Joint Fire Support Coordination
Das Ziel militärischer Verbände ist das Wirksamwerden am Gegner und die Reduzierung seiner Kampfkraft, bevor man die eigenen Kräfte zum Einsatz bringt und sich dem Feuer des Gegners aussetzt. Der Luftraum über den Landstreitkräften muss das allerdings zulassen.
„Never send a man where you can send a bullet.“ Dieses Zitat von Ian Fleming aus dem James Bond-Sammelband „For Your Eyes Only“ kann auf Joint Fire Support (JFS) angewendet werden. JFS wird schon seit über zehn Jahren im Bundesheer ausgebildet, gelehrt und in Schießübungen praktisch angewendet. So werden in Kooperation mit der Deutschen Bundeswehr Feuerunterstützungslehrgänge auf verschiedenen taktischen Ebenen durchgeführt. In der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule des Bundesheeres werden Joint Terminal Attack Controller (JTAC) ausgebildet und in Slowenien nach internationalem Standard zertifiziert und qualifiziert.
Etabliert als Fähigkeit im Kampf der verbundenen Waffen bzw. im Einsatz der verbundenen Kräfte, hat sich der JFS allerdings noch nicht. Das liegt an der noch fehlenden Struktur und der notwendigen Ausrüstung bei der Truppe und am noch fehlenden Wirkungsverbund, der die Teilstreitkräfte verbindet. Die rasante technische Entwicklung, verbunden mit dem Anstieg der Nutzer im Luftraum, vereinfacht diese Integration nicht.
Joint Fire Support
Joint Fire Support, bzw. die teilstreitkräfteübergreifende Feuerunterstützung, ist die Umsetzung der indirekten Feuerunterstützung aus der Luft oder durch Steilfeuer auf der taktischen Ebene. Dies soll den Gegner durch letale, aber auch nicht letale Wirkung in der Durchführung seiner Absicht behindern oder sogar vernichten. Das Ziel des JFS ist einerseits, die im Unterstützungsprozess „Targeting“ (siehe dazu TD-Heft 01/2011) definierten Ziele mittels zugeordneter Effekte zu bekämpfen und andererseits begleitend die sich daraus ergebenden Konflikte im laufenden Gefecht, wie Kollateralschäden und Eigengefährdung zu Land und in der Luft, auszuräumen.

Joint Fire
Joint Fire (JF) ist die Planung der Feuerunterstützung auf der operativen Ebene – zur Abgrenzung gegenüber JFS – und umfasst zur Bewirkung des Gegners neben der indirekten auch die direkte Feuerunterstützung. Das Schwergewicht liegt in der Planung und Aufbereitung der Bewirkung jeglicher Ziele im Sinne der Absicht des Truppenführers. JF stützt sich in erster Linie auf den Informationsgewinnungs- (Intelligence) sowie den darauf aufbauenden Zielfestlegungsprozess (Targeting) ab und stellt die Auftragserfüllung in planerischer Hinsicht sicher. JFS setzt die operative Planung mittels indirekter Feuerunterstützung unter Bereitstellung der notwendigen technischen Abläufe und Prozesse auf taktischer Ebene um.
Mit der Ausrichtung auf das ÖBH 2032+ und den Vorgaben des Zielbildes wird JFS eine wesentliche Bereicherung an den notwendigen Mitteln und damit an Bedeutung sein. Nicht nur weil Fliegerabwehrkräfte auf mittlerer, kurzer und sehr kurzer Reichweite beschafft werden, sondern weil die Anzahl der Nutzer in der dritten Dimension und deren Frequenz stark zunehmen. Eine erhebliche Steigerung der Mittel wird im Bereich der Aufklärungsdrohnen, die auf der Ebene Trupp/Gruppe, Zug und Kompanie gefechtstechnische Aufgaben zu lösen haben, zu erwarten sein. Auch die Ebenen Bataillon und Brigade (und darüber hinaus) werden diesen Luftraum taktisch nutzen. Zusätzlich wird die dritte Dimension durch Loitering Munition (bekannt als „Kamikazedrohnen“) und durch die Erweiterung der Steilfeuersysteme weiter verdichtet. So werden neben Granatwerfern und Panzerhaubitzen zusätzlich Raketenwerfer den Luftraum belegen und insgesamt – durch den Anstieg der Feuerkapazitäten der Steilfeuersysteme mit präziserer Munition – noch intensiver zu koordinieren sein.

