Militärische Führung

Führung
O. Pilles
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Offiziere müssen ihre Soldaten in schwierigen und dynamischen Situationen sicher führen. Hier setzt das Referat Gefechtstechnik und Führungstraining der Theresianischen Militärakademie an. Es schult Offiziersanwärter auf Kompanieebene mit einer Kombination aus Theorie und Praxis mit Fokus auf persönliche Weiterentwicklung.

Das Referat

Das Referat Gefechtstechnik und Führungstraining (GefTe & FüTr) ist eines von mehreren Referaten des Fachbereiches 1 am Bachelor Studiengang „Militärische Führung“ der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk). Seine zentrale Aufgabe ist die militärische Führungsausbildung. Es stattet die Auszubildenden mit den notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten aus, damit sie als zukünftige militärische Führungskräfte erfolgreich auf dem Gefechtsfeld agieren können. Das Referat bietet eine ganzheitliche Ausbildung, die sich aus theoretischen und praktischen Inhalten zusammensetzt.

Das Ausbildungsteam besteht aus Hauptlehroffizieren der TherMilAk sowie Gastlehrern aus den Streitkräften, die für ein bis zwei Wochen in die Ausbildung eingebunden werden, um zusätzlich Perspektiven, Praxisnähe und Fachwissen einzubringen. Jedes Teammitglied hat spezifische Aufgaben, wobei Ausbilder und Trainer auch Führungsrollen wie die des Bataillonskommandanten übernehmen. So bleibt die Ausbildung praxisnah und abwechslungsreich. Die Teilnehmer können damit aus einer Fülle an Erfahrungen lernen. Geleitet wird das Referat von Oberst Oliver Pilles.

Philosophie

Das Referat verfolgt eine klare Ausbildungsphilosophie, die auf „Learning by doing“ basiert. Die Fähnriche sollen nicht nur passiv Wissen konsumieren, sondern sich dieses aneignen, es danach in realistischen Trainingsszenarien testen und aktiv in der Praxis anwenden. Fehler werden dabei als integraler Bestandteil des Lernprozesses betrachtet, die wertvolle Chancen zur Verbesserung und Weiterentwicklung bieten.

Die Philosophie des Referates stützt sich auf die Idee, dass echte Führungskompetenz durch die Auseinandersetzung mit schwierigen und realitätsnahen Situationen erlangt wird. „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken“ – dieser Leitsatz von Galileo Galilei beschreibt das Selbstverständnis des Referates. Die Teilnehmer werden durch praxisorientierte Übungen und geführte Reflexionen auf die Herausforderungen vorbereitet, die während eines Einsatzes auftreten können.

Der Großteil des Führungstrainings findet im Gelände statt. Dieses bietet die beste Möglichkeit, realistische Führungserfahrung zu sammeln und den „Blick für das Gelände“ zu entwickeln. Die Ausbilder und Trainer achten darauf, dass alle Offiziersanwärter während des Trainings in einem angstfreien Lernklima arbeiten können, das ihren Lernfortschritt fördert. Diese Philosophie betont die Eigenschaften Eigenverantwortung, Selbstinitiative und Teamarbeit. Solche Fähigkeiten sind entscheidend, um effektive militärische Führungskräfte auszubilden, die in stressigen und komplexen Situationen klare Entscheidungen treffen können.

„Mach er mir tüchtige Officiers und rechtschaffene Männer daraus!“ Dieser Auftrag der Kaiserin Maria Theresia von 1752 gilt noch heute an Österreichs Militärakademie.
„Mach er mir tüchtige Officiers und rechtschaffene Männer daraus!“ Dieser Auftrag der Kaiserin Maria Theresia von 1752 gilt noch heute an Österreichs Militärakademie.

Ausbildungszweck

Der Hauptzweck der Ausbildung durch das Referat GefTe & FüTr besteht darin, militärische Führungskräfte auf ihre vielfältigen Aufgaben vorzubereiten. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Kompaniekommandanten, die ihr fundiertes theoretisches Wissen in realen, dynamischen Szenarien anwenden können. Die Ausbildung kombiniert dazu militärische Taktik, Gefechtstechnik und Führungstraining; Theorie und Praxis werden also miteinander vereint. Das ermöglicht es den Auszubildenden, das Gelernte unmittelbar anzuwenden und zu vertiefen.

