Angewandte Taktik: Entschlussbeispiel

Führung
J. Scherl, A. Böhm, G. Stiedl
(Foto: Bundesheer)
(Foto: Bundesheer)

Wer das Schicksal seiner Truppe und die Auftragserfüllung nicht dem Zufall, dem Glück oder dem bloßen Versuch überlassen will, muss im Rahmen der taktischen Einsatzführung zeitgerecht machbare Lösungen finden, welche eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit versprechen. Mit dem Entschlussbeispiel „das gemvstkPzB in der Verzögerung“ wird die bisherige Serie von Kurzlagen fortgesetzt, um die Anwendungssicherheit und Treffgenauigkeit in der taktischen Lösungsfindung zu erhöhen.

Ziel ist es, den Gegner unter Erhaltung der eigenen Kampfkraft

Dadurch sollen

Die jeweilige Ausprägung der Verzögerung hängt von der Absicht des vorgesetzten Truppenführers (taktischer Zweck) ab.

Taktische Handlungen in der Verzögerung

Zeitlich begrenzte Verteidigung (zbgVert)
… ist eine Einsatzform der Verzögerung, bei der ein für den Ablauf des Gefechtes wichtiger Raum für eine festgelegte Dauer gegen gegnerische Angriffe gehalten wird.
Verzögerungskampf (VzK)
… ist eine Einsatzform der Verzögerung, bei der ein Angreifer durch Kampf aus Verzögerungsstellungen an und zwischen den Verzögerungslinien unter Erhaltung der eigenen Kampfkraft verlangsamt und dessen Einsatzführung gestört wird.

Weitere taktische Handlungen können sein: Angriff, Aufnahme, Durchschleusen, Abbrechen des Gefechts, Ausweichen, … Die Verzögerung verlangt daher trotz ihres defensiven Charakters immer eine bewegliche und agile Führung! (Quelle: Terminologiedatenbank, Februar 2023)

Ausgangslage

Bis 1997 bestand die Staatenunion Moldonatien, welche sich über große Teile Mitteleuropas erstreckte und über einen Meereszugang (Südsee) verfügte. Mit dem erstarken von Unabhängigkeits- und Autonomiebestrebungen in den Teilrepubliken kam es mit Beginn der 1990er-Jahre zu lokalen, gewaltsamen Ausschreitungen. Das Einlenken der Zentralregierung führte 1997 zum Zerfall von Moldonatien in unabhängige Nationalstaaten.

Unterschiedliche politische und damit wirtschaftliche Entwicklungen in den entstandenen Nationalstaaten Blauland (XBL), Nordland (XNL), Rotland (XRL), Orangeland (XOL) und Alpenland (XAL) prägten die Region in den Folgejahren. XBL, XNL und XAL orientierten sich Richtung „Westen“, und traten der Kontinentalgemeinschaft (KG) bei. XNL verblieb blockfrei, unterhält jedoch seit jeher gute Beziehung zur KG und deren Mitgliedsstaaten, aber auch zu XRL und XOL. XRL und XOL, das politisch wie wirtschaftlich stark abhängig von XRL blieb, hielten an ihrer traditionell „östlichen“ und damit einhergehend auch „anti-westeuropäischen“ Ausrichtung fest. Während die neuen KG-Mitgliedsstaaten wirtschaftlich einen großen Aufschwung erlebten, stagnierte die Wirtschaft in XRL und XOL. Vor allem der fehlende Zugang zu den reichen Rohstoffvorkommen in der Region Budweis verschärfte die Situation.

Mit dem Beitritt XBLs zur KG, aber auch aufgrund politischer und wirtschaftlicher Benachteiligungen der XRL-Minderheit in XBL, entwickelten sich nationalistische und radikale Bestrebungen innerhalb der XRL-Minderheit. Nach gewaltsamen Kundgebungen der XRL-Minderheit und einem unverhältnismäßig harten Vorgehen der XBL-Sicherheitskräfte mit Todesopfern, drohte XRL Anfang 2022 erstmals mit einer militärischen Intervention zum Schutz der XRL-Minderheit.

