Hier finden Sie aktuelle Beiträge aus Österreich zu sicherheitsrelevanten Themen wie Neues aus der Truppe, andere Inhalte mit Bezug zum Militär und Kurzmeldungen.

22.04.2016

Sicherheitsmilliarde für das Bundesheer

Das Bundesheer erhält 1,3 Mrd. Euro bis 2020. Diese signifikante Erhöhung des Verteidigungsbudgets ist das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Finanzministerium. Die Mittel sollen die Einsatzbereitschaft und den Ausbildungsbetrieb sicherstellen und in die Modernisierung der Ausrüstung fließen.

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20.04.2016

Drohnen in Erprobung

Seit April 2015 ist das Österreichische Bundesheer im Besitz von 18 unbemannten Flugdrohnen des Systems „Tracker". Jedes System besteht aus einer Bodenkontrollstation für die Überwachung, einer Tag- und Nachtsichtkamera und einer Zielverfolgungsantenne. Insgesamt 17 Soldaten sind unter dem Kommando von Oberst Ägidius Daniel Muhr mit der Erprobung und der Vorschriftenerstellung beschäftigt.

Einsatzmöglichkeiten

Die Drohnen dienen der Aufklärung und liefern Informationen in Echtzeit. Verschiedene Sensoren tasten jeden Zentimeter des Einsatzgebietes ab und leiten alle Daten per Funk bis zu zehn Kilometer an den Flugcontroller weiter. Einsetzbar ist dieses Aufklärungsmittel in allen militärischen Aufgabenbereichen. Dies gilt für die klassische Gefechtsfeldaufklärung wie für die Aufklärung eines möglichen Katastrophengebietes (z. B. Hochwasser, Sturmschäden im Hochgebirge etc.). Gerade in der aktuellen Situation der Flüchtlings- und Migrationskrise bedeutet diese Möglichkeit einen wesentlichen Vorteil beispielsweise für die Lagefeststellung von Bewegungen an der grünen Grenze.

Kosten, Parameter und Leistungsfähigkeit

Das Österreichische Bundesheer hat für dieses System insgesamt drei Millionen Euro ausgegeben. Damit sind die Anschaffungskosten, Ersatzteile und die Ausbildung abgedeckt.

Eine Drohne wiegt inklusive Bodenkontrollstation 8,5 Kilogramm und kann bei Tag und auch bei Nacht nahezu wetterunabhängig eingesetzt werden. Der Betrieb dieser unbemannten Luftfahrzeuge wird von der Austro Control geregelt - Rechtliche Grundlage dafür ist das novellierte Luftfahrtgesetz. Zusätzlich sind die relevanten Bestimmungen im Zusammenhang mit dem Datenschutz zu berücksichtigen.

Die Einsatzdauer beträgt maximal 90 Minuten. Das System erreicht eine Höhe von bis zu 6 800 Meter und eine Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Zugelassen sind die „Tracker“ als Militärluftfahrzeuge.

-hst-

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bundesheer.at

orf.at

futurezone.at

 


20.04.2016

45 000 Unterschriften an den Nationalrat übergeben

Die Plattform Wehrhaftes Österreich beendete am 19. April 2016 ihre Petition „Stopp der Bundesheer-Zerstörung! Für ein sicheres Österreich!“.

Diese politisch unabhängige Organisation, welche sich aus mehreren wehrpolitisch relevanten Vereinen zusammensetzt, vertritt etwa 300000 Mitglieder. Seit Bestehen der Plattform wird auf problematische Entwicklungen innerhalb der Österreichischen Sicherheitspolitik hingewiesen.

