Asinara - Insel der Gefangenen

Militärgeschichte
M. Prieschl

Auf Asinara stand im Ersten Weltkrieg ein in Österreich heute vergessenes Kriegsgefangenenlager. Im Winter 1915 kamen die ersten 5.000 österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen auf die Insel Asinara. Für die aus serbischer Gefangenschaft stammenden Soldaten war der Weg dorthin oft tödlich. Mit ihrer Ankunft war das Leiden und Sterben noch nicht vorbei.

Da die ersten Offensiven gegen Serbien im Sommer 1914 gescheitert waren, befanden sich zwischen 35.000 und 40.000 Angehörige der k.(u.)k. Streitkräfte in der Kriegsgefangenschaft des Balkankönigreiches. Im Herbst 1915 begann mit deutscher Hilfe die Großoffensive Österreich-Ungarns gegen Serbien. Binnen weniger Wochen eroberten die Verbündeten den Großteil des Balkankönigreiches und zerschlugen die serbische Armee. Ihre Reste waren gezwungen, sich nach Süden und an die Adriaküste zurückzuziehen. Auf dem Weg zum Meer verloren die geschlagenen Truppen durch Entkräftung, Krankheit, Kälte und Hunger zehntausende Soldaten, die Anzahl der toten serbischen Zivilisten betrug ein Vielfaches davon. 

Der Weg nach Asinara

Vor der Ankunft der anrückenden österreichisch-ungarischen, deutschen und bulgarischen Streitkräfte hatte man in Serbien damit begonnen, die dortigen Kriegsgefangenenlager zu räumen. Die sich zurückziehenden serbischen Streitkräfte zwangen die durch Kälte, Hunger und Krankheit entkräfteten Insassen, ihnen auf dem Marsch nach Montenegro und Albanien zu folgen. Tausende, teils kranke und invalide k.(u).k. Soldaten trieben die serbischen Einheiten mit sich Richtung Durazzo (Durrës) und Valona (Vlora) an die adriatische Küste im heutigen Albanien. Dort wurden sie eilig auf Schiffe verladen und abtransportiert.

Trotz ihrer entsetzlichen Lage mussten die Kriegsgefangenen für die sich zurückziehende serbische Armee auch noch Zwangsarbeit leisten. Nicht selten wurden sie von den ebenfalls der Verzweiflung nahen serbischen Soldaten misshandelt und sogar getötet. Die Lage der österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen wurde als so dramatisch geschildert, dass sie sich nicht nur von toten Tieren am Straßenrand ernährten. Wie der italienische Hauptmann Barbato berichtete, dürfte es sogar zu Fällen von Kannibalismus gekommen sein.

Das Ziel der österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen wäre eigentlich Frankreich gewesen. Italiens Außenminister Baron Sidney Sonnino bestand jedoch darauf, dass sie an Italien abgegeben werden. Von den Häfen Durazzo und Valona evakuierten italienische, französische und britische Schiffe deshalb ungefähr 24.000 Kriegsgefangene auf die kleine, fast unbewohnte Insel Asinara nordwestlich von Sardinien. Ihr Name leitete sich aus einer Verballhornung von „Insula Sinuaria“ („Insel reich an Buchten und Golfen“; in der Antike: „Insula Herculis“) ab. Auf der Insel gab es seit dem Jahr 1885 eine landwirtschaftliche Strafkolonie und eine Quarantänestation. Diese war auf die große Anzahl an Kriegsgefangenen jedoch in keiner Weise vorbereitet.

In dem 1936 erbauten Ossario liegen die Gebeine von etwa 5 000 verstorbenen k.u.k-Soldaten.
In dem 1936 erbauten Ossario liegen die Gebeine von etwa 5 000 verstorbenen k.u.k-Soldaten.

Unmenschliche Bedingungen

Schon während der Überfahrt waren etwa 1.500 der geschwächten Kriegsgefangenen ums Leben gekommen. Nach der Landung auf Asinara brachte man die überlebenden Soldaten und Unteroffiziere, nach ihrer Nationalität eingeteilt, in ummauerten Zeltlagern unter („Campo Perdu“, Campo Stretti“, Tamburino, Fornelli). Offiziere konnten zum Teil in Gebäuden im kleinen Ort Cala Reale einquartiert werden. Sie hatten bis zu ihrer Verbringung auf das italienische Festland im Februar 1916 ein vergleichsweise „komfortables“ Leben.