Im Rahmen des zwischen XRL und XOL bestehenden Sicherheits- und Beistandspaktes finden regelmäßig militärische Großübungen der Landstreitkräfte in den Sommermonaten statt. Bereits im August 2022 kündigte XRL an, dass auch die nächste Großübung in XOL stattfinden würde – teilstreitkräfteübergreifend und bereits zu Jahresbeginn 2023. In XBL stieg daher die Sorge um eine mögliche militärische Intervention XRLs in XBL. Nach einem entsprechenden Unterstützungsansuchen an die KG wurden auf Basis der „Kollektiven Außen- und Verteidigungspolitik“ (KAVP) Anfang Oktober 2022 brigadestarke Eingreifkräfte der KG – die KG-Battlegroup (KGBG) – nach XBL entsandt.

Taktischer Lageeinstieg

Die Stationierung von multinationalen Truppen unter KG-Führung in XBL wurde durch XRL als gezielte Provokation aufgefasst und gegenüber der eigenen Bevölkerung als direkte Bedrohung XRLs instrumentalisiert. Mitte Oktober 2022 kündigte XRL an, dass die folgende Großübung 3 Divisionen (2 Div/XRL, 1 Div/XOL) umfassen werde und vor allem der Einsatz sämtlicher Kräfte und Waffensysteme der Kampfunterstützung sowie die Integration der Luftstreitkräfte (LuSK) geübt werden soll.

Die Befürchtungen der KG und XBLs einer zeitnahen und überraschenden militärischen Intervention XRLs in XBL verstärkten sich. Die (XBL)3.Div(terr) wurde mit 1. November 2022 im Rahmen einer Schutzoperation zur Stabilisierung der Region Budweis zum Einsatz gebracht. Zudem kamen brigadestarke Kräfte XBLs zum Schutz der Staatsgrenze zu XOL zwischen Zwingendorf (WP 9-9) und Tulln (WP 7-5) ab 1. November 2022 zum Einsatz. Eine zusätzliche Aufstockung der KG-Kräfte von Brigade- auf Divisionsstärke sollte weiters abschreckend wirken und etwaige Angriffsabsichten XRLs im Keim ersticken.

Lageentwicklung Jänner 2023

Die an der Großübung teilnehmenden Divisionen der (XRL)Landstreitkräfte (LaSK) und (XOL)LaSK begannen ab Dezember 2022 mit der Verlegung und dem Herstellen der Einsatzbereitschaft (EBs). Die erste der insgesamt 3 teilnehmenden Divisionen der LaSK wird ihre EBs mit 14. Jänner 2023 erreichen, die übrigen 2 Divisionen vermutlich mit 21. Jänner 2023. Trotz wiederholter, vehementer Dementi der politischen Führung XRLs lassen nachrichtendienstliche Aufklärungsergebnisse XBLs und offensichtliche, militärische Vorbereitungsmaßnahmen im gesamten Spektrum zeitnahe, militärisch-konventionelle Offensivhandlungen XRLs und XOLs gegen XBL erwarten.

Zur besseren Abstimmung der eigenen (XBL und KG) Einsatzvorbereitung wurden die nach XBL verlegten KG-Kräfte sowie die verfügbaren Kräfte XBLs unter der Bezeichnung „BFOR“ zusammengeführt und Anfang Dezember 2022 unter Führung eines multinationalen Land Component Commands (LCC) gestellt. Unter Aufrechterhaltung des Schutzes und der Stabilisierung des Raumes Budweis sowie des Schutzes der Grenzregion zu XOL, begann das LCC/BFOR mit Verteidigungsvorbereitungen im ostwärtigen WALDVIERTEL. Hierbei steht die 1. Multinationale Division (1.MND) im Schwergewicht der Abwehrmaßnahmen. Ein Zulauf von weiteren brigadestarken Verstärkungskräften (VstkKft) aus den KG-Mitgliedsstaaten ist ab Ende Jänner 2023 zu erwarten.

Die 1.MND befindet sich seit dem 14. Dezember 2022 mit allen Kräften in XBL. Die der Division unterstellten Verbände haben ihre Verfügungsräume (VfgR) im WALDVIERTEL bezogen. Die Integration wurde mit 27. Dezember 2022 abgeschlossen. Nach vorangegangener, kollaborativer Einbindung in die Einsatzplanung des LCC erhält die 1.MND am 28. Dezember 2022 mit dem Einsatzbefehl Nr. 02 des LCC/BFOR den Auftrag für die Vorbereitung einer beweglichen Verteidigung (bwglVert) im Verteidigungsbereich (VertBer) „WALDVIERTEL OST“. Am 01. Jänner 2023 ergeht der Einsatzbefehl Nr. 05 der 1.MND für die bwglVert im VertBer „WALDVIERTEL OST“ an die unterstellten Verbände.

