate vorbei waren, wusste ich: Zurück in die Tischlerei will ich nicht.“ Stattdessen wählte Jürgen eine militärische Laufbahn. Der nächste Schritt führte ihn zum Kommandanten einer Panzergrenadiergruppe, um mehr Erfahrung zu sammeln. Ein schwerer Unfall im Burgenland 1999, bei dem er sich einen Beckenbruch zugezogen hatte, zwang ihn, seine Tätigkeit als Gruppenkommandant aufzugeben und einen neuen Weg einzuschlagen. Jürgen wurde Kraftfahrer, absolvierte den C- und E-Führerschein und begann schließlich im Jahr 2003 mit der Ausbildung zum Heeresfahrlehrer – zuerst für Räderfahrzeuge, später auch für Panzer. In weiterer Folge entschied er sich dazu, Fahrschullehrer zu werden. Der Unterschied zwischen Fahrlehrer und Fahrschullehrer besteht darin, dass ersterer hauptsächlich draußen am Gerät mit den Fahrschülern arbeitet, wohingegen letzterer zusätzlich die Befähigung besitzt, Unterrichte im Lehrsaal abzuhalten. Dennoch: „Ich bin lieber bei den Panzern, schraube daran herum, betätige mich praktisch, als im Lehrsaal zu sitzen“, gibt er zu.
Georg rückte 2004 ein, war in seiner Zeit als Grundwehrdiener Kraftfahrer. Schnell wurde ihm klar, dass ihn die großen Fahrzeuge faszinieren. „Größer, schwerer, breiter, mehr Rauch – das ist meine Welt“, sagt er lachend. Wie bei Jürgen folgten bei Georg ebenfalls weitere Ausbildungen und Lehrberechtigungen. Für jedes Fahrzeug bzw. für jeden Fahrzeugtyp braucht es eine eigene Lehrberechtigung. Und davon hat Georg mittlerweile einige gesammelt.
Fordernde Wochen
Die Ausbildung zum Panzerfahrer dauert fünf Wochen – setzt sich jedoch aus viel mehr als dem bloßen Fahren zusammen. „Ein großer Teil der Ausbildung besteht aus der Gerätelehre“, erzählt Georg. Die Fahrschüler müssen nicht nur wissen, wie man das Fahrzeug bewegt, sondern auch, wie man es wartet und pflegt. Hinzu kommt eine theoretische Schulung im Lehrsaal mit abschließender Computerprüfung. Ein Hauptaugenmerk ist das Fahren auf der Straße und bei Nacht. Dabei kommen Nachtsichtgeräte zum Einsatz.
„Die größte Herausforderung beim Panzerfahren ist das eingeschränkte Blickfeld“, erklärt Jürgen. „Beim Schützenpanzer ‚Ulan‘ muss die Luke geschlossen bleiben, weil der Turm nur einen knappen Schwenkbereich hat. Sonst könnte der Fahrer wortwörtlich geköpft werden.“ Dadurch bleibe nur ein kleiner Spiegel, durch den man die Umgebung sehen könne. Besonders bei Fahrten bergauf sei das schwierig, so Jürgen.
Während moderne Autos über zahlreiche Assistenzsysteme verfügen, die das Fahren erleichtern, gibt es im Panzer nur einen altbewährten „Assistenten“ – den Panzerkommandanten. „Der Panzerkommandant steht meistens im Turm, gibt Anweisungen wie links, rechts, halten oder rückwärts marsch – und auf den muss man sich zu hundert Prozent verlassen“, sagt Jürgen.