Die Petition verfolgt das Ziel, die Politik bezüglich der gegenwärtigen und zukünftigen Bedrohungen zu sensibilisieren, um diesen wirksam entgegentreten zu können. Sie beinhaltet sechs Forderungen:

  • Wiederherstellung eines einsatzfähigen Bundesheeres zum Schutz der österreichischen Bevölkerung und der Staatsgrenze;
  • Erhalt und Förderung der Wehrhaftigkeit der Bevölkerung (umfassende Landesverteidigung und Milizprinzip);
  • Moderne Ausrüstung und Bewaffnung für jeden Soldaten;
  • Stopp des Ausverkaufs von Waffen, Fahrzeugen und Liegenschaften;
  • Stopp des finanziellen Ausblutens des Bundesheeres;
  • Verankerung des Bundesheeres in der Bevölkerung durch öffentliche Auftritte und Erhalt der Militärmusik.


Die gesammelten 45 000 Unterschriften wurden am 20. April 2016 in der Säulenhalle des Parlamentes an den Landesverteidigungsausschuss des Nationalrates übergeben. 

Der Bundesminister für Landesverteidigung und Sport, Mag. Hans Peter Doskozil, begrüßte die Initiative und erklärte: „Ich sehe die Bürgerinitiative als Unterstützung meiner Bemühungen für eine adäquate finanzielle Ausstattung des Österreichischen Bundesheeres. Wir verfolgen da die gleichen Ziele.“

Erfolge
Oberst der Miliz, Mag. Erich Cibulka unterstrich die Erfolge, die die Plattform in den vergangenen Monaten verzeichnete. So konnte beispielsweise durch die erfolgreiche Mobilisierung der Stellenwert der Sicherheitspolitik innerhalb der österreichischen Bevölkerung und der Politik erhöht werden. Das Interesse und der Rückhalt der Bevölkerung seien deutlich gestiegen so Cibulka. Als direkte Reaktion auf den gemeinsamen Entschließungsantrag aller im Nationalrat vertretenden Fraktionen wurde das Strukturpaket „ÖBH2018“ gestoppt. Die in diesem Zusammenhang geplanten Maßnahmen werden neu beurteilt und auf die geänderten Umfeldbedingungen angepasst. Generell zeigt sich die Plattform über die positive Grundhaltung in der Debatte erfreut.

Erwartungen 
Aufgrund der Masse an Unterschriften erwartet sich die Plattform Wehrhaftes Österreich ein klares Bekenntnis der Regierung und des Nationalrates zum Bundesheer als strategische Handlungsreserve der Republik. Darüber hinaus fordert sie: 

  • Ein Sonderinvest von 1,5 Mrd. Euro soll die Verfehlungen und Versäumnisse des letzten Jahrzehntes ausgleichen;
  • Aufstockung des Budgets für die Landesverteidigung auf ein Prozent des BIP; 
  • Wiedereinführung der Milizübungen sowie die konsequente Anwendung des §21 Abs. 3 Wehrgesetz. Nach diesem können zwölf Prozent der Grundwehrdiener zum Dienst in der Miliz verpflichtet werden.


-hst-


11.04.2016

Black Hawk-Hubschrauber zurück in Österreich

Nach über drei Jahren im Einsatz in Bosnien und Herzegowina kehren die „Black Hawk“-Hubschrauber des Bundesheeres wieder nach Österreich zurück.

Die Hubschrauber waren in der Mission "Althea" der European Forces (EUFOR) zur Stabilisierung und Aufrechterhaltung des Friedens eingesetzt und stellten die permanente militärische Luftunterstützung von Sarajewo aus sicher.

Durch den Auslandseinsatz konnten die „Black Hawk“-Piloten und Techniker gute Erfahrungen im internationalen Umfeld gewinnen. Teile der mittleren Transporthubschrauberstaffel des Luftunterstützungsgeschwaders (mTHSSta/LuUGschw) befanden sich 40 Monate lang mit zwei Hubschraubern S70 „Black Hawk“ im Auslandseinsatz. Die dabei erbrachte Unterstützung beläuft sich auf
1 600 Flugstunden, den Transport von 11 000 Personen und 150 Tonnen Material. Jetzt stehen die zwei „Black Hawk“ wieder für Einsätze im Inland bereit.