Die Nachfolgestaaten Moldonatiens und die rohstoffreiche Region Budweis. (Grafik: Georg Stiedl)
Die Nachfolgestaaten Moldonatiens und die rohstoffreiche Region Budweis. (Grafik: Georg Stiedl)

Einsatzbefehl der 2.MNB für die Verzögerung

Am 03. Jänner 2023 findet um 0800 Uhr die Befehlsausgabe der 2.MNB/1.MND am integrierten Gefechtsstand (iGefStd) in SCHREMS (0404) statt. Der anwesende Kdt des (MN)vstkPzB21 erhält dabei den Einsatzbefehl Nr. 03 für die Verzögerung der 2.MNB im Verzögerungsbereich „KAMP“.

Das (MN)vstkPzB21 befindet sich mit seinen Unterstellten seit dem 12. Dezember 2022 auf dem Übungsplatz ALLENTSTEIG und hat das Force Integration Training (FIT) mit 31. Dezember 2022 beendet. Die logistischen Vorbereitungsmaßnahmen sind abgeschlossen. Die logistischen Einrichtungen des Bataillons sind nicht errichtet, die Abstützung erfolgt auf die Infrastruktur des Übungsplatzes der (XBL)Streitkräfte. Die (MN)vstkStbKp ist im LAGER KAUFHOLZ (2793) disloziert. Der iGefStd des (MN)vstkPzB21 befindet sich derzeit ebenfalls im LAGER KAUFHOLZ (2793).

Gliederung des (XRL)gem94.PzRgt. (Grafik: Georg Stiedl)
Gliederung des (XRL)gem94.PzRgt. (Grafik: Georg Stiedl)

Einsatzbefehl Nr. 03

für die Verzögerung der 2.MNB im VzBer „KAMP“

1. Lage

a) Feindlage / Lage der Konfliktparteien

ROTLAND (XRL) und ORANGELAND (XOL)
Die Streitkräfte XRLs (XRLAF) stehen gemeinsam mit den Streitkräften XOLs (XOLAF) vor Abschluss der Vorbereitungen auf die bevorstehende Großübung. An dieser TSK-übergreifenden Übung nehmen in Summe 3 Divisionen der LaSK – 2 Division XRLs (vstk9.motSDiv und 15.motSDiv) und 1 Division XOLs (38.motSDiv) sowie KU- und EU-Truppen – teil. Es wird beurteilt, dass die Maßnahmen der Übungsvorbereitung als Deckmantel der Bereitstellung für einen überraschenden, militärisch-konventionellen Angriff gegen XBL gelten. Die 3 Divisionen XRLs bzw. XOLs werden zeitnah und zeitlich gestaffelt die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability (FOC)) erlangen. Zudem häufen sich die Flugbewegungen von (XRL)LuSK und (XOL)LuSK im Luftraum XOLs sowie im Grenzgebiet zu XBL. (XRL)SEK und (XOL)SEK befinden sich zu Aufklärungszwecken vermutlich bereits auf XBL-Staatsgebiet.

Absicht LCC/XRLAF (auszugsweise)
Auf Grund des steten Kräfteaufwuchses von BFOR in XBL wird beurteilt, dass XRL und XOL nicht bis zur Beendigung des Herstellens der vollen Einsatzbereitschaft aller verfügbaren eigenen Kräfte für einen militärisch-konventionellen Angriff gegen XBL zuwarten werden. Unter Ausnutzung von Überraschung und Geschwindigkeit sollen durch eine tiefe Angriffsführung von Vorauskräften – der (XRL)vstk9.motSDiv – NET 14JAN23 im Zusammenwirken mit massivem, weitreichendem KU-Einsatz der Raum VITIS (WQ 1-0) – ZWETTL (WP 1-8) in Besitz genommen, dadurch der SPOD GMÜND (VQ 9-0) abgeriegelt, BFOR ein Nachführen von VstkKft über die SÜDSEE verwehrt und die Rücknahme der verfügbaren BFOR-Kräfte im WALDVIERTEL erzwungen werden. Mit dem Einsatz von Folgekräften – der (XRL)15.motSDiv u. der (XOL)38.motSDiv – NET 21JAN23 soll die Region BUDWEIS in Besitz genommen und die Kontrolle hergestellt werden, um den Zugang zu dortigen Rohstoffen zu sichern sowie ein Faustpfand für künftige politische Verhandlungen zu besitzen.

