• Veröffentlichungsdatum: 16.04.2018
  • – Letztes Update: 17.04.2018

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ECMAN - Manuelle Bombenentschärfung

Johann Fischer

(Foto: Bundesheer/Uli Kallinger)
(Foto: Bundesheer/Uli Kallinger)

Das Europäische Zentrum für manuelle Entschärfungstechniken - das European Centre for Manual Neutralisation Capabilities (ECMAN) - ist ein Paradebeispiel der internationalen Kooperation im Verteidigungsbereich. Das Projekt der Europäischen Verteidigungsagentur (European Defence Agency - EDA) unter österreichischer Führung hatte seinen Ursprung in der Identifizierung einer Fähigkeitslücke. Daraus entstanden einzelne Pilotkurse mit internationaler Beteiligung, die der permanenten Weiterentwicklung von Fähigkeiten dienten. Später entwickelte sich ein mehrjähriges Trainings- und Übungsprogramm bis zur Etablierung einer permanenten Einrichtung.

Paris, Frankreich, 13. November 2015: 

  • 2120 Uhr - Die erste Detonation am Stade de France während eines Freundschaftsspieles zwischen der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft.
  • 2130 Uhr - Die zweite Detonation am Stade de France.
  • 2140 Uhr - Ein Terrorist sprengt sich auf dem Boulevard Voltaire nahe dem Platz der Republik in die Luft.
  • 2153 Uhr - Die dritte Detonation am Stade de France.

Brüssel, Belgien, 22. März 2016:

  • Am Flughafen Brüssel detonieren gegen 0800 Uhr morgens im Abstand von wenigen Sekunden in der Abflughalle zwei Bomben. Eine dritte Bombe kann durch Spezialisten entschärft werden. Zu einer weiteren Detonation kommt es um 0911 Uhr Ortszeit in der Metrostation Maalbeek in der Innenstadt.

Ansbach, Deutschland, 24. Juli 2016:

  • Um 2212 Uhr detoniert ein Sprengsatz nahe eines Veranstaltungsbereiches.

Berlin, Deutschland, 15. März 2017:

  • In einem Paket, adressiert an den deutschen Finanzminister, wird ein explosives Gemisch durch die Behörden erkannt.

Paris, Frankreich, 16. März 2017:

  • Eine Briefbombe gleicher Machart detoniert im Pariser Büro des Internationalen Währungsfonds (IWF) und verletzt eine Direktionsassistentin.

Dortmund, Deutschland, 11. April 2017:

  • Um 1915 Uhr detonieren nahe des BVB Mannschaftsbusses zwei Sprengkörper.

London, England, 15. September 2017:

  • In einem Triebwagen der U-Bahnlinie „District“ kommt es zu einer Verpuffung, wodurch es keine Todesfälle gibt. (Von einer Verpuffung wird gesprochen, wenn es durch die Verbrennungsreaktion zwar zu einer Volumenerweiterung, nicht aber zu einem relevanten Druckaufbau kommt; Anm.) Bei diesen Vorfällen konnte die Fähigkeit der Manual Neutralisation Techniques (MNT) nur in einem Fall angewendet werden, die anderen Sprengstofffallen konnten ihre Wirkung vorher entfalten.

Die Abkürzung MNT?

Die EDA bietet hierzu folgende Definition an: “Most advanced improvised explosive device (IED) disposal proficiencies, which enables experienced and specially trained operators to gain access to and carrying out diagnostics as well as manual disposal procedures.” Dies kann sinngemäß mit „höchste Anwendungsstufe der manuellen (Hand)Entschärfung und Beseitigung von komplexen behelfsmäßigen Sprengkörpern (IED)“ übersetzt werden.

Die Entwicklungen in den vergangenen beiden Jahrzehnten hinsichtlich der Durchführung von Anschlägen zeigen einen Trend in drei Bereichen auf, der sich nachhaltig in der Entwicklung der MNT-Fähigkeit wiederfindet. Das Ziel von Anschlägen ist eine Maximierung der Anzahl von Toten und Verletzten. Das schließt die Beeinflussung oder Zerstörung von kritischer Infrastruktur mit ein. Bei den angewandten Anschlagstaktiken können die Täter Anschläge ohne Selbstgefährdung bis hin zu Selbstmordanschlägen verüben. Die verfügbaren Technologien unter Abstützung auf moderne Sensorik und komplexe Schaltkreise unterstützen die Taktiken der Angreifer. In Kombination mit einer effektiven Hauptladung mit dem erkennbaren Trend, diese mit sensiblen Sprengstoffen und/oder auch ABC-Kampfstoffen zu kombinieren, ergeben sich Gefährdungspotenziale für die Streitkräfte in den Einsatzräumen. Diese können aber auch in allen Bereichen der zivilen Gesellschaft eingesetzt werden. Zusätzlich können komplexe behelfsmäßige Sprengkörper gegen jede Art von Manipulation wie Bewegen, Öffnen oder Eindringen gesichert werden. Daher wird MNT als „Worst Case Szenario“ eingestuft.