Das Entwicklungsprofil des Offiziers nach dem Theresianischen Führungsmodell zeigt, worauf Vertrauen aufbaut. (Grafik: RedTD/nach Josef Franz Königshofer)
Das Entwicklungsprofil des Offiziers nach dem Theresianischen Führungsmodell zeigt, worauf Vertrauen aufbaut. (Grafik: RedTD/nach Josef Franz Königshofer)

Ausbildungsziele

Das Führungstraining zielt darauf ab, die Studierenden zu Führungskräften auszubilden, die Entscheidungen treffen, ihre Einheiten führen und effizient kommunizieren. In der Ausbildung wird darauf geachtet, dass die Teilnehmer als Fachleute und Persönlichkeiten gefördert werden. Dazu entwickelt das Referat mit seinen Führungstrainings Schlüsseleigenschaften wie Selbstvertrauen, Teamfähigkeit und die Fähigkeit zur Entscheidungsfindung weiter. Zu den wichtigsten Kompetenzen, die während des Führungstrainings entwickelt werden, gehören:

Die Entwicklung dieser Kompetenzen ist entscheidend für die militärischen Führungskräfte von morgen.

Zu den wichtigsten Kompetenzen eines Offiziers gehören Kommunikations-, Entscheidungs-, Organisations- und Anpassungsfähigkeit sowie Durchhaltevermögen. (Foto: Bundesheer/Paul Kulec)
Ein Offizier muss die Richtung vorgeben können. Dazu erhält er Führungstrainings im Referat GefTe&FüTr. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Der Referatsleiter Oliver Pilles (re.) gibt den nächsten Besprechungspunkt vor. (Foto: Bundesheer/Paul Kulec)

Ausbildungsinhalte

Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf der Anwendung von Führung und Gefechtstechnik im Gelände. Dabei werden allgemeine militärische Prinzipien und Grundsätze in allen Einsatzarten gelehrt, die in urbanem und ruralem Gelände angewendet werden können. Das ermöglicht den Militärakademikern, flexibel zu bleiben und ihr Wissen in verschiedenen Situationen zu nutzen. Die Verwendung von speziell entwickelten Produkten und Szenarien für Übungen sorgt dafür, dass die Auszubildenden mit aktuellen Anforderungen und Herausforderungen konfrontiert werden.

Sequenzen und Methodik

Die Ausbildungssequenzen im Führungstraining folgen einer strukturierten Methodik, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Ein zentraler Bestandteil der Ausbildung ist das Prinzip des „Problem-Based-Learning“ (PBL). Es ermöglicht den Fähnrichen, eigene Lösungen für realitätsnahe Szenarien zu entwickeln und dabei ihre Führungskompetenzen in der Praxis zu erproben. Jedes Führungstraining besteht aus elf aufeinanderfolgenden Schritten:

  • Internet Distance Learning: Vorbereitende Selbststudiumphasen, in denen sich die Teilnehmer eigenständig mit theoretischen Grundlagen der militärischen Führung in Form von E-Learning-Programmen auseinandersetzen;
  • Selbstarbeit zum Problem-Based-Learning: Gruppenarbeit, bei der die Teilnehmer gemeinsam Lösungen für komplexe Probleme entwickeln und ihre jeweilige Herangehensweise im Team erarbeiten;
  • Entry-Level-Test: Die erste Überprüfung des Wissensstandes aus den E-Learning-Programmen, um sicherzustellen, dass alle Teilnehmer vom gleichen Know-how-Niveau aus starten;
  • Problem-Based-Learning: Präsentation aus selbstständig erarbeiteten Themengebieten;
  • Tactics, Techniques and Procedures: Vertiefende Übungen, bei denen die Auszubildenden ihre Führungsfähigkeit unter Verringerung der zur Verfügung stehenden Zeit und einem Geländewechsel weiterentwickeln;
  • Planungsverfahren (Military Decision Making Process): Als Kompaniekommandant eine Bataillonsbefehlsausgabe erhalten und mit dem militärischen Führungsverfahren in einen Kompaniebefehl umwandeln;
  • Befehlsschulung: Befehlsgebung auf Kompanieebene an Teileinheiten unter Einsatz von geeigneten Visualisierungsmitteln;
  • Competence-Based Scenario Training: Realitätsnahe Szenarien, in denen Teilnehmer ihre Fähigkeiten in einer Führungsübung unter Zeitdruck und extremen Bedingungen testen müssen;
  • Abschlussaufgabe: Innerhalb einer Stunde wird das vermittelte Wissen in Form einer schriftlichen Prüfung abgefragt;
  • Evaluierung: Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, Ausbilder und Trainer zu evaluieren und konstruktiv Kritik zu üben;
  • Rückmeldegespräch unter vier Augen: Am Ende eines jeden Führungstrainings dokumentiert eine umfassende Bewertung die individuellen Leistungen und Kompetenzfortschritte.
Der Zweck der Führungstrainings ist die Entwicklung, Förderung und Steigerung der Führungsfähigkeit von militärischen Führungskräften im nationalen und internationalen Umfeld. (Grafik: RedTD/ nach Josef Franz Königshofer)
Der Zweck der Führungstrainings ist die Entwicklung, Förderung und Steigerung der Führungsfähigkeit von militärischen Führungskräften im nationalen und internationalen Umfeld. (Grafik: RedTD/ nach Josef Franz Königshofer)