Luftraumkoordinierung der Luftstreitkräfte
Bis dato war im Bundesheer Joint Fire Support auf die Steilfeuersysteme der Panzerhaubitze und des Granatwerfers bzw. die Starr- und Drehflügler der Luftstreitkräfte (LuSK) beschränkt. Die Luftraumkoordinierung zur Luftnahunterstützung (Close Air Support – CAS) der Landstreitkräfte (LaSK) erfolgte brigadeaufwärts durch Verbindungselemente mittels Air Liaison Officer (ALO) und Air Space Manager (ASM). Fliegerleittrupps bzw. Joint Terminal Attack Controller (JTAC) brachten die zugeordneten Luftmittel im Wirkungsraum zum Einsatz. Die Einbindung von Fliegerabwehrkräften im Bundesheer erfolgte nur in der Theorie bzw. bei Kooperationen und internationalen Übungen, da diese Kräfte aufgrund der Zuordnung zur Rekonstruktionswaffengattung (wird erst im Bedarfsfall aufgestellt; Anm.) nicht existent waren.
Die Luftstreitkräfte sind darauf ausgerichtet und strukturiert, ihre eigenen Luftkriegsmittel zu planen, einzusetzen und im zugeordneten Luftraum zu führen und zu koordinieren. Für die Luftnahunterstützung der LaSK als Nebenaufgabe ist das aufgrund der Ressourcen nur für die eigenen Luftmittel, nicht aber für zukünftige Wirkmittel der LaSK möglich. Zusätzliche Luftmittel bzw. Nutzer des Luftraumes der LaSK können mit den gegebenen Mitteln nicht adäquat erfasst, verwaltet und koordiniert werden, vor allem aufgrund der wesentlich geringeren Reaktionszeiten bzw. Vorlaufzeiten der verschiedenen Ebenen der LaSK.
Damit ergibt sich, dass der Luftraum über dem Verantwortungsbereich der LaSK sich zukünftig zwischen LuSK (Air Component Command – ACC) und LaSK (Land Component Command – LCC) aufteilen und die Luftraumkoordinierung auf die LaSK übergehen wird. Die Anzahl der Nutzer, die Frequenz der Nutzung und gegebene Planungs- und Reaktionszeiten der jeweiligen Ebenen werden bekannt sein. Deshalb werden sich die Verantwortlichen die Fragen der Planung und des Einsatzes sowie der Führung und Koordinierung der Nutzer im zugeordneten Luftraum – inklusive der Zusammenarbeit mit den LuSK – offen stellen müssen, um Konflikte zu vermeiden.

Luftraumkoordinierung der Landstreitkräfte
Bis dato war für die LaSK die Restricted Operating Zone (ROZ) eine zum Einsatz von Luftmitteln notwendige Maßnahme und in Abwägung des Einsatzes anderer Mittel – zum Beispiel Steilfeuer – ein notwendiges Übel, wenn die Artillerie während der Luftnahunterstützung das Feuer unterbrechen musste. Wenn aber Aufklärung, Manöver, Kampfunterstützung etc. ihre Einsatzführung vermehrt in die dritte Dimension verlegen, muss das in koordinierter Form erfolgen, analog der zweiten Dimension und in Anlehnung an die LuSK. Zeitliche und räumliche Koordinierung von Feuer und Bewegung in der zweiten Dimension wird als Handwerkszeug aller Kommandanten gesehen und laufend geübt. Die räumliche und zeitliche Sequenzierung von Steilfeuer und Luftmitteln ist nichts Neues. Neu sind allerdings die Anzahl und die Frequenz von deren künftigen Nutzung.
„Niemand wirkt nicht nicht!“ bedeutet, dass alle Teilnehmer den Gefechtsverlauf beeinflussen, entweder durch ihre bloße Anwesenheit, durch Bewegung, Feuer und durch ihr aktives oder passives Verhalten. Im militärischen Gefecht sind Objekte, die man auf dem Gefechtsfeld erkennt, in ihrer Auswirkung einzuordnen bzw. berechenbar. Das gilt auch umgekehrt. Erkennt man diese nicht, so passiert es immer wieder, dass unerwünschte Ergebnisse zutage treten, wie Friendly Fire oder Kollateralschäden. Ist es schon in der zweiten Dimension schwierig, dem vorzubeugen, so wird es in der dritten Dimension noch komplizierter, weil die Objektgeschwindigkeit und -größe, wie bei den gefechtstechnischen Drohnen, dies erschweren.
