Vom Abfangjäger zum Kampfflugzeug
Die Nachbeschaffung von Abfangjägern ist laut Verteidigungsministerin Klaudia Tanner keine Option, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit. Warum Ersatz für den in die Jahre gekommenen Eurofighter immer wichtiger wird.
Im Anbetracht der europäischen und globalen Sicherheitslage gewinnt die Wahrung der staatlichen Souveränität immer mehr an Bedeutung. Bei der bisherigen rudimentären Luftraumüberwachung kann es daher in Zukunft nicht bleiben. Dieser Umstand gründet einerseits auf der absehbaren Nutzungsdauer der Eurofighter und andererseits auf dem Bedarf eines international kompatiblen Gesamtsystems der Luftverteidigung.
Ein solches soll künftig nicht nur mit neuen Kampfflugzeugen realisiert werden, sondern bedingt ein Zusammenwirken von Sensoren-, Führungs- Informations- und Kontrollsystemen sowie boden- und luftgestützten Abwehrsystemen. Der Einsatz eines Kampfflugzeuges als dynamische Komponente der Luftverteidigung ist in diesem Zusammenhang zwar als ultima ratio zu sehen, aber im Sinne der staatlichen Souveränität unabdingbar.
Dabei darf auch keineswegs außer Acht gelassen werden, dass die Lufthoheit und ihre Verteidigung die Voraussetzung für den Erhalt kritischer Infrastruktur, der Energieversorgung und für alle weiteren militärischen und weitgehend zivilen Tätigkeiten auf eigenem Territorium darstellt. Die staatliche Souveränität ist mithin „auch zwei Meter über dem Boden zu schützen“, so Generalmajor Gerfried Promberger.
Die 2007 ausgelieferten Eurofighter der ersten Generation erreichen innerhalb der nächsten Jahre und somit innerhalb des Aufbauplanes 2032+ das Ende ihrer Nutzungsphase. Eine Verlängerung derselben würde unangemessene Kosten verursachen. So wäre Österreich ab dem Jahr 2030 alleiniger Betreiber des Eurofighters dieser Version in Europa.
Zeitgemäße Systeme der Luftverteidigung verfügen über eine Reichweite, die die Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten notwendig macht und Interoperabilität voraussetzt. Ein solches Gesamtsystem bedingt sowohl technisch als auch im Hinblick auf den verfassungsmäßigen Auftrag des Bundesheeres den Ankauf neuer Systeme und nicht zuletzt neuer Flugzeuge.
Aufgrund des technisch rasanten Fortschrittes der letzten Jahrzehnte im Hinblick auf die Reichweite, die Bewaffnung und den Wirkungsgrad möglicher gegnerischer Luftfahrzeuge, wurde der Anforderungskatalog, der nunmehr an den Eurofighter-Nachfolger zu stellen ist, umfangreicher.
Durch die geforderten Fähigkeiten hinsichtlich Geschwindigkeit, Reichweite, Radar, Durchhaltedauer, Interoperabilität etc. wird der Nachfolger des Eurofighters auf jeden Fall ein Kampfflugzeug und kein Abfangjäger mehr sein. Mit 36 Kampfflugzeugen könnte man in den nächsten Jahrzehnten das Auslangen finden, wenn die Pilotenausbildung vermehrt an Simulationssystemen stattfindet.
Die dafür zweifelsohne heranstehenden Investitionen in Milliardenhöhe erfordern zeitnah eine Entscheidung der Politik zum Schutz der Österreichischen Bevölkerung.