Lagefeststellung der KonflP (auszugsweise)

Die vermutliche Absicht der (XRL)vstk9.motSDiv wird es sein, aus der grenznahen Bereitstellung NET 14JAN23, unter

im Verfahren zu 2 Divisionsstaffeln und 1 allgemeinen Divisionsreserve anzugreifen mit

und

Gliederung des (MN)vstkPzB21. (Grafik: Georg Stiedl)
Gliederung des (MN)vstkPzB21. (Grafik: Georg Stiedl)

b) Eigene Lage

LCC/BFOR verfügt nicht über ausreichend Kräfte, um das XBL-Staatsgebiet unmittelbar entlang der Staatsgrenze zu XOL im Rahmen einer rein defensiven Einsatzführung (Einsatzform „Verteidigung aus Stellungen“) zu verteidigen. LCC/BFOR verfolgt daher die Absicht, durch die bewusste Preisgabe von Raum die voraus angreifende (XRL)vstk9.motSDiv im Rahmen einer beweglichen Verteidigung mit der 1.MND und LuSK zu zerschlagen und in der Folge mit nachgeführten Verstärkungskräften die territoriale Integrität XBLs wiederherzustellen, um damit der politischen Führung XRLs die Aussichtslosigkeit einer etwaigen Fortführung des militärisch-konventionellen Angriffes gegen XBL mit Folgekräften ((XRL)15.motSDiv und (XOL)38.motSDiv)) zu verdeutlichen. LCC stellt unverzüglich die Abwehrbereitschaft bis 132400AJAN23 her. Beurteilter Angriffsbeginn der Hauptkräfte/(XRL)vstk9.motSDiv: NET 140500AJAN23 (= D-Tag). […]

Phasenbildung LCC/BFOR (vereinfacht):

Absicht der 1.MND in Phase 2/LCC (auszugsweise):
1.MND verteidigt beweglich ab D-Tag im VertBer „WALDVIERTEL-OST“ unter

mit

2. Auftrag

2.MNB verzögert im VzBer „KAMP“ die (XRL)vstk9.motSDiv von der PL 1 an die BHL 2 für zwölf Stunden und lenkt die (XRL)vstk9.motSDiv in den Rm ALLENTSTEIG OST (2493) – ZWETTL (1283).

Folgeauftrag: 2.MNB bezieht BstgR VITIS (1300) und stellt sich als Gegenangriffskraft 2 der 1.MND für den Gegenangriff ostwärts des VRV 2 am D+1 bereit.

Plan der Durchführung der 2.MNB. (Grafik: Georg Stiedl)
Plan der Durchführung der 2.MNB. (Grafik: Georg Stiedl)

3. Durchführung

a) Geplante Einsatzführung

Eigene Absicht
2.MNB verzögert die (XRL)vstk9.motSDiv im VzBer „KAMP“ von der PL 1 bis an die BHL 2 für 12 Stunden
unter

mit

um durch das Lenken und Abnutzen der (XRL)vstk9.motSDiv an den VRV 2 die Voraussetzungen für die Abwehr am VRV 2 sowie den Gegenangriff zum Zerschlagen der (XRL)vstk9.motSDiv im Rm westlich HORN zu schaffen.

Weitere Absicht: Nach der Aufnahme an der BHL 2 und dem Durchschleusen durch den VertBer der (SWE)gem3.JgBrig erfolgt durch die 2.MNB das Beziehen des BstgR VITIS (1300) und die dortige Bereitstellung als Gegenangriffskraft 2 der 1.MND für den Gegenangriff ostwärts des VRV 2 am D+1. Der Gegenangriff erfolgt auf Befehl der 1.MND.