 

Handentschärfer MNT-Operator

Aufgrund der aufgezeigten Komplexität muss ein MNT-Operator über ein hohes Wissen in Elektronik und die verschiedenen Möglichkeiten der Sensorik, wie Bewegung, Licht, Kälte und Röntgen, verfügen. Nur so kann er komplexe Schaltkreise analysieren und neutralisieren. Eine weitere Herausforderung ist die Überwindung von Absicherungsmaßnahmen gegen ein Eindringen in den Behälter, in dem sich Schaltkreis, Zünder und Sprengstoff befinden. Abhängig vom Material des Behälters müssen unterschiedliche Werkzeuge und Techniken verwendet bzw. angewandt werden.

Der Bedarf an der MNT-Fähigkeit wurde von der EDA bereits frühzeitig erkannt. Dies führte zur Durchführung von zwei Kursen, die durch die EDA ermöglicht wurden: ein Kurs mit konventionellem Sprengstoff als Hauptladung, ein weiterer mit ABC-Kampfstoffen als Hauptladung. Die EDA begann ab 2010 gezielt diese Fähigkeit gemeinsam mit den Mitgliedstaaten zu entwickeln. Bis zum Frühjahr 2014 wurden acht MNT-Kurse und Übungen mit Vertiefungen im ABC-Bereich durchgeführt, und insgesamt zehn Mitgliedstaaten beteiligten sich daran. Bereits ab dem ersten Kurs ergab sich ein intensiver Austausch der Arbeitsebene, der sich laufend vertiefte und zu einem strukturierten Training und Übungsablauf unter österreichischer Führung im Rahmen der EDA führte.

MNT-Kurse & Übungen

Von 2014 bis 2017 wurde an der Heereslogistikschule (HLogS) das EDA Projekt Manual Neutralisation Techniques Courses & Exercises (MNT C&E) als multinationale Kooperation unter der Führung von Österreich und Teilnahme von Deutschland, Irland, Italien und Schweden etabliert. Bei dieser Zusammenarbeit zur „manuellen Neutralisation von unkonventionellen Sprengvorrichtungen“ wurden jährlich Kurse und Übungen zur Aus- und Fortbildung von Experten der teilnehmenden Mitgliedstaaten durchgeführt.

Der Projektwert von MNT C&E betrug 1,42 Mio. Euro. Die österreichischen Beiträge waren die Durchführung der Kurse und Übungen mit österreichischem Ausbildungspersonal und Ausbildungsinfrastruktur, der Bau der Sprengfallen und der Ausbildungsmittel, eine Bereitstellung der Unterkunft in militärischen Einrichtungen sowie die Sicherstellung von Verpflegung und Transport. Deutschland, Irland, Italien und Schweden finanzierten einen externen Dienstleister (Contractor) und einen Teil der Verbraucherware in der Höhe von 920.000 Euro. Der Dienstleister unterstützte in den Kursen und Übungen durch die Bereitstellung von Fachwissen sowie die Erarbeitung der zur Anwendung kommenden komplexen Aufgabenstellungen. Die unterschiedlichen Aufgaben umfassten Szenarien mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden auf Basis realer Vorfälle und möglicher Anschläge in der Zukunft. Der Verbrauch an Materialien zur Herstellung der komplexen behelfsmäßigen Sprengkörper (Improvised Explosive Device - IED) ist erheblich, da im Jahr ca. 350 Sprengfallen und über 1.200 Ausbildungsmittel anzufertigen sind. Österreich trug ebenfalls zur Bereitstellung der Verbraucherware bei. Der österreichische Beitrag wurde in der Kooperationsvereinbarung (Programme Arrangement) mit 500.000 Euro kalkuliert. Die EDA unterstützte neben der Schirmherrschaft, fachlicher, juristischer und vertragstechnischer Expertise durch die Beistellung von Gerät und Ausrüstung.