Führungstraining

Eine Führungsübung bildet den Kern der Ausbildung. Dabei konzentrieren sich die Offiziersanwärter auf die Entwicklung von Führungsfähigkeiten auf Kompanieebene. Sie üben in komplexen und dynamischen Situationen regelmäßig Entscheidungsfindungen, das Führen der Handkarte und das Geben von Gefechtsbefehlen über Funk.

Praxisorientierte Übungen

Ein Herzstück des Führungstrainings sind praxisorientierte Übungen im Gelände, die den Auszubildenden die Möglichkeit bieten, ihre theoretischen Kenntnisse in realistischen Szenarien anzuwenden. Dabei gilt es, schnell Entscheidungen zu treffen, Verantwortung für ein Team zu übernehmen und unter Druck klare Anweisungen und Befehle zu geben. In diesen Übungen müssen die Teilnehmer ihre Truppe in simulierten Einsätzen führen und sicherstellen, dass alle Befehle klar kommuniziert werden.

Besonders herausfordernd ist das Führungstraining unter belastenden Bedingungen. Dabei sind die Fähnriche mit Schlafmangel, Ungewissheit, schwierigen Umfeldbedingungen und hoher körperlicher Belastung konfrontiert. Diese realitätsnahen Szenarien bieten den Offiziersanwärtern die Möglichkeit, ihre Führungsfähigkeiten zu testen und gleichzeitig ihre mentale und körperliche Belastbarkeit zu steigern.

Fehlerkultur und Reflexion

Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist eine offene Fehlerkultur, die es den Teilnehmern ermöglicht, aus ihren Fehlern zu lernen. Fehler sind ein natürlicher Teil des Lernprozesses. Deshalb fördert das Ref GefTe & FüTr eine Atmosphäre, in der Auszubildende keine Angst vor Misserfolgen haben müssen. Während des gesamten Trainings gibt es regelmäßige Reflexionen und Feedbacks, bei denen die Offiziersanwärter ihre Entscheidungen, Handlungen, Fortschritte und Leistungen hinterfragen und bewerten. Diese Rückmeldungen helfen, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Die Aufgabe des Trainers ist es, Tipps zu geben, um Schwächen in Stärken umzuwandeln. So können die Fähnriche ihre Führungskompetenz kontinuierlich weiterentwickeln.

Evaluierung und Weiterentwicklung

Am Ende jeder Lehrveranstaltung nehmen die Teilnehmer an einer umfassenden Reflexion teil und evaluieren das Führungstraining. Zugleich erhalten sie ein detailliertes Feedback ihrer Ausbilder. Eine wichtige Methode zur Bewertung ist die Vergabe von Kompetenzkarten, die die Fähigkeiten der Studierenden in den fünf eingangs genannten Kompetenzbereichen abbilden. Diese bieten eine präzise sowie objektive Bewertung und helfen den Ausbildern, die Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Teilnehmers zu erkennen. Diese kontinuierliche Rückmeldung sorgt dafür, dass jeder Militärakademiker individuell gefördert wird.