Traumberuf
Drei Rekruten – Johannes sowie David 1 und David 2 – haben sich freiwillig für die Ausbildung zum Panzerfahrer gemeldet. Auf die Frage, weshalb sie sich für diesen Weg entschieden haben, antwortet David 1: „Mich hat die Technik schon immer interessiert. Ich wollte unbedingt Fahrzeuge wie Panzer oder LKW fahren und habe gehofft, beim Bundesheer einen Führerschein machen zu können.“ Um in die Ausbildung einsteigen zu können, war eine Testung erforderlich. „Man muss Verkehrszeichen erkennen und körperlich fit sein.“
Für David 2 war es eher eine praktische Entscheidung, den Grundwehrdienst abzuleisten. „Ich habe vorher schon gearbeitet und wollte auch weiterhin anpacken. Sechs Monate sind nicht lange und als mir die Möglichkeit geboten wurde, den Panzerführerschein zu machen, sagte ich sofort zu. Wann hat man schon die Gelegenheit, mit einem Panzer zu fahren?“
Johannes erzählt, dass seine Motivation durch seinen Vater entstanden sei, der selbst Kraftfahrer beim Bundesheer war. „Mich haben Panzer schon als Kind begeistert. Ich kann gar nicht sagen, woher das genau kommt. Ich habe einfach einen gesehen und wusste: Das will ich später machen.“ Da es in der Steiermark keine passende Ausbildungsstelle gab, bemühte er sich, beim Panzerbataillon 14 in Wels eingeteilt zu werden – mit Erfolg.
Unterschiede
Was unterscheidet das Panzerfahren vom Autofahren? Für David 1 liegt die größte Umstellung in der Lenkung. „Man hat keine vier Räder wie beim Auto, sondern zwei Ketten. Man fährt keine schönen Kurven – mein Panzer, die M-109, zieht oder reißt immer in eine Richtung.“ Durch Übung sei es aber mittlerweile schon viel besser geworden. Auch die Breite spielt eine große Rolle: „Die M-109 ist über drei Meter breit, das fährt sich anders als mit einem Auto.“
David 2 stimmt zu: „Beim ‚Leopard‘ haben wir eine Breite von 3,7 Metern. Bei Engstellen muss man extrem aufpassen.“ Johannes ergänzt, dass die Bedienung eine große Umstellung sei. „Man hat auf so viel mehr zu achten, auf Warnhinweise oder die Warnleuchten, die es im Fahrzeug gibt. Weiters hat man beim Schützenpanzer ‚Ulan‘ kein Lenkrad, sondern eine Lenkstange. Das ist so ähnlich wie ein Radlenker. Da ist schon ein Umdenken notwendig.“
Die drei unterschiedlichen Panzermodelle erfordern unterschiedliche Ausbildungen. Georg erklärt warum: „Auch wenn man schon einen Panzer gefahren hat, braucht man für jeden Panzer-Typ einen eigenen Führerschein.“ Jürgen ergänzt: „Die M-109 ist schwerfällig, weil sie viel älter ist. Der ‚Ulan‘ hingegen ist moderner, da funktioniert alles besser, das Lenken ist leichter. Technisch gesehen hat sich natürlich mit den Jahren schon etwas geändert.“
Doch ist es wirklich ein Vorteil, wenn man vorher schon größere Fahrzeuge wie Lastkraftwägen oder Traktoren gelenkt hat? „Natürlich“, meint Georg, „Vorkenntnisse sind immer gut. Gerade im ländlichen Raum, wenn jemand schon mit einem LKW oder Traktor gefahren ist, steigt man in den Panzer ganz anders ein. Aber unsere Ausbildung ist so gestaltet, dass sie auch jemand ohne Vorkenntnisse bestehen kann.“


Prüfung in Theorie und Praxis
Was kommt nun auf die drei jungen Männer und alle, die Panzerfahrer werden wollen, zu? Zuerst muss die theoretische Prüfung bestanden werden, dann steht die Gerätelehre an. Dabei wird überprüft, ob der Fahrschüler das Fahrzeug pflegen und warten kann und wie gut er seinen jeweiligen Panzer kennt. Eine praktische Fahrprüfung schließt die Ausbildung ab.
