Die Logistik der Streitkräfte Russlands

Allgemein
G. Gürtlich, S. Lampl
(Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)
(Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)

Die russischen Streitkräfte erfuhren in den vergangenen zehn Jahren eine tiefgreifende strukturelle Veränderung und Modernisierung. Neben der Anzahl der militärischen Verbände, dem Führungssystem, neuen Waffen, dem organisatorischen und personellen Aufbau der Truppen wurden auch logistische Strukturen sowie deren Aufgaben und Abläufe reformiert.

In den vergangenen Jahren wurden, mit der Transformation der russischen Militärlogistik, die konzeptiven Voraussetzungen für ein einheitliches System zur materiellen und technischen Unterstützung der Streitkräfte geschaffen. Damit verbunden waren weitreichende Änderungen von der militärstrategischen bis zur taktischen Ebene. Der Einsatz russischer Logistikkräfte während des Ukraine-Krieges seit 24. Februar 2022 lässt jedoch Zweifel an der erfolgreichen taktischen Durchführung logistischer Operationen aufkommen.

So ist ein russischer Militärkonvoi auf Satellitenbildern zu erkennen, der sich aus nördlicher Richtung Kiew nähert. Dieser wird der zweiten Welle des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zugerechnet und bringt Nachschub an Großgerät, Treibstoff und Munition. Allerdings bewegte sich die etwa 60 km lange Fahrzeugkolonne mehrere Tage kaum. Der weitgehende Stillstand resultierte, britischen Erkenntnissen zufolge, aus dem ukrainischem Widerstand, den technischen und logistischen Problemen und einem Stau. Das schleppende Vorankommen lässt sich aber auch als Hinweis auf logistische Mängel auf russischer Seite deuten.

Als operative logistische Schlussfolgerung aus dieser Schilderung kann gelten: Wird ein LKW (Fahrzeug) in dieser Kolonne mit durchschnittlich 30 m Platzbedarf veranschlagt, so besteht diese aus etwa 2.000 LKW mit Fahrern und Begleitmannschaft. Dadurch entwickelt sich auch die „Versorgung der Versorgung“ (z. B. mit Wasser, Verpflegung, Hygieneartikeln oder Betriebsstoffen) nach wenigen Tagen zu einem veritablen logistischen Problem.

Logistische Struktur Russlands

In den russischen Streitkräften wird die Militärlogistik als „Materialtechnische Unterstützung“ (Materialno-tekhnicheskogo obespechenie – MTO) bezeichnet. Trotz der abweichenden Bezeichnung von der „gewohnten logistischen Begrifflichkeit“, haben die materielltechnischen Unterstützungstruppen dieselbe Funktion wie die Logistikelemente westlicher Streitkräfte: das ständige Gewährleisten der Einsatzbereitschaft.

Die Haupttätigkeitsbereiche der militärlogistischen Unterstützung sind:

Diese Aufgaben unterscheiden sich nur in Detailfragen von denen „westlicher Provenienz“. Gemäß Theorie und Planung besteht zwischen der „westlichen und der östlichen Militärlogistik“ ebenfalls weitgehend Übereinstimmung. Das System der militärlogistischen Unterstützung der russischen Streitkräfte umfasst:

Das wichtigste strategisch-logistische Instrument der russischen Streitkräfte ist das relativ dichte Eisenbahnnetz. Die überwiegende Mehrheit des Personen- und Güterverkehrs wird sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke über die Schiene abgewickelt. Somit ist der Schienenverkehr das wichtigste logistische Mittel für die Durchführung von Militäroperationen und eine absolute Notwendigkeit für jede größere militärische Bewegung in der Russischen Föderation.

Auf der operativen Ebene hat die Logistik der russischen Streitkräfte zwei Besonderheiten. Erstens: Aufgrund der Bedeutung der Eisenbahn für Militäroperationen gibt es eine eigene Abteilung (die Eisenbahntruppen), die für Schutz, Wartung und Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebes unter Kampfbedingungen und schwierigen Verhältnissen zuständig ist. Diese Truppen bestehen aus zehn Brigaden und mehreren unabhängigen Bataillonen, die über das gesamte Staatsgebiet verstreut und operativ ihrem Militärbezirk zugeordnet sind. Diese Einheiten leisten die schienengebundene logistische Unterstützung für militärische Operationen, einschließlich der Reparatur und Instandsetzung der Infrastruktur sowie der Brückenbauten. Zweitens: Für die Verteilung von Betriebsmitteln verfügen die MTO-Brigaden über spezielle Feldpipeline-Einheiten, die mit zivilen Pipelines der nationalen Infrastruktur kompatibel sind und Betriebsstoffe zu rückwärtigen Versorgungsgebieten leiten. Von dort können diese mit LKW zum Endverbraucher (Truppe) transportiert werden.