Phasenbildung für die Einsatzführung der 2.MNB (auszugsweise und vereinfacht):
Phase 1: Herstellen der Abwehrbereitschaft und Vorbereitung der Einsatzführung (03JAN23 (D-11) – 13JAN23 (D-1))
Es kommt mir besonders darauf an, dass

Phase 2: Verzögerung durch das (DEU)PzAufklB28 von PL SL bis an die PL 1 (H Zeit (=D-Tag 0500A) – H+1 (PL 1 NORD) bzw. H+2 (PL 1 SÜD)) und Aufnahme durch das (MN)vstkPzB21 und das (DEU)gemPzGrenB22
Es kommt mir besonders darauf an, dass

Phase 3: Verzögerung von der PL 1 bis an die BHL 2 (H+1 (PL 1 NORD) bzw. H+2 (PL 1 SÜD) – H+12)) durch das (MN)vstkPzB21 und das (DEU)gemPzGrenB22

Phase 4: Aufnahme an der BHL 2 durch die (SWE)gem3.JgBrig und Beziehen des BstgR VITIS (1300).

b) Aufträge für Kampftruppen

(MN)vstkPzB21 verzögert (XRL)gem94.PzRgt im GefStrf „HORN“ von der PL 1 NORD bis zur BHL 2 NORD, verhindert einen raschen Vorstoß an die BHL 2 NORD für 11 Stunden und lenkt (XRL)gem94.PzRgt in den Rm KAUFHOLZ (2793) – DÖLLERSHEIM (2385).

Folgeauftrag: Beziehen BstgR VITIS (1300) und Bereitstellung für den Gegenangriff im Rahmen der 2.MNB ostwärts des VRV 2 am D+1.
[…]

d) Koordinierende Maßnahmen

[…]
Feuerunterstützung/Steilfeuer (auszugsweise für Phase 3):

Planungsannahme FeuU/Luft (in Phase 3):

Pi-Einsatz (auszugsweise für Phase 3):

Zivilbevölkerung
Eine Evakuierung im östlichen Waldviertel ist bereits angelaufen.

Taktischer Lösungsvorschlag:

Entschluss

(MN)vstkPzB21 verzögert (XRL)gem94.PzRgt in GefStf „HORN“ von der der PL 1 NORD bis zur BHL 2 NORD für 11 Stunden unter

im Ersteinsatz mit

um das (XRL)gem94.PzRgt an die FEBA2 im Rm ALLENTSTEIG OST zu lenken, die 1.Sta dabei abzunutzen und so die Voraussetzungen für den Gegenangriff auf die 2.Sta/Res der (XRL)vstk9.motSDiv zu schaffen.

Weitere Absicht: Nach der Aufnahme und dem Durchschleusen durch den VertBer der (SWE)gem3.JgBrig erfolgt das Beziehen des VfgR „V“ und die dortige Bereitstellung als Teil der Gegenangriffskraft 2.

PdD (MN)vstkPzB21. (Grafik: Georg Stiedl)
PdD (MN)vstkPzB21. (Grafik: Georg Stiedl)

Begründung/Kernaussagen

Die Verzögerung über 40 Kilometer führt zum zweimaligen Einsatz des Bataillons und erlaubt bis zu vier Einsätze der Kompanien. Da das (MN)vstkPzB21 über 6 Kampfkompanien verfügt, wird die Masse der Einheiten von ihnen nur zweimal eingesetzt.

PL 1: Da das Gelände den gegnerischen Ansatz von 3 Bataillonen in der 1. Staffel zulässt, erfolgt die Führung des Verzögerungskampfes mit 3 gemischten (wPA, KPz, PzGren/Jg) Kompanien. Die Breite des Gefechtsstreifens sowie das verteidigungsungünstige Gelände der Nachbarverbände sind für eine zeitlich begrenzte Verteidigung in der PL 1 eher unzweckmäßig. Durch die Führung des Verzögerungskampfes von der PL 1 an die PL 2 kann die anfängliche Angriffskraft des Gegners durch eine vorwiegend bewegliche Kampfführung vermieden werden.

Entlang des Kamptales sind auf jeden Fall eigene Kräfte vorzusehen, da eine Lücke durch die gegnerische Aufklärung erkannt und ein Einführen der feindlichen Reserve oder 2. Staffel entlang der kurzen Sehne in Richtung HORN zu einem Abschneiden der eigenen Kräfte führen kann.

PL 2: In dieser PL wird zeitlich begrenzt verteidigt, da in Zusammenschau mit dem Einsatz der (DEU)vstk1.JgBrig das Vortäuschen einer durchgehenden Verteidigung aus Stellungen möglich ist. Ebenso ermöglicht eine zeitlich begrenzte Verteidigung an dieser PL und damit am Drehpunkt des Gefechtsstreifens eine verbesserte Koordinierung der Einsatzführung des Bataillons. Mit dem Abbrechen des Gefechtes an der PL 2 und damit verbunden dem weiteren Angriff des (XRL)94.PzRgt tritt der Lenkungseffekt ein. Der Feind wird dazu verleitet, den vermeintlichen Angriffserfolg auszunutzen und weiter Richtung ALLENTSTEIG anzutreten.