-red-


07.04.2016

„Schwere Geschütze“ an der Universität Wien

Gastvortrag von Oberst Matthias Ivancsits vom Sprachinstitut des Bundesheeres am Institut für Slawistik an der Universität Wien, am 6. April 2016.

Ein wesentlicher Aspekt jeder Sprache ist die Fachsprache. Diese wird von Studenten und Schülern oft als langweilig und abstrakt empfunden. Dennoch stellt sie häufig die Nische dar, um aus dem Sprachstudium einen beruflichen Nutzen zu ziehen. Für einen positiven Zugang zur Fachsprache ist der erste Kontakt entscheidend.

Das Referat für südslawische Sprachen am Sprachinstitut des Bundesheeres (SIB) versuchte diesen Kontakt in einem Gastvortrag von Oberst Ivancsits herzustellen. Die Veranstaltung am Institut für Slawistik war Teil eines verpflichtenden Seminars für das Bachelor-Studium der Sprachgruppe Bosnisch, Kroatisch und Serbisch (zusammengefasst BKS). Anhand der Anti-Kriegsnovelle Hrvatski Bog Mars (Kroatischer Gott Mars) des kroatischen Schriftstellers Miroslav Krleža wurden die Militär-Fachsprache, militärische Begriffe und der Soldatenjargon erläutert. Dieses Werk zählt zur Moderne der kroatischen Literatur und setzt sich kritisch mit der Habsburgermonarchie und ihrer Armee auseinander. Es thematisiert den Ersten Weltkrieg und beschreibt Kriegserlebnisse aus der Sicht des Autors - eines Offiziersanwärters. Ohne Kenntnis der militärischen Fachsprache und der Bedeutung ihrer Begriffe, ist diese Novelle jedoch schwer verständlich.

Fachsprache, vor allem die des Militärs, begleitet uns nicht nur in der Fachliteratur. Sie ist allgegenwärtig. Beispiele dazu sind Aussagen wie „schwere Geschütze auffahren“ oder „in Angriff nehmen“. In seinem Vortrag stellte Oberst Ivancsits auch dar, wie die Verwendung militärischer Begriffe die Alltagssprache prägt. Nur wenige Menschen kennen ihren Ursprung und ihre eigentliche Bedeutung.

Die Alltags- und Standardsprache wird von Fachsprachen geprägt. Das offenbart die Relevanz von Teilbereichen für die Gesamtgesellschaft und spiegelt den Zeitgeist einer Epoche. Früher waren es Bezeichnungen aus dem Umfeld des Militärs, heute kommen sie vermehrt aus der Wirtschaft. Wer diese Begriffe versteht, ist in der Lage abstrakte Wörter in konkrete Begriffe zu verwandeln. Das ist ein Schlüssel zu einer lebendigen und bildhaften Sprache, auch im Alltag.

Referat Südslawische Sprachen am Sprachinstitut

Oberst des höheren militärfachlichen Dienstes Ing. Mag. Matthias Ivancsits ist Leiter vom Hauptreferat 4 (Slawische Sprachen) am SIB. Mag. Dr. Zvonko Oreškovic ist Leiter des Referates für südslawische Sprachen am SIB und Lehrbeauftragter für slawistische Philologie am Institut für Slawistik der Universität Wien.

-keu-


07.04.2016

Pioniere erhalten modernes Vermessungsgerät

Die Pioniertruppe des Österreichischen Bundesheeres erhält für ihre Auftragserfüllung modernes elektronisches Vermessungsgerät mit der entsprechenden Computerausstattung und Software.

Das breite Aufgabenfeld der Pioniere reicht vom Feldlagerbau über den Brückenbau bis zu Sprengeinsätzen. Dabei muss oft millimetergenau geplant werden und es gilt, neben den militärischen Richtlinien auch zivile Normen einzuhalten. Dazu arbeiten Planungsoffiziere und -unteroffiziere gemeinsam mit Baumeister, Techniker und Spezialisten aus verschiedenen Handwerksbereichen.