Selbst wenn dem Drohnenbediener eine Luftraumbegrenzung vorgegeben ist und er aufgrund der Messwerte der Drohne die Flughöhe einhält, kann die Fliegerabwehr ohne die Information über den Drohnenflug keine Verifizierung oder Falsifizierung vornehmen und schießt im Zweifelsfall die eigene Drohne ab. Liefert die Drohne dem Bedarfsträger keine essenziellen Erkenntnisse über das Gefechtsfeld, kann dies die geplante Gefechtsaufgabe verzögern oder sogar verhindern. Ähnlich problematisch wäre es, wenn ein Hubschrauber zum Tiefflug gezwungen ist und keine Kenntnis über relevante bzw. gefährliche Flugobjekte auf seinem Flugweg hat.
JFS muss aus Sicht der LaSK mehr leisten als nur die Fortschreibung der Feuerunterstützung durch Granatwerferzüge und Panzerhaubitzbatterien aus der Vergangenheit. Sie muss ein zentraler Teil des Aufklärungs-, Führungs- und Wirkungsverbundes werden.

Bodengebundene Nutzer werden zukünftig über ein Führungsinformationssystem (FüIS) beauftragt und mittels Battlefield Management System in der zweiten Dimension geführt werden. Sobald jedoch Bodenkräfte mit eigenen Einsatzmitteln in und über die dritte Dimension wirksam werden, muss die Koordinierung im Luftraum der LaSK genauso greifen wie zu ebener Erde. Wurde bisher bei der Luftnahunterstützung der Einsatzführung der LuSK Vorrang gegenüber den Bodenkräften eingeräumt, so muss bei zunehmenden Nutzern des Luftraumes aus den LaSK erst entsprechend festgelegt werden, wer letztendlich Vorrang bei Nutzung und Wirkung haben wird.
Bedingt durch die Anzahl der Nutzer, die Häufigkeit der Nutzung, die Dynamik der Objekte und die geringen Reaktionszeiten im Luftraum der LaSK, kann dieser Bedarf nicht mehr analog bewältigt werden. Aktuell im Bundesheer eingeführte Informationssysteme der LuSK können die Anzahl der Objekte und die Identifikation derselben für die LaSK nicht sicherstellen. Bereits eingeführte Waffeneinsatzsysteme von Steilfeuerwaffen können zwar statische Luftraumkoordinierungsmaßnahmen – wie eine Restricted Operations Zone (ROZ) – berücksichtigen, aber deren zukünftige Anzahl, Dynamik und Auflösung überschreiten deren Leistungsvermögen. Die Ableitung ist, dass diese militärischen Anforderungen erst von den Bedarfsträgern zu beschreiben und zu spezifizieren sind, bevor sie in Informationssysteme implementiert werden können.
Koordinierung JFS
Zurzeit wird von einem JTAC, der sich als Teil eines Joint Fire Support Teams (JFST) im Wirkungsraum befindet, erwartet, dass es innerhalb der Luftraumkoordinierungsmaßnahmen der LuSK jedes zugeordnete Luftmittel zum Einsatz bringen kann. Die Kapazitäten im Sinne der Gleichzeitigkeit sind damit relativ schnell ausgeschöpft, weil er bis zum Abschluss des Luftmitteleinsatzes für die Durchführung voll verantwortlich ist, und dieser Auftrag damit die volle Aufmerksamkeit fordert (Terminal Control). Folglich muss ein zentraleres Element die Aufgaben der übergeordneten Luftraumkoordinierung vor dem „Terminal Control“ wahrnehmen und sich ausschließlich mit dieser Aufgabe beschäftigen, um mögliche Konflikte zu verhindern und im Fall eines ungeplanten Ereignisses koordinierend einzugreifen. Anbieten würden sich als Anbindungsstelle die JFS-Coordination Teams (JFSCT) der kleinen Verbände bzw. der übergeordneten JFS-Coordination Group (JFSCG) des großen Verbandes. Dieses, mit der Tactical Air Control Party (TACP) der LuSK vergleichbare, Element sollte der jeweils nachgeordneten Ebene bezüglich Nutzung und Wirkung im Sinne der Kommandanten Regeln vorgeben können. Die abgeleitete Einsatzaufgabe ist auch für die Ausbildung im Frieden und für die Einsatzvorbereitung relevant, sodass zukünftig unabhängig von der Führungsebene der Flugbetrieb im Verband von Drohnen und Loitering Munition ermöglicht wird.