Die überforderten italienischen Behörden vor Ort bemühten sich zwar, die Not zu lindern, so gut das trotz der fehlenden Infrastruktur möglich war, dennoch war die Situation für die einfachen Soldaten katastrophal. Es fehlte an Trinkwasser und Nahrung, an Kleidung für die zerlumpten Kriegsgefangenen sowie an medizinischer Versorgung. In den zeitgenössischen Berichten liest man von Kameradendiebstahl an Kranken und Sterbenden, von Betrug der Gefangenen untereinander oder von Schlägereien während der Nahrungsmittelausgabe. Dazu war die Nahrung von schlechter Qualität, was für die entkräfteten und zum Teil schwer kranken Insassen eine zusätzliche Pein war.

Das kalte und nasse Wetter des Winters war eine weitere große Belastung für die Kriegsgefangenen, unter denen Krankheiten wie die Cholera und die Ruhr wüteten. Von den etwa 24.000 Männern verstarben in den ersten Monaten auf der Insel etwa 7.000. Ein Bericht vom 25. April 1916 an den Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, den späteren Papst Pius XII., spricht von 16.655 Gefangenen auf der „Insel des Teufels“.

Erinnerung an das Lagerleben

Josef Robinau, k.u.k. Soldat aus Großrust (NÖ, Gemeinde Obritzberg-Rust) war als Kriegsgefangener auf Asinara. In seinem Tagebuch beschreibt er am 15. April 1916 die Situation in dem Lager wie folgt: „… Wir bekamen keinen Reis mehr, sondern Zwieback gekocht mit Wasser. Das ist Futter zum Krepieren. Die Schweine möchten es nicht fressen … Am Abend bekamen wir ein Rübenwasser mit Blättern … Jetzt sind wir schon wie die Schweine, nur einen Rüssel bräuchten wir noch zum Erde aufwühlen … wir hatten in der Menage [Verpflegung] sogar Gras, dass es das Vieh nicht frisst …“ 

Josef Robinau als Soldat.

Auflösung des Lagers

Ab Mai 1916 evakuierte man die meisten der österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen nach Frankreich. Doch das Lager füllte sich ab Herbst 1916 neuerlich mit etwa 14 000 Insassen. In den Monaten nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde es geschlossen, und die Gebäude standen zunächst leer. Doch bereits während des Abessinienkrieges (1935 bis 1941) wurden auf Asinara die Kriegsgefangenenlager reaktiviert. 1941 erfolgte die endgültige Auflösung dieser Einrichtung. Seit den 1960er-Jahren bis 1998 befand sich auf der Insel ein Hochsicherheitsgefängnis, in dem unter anderem Camorra- und Mafiapaten inhaftiert waren. Dieses hatte jedoch nichts mit dem ehemaligen Lager zu tun, sondern bestand aus Neubauten.

Gedenken

Der heutige Besucher, der sich auf die Spuren des einstigen Lagers macht, fährt von den sardischen Häfen Porto Torres oder Stintino per Schiff auf die Insel, die seit 2002 ein Nationalpark („Parco nazionale dell’Asinara“) ist. Weithin sichtbar sind die einstigen Gefängnistrakte des aufgelassenen Hochsicherheitsgefängnisses. Dass sich dort einst ein großes Lager für österreichisch-ungarische Kriegsgefangene und ehemalige italienische k.u.k. Soldaten aus dem Trentino befand, ist den meisten Besuchern wahrscheinlich nicht bewusst.

Von den ehemaligen Lagern auf Asinara sind heute nur noch wenige Spuren zu sehen. Während einige zeitgenössische Gebäude bestehen blieben, gibt es von den Campi Perdu und Stretti nur noch wenige Mauern und Begrenzungen von damals. Gegenüber dem ehemaligen Campo Perdu steht das 1936 im Auftrag der österreichischen Bundesregierung erbaute Ossario mit den Überresten von mehr als 5 000 auf der Insel verstorbenen k.u.k. Soldaten. In unmittelbarer Nähe befindet sich die von österreichisch-ungarischen Gefangenen erbaute Kapelle. Dem heutigen Besucher (Stand: Mai 2025) zeigt sich das Ossario (Beinhaus) leicht verwittert. Kein Denkmal und keine (bilinguale) Tafel beschreiben die Lager, und auch keine Worte des Gedenkens erinnern an die einstigen Kriegsgefangenen der „Alten Armee“.

In Österreich ist dieses Kriegsgefangenenlager weitgehend in Vergessenheit geraten. Dennoch haben sich einige Zeitzeugenberichte erhalten wie das Tagebuch des Niederösterreichers Josef Robinau aus Großrust (Gemeinde Obritzberg-Rust, Bezirk St. Pölten). Im Jahr 2011 gab der italienische Historiker Prof. Luca Gorgolini von der Universität San Marino das Standardwerk über das Thema heraus: „I dannati dell´ Asinara. L´odissea dei prigionieri austro-ungarici nella Prima guerra mondiale“ (Kriegsgefangenschaft auf Asinara: Österreichisch-ungarische Soldaten des Ersten Weltkrieges in italienischem Gewahrsam).