Dazu steht den Pionieren seit kurzem modernes Vermessungsgerät wie elektronische Theodoliten, Digitalnivelliere und Laserentfernungsmesser zur Verfügung. Mit dieser Ausrüstung ist es möglich, schneller und präziser zu arbeiten. Der Datenfluss erfolgt direkt vom Vermessungsgerät zur Berechnungs- und Zeichensoftware am Computer. So ist es beispielsweise möglich, Baupläne und Planungsunterlagen aus einem weit entfernten Einsatzraum mit Experten in Österreich abzugleichen. Darüber hinaus können bei einem Katastropheneinsatz Erkundungsergebnisse und Vermessungsdaten schnell an die Einsatzleitung übermittelt werden.

Die Ausbildung des Vermessungs-Personals findet am Institut Pionier der Heerestruppenschule statt. Hier wurde das Gerät in Zusammenarbeit mit dem Amt für Rüstung und Wehrtechnik vor seiner Einführung unter härtesten Bedingungen getestet.

Die neue Erkundungs- und Vermessungsausrüstung ist auf dem letzten Stand der Technik. Sie hat sich bei der Erprobung im In- und Ausland bewährt und wurde bereits bei den internationalen Übungen ICE CHEST 2014 und EURAD 2015 durch die Pionierbaukompanie (KPE) eingesetzt.

Hauptmann Mag. (FH) HITZENHAMMER Stephan, Institut Pionier/Heerestruppenschule


05.04.2016

Neue Struktur des BMLVS

Geänderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen erfordern eine Anpassungen der Strukturen und Prozesse des Österreichischen Bundesheeres. Deshalb wird die Organisation der Zentralstelle des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport an die aktuellen Erfordernisse und zukünftigen Herausforderungen angepasst.

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01.04.2016

Verteidigungsministertreffen in Wien

Von 31. März bis 1. April 2016 fand ein Treffen der Verteidigungsminister der sogenannten CEDC (Central European Defence Cooperation)-Staaten im Hilton Danube Waterfront in Wien statt. Mitglieder der CEDC sind neben Österreich, das im Jahr 2016 auch den Vorsitz führt, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und die Slowakei.

Die verteidigungspolitische Zusammenarbeit dieser Staaten basiert auf gemeinsamen Sicherheitsinteressen, resultierend aus der geographischen Lage Zentraleuropas. So sind die Mitgliedstaaten der CEDC beispielsweise gemeinsam betroffen von der Flüchtlings- und Migrationsbewegung, von bewaffneten Auseinandersetzungen (z. B. Ukrainekonflikt), von wiederauflebenden Spannungen zwischen West und Ost, von stabilitätsgefährdenden Entwicklungen am Westbalkan sowie von Umweltkatastrophen größeren Ausmaßes.

Zusätzlich sind die Verteidigungsminister von Polen, Serbien, Mazedonien und Montenegro der Einladung zu diesem Treffen gefolgt, da die Agenda auch für diese Staaten von großer Bedeutung ist. Andere Staaten, wie Griechenland, wurden ebenfalls eingeladen, nahmen an dem Treffen jedoch nicht teil.

Der Fokus des Verteidigungsministertreffens wurde auf zwei Kernbereiche gelegt. Einerseits beschäftigten sich die Verteidigungsminister mit Fragestellungen zu möglichen militärischen Unterstützungen im Zusammenhang mit der Flüchtlings- und Migrationskrise. Andererseits stand die Verbesserung der grenzüberschreitenden militärischen Katastrophenhilfe im Mittelpunkt der Verhandlungen.

Bewältigung der Flüchtlings- und Migrationskrise

Ziel des Treffens war es, sich auf gemeinsame und schnell wirksame humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der betroffenen Länder zu einigen. Darüber hinaus wurden Lösungen zum Schutz der EU-Außengrenze diskutiert und eine dementsprechende Absichtserklärung unterschrieben.