Die Theorie war für die drei Grundwehrdiener rückblickend die größte Herausforderung. „Ich bin eher der Praktiker. Das Fahren hat mir Spaß gemacht, deshalb war das für mich von Anfang an leichter“, sagt David 1. David 2 hatte ebenfalls mehr Freude an den praktischen Tätigkeiten, da Theorie trocken und die Praxis um einiges interessanter sei – Learning by Doing. Besonders das Fahren im Gelände begeistert die Soldaten. Auf die Frage, ob ihnen das Fahren auf der Straße oder abseits befestigter Wege mehr liegt, tönt es fast wie aus einem Mund: „Im Gelände!“
Doch genau dort lauern die Schwierigkeiten. David 2 erklärt, dass das Geländefahren mit dem Panzer volle Konzentration erfordere. „Man darf auf keinen Fall leichtsinnig werden. Es ist wichtig, ein Gefühl für den Panzer zu bekommen. Wann beginnt eine Steigung, wann kippt man fast? – Das kann man leicht überschätzen.“
Die Umstellung vom Auto zum tonnenschweren Kettenfahrzeug ist gewaltig. Das spüren nicht nur die Rekruten, sondern auch die Fahrlehrer. Jürgen berichtet: „Gerade in der Anfangsphase, wenn sie das erste Mal in den Panzer steigen, merkt man bei den Fahrschülern großen Respekt. Kein Schlüssel zum Absperren, sondern ein Schloss, eine Luke, die geöffnet und geschlossen werden muss – und viele Schalter. Man kann nicht nur den Motor anwerfen und losfahren, da steckt viel mehr Aufwand dahinter.“
An die Verantwortung muss man sich gewöhnen – nicht nur für das Fahrzeug, sondern vor allem für die Kameraden im Mannschaftsraum. Dort muss alles gesichert sein, denn wenn man im Gelände unterwegs ist, fliegen ungesicherte Werkzeuge schnell herum. „Wir sind schon ein paar Mal mit dem Kopf angeschlagen“, erzählt Johannes. „Gerade, wenn jemand noch kein gutes Gefühl für die Bremse hatte, war das manchmal eine holprige Partie.“ Für David 1 sind solche Zwischenfälle halb so schlimm. „Wir sind hier, um zu lernen. Dementsprechend muss man damit rechnen, dass man sich verschätzt. Dann hält man sich fester an und es passt.“
Ausbildungsinhalte
- Panzerfahrdienst: ca. 30 Stunden
- Gerätelehre und Pflege/Wartung: ca. 60 Stunden
- Praktische Fahrausbildung:ca. 50 Stunden
- Körperausbildung: ca. 20 Stunden
- Vor- und Nachbereitung/Prüfung theoretisch und praktisch: ca. 20 Stunden
- Administration: ca. 10 Stunden
Teamwork
Im Panzer ist das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Kommandant essenziell. In der Ausbildung werde das bewusst simuliert, wie Jürgen erzählt: „Ich habe im Kampfraum immer zwei bis drei Leute mitgenommen, damit sie sich daran gewöhnen. Der Fahrlehrer übernimmt den Part des Kommandanten, ein zweiter Fahrschüler ist auf der rechten Seite und hat den Blick vom Turm aus. Auch im Mannschaftsraum sollen die Soldaten merken, was es bedeutet, wenn der Fahrer in ein Loch fährt und sie mit dem Kopf oben anschlagen. Genau dafür haben sie einen Helm auf.“
Körperliche Voraussetzungen spielen beim Panzerfahren eine Rolle. „Je größer du bist, desto schwieriger wird es“, meint David 2. „Optimal wären etwa 1,70 Meter. Wer 1,90 oder 2 Meter groß ist, hat bei geschlossener Luke ein Problem – da muss man dann mit dem Kopf zur Seite geneigt fahren.“ David 1 ergänzt, dass sich zwar alles am Sitz einstellen lasse, es für größere Soldaten jedoch manchmal eine Herausforderung sei. Selbst ein Kamerad mit über zwei Metern sei aber mit der richtigen Einstellung noch fahrfähig.
Georg bestätigt das. „Zu groß ist schwierig – aber zu klein ist ebenfalls ein Problem. Man muss aus der Luke schauen können und gleichzeitig die Pedale erreichen. Am besten sind tatsächlich Leute mit durchschnittlicher Körpergröße geeignet.“ Was die Voraussetzungen betrifft, so sind ein Führerschein und die körperliche Eignung die Grundbedingungen, alles Weitere wird in der Ausbildung vermittelt.