Die internationale Kooperation MNT C&E war eine inhaltliche Weiterentwicklung und eine strukturierte zeitliche Abfolge von Ausbildungen und Übungen, die auf Basis der vorangegangen lose gegliederten Ausbildungen fundierten. Das Ziel des Projektes war: “(…) to provide both highly specialised and advanced Exercises and Training Courses to experienced Improvised Explosives Devices Disposal (IEDD) operators to enable them to apply advanced MNT (…) to conduct an appropriate threat and risk assessment, to ana­lyse and diagnose the design of complex IEDs, to develop and plan the appropriate course of action in challenging scenarios (…) to remove the explosives or render safe the device.”

 

Durch einen Kurs in der Dauer von fünf Wochen und der zweiwöchigen Übung „European Guardian“ wurde das Ausbildungsziel zum MNT-Operator erreicht. Allen teilnehmenden Mitgliedstaaten standen jeweils zwei Kursplätze zur Verfügung. Weiters wurde in der Kooperationsvereinbarung eine minimale sowie eine maximale Anzahl an möglichen Teilnehmern für den Kurs und die Übung festgelegt. Der Bedarf der teilnehmenden Mitgliedstaaten war über den gesamten Zeitraum des Projektes gegeben und die maximale Anzahl an Teilnehmern gemäß dem Verteilungsschlüssel wurde erfüllt.

Darüber hinaus ergab sich die Möglichkeit, zusätzliche Kursplätze für die Mitgliedstaaten zu erwerben. Dies begründete sich in der Tatsache, dass bei fünf teilnehmende Mitgliedstaaten insgesamt zehn Kursplätze vertraglich fixiert wurden. Weitere konnten in Absprache mit den anderen Mitgliedstaaten zugekauft werden. Dieser finanzielle Beitrag konnte und musste - um unnötige Transferzahlungen am Ende des Projektes zu vermeiden - im Rahmen des Projektes MNT C&E umgesetzt werden. Die selbstständig erarbeitete und flexible Kooperationsvereinbarung der EDA eröffnete mehrere Möglichkeiten.

Auf Vorschlag Österreichs und unter Zustimmung der teilnehmenden Mitgliedstaaten wurden daher weitere Ausbildungen implementiert. Ein MNT-Operator benötigt ein regelmäßiges Training, um das erworbene Wissen zu festigen. Die teilnehmenden Mitgliedstaaten waren nicht in der Lage, die Qualität der Ausbildung in diesem Umfang und zu diesen Kosten im nationalen Rahmen umzusetzen. Daher wurde ein zusätzlicher Auffrischungskurs in der Dauer von einer Woche in das Kursprogramm mit aufgenommen. Im Jahr 2015 konnte bereits abgeleitet werden, dass weitere finanzielle Mittel für 2017 verfügbar sein würden. Der „Vehicle Bourne IED Course“ (Sprengkörper in einem abgeschlossenen Auto, wobei die Alarmanlage des Fahrzeuges als zusätzliche Sensorik zur Auslösung wirkt) wurde im Jahr 2017 zusätzlich abgehalten.

Viele Erfolgsfaktoren waren für die internationalen Partner ausschlaggebend, aber auch für die EDA, die Fähigkeit MNT weiter zu führen und zusätzlich auf ein höheres Niveau der Kooperation anzu­heben. Diese sind:

  • Engagement,
  • inhaltliche Weiterentwicklung,
  • Flexibilität und
  • Fähigkeit zur internationalen Kooperation.
Bei der Einsatzbesprechung.  (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Bei der Einsatzbesprechung. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Die Erfolgsfaktoren

Erfolgsfaktor Engagement

Persönliches Engagement des Ausbildungspersonales verbunden mit einer kontinuierlichen Selbstevaluierung und der Wille zur laufenden Optimierung führte zu einer Ausbildung auf hohem Niveau. Das österreichische Ausbildungspersonal der MNT-Operatoren erhielt in den vergangenen Jahren höchste Bewertungen. Dies wurde nicht nur bei den Kursen direkt von den angehenden MNT-Operatoren, sondern auch bei den regelmäßigen Sitzungen des Management Committee (Entscheidungsgremium des Projektes) auf der Ebene eines teilnehmenden Mitgliedstaates offiziell bestätigt und in schriftlicher Form festgehalt