PL 3: Führung des Verzögerungskampfes mit 2 eigenen Kompanien voraus, da das Gelände dem Gegner eine Angriffsführung nur mit 2 Bataillonen vorne zulässt. Da dieser Raum für den geplanten Gegenangriff der 1.MND sperrfrei zu halten ist, erfolgt an der PL 3 keine zeitlich begrenzte Verteidigung.

PL 4: Das Gelände lässt den Angriff von bis zu 3 gegnerischen Bataillonen vorne zu, wodurch drei eigene Kompanien zur Führung des Verzögerungskampfes eingesetzt werden. Da auch dieser Raum bis zur BHL 2 sperrfrei zu halten ist, wird hier planmäßig nicht zeitlich begrenzt verteidigt. Für den Fall, dass noch weitere Zeit zu erkämpfen ist, bietet die PL 4 jedoch die letzte geeignete Möglichkeit (= Entscheidendes Gelände).

Die dargestellte Truppeneinteilung ermöglicht in den Schwergewichtsräumen (zeitlich begrenzte Verteidigung in PL 2 sowie die Führung des Verzögerungskampfes von PL 1 bis PL 2) eine erfolgversprechende Einsatzführung. Die (FRA)5.PAKp, welche zweimal im Schwergewicht des Bataillons eingesetzt ist, wird verstärkt. Durch die vorgenommene Mischung verfügt mit Ausnahme der (DEU)6.JgKp(ges) jede Einheit über weitreichende Panzerabwehr mit 4 000 Meter (entweder JaPz oder SPz Puma). Die verfügbaren JFST werden jenen Kompanien unterstellt, vor oder in deren Gefechtsstreifen sich die Wirkungsräume für Luftnahunterstützung befinden.

Eine Änderung der Truppeneinteilung während der Verzögerung wird planmäßig nicht vorgenommen und sollte generell vermieden werden. Der im Bataillon verfügbare PzPiZg wird während der Einsatzführung als Pionierreserve im VfgR gemeinsam mit der jeweiligen Reserve bereitgehalten.

Grafische Truppeneinteilung für die Verzögerung im Gefechtsstreifen "HORN". (Grafik: Georg Stiedl)
Grafische Truppeneinteilung für die Verzögerung im Gefechtsstreifen "HORN". (Grafik: Georg Stiedl)

Fazit

Die Verzögerung ist eine Einsatzart, deren Zweck die Verlangsamung und Abnützung der gegnerischen Kräfte unter Erhaltung der eigenen Kampfkraft ist. Im Rahmen der beweglichen Verteidigung eines großen Verbandes, in dem der Verzögerungsverband eines der beweglichen Elemente neben der Gegenangriffskraft der Einsatzführung darstellt, kann der Zweck des Lenkens in den Vordergrund treten. Durch die bewusste Preisgabe von Gelände soll der Gegner in einen für den Gegenangriff geeigneten Raum gelenkt werden, um ihn in weiterer Folge angriffsweise zu zerschlagen.

Für den Truppenführer stellt die Verzögerung unter den Gesichtspunkten der eigenen Verlustminimierung und der fortlaufenden Rückwärtsbewegung unter Feinddruck eine der wohl schwierigsten Aufgaben dar. Die geplante Verzögerung vor einem Verteidigungsdispositiv ist aber zweckmäßig, um einerseits einen „drehbuchmäßigen“ Angriff auf die eigenen Kräfte in der Verteidigung zu verhindern bzw. diesen zumindest zu stören. Andererseits ermöglicht erst der Einsatz eines Verzögerungsverbandes im Rahmen der beweglichen Verteidigung dem großen Verband, mit eigenen Manöverkräften in die Struktur des angreifenden Gegners zu gelangen und ihn so angriffsweise zu zerschlagen.


Autoren

Oberst dG Mag.(FH) Mag. Jürgen Scherl

Referatsleiter & Hauptlehroffizier & Forscher am Referat Taktik/IHMF/LVAk

Mag. (FH) Alexander Böhm

Oberst dG Mag.(FH Georg Stiedl, MA

Referatsleiter & Forscher im Referat Operations Research/IHMF/LVAk

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 01/2023 (390): Chance Cyber