Die MTO-Struktur ist parallel zu den militärischen Führungsebenen organisiert, mit

Die Organisation der Militärlogistik in den russischen Streitkräften. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Roger N. McDermott)
Die Organisation der Militärlogistik in den russischen Streitkräften. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Roger N. McDermott)

Die Zuständigkeit für militärlogistische Fragen liegt beim Verteidigungsministerium, wo der stellvertretende Verteidigungsminister oberster Militärlogistiker und Rüstungsdirektor ist. Auf der Ebene Militärbezirk/Strategisches Einsatzkommando gibt es spezifische Versorgungsdepots (Munition, Raketen etc.), aus denen die Folgeversorgung für die Streitkräfte erfolgen soll. Auf der Ebene Heeresgruppe/Armee soll eine MTO-Brigade verfügbar sein. Gemäß dem Internationalen Institut für Strategische Studien haben die russischen Streitkräfte zehn MTO-Brigaden, die elf Armeen, eine Panzerarmee und vier Armeekorps zu unterstützen haben.

Bei den Landstreitkräften gibt es auf der Brigadeebene keine integrierten Logistikelemente. Die MTO-Funktionen auf dieser Ebene (Versorgung, Instandhaltung, Transport etc.) werden von angegliederten Einheiten der MTO-Brigaden übernommen. Grundsätzlich sollte einer Landbrigade ein MTO-Bataillon aus einer MTO-Brigade zugeordnet werden. Die MTO-Unterstützung für die Einheiten der Landstreitkräfte, die Luftlandeeinheiten und die Marine-Infanterie erfolgt im Allgemeinen auf folgende Weise: Militärbezirke und Heeresgruppen werden durch MTO-Brigaden, Brigaden durch MTO-Bataillone oder MTO-Kompanien (je nach Brigadeart) und Regimenter durch MTO-Kompanien unterstützt.

Ferner gibt es für die Beschaffung von übergeordnetem Transportraum eine Abteilung für Transportunterstützung als bevollmächtigter Vertreter des Verteidigungsministeriums. Diese ist zuständig für die Auftragsvergabe und Koordinierung von Militärtransporten per Bahn, Flugzeug, Schiff und Binnenschiff – in der „westlichen Begrifflichkeit“ für den „kommerziellen Transport“.

Erbe der Sowjetunion

Russland hat sein militärlogistisches System von der Sowjetunion geerbt. Dieses basierte auf mehreren „Rückwärtigen Diensten“, materiellen Unterstützungsorganisationen und einer separaten Rüstungsabteilung, um die Streitkräfte im Krieg und im Frieden zu unterstützen. Das gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Potenzial des Staates sollte im Kriegsfall zur Verfügung stehen. In der Praxis bedeutete dies, dass alle zivilen Ressourcen genutzt werden konnten. In den vergangenen Jahren kam die Russische Föderation aber zu dem Schluss, dass eine solche Massenmobilisierung und die damit verbundenen logistischen Anforderungen im Kriegsfall weder erwünscht noch tragbar seien.

Bei den sowjetischen Truppen gab es zwei spezielle Bataillone für eine Brigade: ein Logistikbataillon (motorisierte Transporteinheit) und ein Instandhaltungsbataillon, die nun zu einem MTO-Bataillon zusammengefasst wurden. Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Instandsetzung und Versorgung unter Gefechtsbedingungen werden in den MTO-Brigaden Soldaten verwendet. Die Instandhaltung und Versorgung auf Depot-Ebene wird hingegen von Vertragsarbeitern (in der Regel von staatlichen Unternehmen) oder vom Ausrüstungshersteller erbracht.