L'isola dei prigionieri (Artikel in Italienisch)

I primi 5.000 prigionieri di guerra austro-ungarici arrivarono sull'isola dell'Asinara nell'inverno del 1915. Per i soldati provenienti dai campi di detenzione serbi, il viaggio per raggiungerla era spesso mortale. Comunque il loro arrivo sull’isola non ha messo fine alle sofferenze e alla morte.

In seguito al fallimento delle prime offensive contro la Serbia nell'estate del 1914, tra i 35.000 e i 40.000 membri delle Forze armate austro-ungariche furono fatti prigionieri dal Regno dei Balcani. Nell'autunno del 1915, col supporto tedesco, iniziò la grande offensiva dell'Austria-Ungheria contro la Serbia. Nell'arco di poche settimane, gli alleati conquistarono gran parte del Regno dei Balcani e colpirono duramente l'Esercito serbo.

I soldati rimasti furono costretti a ripiegare verso sud e sulla costa adriatica. Lungo il percorso verso il mare, le truppe sconfitte persero decine di migliaia di soldati a causa della stanchezza, delle malattie, del freddo e della fame, senza contare il numero di civili serbi morti, che fu molto più elevato. 

Verso l’Asinara

Prima dell'arrivo delle forze armate austro-ungariche, tedesche e bulgare, in Serbia era stata avviata l'evacuazione dei campi di prigionia. Le forze armate serbe in ritirata costrinsero i prigionieri, indeboliti dal freddo, dalla fame e dalle malattie, a seguirle nella marcia verso il Montenegro e l'Albania. Le unità serbe costrinsero migliaia di soldati dell'Impero austro-ungarico, alcuni dei quali malati e invalidi, a dirigersi verso Durazzo (Durrës) e Valona (Vlora), sulla costa adriatica dell’odierna Albania. Lì furono precipitosamente caricati a bordo di navi e trasportati via. 

Malgrado le loro terribili condizioni, i prigionieri di guerra erano costretti ai lavori forzati per l'Esercito serbo in ritiro. Spesso venivano maltrattati e persino uccisi dai soldati serbi, anche loro ormai disperati. La situazione dei prigionieri di guerra austro-ungarici fu descritta in modo così drammatico al punto che non si nutrivano solo di animali morti trovati sul ciglio della strada. Secondo quanto riferito dal capitano italiano Barbato, si sarebbero verificati persino atti di cannibalismo. 

La destinazione dei prigionieri di guerra austro-ungarici sarebbe stata in realtà la Francia. Tuttavia, il ministro degli Esteri italiano barone Sidney Sonnino insistette affinché fossero consegnati all'Italia. Dai porti di Durazzo e Valona, navi italiane, francesi e britanniche evacuarono quindi circa 24.000 prigionieri di guerra sulla piccola isola quasi disabitata dell'Asinara, a nord-ovest della Sardegna. Il suo nome deriva da una storpiatura di "Insula Sinuaria" ("isola ricca di baie e golfi"; nell'antichità: "Insula Herculis"). Dal 1885 sull'isola esistevano una colonia penale agricola e una stazione di quarantena. Quest'ultima, tuttavia, non era affatto preparata ad accogliere un numero così elevato di prigionieri di guerra.

Condizioni disumane

Già durante la traversata, circa 1.500 prigionieri di guerra indeboliti avevano perso la vita. Una volta sbarcati sull'Asinara, i soldati e i sottoufficiali sopravvissuti furono divisi in base alla loro nazionalità, e sistemati in accampamenti recintati (“Campo Perdu”, “Campo Stretti”, Tamburino, Fornelli).  In parte gli ufficiali furono acquartierati in edifici nel piccolo paese di Cala Reale. Fino al loro trasferimento nella penisola italiana nel febbraio 1916, vissero una vita relativamente “confortevole”. 

Le autorità italiane locali, impreparate a gestire la situazione, si sforzarono di alleviare le sofferenze per quanto possibile, nonostante la mancanza di infrastrutture; tuttavia la situazione per i semplici soldati era comunque disastrosa. Mancavano acqua potabile e cibo, vestiti per i prigionieri di guerra malridotti e assistenza medica.  Nelle testimonianze dell'epoca sono riportati casi di furti tra compagni ai danni di malati e agonizzanti, di truffe tra prigionieri o di risse durante la distribuzione del cibo. Inoltre, il cibo era di scarsa qualità, cosa che rappresentava un'ulteriore sofferenza per i detenuti indeboliti e in parte gravemente malati.