Das  Gelände ist der Lehrsaal des Soldaten: Fähnriche beurteilen taktisch zusammengehöriges Gelände von einem Übersichtspunkt aus. (Foto: Bundesheer/Oliver Pilles)
Die schulmäßige Befehlsausgabe auf dem Geländesandkasten ist ein zentrales Element  in der Führungsausbildung. (Foto: Bundesheer)
Ein Offiziersanwärter erfasst den Bataillonsbefehl. (Foto: Bundesheer/Angela Schmeißl)

Module Führungstraining

Die Führungstrainings sind auf verschiedene Module verteilt, die sich über den gesamten Ausbildungszeitraum erstrecken und aufeinander aufbauen. Jedes Führungstraining endet mit einer Beurteilung, die die Fähigkeiten und Fortschritte der Teilnehmer überprüft und dokumentiert.

Grundlagenmodul (1. Semester)

Module Verteidigung und Angriff (2. Semester)

Module Verzögerung und Schutz national (3. Semester)

Diese Module befassen sich mit spezifischen Einsatzarten, die ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Organisationsvermögen erfordern. Es wird nicht nur Fachwissen vertieft, sondern auch die Fähigkeit, strategisch zu denken und taktisch flexibel zu reagieren.

Module Multinationale Einsätze und belastende Bedingungen (5. Semester)

In diesem Fortgeschrittenen-Modul werden internationale Einsätze englischsprachig simuliert, bei denen Teilnehmer lernen, mit multinationalen Kräften zusammenzuarbeiten. Belastende Szenarien wie Schlafentzug, extreme Umfeldbedingungen und körperliche Erschöpfung sind Teil der Ausbildung, um die Resilienz der Teilnehmer zu testen.

Die Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie. Fixer Bestandteil sind Führungstrainings. (Grafik: Bundesheer)
Die Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie. Fixer Bestandteil sind Führungstrainings. (Grafik: Bundesheer)

Internationale Zusammenarbeit

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Führungstrainings ist die internationale Zusammenarbeit. Durch Partnerschaften mit Staaten wie der Schweiz und Deutschland sowie durch Programme wie Military Erasmus können die Teilnehmer Erfahrungen für multinationale Einsätze sammeln. Diese internationalen Kooperationen erweitern den Horizont der Teilnehmer und ermöglichen es, sich mit anderen militärischen Kulturen und Praktiken vertraut zu machen. Solche Partnerschaften sind besonders wertvoll, um die Auszubildenden auf multinationale Einsätze vorzubereiten, ihr Verständnis für globale militärische Zusammenhänge zu vertiefen und ihre interkulturelle Kompetenz sowie Fremdsprachenkenntnisse zu fördern.

Militärische Führungskräfte müssen in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, ihre Einheiten zu führen und effektiv zu kommunizieren. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Ausmusternde Militärakademiker sind voll ausgebildete militärische Führungskräfte. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Ein österreichischer Offiziersanwärter (li.) gibt auf Zypern seinen englischsprachigen Befehl an internationale Teilnehmer des Führungstrainings. (Foto: Bundesheer/Oliver Pilles)

Fazit

Das Referat GefTe & FüTr der Ther-MilAk ist ein gutes Beispiel für moderne und praxisorientierte Führungsausbildung. Die Offiziersanwärter verlassen die Führungstrainings des Referates nicht nur mit fundiertem Fachwissen, sondern auch mit der Fähigkeit, als selbstbewusste und verantwortungsvolle Führungskräfte in komplexen, dynamischen Einsatzszenarien handeln und bestehen zu können.


Autor

Oberst Mag.(FH) Oliver Pilles, MA

Referatsleiter und Hauptlehroffizier Referat Gefechtstechnik & Führungstraining an der TherMilAk und Heeresbergführer

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 02/2025 (403): Jagdkampf

Diese Ausgabe von TRUPPENDIENST widmet sich den zentralen Fragen der Modernisierung des Bundesheeres in Zeiten knapper Budgets und wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen. Im Mittelpunkt steht das Projekt „Jagdkampf“, mit dem die 7. Jägerbrigade als Versuchstruppe neue Technologien und…