Wegen der Größe des Staates ist die Eisenbahn das Rückgrat der Logistik der russischen Streitkräfte. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)
Wegen der Größe des Staates ist die Eisenbahn das Rückgrat der Logistik der russischen Streitkräfte. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)

Aufgaben der MTO-Brigaden/Bataillone

Die Tätigkeiten und Aufgaben in der militärlogistischen Unterstützung durch die MTO-Brigaden/Bataillone der russischen Streitkräfte sind ähnlich den militärlogistischen Aufgabenfeldern „westlicher Streitkräfte“ aufgebaut. Neben der Versorgung mit Waffen und militärischer Ausrüstung ist das Bereitstellen von

Bevorratungshöhen und materialtechnische Unterstützung

Grundsätzliche Überlegungen

Eine Brigade führt drei bis fünf DOS (Day of Supply; Gesamtmenge eines Versorgungsgutes zur Bedarfsdeckung eines Normtages) mit sich. Für die taktische Logistik verwenden die russischen Streitkräfte grundsätzlich ein PUSH-Verfahren. Im PUSH-Verfahren werden Ressourcen auf unterschiedlichen logistischen Ebenen im Hinblick auf das Einsatzszenario (klimatische und geografische Gegebenheiten, Verfügbarkeit ziviler Leistungserbringer etc.) vorausschauend bereitgestellt. Daraus werden bewegliche Versorgungspakete für Munition, Betriebsmittel, Ersatzteile und Verpflegung ermittelt und als „PUSH-Pakete“ nach vorne geschoben. Das westliche Modell des „PULL-Verfahrens“ gilt für diese Sachgüterklassen nicht. Im PULL-Verfahren werden nur jene Güter von der Militärlogistik bereitgestellt oder freigegeben, die vom Bedarfsträger angefordert wurden.

Das PUSH-Verfahren ermöglicht es einer Landbrigade, eine vorübergehende Unterbrechung ihrer Versorgungs- und Kommunikationslinien zu überdauern und den Kampf dennoch fortzusetzen. Es handelt sich um eine „rechtzeitige Logistik“ und nicht um eine „Just-in-time“-Logistik, womit sich das russische Modell vom westlichen unterscheidet. Der Vorteil des „russischen Ansatzes“ liegt in der Vereinfachung der Bedarfsplanung, der Nachteil ist die Tendenz zur Ressourcenverschwendung.

Die Munition wird in Feuereinheiten verbucht und ausgegeben. So beträgt eine Feuereinheit für jedes AK-74-Sturmgewehr 400 Schuss, für jeden Mörser 80 Schuss, für jedes T-72-Panzer-Hauptgeschütz 40 Schuss und für jede 152-mm-Haubitze 60 Schuss. Da die Brigade über 36 Haubitzen verfügt, beläuft sich die Feuereinheit der Brigade für die 152-mm-Haubitze auf 2 160 Schuss. Die Brigade verfügt normalerweise über sechs zusammengesetzte Munitionseinheiten für 152-mm-Haubitzen oder 12 960 Schuss.

Betriebsmittel werden in Nachfüllungen berechnet. Eine Nachfüllung ist jene Menge, die erforderlich ist, um jedes Fahrzeug in der Brigade zu betanken. Eine Füllung im Normalbetrieb (Einzelfahrt eines Fahrzeuges auf einer befestigten Straße) bietet für die meisten Fahrzeuge eine Reichweite von 500 km auf der Straße (entspricht fünf DOS im Bundesheer). Eine Brigade beginnt mit drei Nachfüllungen: Eine Nachfüllung ist in den Tanks, die restlichen zwei werden mit Tanklastwägen oder Kanistern durch die Transportkompanien nachgeschoben.

Transport-LKW während einer Übung der 38. Eisenbahnbrigade, bei der unter anderem der Bau von schwimmenden Eisenbahnbrücken trainiert wurde. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)
Der Transport von militärischem Gerät und Personal, auch mit Pontonbrücken oder Fähren, ist in Russland eine Aufgabe der Logistiktruppe. (Fotos: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)
LKW mit Aufleger für ein Element einer Ponton-Eisenbahnbrücke. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)

MTO-Brigade

MTO-Brigaden unterstützen Militärbezirke oder Armeen/Heeresgruppen. Die Fähigkeiten der zehn russischen MTO-Brigaden unterscheiden sich derzeit erheblich, es gibt jedoch Bemühungen, einen einigermaßen einheitlichen Standard herzustellen bzw. einzuhalten. Grundsätzlich hat eine MTO-Brigade

Gliederung einer MTO-Brigade. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Gürtlich/Lampl)
Gliederung einer MTO-Brigade. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Gürtlich/Lampl)