Der Österreichische Verteidigungsminister, Hans Peter Doskozil, stellte bei der Pressekonferenz fest, dass eine Situation, wie sie im Jahr 2015 vorherrschte, zukünftig nicht mehr zustande kommen dürfe. Staaten wie Mazedonien dürften bei der Bewältigung der Flüchtlings- und Migrationskrise nicht mehr alleine gelassen werden.

Europäische zivil-militärische Mission

FRONTEX (Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union) befindet sich zwar im Aufwuchs, dieser gehe aber zu langsam voran. Daher können die an FRONTEX gestellten Aufgaben nicht in der gewünschten Zeit und Qualität durchgeführt werden. Da die Probleme aber jetzt gelöst werden müssen, werden die an diesem Treffen teilnehmenden Verteidigungsminister die Instituierung einer gemeinsamen Europäischen zivil-militärischen Mission vorschlagen, so Doskozil. Ziel dieser Mission soll es sein, Staaten, die Hilfe bei der Bewältigung der Herausforderungen im Zuge der Flüchtlings- und Migrationskrise benötigen, schnell und qualitativ hochwertig zu unterstützen.

Daher werden die anwesenden Verteidigungsminister eine gemeinsame Erklärung, adressiert an die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, bis zum 12. April 2016 verfassen. Gemeinsame Positionen wie

  • der effiziente Schutz der EU-Außengrenze,
  • die humanitäre Versorgung von Flüchtlingen,
  • die Beendigung der irregulären Migration,
  • die dauerhafte Schließung der Balkanroute,
  • eine effektivere Unterstützung betroffener Staaten - insbesondere Mazedonien,
  • effektivere Rückführungsmaßnahmen unter Nutzung militärischer Ressourcen oder
  • verstärkte nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und Kooperation

werden Inhalt dieses Schreibens sein, welches in weiterer Folge auch Grundlage für das Treffen der Europäische Verteidigungsminister am 19. April 2016 sein soll.

Doskozil appellierte eindringlich, die Ebene der akademischen Diskussion zu verlassen und endlich in eine praktische Umsetzungsphase überzugehen.

Grenzüberschreitende Katastrophenhilfe

Der zweite große Themenkomplex der CEDC-Verteidigungsminister stellte die erweiterte internationale Zusammenarbeit bei Naturkatastrophen dar. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil führte bei der Pressekonferenz aus, dass es auch in Zukunft Naturkatastrophen geben werde. Die Bewältigung solch außergewöhnlicher Ereignisse stelle eine Aufgabe dar, die ständig wahrgenommen werden müsse. Dies sei eine essentielle Leistung für die betroffene Bevölkerung und dürfe keinesfalls außer Acht gelassen werden.

Ein weiterer Output dieses CEDC-Treffens ist daher eine Initiative zur erweiterten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in diesem Bereich. Ein dementsprechendes Positionspapier wird von den Verteidigungsministern der CEDC-Staaten in Wien unterschrieben werden.

Hermann Steinkogler,
TRUPPENDIENST


31.03.2016

„Schutz16-NÖ“: Milizübung zum Schutz von Objekten

Der Schutz und die Sicherheit des Österreichischen Staatsgebietes, seiner Bevölkerung und der Infrastruktur sind zentrale Aufgaben sowohl des Bundesministeriums für Inneres als auch des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport.

Deshalb führten das Militärkommando NÖ, das Jägerbataillon NÖ die Landespolizeidirektion NÖ und die Betreiber zweier potenzieller Schutzobjekte eine gemeinsame Übung durch. Diese fand vom 7. bis 11. März in den Bezirken Melk und Amstetten statt.