Erfolgsfaktor inhaltliche Weiterentwicklung

Der komplexe Themenumfang erforderte im Rahmen von MNT C&E die Abstützung und Einbindung eines Dienstleisters. Dessen Finanzierung wurde in der Kooperationsvereinbarung geregelt und erfordert eine jährliche Abstimmung, um den Bedarf der Mitgliedstaaten zu decken. Eine laufende Adaptierung der aktuellen und potenziellen zukünftigen Szenarien und der verwendeten Materialen zur Herstellung der komplexen Sprengstofffallen führte zu einer breiteren und vertieften Ausbildung der MNT-Operatoren, als noch bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung angenommen wurde. Die Modifikationen haben nicht nur die verschiedenen Terroranschläge der Vergangenheit berücksichtigt, sondern auch unterschiedliche Möglichkeiten zur Herstellung und Auslösung der Sprengmittel beachtet. In Kombination mit den Erfahrungen der teilnehmenden Mitgliedstaaten und einer laufenden Analyse der technischen Möglichkeiten konnte die Ausbildung immer am Puls der Zeit bleiben.

Erfolgsfaktor Flexibilität

Die Kooperationsvereinbarung von MNT C&E bot einen flexiblen Rahmen für das Programm, der es ermöglichte, auf die Aktivitäten und die Bedürfnisse der Mitgliedstaaten einzugehen. Dies wurde durch Österreich voll genutzt. Einzelne Mitgliedstaaten haben im Laufe des Programms erkannt, dass die in der Kooperationsvereinbarung fixierte Anzahl an MNT-Operatoren nicht ausreicht. Daher wurden zwischen den Mitgliedsstaaten einzelne Ausbildungsplätze getauscht oder zusätzliche beantragt, die finanziell abzugelten waren.

Neben dem Basisprogramm der Ausbildung und Übungen wurden im Laufe des Programms zwei Adaptierungen vorgenommen, da die komplexe Ausbildung eine jährliche Weiterbildung erfordert. Da das gesamte Spektrum eines MNT-Operators eine erhebliche Belastung für einen einzelnen Mitgliedstaat darstellt, wurde ein jährlicher „Refresher Kurs“ bereits im ersten Jahr des Projektes zusätzlich aufgenommen. Aufgrund der finanziellen Möglichkeit gegen Ende des Projektes wurde eine weitere Spezialausbildung hinzugefügt. Die Mitgliedstaaten schätzten diese Schwergewichtsbildung hinsichtlich internationaler Kooperationen, wiewohl allen teilnehmenden Mitgliedstaaten bewusst war, dass dies eine zusätzliche Belastung für den federführenden Staat zur Folge hatte. Über die Jahre hinweg erkannten die anderen Mitgliedstaaten, dass diese Kooperation für Österreich eine Priorität darstellte. 

Erfolgsfaktor Fähigkeit zur internationalen Zusammenarbeit

 

Eine klare Struktur in der internationalen Zusammenarbeit schafft Klarheit und Transparenz und somit Vertrauen zwischen allen beteiligten Partnern. Mit der Durchführung der ersten Kurse bis zur Etablierung von ECMAN konnten die Mitgliedstaaten und die EDA auf ein bewährtes System der Kommunikation zurückgreifen. Alle Maßnahmen von der Erarbeitung, Abstimmung, Beschlussfassung bis hin zur Adaption einer Kooperationsvereinbarung, konnten mit einer Kontaktstelle - in diesem Falle die zuständige Abteilung Transformation im BMLV - durchgeführt werden. Dies umfasste auch die Durchführung internationaler Besprechungen unter Einbindung der interessierten Mitgliedstaaten, die Fragen zum Teil direkt an die verantwortliche Dienststelle adressierten.

Parallel zu diesen Prozessen pflegte die EDA intensiven Kontakt zu den operativ tätigen Personen unter Einbeziehung der Abteilung Transformation. Die klaren Vorstellungen der „Umsetzer oder Durchführer“ und das vorhandene Fachwissen über Möglichkeiten und Grenzen im Bereich MNT waren kontinuierliche Wegbereiter der Zusammenarbeit. Die letztendlich erhöhte Anzahl an Ausbildungswochen - ohne Berücksichtigung des zeitlichen Aufwands für die Herstellung der komplexen Sprengstofffallen - war kein Hindernis, trotzdem jährlich zwei internationale Besuchertage abzuhalten. Diese wurden nicht nur von den teilnehmenden Mitgliedstaaten angenommen, sondern auch von anderen Mitgliedstaaten und internationalen Organisationen wie dem Center of Excellence Counter Improvised Explosive Devices (CoE C-IED) oder der European Union Agency for Law Enforcement Cooperation (EUROPOL) geschätzt.