MTO-Bataillon

Die folgende Beschreibung bezieht sich auf ein MTO-Bataillon, das eine motorisierte Schützenbrigade auf BTR-Schützenpanzer unterstützt (ca. 4 500 Mann). Obwohl MTO-Bataillone je nach Art und Größe der zu unterstützenden Brigaden in Größe und Struktur variieren, bietet diese Beschreibung eine Grundlage für die Funktion, Größe und Fähigkeiten anderer MTO-Bataillone, die derzeit vermutlich anzutreffen sind. Das MTO-Bataillon besteht aus etwa 1 000 Mann und 408 Transportfahrzeugen (148 allgemeinen Frachtfahrzeugen, 260 Spezialfahrzeugen, 48 Anhängern) und kann ca. 1 870 Tonnen Fracht transportieren (1 190 Tonnen Trockenfracht, 680 Tonnen Flüssigfracht). MTO-Bataillone verfügen grundsätzlich über

Weitere Unterstützungskompanien können, abhängig von der zu unterstützenden Brigade, integriert werden. Der Großteil des Bataillons (Sollstärke: 672 Personen) befindet sich in den beiden Unterstützungskompanien und dem Unterstützungszug des MTO-Bataillons. Da die Kampfbataillone über relativ wenig Logistikmittel verfügen, sind diese bei der Durchführung von Operationen auf die Logistik- und Instandsetzungsmittel der MTO-Bataillone angewiesen. Während des Einsatzes werden die Unterstützungskompanien des MTO-Bataillons den Einsatzbataillonen unterstellt. Ihre Aufgabe ist es, Material aus den Versorgungseinrichtungen der MTO-Bataillone oder -kompanien zu den Einheiten im Einsatzraum zu transportieren, begrenzte Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen und nicht einsatzfähige Fahrzeuge zu bergen.

Die MTO-Kompanien müssen die Versorgung in einem Gebiet von 40 bis 70 km2
sicherstellen. Wenn die Landbrigade angreift, sollten innerhalb von 24 Stunden zwei Umläufe durchgeführt werden. Zu den normalen logistischen Aktivitäten gehören das Errichten und Betreiben von feldmäßigen Munitions- und Betriebsmittelpunkten sowie Kfz-Sammelpunkten für beschädigte Fahrzeuge. Bei einem Angriff sind Betriebsmitteleinrichtungen 20 bis 40 km, bei der Verteidigung 35 bis 50 km vom Einsatzgebiet entfernt. Die allgemeinen Versorgungseinrichtungen liegen in der Regel noch weiter hinten.

Gliederung eines MTO-Bataillons. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Gürtlich/Lampl)
Gliederung eines MTO-Bataillons. (Grafik: RedTD/Gerold Keusch nach Gürtlich/Lampl)

Logistische Organisation eines MTO-Bataillons

In der Verteidigung

Die Verteidigung ist eine der primären Formen des Kampfes der verbundenen Waffen. Sie hat das Ziel, eine vorrückende überlegene gegnerische Streitmacht zu vernichten, ihr maximalen Schaden zuzufügen und gleichzeitig wichtige Regionen oder Linien zu halten und vorteilhafte Bedingungen für weitere Aktionen zu schaffen. Die Vorbereitung der Einheiten der MTO-Unterstützung erfolgt gleichzeitig mit jener der Kampfverbände der Brigaden und umfasst

Das Einsatzgebiet eines MTO-Bataillons beträgt bis zu 80 km2. Während einer Brigadeverteidigung befindet sich das MTO-Bataillon in sicherer Entfernung vom Vorderen Rand der Verteidigung, wobei der Einsatz von ABC-Waffen und die Beschaffenheit des Geländes berücksichtigt werden. Befindet sich die verteidigende Brigade in der ersten Staffel, wird das MTO-Bataillon abseits der feindlichen Hauptangriffsachse aufgestellt.

Das MTO-Bataillon einer Brigade der zweiten Staffel (oder der Reserve der kombinierten Streitkräfte) befindet sich in der Verteidigung hinter der Kampfformation (in einem Sammelraum). Es ist bereit, sich zu bewegen, um die Verbände der Brigade bei einem Gegenangriff zu unterstützen oder um kurzfristige Einsätze auszuführen. Im Falle eines überraschenden feindlichen Einsatzes von Massenvernichtungs-, Präzisions- oder Brandwaffen kann der Kommandant sein MTO-Bataillon selbstständig verlegen. Der Einsatz und die Verlegung des MTO-Bataillons hängt von der Kampfformation, dem Auftrag der unterstützten Brigade, dem Sicherheitsabstand zu den unterstützten Verbänden, der ABC-Lage, dem Gelände, der Lage der Brigade in der ersten Staffel (das Bataillon befindet sich abseits der Hauptangriffsachse des Feindes) oder der Brigade in der zweiten Staffel bzw. Reserve ab. In diesem Fall wird das MTO-Bataillon hinter die zweite Staffel oder in den Sammelraum der Brigade verlegt.