Behördenauftrag
Ziel dieser Übung war es, Objekte der Energieversorgung zu sichern und zu schützen. Die Soldaten wurden zu diesem Zweck der Landespolizeidirektion Niederösterreich, als verantwortliche Sicherheitsbehörde für den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz, unterstellt. Sie erhielten gewisse polizeiliche Befugnisse, um die geforderte Aufgabe erfüllen zu können. Dazu wurde ein Auftrag durch die verantwortliche Sicherheitsbehörde erteilt. Dieser enthielt unter anderem die Übungsausgangslage, ein mögliches Bedrohungsbild und die wesentlichen Befugnisse, welche die assistenzleistenden Soldaten benötigten, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Vorbereitung
Hofrat Mag. Roland Scherscher ist der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Niederösterreich. In dieser Funktion ist er für den Schutz der kritischen Infrastruktur zuständig. Als behördlicher Einsatzleiter trug er die Gesamtverantwortung für die Übung. Er führte die Übertragung von polizeilichen Aufgaben und Befugnisse an die Soldaten, die Eingliederung des Bundesheeres in die polizeiliche Führungsstruktur und die Einbindung der Bezirkshauptmannschaften in die Stabsarbeit der Landespolizeidirektion durch. Bereits in der Vorbereitung zur Übung gab es intensive Beratungen mit den Verantwortlichen des Militärkommandos NÖ, den Behörden und den Betreibern der betroffenen Schutzobjekte.

Ausbildung
Bevor es in die Übung ging, wurden die Milizsoldaten mit zusätzlicher Ausrüstung ausgestattet und in die Übung eingewiesen. In weiterer Folge wurden die Soldaten durch die Polizei in die erforderlichen Befugnisse gemäß Behördenauftrag unterrichtet. So durften sie in Erfüllung des Auftrages etwa Personen anhalten und kontrollieren oder private Fahrzeuge durchsuchen. Das Bundesheer ist durch seine Struktur, Personalstärke und Ausrüstung in der Lage, Schutzobjekte rund um die Uhr zu bewachen. Die Einsatztaktik der Polizei stand dabei jedoch im Vordergrund.

Einsatz
Nach der Ausbildung und Vorbereitung hatten die eingesetzten Kräfte die zugewiesenen Räume bezogen und begannen damit, die zugewiesenen Objekte zu sichern. Um eventuelle Angriffe oder Störversuche auf die Schutzobjekte zu verhindern, waren sie rund um die Uhr eingesetzt. Einige Kräfte versahen ihren Dienst sichtbar als Streife, andere verdeckt im Gelände. Der Einlagenkatalog forderte sowohl die Soldaten und Polizisten an den Schutzobjekten als auch das Kommando des Jägerbataillon NÖ.

Positive Bilanz
Landespolizeidirektor Hofrat Dr. Prucher und Militärkommandant Brigadier Mag. Striedinger zogen nach dem Übungsende eine positive Bilanz. Die Zusammenarbeit zwischen ÖBH und Polizei hat hervorragend funktioniert. Die gestellten Aufgaben konnten durch die eingesetzten Milizsoldaten in Kooperation mit der Exekutive gelöst werden. Die Übung lief bis auf kleinere Verkehrsbehinderungen ohne Zwischenfälle ab. Die erforderlichen Kontrollen wurden sowohl von den Objektbetreibern, als auch von der Zivilbevölkerung akzeptiert.

Das Fazit des niederösterreichischen Militärkommandanten, Brigadier Striedinger: "Es zeigte sich einmal mehr, dass gemeinsames Üben und Trainieren die Sicherheit gibt, um im Ernstfall zu bestehen. Die Ausgaben für diese Übung sind gut angelegte Mittel. Das war ein kräftiges Lebenszeichen unserer Miliz! Die Miliz aus Niederösterreich übt wieder, wie vorgesehen, alle zwei Jahre. Dieses Mal in ihrer wesentlichen Einsatzaufgabe, zur Sicherheit und zum Schutz der Lebensgrundlagen der Bevölkerung".