Initiierung eines Folgeprojektes

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit Österreich als federführendem Staat, positiven Rückmeldungen seitens teilnehmender Mitgliedstaaten, des weiterhin vorhandenen hohen Bedarfes an dieser Fähigkeit und der damit verbundenen Erfolgsmöglichkeit eines Folgeprojektes, wurden seitens der EDA frühzeitig erste Überlegungen angestellt. Die ersten Besprechungen zwischen Österreich und der EDA wurden nach einer internen Analyse durchgeführt. Dabei konnte auf der Arbeitsebene schnell eine gemeinsame Basis gefunden werden, die laufend zwischen Österreich und der EDA weiterentwickelt wurde.

Im Frühjahr 2015 wurden erste Ansätze zu einem Folgeprojekt im internationalen Project Team Counter Improvised Explosive Devices (C-IED) der EDA präsentiert. Bereits im Herbst 2015 konnte bei einer Sitzung an der Heereslogistikschule (HLogS) in MNT C&E eine detaillierte Ausarbeitung eines Folgeprojektes angeboten werden. Dabei wurden bereits die ersten Eckpfeiler gesetzt. Der zeitliche Abstand zwischen ersten informellen Absprachen und einem Herantreten an internationale Partner war im internationalen Vergleich äußerst gering und wirkte sich vor allem auf die weitere Bearbeitung positiv aus, da den Mitgliedstaaten ausreichend Zeit zur nationalen Beurteilung zur Verfügung stand. Aus Sicht der EDA überzeugten die effizienten nationalen Prozesse der Entscheidungsfindung im internationalen Rahmen.

Die positiven Rückmeldungen der Mitgliedstaaten führten rasch zu einer Ausformulierung einer Outline Description (OD), die bereits im Jänner 2016 durch den Lenkungsausschuss der EDA angenommen wurde. Mit diesem Beschluss konnten die Ausarbeitungen der Kooperationsvereinbarung beginnen. Bereits im Juni 2016 lud man zu einer Arbeitsgruppe ein. In der dritten Arbeitsgruppe konnte am 11. Jänner 2017 eine Einigung in fachlicher Hinsicht und auf juristischer Ebene erzielt werden. Die zuständigen nationalen Direktoren unterzeichneten am 23. März 2017 in Brüssel die Kooperationsvereinbarung ECMAN.

(Foto: ÖBH/ECMAN/Heereslogistikschule)
(Foto: ÖBH/ECMAN/Heereslogistikschule)

Kooperationen und deren Implikationen

Kooperationen zwischen mehreren Mitgliedstaaten erfordern einen höheren Abstimmungsbedarf und eine größere Flexibilität von allen Beteiligten. Mit einer national abgestimmten Position treten alle Mitgliedstaaten in die Verhandlungen, die meistens nach Diskussion mit den Partnern nachjustiert werden müssen. Dieser Vorgang beansprucht je nach Komplexität eines Projektes, Flexibilität der Verhandler oder Wissen über den Bedarf der Partner, einen bestimmten Zeitraum. Der Zeitfaktor kann aber minimiert werden, wenn die vorab angesprochenen Faktoren klar kommuniziert werden und innerhalb der Gruppe eine Vertrauensbasis herrscht. Im Falle der detaillierten Ausarbeitungen von ECMAN wurden diese Faktoren berücksichtigt. Daher konnte die Basis für ECMAN, von der Annahme der Outline Description bis zur Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung, innerhalb eines Jahres geschaffen werden.

Ein besonderer Aspekt im Zusammenhang mit einer Kooperation ist der letzte Schritt. In den verschiedenen Mitgliedstaaten gibt es unterschiedliche Prozesse und Voraussetzungen, wer in einer verbindlichen internationalen Zusammenarbeit zeichnungsbefugt ist. In Irland muss eine Kooperationsvereinbarung zum Beispiel über die Regierung in das Parlament eingebracht werden. Dieser Prozess erfordert einen erhöhten Zeitaufwand. Der Zeitplan zwischen dem letzten Treffen der Arbeitsgruppe im Jänner 2017 und der Unterzeichnung im März 2017 konnte von Seiten Irlands nicht eingehalten werden. Die nachträgliche Ratifizierung durch Irland war allerdings eingeplant und stellte daher keine Gefahr für ECMAN dar.

Teil 2 - Die Zukunft

Mag. Johann Fischer ist Head of Unit & Land Logistics bei der European Defence Agency in Brüssel.

 

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