Das MTO-Bataillon kann in zwei Teilen verlegt werden, die den zwei geplanten Vormarschachsen der eigenen Truppe zugeordnet sind. Das gilt jedoch nur für Gebiete, die nicht aus allen Richtungen zugänglich sind und hinter natürlichen oder künstlichen Hindernissen liegen. Das MTO-Bataillon legt einen Haupt- und einen Reservebereich für die Unterstützung fest. Diese liegen 5 bis 7 km voneinander entfernt.

Die Instandsetzung und Bergung von gepanzerten Fahrzeugen, Lastkraftwagen, Raketen- und Artilleriefahrzeugen, Waffen und militärischem Gerät wird von den Instandsetzungskompanien durchgeführt. Die Instandsetzung/Bergung umfasst zwei Komponenten:

Geländegängiger Militärtankwagen auf Basis des Ural-4320. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)
Bergepanzer BREM-1 auf Basis des T-72-Kampfpanzers. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)
Der KET-T ist ein Berge- und Abschleppfahrzeug, das als fahrende Werkstatt die Aufgabe hat, schwere Räderfahrzeuge im Gelände zu bergen. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)

Im Angriff

Der Angriff ist eine der Hauptformen des Kampfes der verbundenen Waffen. Er hat das Ziel, den Widerstand des Gegners zu brechen, bestimmte Linien oder Gebiete einzunehmen und die Bedingungen für die Durchführung weiterer Aktionen zu schaffen. Die Vorbereitung der MTO-Einheiten der Brigade erfolgt gleichzeitig mit jener der Kampfverbände der Brigade. Die Vorbereitungen umfassen

Während der Durchführung eines Brigadeangriffes gegen einen sich verteidigenden Feind befindet sich das MTO-Bataillon in einem festgelegten Raum in sicherer Entfernung vom Vorderen Rand der Verteidigung. Während der Bewegung der Brigade aus einem Abmarsch- oder Verfügungsraum zur Ablauflinie folgt das MTO-Bataillon der Kampfformation der zweiten Staffel.

Auf dem Marsch

Militärische Fahrzeuge werden auf Rastplätzen und im Verfügungsraum am Ende des Marsches aufgetankt. Panzer und Fahrzeuge mit kleineren Tanks werden in der zweiten Hälfte eines 24-Stunden-Marschtages zusätzlich auf einem technischen Rastplatz betankt. Dazu legt der stellvertretende Brigadekommandant entlang der Marschroute Plätze fest, auf denen Transporteinheiten Vorbereitungen treffen, um die Massenbetankung der gesamten Brigade rasch durchzuführen.

Wenn es nicht möglich ist, an einem Tag drei warme Mahlzeiten zuzubereiten, werden nur zwei ausgegeben: die erste zu Beginn des Marsches, die zweite nach dem 24-Stunden-Marsch im Tages- bzw. Nachtlager. Um die komplette Tagesration zu erhalten, werden Trockenrationen (Brot, Zucker, Tee, Fleisch-, Fisch- oder Kompottkonserven) ausgegeben. Sollten keine warmen Mahlzeiten bereitgestellt werden können, kann das Brigadekommando die Ausgabe von individueller Feldverpflegung aus der Notverpflegungsreserve anordnen. Wasserreserven werden in jener Menge angelegt, die die Brigade für die Wasserversorgung benötigt, wobei örtliche Gegebenheiten (Quellen oder Wasserversorgungspunkte) berücksichtigt werden.

Bei der Organisation des Materialtransportes wird nicht nur berücksichtigt, wie das MTO-Bataillon die militärischen Reserven routinemäßig an die Kampfverbände übergibt. Vielmehr ist auch zu berücksichtigen, wie dies in Räumen geschehen soll, die nicht direkt an Ruhezonen grenzen oder keinen direkten Kontakt zu übergeordneten Verbänden und Einheiten haben.