22.03.2016

Kulturgüterschutz an der Donau-Universität Krems

Ob die Sprengungen der Buddhastatuen in Afghanistan, die Attacke auf die 3 000 Jahre alte Stadt Nimrud im Irak mit Baggern und Presslufthämmern, die Zerstörung antiker Mausoleen mit Spitzhacken in Timbuktu oder die Sprengung der antiken Tempel von Palmyra in Syrien: Die bewusste Zerstörung von Kulturgütern ist ein aktuelles Thema. Es wird immer wichtiger, sich mit ihrem Schutz zu beschäftigen.

Die Donau-Universität Krems hat am 9. Dezember 2015 ein Zentrum für Kulturgüterschutz eröffnet. Dieses ist am Department für Bauen und Umwelt angesiedelt und befasst sich in Forschung und Lehre mit dem Schutz von Kulturgütern.

Rechtliche Grundlagen

Der Schutz von Kulturgütern in bewaffneten Konflikten ist in der Haager Konvention vom 14. Mai 1954 geregelt. Österreich ist dem Abkommen am 25. Juni 1964 beigetreten und hat sich damit verpflichtet, über entsprechend geschultes Personal im Bundesheer zu verfügen. Die Kulturgüterschutzoffiziere und die Experten für militärischen Kulturgüterschutz sind bei den Militärkommanden, an der Landesverteidigungsakademie und im Bundesministerium für Landesverteidigung beordert.

Die Haager Konvention verpflichtet die Vertragsparteien im Artikel 3, bereits in Friedenszeiten Vorkehrungen für die Kulturgüter auf ihrem Hoheitsgebiet gegen absehbare Folgen eines bewaffneten Konflikts zu treffen. Das Zweite Protokoll zur Haager Konvention vom 26. März 1999 spezifiziert im Artikel 5 die Sicherungsmaßnahmen im Frieden. So sind gegebenenfalls Verzeichnisse der Kulturgüter zu erstellen bzw. Notfallmaßnahmen zum Schutz gegen Feuer oder Gebäudeeinsturz zu treffen. Darüber hinaus ist die Verlagerung von beweglichen Kulturgütern, der Schutz an Ort und Stelle sowie die Bezeichnung von Kulturgütern vorzubereiten.

Das völkerrechtliche Symbol zur Kennzeichnung von Kulturgut kann bereits in Friedenszeiten angebracht werden. Die Markierung erfolgt durch ein nach unten spitz verlaufendes Schild in Ultramarinblau und Weiß (Artikel 16 Haager Konvention). Besonders im Osten Österreichs ist dieses auf Gebäuden angebrachte Täfelchen bekannt.

Ziele des Zentrums

Bei der Eröffnung des Zentrums für Kulturgüterschutz wurde die Interdisziplinarität des Themas betont. Ein wichtiger Partner des Zentrums ist das Österreichische Bundesheer, das im Falle eines bewaffneten Konfliktes für den Schutz von Kulturgütern verantwortlich ist. Die Wichtigkeit der Rolle des Bundesheeres wurde vom Militärkommandanten von Niederösterreich, Brigadier Mag. Rudolf Striedinger hervorgehoben, der in seiner Funktion als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz eine Ansprache hielt.

Dr. h. c. Karl Habsburg-Lothringen, Präsident der Association of National Committees of the Blue Shield (ANCBS), sprach die aktuellen Herausforderungen des Kulturgüterschutzes auf internationaler Ebene an. Habsburg ist als Milizoffizier bei der Landesverteidigungsakademie als Experte für militärischen Kulturgüterschutz beordert.

Im Allgemeinen Gefechtsdienst (AGD, Dienstvorschrift für das Bundesheer, 2010) ist festgehalten, dass Kulturgüter bewegliche und unbewegliche Objekte sind, welche für das kulturelle Erbe eines Volkes große Bedeutung haben. Kommandanten aller Ebenen haben die nötigen Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut zu treffen und sind für ihre Einhaltung verantwortlich (AGD, Beilage V, Abschnitt IV).