Luftraumkoordinierung
Der Einsatz von Luftnahunterstützung, Steilfeuer oder von Loitering Munition betrifft im Normalfall mehrere abgegrenzte Lufträume unterschiedlicher Ebenen aufgrund von Angriffsverfahren oder Scheitelhöhen. Weil das Gefecht trotz guter Planung nicht immer in Raum und Zeit den eigenen Annahmen folgt, wird das Anpassen an die aktuelle Situation die Regel sein. Wenn zum Beispiel Steilfeuer mittels Präzisionsmunition für die Unterdrückung der gegnerischen Fliegerabwehr (Suppression of Enemy Air Defence; SEAD) vorgesehen ist, so hat das Steilfeuerelement dafür Kapazitäten, muss aber zum Zeitpunkt der Durchführung von der abstrakten Planung in die konkrete Realisierung die geeignetste Feuereinheit und Beobachtung sicherstellen (zum Beispiel Präzisionsmunition durch zwei Panzerhaubitzen und Drohnen).

Die Flugbahnen der Granaten und der Luftweg der Drohne zur Beobachtung und Wirkung im Ziel erzeugen Gefährdungen und Vorbehalte gegenüber anderen Teilnehmern, die als Interessenkonflikt aller auf Basis eines unmittelbaren und korrekten Lagebildes zu regeln sind. Dazu ist nicht nur die Wirkung selbst sicherzustellen und zu beobachten, sondern auch Auswirkungen der Maßnahme auf Dritte zu erfassen und mit ins Kalkül einzubeziehen, bevor die eigentliche Entscheidung umgesetzt wird. So müssen Luftmittel möglicherweise Flugbahnen, inklusive der Sicherheitsabstände, von zwei Geschützen aus unterschiedlichen Richtungen und unterschiedlichen Scheitelhöhen ausweichen, um nicht selbst getroffen zu werden. Das Ausweichen könnte zur Folge haben, dass für dieses Zeitfenster das Aufklärungsbild unterbrochen wird oder an Details verliert.
Währenddessen hat der Verbleib im Gefährdungsbereich im schlimmsten Fall den Verlust des Luftmittels und damit des Aufklärungsbildes sowie der Wirkung im Ziel der Fliegerabwehr zur Folge. Das beeinträchtigt möglicherweise die Einsatzführung des Luftmittelbesitzers, was mögliche Kollateralschäden abseits des eigentlichen Wirkungsraumes nach sich zieht. Jedenfalls wird, wenn die gegnerische Fliegerabwehr nicht ausgeschaltet worden ist, die Luftnahunterstützung nicht stattfinden, denn „Niemand wirkt nicht nicht!“
Dieses Einzelbeispiel kann nicht isoliert von anderen Gefechtsabläufen betrachtet werden, wie das im Bundesheer früher als einzelner Fall abgehandelt worden ist. Es ist eines von vielen, die parallel und in Abhängigkeit zu- bzw. voneinander ablaufen und damit die Koordinierung in der dritten Dimension komplexer und ohne digitale Unterstützung noch komplizierter machen. Als technische Größen in dieser Beurteilung sind
- die Ausdehnung des zugeordneten Luftraumes,
- die Anzahl der Luftmittel der beteiligten Ebenen und deren Flugcharakteristik,
- die Einsatzdauer und Aufgabenstellung,
- die ballistischen Flugbahnen von Steilfeuersystemen und
- die unverzichtbaren Sicherheitsaufschläge zu den Objekten zu berücksichtigen.
Des Weiteren müssen taktische Überlegungen hinsichtlich des Auftrages, der Schwergewichte, der Reaktionszeiten und der Umfeldbedingungen sowie die Einsatzführung und die Gefechtsgliederung des Gegners berücksichtigt werden. In gleichem Maß gilt es, sich mit den Nachbarn, den übergeordneten Ebenen und mit dem Einsatz von Luftnahunterstützung der Luftstreitkräfte abzustimmen und zu koordinieren.


Zusammenfassung
Joint Fire Support wird im Bundesheer in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen und mittels vielfältiger Wirkungsmittel die Kampftruppe in ihrer Aufgabe unterstützen. Damit sie effektiv und effizient angewandt werden kann, bedarf es neben den Wirkungsmitteln einer ausgereiften Luftraumkoordinierung der Nutzer der Landstreitkräfte in der dritten Dimension. Dies gelingt nur mit einer digitalen Unterstützung eines zentralen Luftraumkoordinierungselementes, das auf die vielschichtigen Ebenen, die kürzeren Zeiten für Planung und Umsetzung und die höhere Anzahl von Objekten Rücksicht nehmen kann.
Oberst dG Reinhard Lemp, MA MSD; Evaluierungsdirektor Steilfeuer
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