Radschützenpanzer BTR-80 auf Waggons während einer Übung der 38. selbstständigen Eisenbahnbrigade zum Bau einer schwimmenden Eisenbahnbrücke NZhM-56 mit einer Länge von 1 km über die Wolga im Jahr 2017. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)
Radschützenpanzer BTR-80 auf Waggons während einer Übung der 38. selbstständigen Eisenbahnbrigade zum Bau einer schwimmenden Eisenbahnbrücke NZhM-56 mit einer Länge von 1 km über die Wolga im Jahr 2017. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)

Wenn möglich, begeben sich MTO-Transportkompanien vorzeitig zu den Rastplätzen. Dort geben sie den benötigten Nachschub aus und füllen danach ihre Reservelager aus den MTO-Versorgungseinrichtungen ihrer übergeordneten Führungsebene auf. Während des Marsches wird die technische Unterstützung auf den Rastplätzen und im Tageslager (Nachtlager) geleistet. Auf den Rastplätzen werden nur allgemeine Inspektionen durchgeführt und kleine Mängel beseitigt. Während des Marsches wird die technische Hilfe der MTO-Marschkolonne von der Instandsetzungskompanie (am Ende der Kolonne) durchgeführt. Die technische Hilfe für Fahrzeuge, die während des Marsches ausfallen, erfolgt grundsätzlich indem diese auf den Pannenstreifen gezogen und dort instandgesetzt werden.

Ist es nicht möglich oder ratsam, das Fahrzeug vor Ort zu reparieren, wird es zur nächstgelegenen Sammelstelle für beschädigte Fahrzeuge geschleppt. Diese befindet sich im Tages- bzw. Nachtlager, manchmal auch auf der Marschroute, wenn dies von der Brigade so festgelegt wird. Einfache und mittlere Instandsetzungen werden in erster Linie dort durchgeführt. Fahrzeuge mit größerem Instandsetzungsbedarf werden nach dem Marsch zu einem Endsammel- und Instandsetzungsplatz evakuiert.

Während der Vorbereitung der MTO-Brigade unternimmt das Bataillon folgende Maßnahmen, um seine Aufgaben während des Marsches zu erfüllen:

Die Vorbereitungen des MTO-Bataillons finden als Element der Brigade oder unabhängig davon statt und enden mit der Aufstellung im vorgesehenen Gebiet. Die Einheiten des Bataillons bewegen sich auf einer oder zwei Marschrouten in einer Entfernung von 5 bis 10 km vom Hauptteil der Brigade, wobei die Bataillonskolonne unterschiedlich zusammengesetzt sein kann. Bei einem Marsch, der in einem Gefecht endet, hat die Bataillonskolonne in der Regel bewegliche Versorgungspakete, wobei die Munitionsreserven vorne sind. Bei Märschen, die länger als 24 Stunden dauern und bei denen kaum mit Feind zu rechnen ist, werden die Betriebsstoffreserven ebenfalls möglichst weit vorne transportiert. Die Entfernung zwischen den Tages- und Nachtlagern kann 250 bis 300 km betragen.

Während der Bewegung einer Marschkolonne betragen die Abstände etwa 2 bis 3 km zwischen der Kompaniekolonne und anderen Einheiten eines Bataillons, etwa 0,5 bis 1 km zwischen den Zugskolonnen einer Kompanie und etwa 25 bis 50 m zwischen den Fahrzeugen eines Zuges. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt zwischen 25 und 30 km/h für eine Räderfahrzeugkolonne und verringert sich auf etwa 20 bis 25 km/h bei einer gemischten Kolonne aus Räder- und Kettenfahrzeugen.

Geländegängiges und splittergeschütztes Berge- und Abschleppfahrzeug REM-KS auf einem BAZ-6910-Fahrgestell. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)
Transport-LKW mit Hakenlastsystem auf Basis eines KAMAZ-63501. (Foto: Vitaly V. Kuzmin; CC BY-SA 4.0)
Transport von zwei Mannschaftstransportpanzern während einer Übung der 38. Eisenbahnbrigade. (Foto: Mil.ru; CC BY-SA 4.0)

Autoren

Prof. Mag. Dr. Gerhard Gürtlich

Sektionschef i.R.

Brigadier Mag. Stefan Lampl

Kommandant der Heereslogistikschule

Publikationen

Dieser Beitrag erschien in folgenden Publikationen:

Truppendienst 02/2022 (385): Chance Militärarzt