Die Donau-Universität Krems möchte mit ihren Ausbildungsmöglichkeiten zum Thema Kulturgüterschutz auch gezielt Soldaten ansprechen. Das Ziel ist der Schutz von unwiederbringlichem Kulturgut, nicht nur in bewaffneten Konflikten, sondern auch bei Naturkatastrophen oder ähnlichen Ereignissen.

Als wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Kulturgüterschutz konnte Dr. Ji?í Toman, Professor für Internationales Humanitäres Völkerrecht an der Santa Clara Universität in Kalifornien und Gastprofessor an der Donau-Universität Krems, gewonnen werden. Toman verfasste die beiden Standardwerke über die Haager Konvention und das 2. Protokoll.

Als Universität für Weiterbildung hat sich die Donau-Universität auf berufsbegleitende Studiengänge spezialisiert. So auch im Falle des postgradualen Universitätslehrganges Kulturgüterschutz, der mit einem Master of Science abschließt. Sein Inhalt baut auf den Artikel 5 des 2. Protokolls zur Haager Konvention von 1954 auf: Vorbereitende Maßnahmen in Friedenszeiten begünstigen die Erhaltung unwiederbringlichen kulturellen Erbes. In sechs Semestern erlernen die Teilnehmer des Studienganges die Grundlagen des angewandten Kulturgüter- und Denkmalschutzes.

Curriculum

Der Universitätslehrgang behandelt nationales und internationales Recht. Im Fokus stehen die Haager Konvention aus dem Jahr 1954 und ihre beiden Protokolle aus den Jahren 1954 und 1999. Vermittelt werden weiters die Inventarisierung, museales Sammlungsmanagement, Architektur- und Kunstgeschichte sowie psychologische Aspekte im Kulturgüterschutz - ein durch die Zerstörung von Kulturgütern im Nahen Osten aktuelles Thema.

Praxis

Im praxisorientierten Teil des Studiengangs erstellen die Studierenden Basismaterial für mögliche Einsätze, beurteilen Gefährdungsszenarien, wenden das taktische Führungsverfahren als standardisiertes Arbeitsmittel an und erstellen reale Notfallpläne für kleine und mittlere Museen und Depots. Diese Notfallpläne werden in Planspielen und Übungen überprüft, die mit verschiedenen Einsatzorganisationen durchgeführt werden. Teilaspekte des Universitätslehrganges werden auch als zertifizierte Programme kürzeren Ausmaßes angeboten.

Sommer-Universität

Zudem wird jedes Jahr eine internationale Sommer-Universität in der Dauer von einer Woche durchgeführt. 2016 läuft diese unter dem Titel „Emergency and Evacuation Plans for World Heritage Sites“. Thematisiert werden Maßnahmen die Museen, Depots oder archäologische Stätten bereits vor dem potenziellen Eintreten einer Katastrophe treffen können, um im Ernstfall Evakuierungen nach einem Notfallplan durchzuführen.

Nach einführenden Vorträgen in die Thematik werden sich drei Arbeitsgruppen mit den rechtlichen Aspekten der Evakuierung eines Museums, Depots oder Archivs, den vorbereitenden Möglichkeiten der Inventarisierung sowie der Erstellung von Notfall- und Evakuierungsplänen befassen. Den Abschluss der Sommer-Universität bildet eine Evakuierungsübung. Diese beinhaltet eine real durchgeführte Verbringung archäologischer Sammlungsobjekte. Dabei werden die Notfallpläne der Teilnehmer einem Praxistest unterzogen.

Nähere Informationen zum Ausbildungsprogramm:

www.donau-uni.ac.at/dbu/kulturgueterschutz

Leutnant Dr. phil. Anna Kaiser ist Experte für militärischen Kulturgüterschutz im Militärkommando Niederösterreich und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Kulturgüterschutz der Donau-Universität Krems.