Am Ende der fünf Wochen steigt die Vorfreude auf einen positiven Abschluss. Worauf die drei Rekruten richtig hinfiebern? Ohne zu zögern sagt David 1: „Auf das Panzerfahren.“ Johannes blickt erwartungsvoll auf das Übungsgelände in Allentsteig. „Uns wurde schon so viel erzählt. Gepanzerte Ketten- und Gefechtsfahrzeuge in echtem Gelände zu lenken, sogar beim Scharfschießen, das wird sicher eine interessante Situation, also etwas ganz anderes als in der Fahrschule.“


Abwechslungsreiche Tätigkeit
Jürgen schildert die derzeitige Lage: Pro Einrückungstermin werden zwei bis sechs Panzerfahrer ausgebildet. Der tatsächliche Bedarf sei höher, aber es fehle an Fahrlehrern. „Wir haben im Schnitt drei bis vier Panzerfahrschulen im Jahr. Priorität hat das Kaderpersonal, weil deren Nutzungsphase länger ist.“ Früher seien Grundwehrdiener gar nicht ausgebildet worden, das habe sich erst durch den Mangel an Kadersoldaten geändert.
In Ried/Innkreis beim Panzergrenadierbataillon 13 gibt es über 50 Schützenpanzer ‚Ulan‘ – und deren Wartung und Pflege ist aufwendig. Daher ist es von Vorteil, dass durch die Grundwehrdiener wieder mehr Fahrer zur Verfügung stehen. „Bei einem Räderfahrzeug muss man Reifen wechseln, bei einem Panzer hat man auch Laufwerkarbeiten. Diese allein nehmen jedoch schon bis zu drei Tage in Anspruch“, erklärt Jürgen. David 1 erinnert sich an eine der ersten größeren Wartungsarbeiten: „Bei unserem Panzer waren die Gummipackerl auf der Kette verschlissen. Insgesamt 304 Stück mussten wir mit einem Fünf-Kilo-Schlägel ausschlagen, um sie tauschen zu können.“ Kettentausch und Laufrollenwechsel seien ebenfalls Teil der Ausbildung.
„Vom Drehmomentschlüssel bis hin zu wirklich schwerem Werkzeug lernen die Fahrschüler alles kennen. Das ist eine Erfahrung für das private Leben“, sagt Jürgen. Früher sei der Panzerführerschein auch zivil anrechenbar gewesen. Heute sei das nicht mehr möglich. Dennoch profitiere man davon – besonders, wenn man später in der Landwirtschaft oder mit schweren Maschinen arbeitet. Die technischen Grundlagen, die man bei der Ausbildung zum Panzerfahrer lerne, seien eine gute Basis für viele praktische Fertigkeiten, so David 1.
Was macht den Beruf des Heeresfahrlehrers eigentlich aus? Für Jürgen ist es die Abwechslung: verschiedene Standorte, unterschiedliche Menschen und ein breites Spektrum an Fahrzeugen. „Wir schulen alles – von B- über C-Fahrzeuge bis zum Panzer.“ Georg ergänzt: „Jede Gruppe ist anders – manche kommen direkt aus der Schule, andere haben handwerkliche Erfahrung. Aber am Ende bringt man alle auf einen gemeinsamen Level.“
Fazit
Würden sich die drei jungen Soldaten wieder für die Ausbildung zum Panzerfahrer entscheiden? David 1 muss nicht lange überlegen: „Ja, auf alle Fälle. Ich habe eine andere Kaserne gesehen, Leute kennengelernt und technisch viel Neues erfahren bzw. Wissen gefestigt, das ich zuvor schon besessen habe.“
Johannes schließt sich an: „Man wird ‚ins kalte Wasser‘ geworfen, aber am zweiten Tag sitzt man schon im Panzer und darf fahren – da sind einfach so viele Eindrücke.“ Das einhellige Fazit der drei Panzerfahrer – die Ausbildung ist interessant und eine klare Empfehlung!
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