Le fredde e umide condizioni climatiche invernali rappresentavano un ulteriore grave fardello per i prigionieri di guerra, tra i quali si diffondevano malattie come il colera e la dissenteria. Dai circa 24.000 uomini presenti sull'isola, circa 7.000 morirono nei primi mesi.  Un rapporto del 25 aprile 1916 indirizzato al cardinale Eugenio Pacelli, futuro Papa Pio XII, parla di 16.655 prigionieri sull'«isola del diavolo».

Smantellamento del campo

Dal maggio 1916 gran parte dei prigionieri di guerra austro-ungarici venne trasferita in Francia. Ma nell'autunno del 1916 il campo fu nuovamente riutilizzato e ospitò circa 14.000 detenuti. Nei mesi successivi alla fine della Prima guerra mondiale il campo venne chiuso e gli edifici rimasero vuoti. Già durante la guerra d'Abissinia (dal 1935 al 1941), i campi per prigionieri di guerra furono riattivati sull'Asinara. La struttura fu definitivamente chiusa nel 1941. Dagli anni '60 fino al 1998 l'isola ospitò un carcere di massima sicurezza, dove furono detenuti, tra gli altri, capi della camorra e della mafia. Tale struttura non aveva però nulla a che vedere con l'ex campo, ma consisteva in edifici di nuova costruzione.

Alla memoria

I visitatori di oggi desiderosi di ripercorrere le tracce dell'antico campo possono raggiungere l'isola, che dal 2002 è un parco nazionale (“Parco nazionale dell'Asinara”), dai porti sardi di Porto Torres o Stintino. Da lontano sono visibili i padiglioni dell'ex carcere di massima sicurezza ormai abbandonati.  La maggior parte dei visitatori probabilmente ignora che, un tempo, questo luogo ospitava un grande campo per prigionieri di guerra austro-ungarici ed ex soldati italiani dell'Impero austro-ungarico provenienti dal Trentino. 

Oggi restano solo poche tracce degli edifici che un tempo costituivano i campi dell'Asinara. Infatti, mentre alcuni edifici contemporanei rimangono ancora intatti, del Campo Perdu e del Campo Stretti non rimangono che pochi resti di mura e recinzioni. Di fronte all'ex Campo Perdu si trova l'Ossario, costruito nel 1936 per conto del governo federale austriaco, che ospita i resti di oltre 5.000 soldati dell'Impero austro-ungarico deceduti sull'isola. 

Nelle immediate vicinanze si trova la cappella costruita dai prigionieri austro-ungarici. Per i visitatori di oggi (maggio 2025) l'Ossario appare lievemente deteriorato. Nessun monumento né targa (bilingue) descrive l'esistenza dei campi, né alcuna parola commemorativa ricorda gli ex prigionieri di guerra della “Vecchia Armata”. Il campo di prigionieri di guerra è stato quasi totalmente dimenticato in Austria. Nonostante ciò, alcune testimonianze sono state conservate, ad esempio il diario di Josef Robinau, originario di Großrust (comune di Obritzberg-Rust, distretto di St. Pölten) in Bassa Austria. Nel 2011 lo storico italiano Prof. Luca Gorgolini dell'Università di San Marino ha pubblicato l'opera di riferimento sull'argomento: "I dannati dell'Asinara".

L´odissea dei prigionieri austro-ungarici nella Prima guerra mondiale“ („Die Verdammten von Asinara“. Kriegsgefangenschaft auf Asinara: Österreichisch-ungarische Soldaten des Ersten Weltkrieges in italienischem Gewahrsam). 

Übersetzung: Sprachinstitut des Bundesheeres


Autor

Oberrevident Mag. Martin Prieschl, MA

OWmdM, Direktion 6, IKT-Bereitstellungs- und Nutzungsmanagement; Historiker und Mitglied des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung

Oberrevident Mag. Martin Prieschl, MA ist Historiker und Mitglied des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung mit einem Forschungsschwerpunkt zum Ersten Weltkrieg an der Italienfront.


Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 04/2025 (406): Gamechanger Drohnen

Im vorliegenden Heft wird deutlich, wie vielfältig die Aufgaben moderner Streitkräfte sind. Reinhard Lemp erläutert, was Joint Fire Support in der Praxis bedeutet und welche technischen, taktischen und organisatorischen Voraussetzungen notwendig sind, um diese Fähigkeit wirksam einzusetzen. Moritz…