• Veröffentlichungsdatum: 22.08.2018

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Ausgemustert und befördert

Othmar Wohlkönig

Ende Februar 2018 wurden 679 hochmotivierte und bestens ausgebildete neue Unteroffiziere an die Truppe übergeben. Die Masse davon wurde am 28. Februar bei einem Festakt an der Heeresunteroffiziersakademie zum Wachtmeister befördert und zur Truppe ausgemustert. Damit wurden sie in die Verantwortung der Einheiten und in die Hände der dortigen Kommandanten übergeben, die sie nun begleiten und unterstützen werden. Nicht nur die große Anzahl der jungen Wachtmeister stimmt zuversichtlich, sondern auch die Tatsache, dass sich 157 Personen für eine Laufbahn in der Miliz entschieden und ebenfalls einer umfangreichen Ausbildung unterzogen haben.

Einhergehend mit der Personaloffensive des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) wurde im September 2016 mit einer neuen Form der Kaderausbildung begonnen. Aufgrund des hohen Bedarfs an Kadersoldaten, vor allem bei den Gruppenkommandanten, aber auch aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen während der langen und durch häufige Unterbrechungen geprägten Ausbildung viele Kaderanwärter „auf dem Weg ihr Ziel verloren“ haben, wurde die Ausbildung angepasst. Nun erlangen die Unteroffiziersanwärter den Dienstgrad Wachtmeister in der 18-monatigen komprimierten und durchgehenden Kaderanwärterausbildung. Auch wenn es zu Beginn - wie bei fast allem Neuen - kritische Stimmen gab, hat sich schon beim ersten Durchgang dieser Ausbildung herausgestellt, dass der richtige Weg eingeschlagen und die Erwartungen dieser Maßnahme sogar übertroffen wurden.

Mit dem gemeinsamen Beginn der Ausbildung der Berufsoffiziers- und Berufsunteroffiziersanwärter wurde zusätzlich eine Verschmelzung der Präsenz- und Milizkräfte erreicht. Eine Maßnahme die auch die gegenseitige Akzeptanz aller Personengruppen erhöhen soll. Schließlich sind gerade auf der Gruppenebene die Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein angehender Offizier- oder Unteroffizier, egal ob er dem Miliz- oder dem Präsenzstand angehört, de facto gleich. Daher können mit der aktuellen Zusammenlegung die Doppelgleisigkeiten der früheren Ausbildungssysteme vermieden, Synergien besser genutzt und Ausbildungsressourcen ökonomischer eingesetzt werden. Mit dieser Form der Ausbildung, aber auch durch die Arbeit des Ausbildungspersonals ist es gelungen, die Austritts- und Ausscheiderate wesentlich zu senken. Der anhaltende Zulauf ist ein Beweis dafür, dass das Berufsbild des Unteroffiziers sowie des Offiziers für die junge Generation wieder attraktiv ist. Das ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass die Laufbahn in Bezug auf die Ausbildungsdauer und das Ausbildungssystem planbarer, transparenter und kürzer geworden ist.

Noch nie in der Geschichte des ÖBH befanden sich so viele Soldaten zur selben Zeit an so vielen unterschiedlichen Orten, um als künftige Führungskräfte ausgebildet zu werden. Das stellt nicht nur die Heeresunteroffiziersakademie, die Waffen- und Fachschulen, sondern auch die Truppe vor große Herausforderungen. Immerhin waren annähernd 500 Gruppen- und Zugskommandanten in über 30 Kompanien dafür verantwortlich, den Kadernachwuchs auf die künftigen Herausforderungen als Kommandant vorzubereiten. Eine gemeinsame Anstrengung die sich lohnt, denn mit dieser Form der Ausbildung, basierend auf einer funktionierenden Personalwerbung und -planung, kann der notwendige Nachwuchs zügig ausgebildet werden, um der Truppe rasch zur Verfügung zu stehen.

Die fehlende Truppenpraxis vor dem Ersteinsatz als Ausbilder und Kommandant war und ist ein Kritikpunkt an der aktuellen Kaderanwärterausbildung. Dieser Umstand ist jedoch nicht neu, denn bereits vor etwa zwanzig Jahren gab es beim ÖBH ein System, bei dem die Ausbildung zum Wachtmeister innerhalb eines Jahres stattfand. Viele damalige Kursteilnehmer sind noch heute im Dienststand und bewähren sich tagtäglich in den unterschiedlichen Kommandanten-, Fach- und Spezialfunktionen, in denen sie tätig sind.

Allen Bediensteten des ÖBH muss bewusst sein, dass aufgrund der Werbemaßnahmen einerseits die Erwartungshaltung der Kaderanwärter hoch ist und andererseits der Personalzulauf auch in den kommenden Jahren nicht abreißen wird. Das ist zwar eine grundsätzlich positive Entwicklung, die das ÖBH jedoch personell fordert und hinsichtlich der finanziellen und materiellen Ressourcen teilweise an die Grenzen des Machbaren führt. Dennoch haben alle beteiligten und handelnden Personen danach zu streben, die jungen Soldaten - von denen jeder Einzelne dringend benötigt wird - entsprechend einer modernen Armee auszurüsten, unterzubringen und auszubilden. Darüber hinaus hat das Kader den frisch ausgemusterten Wachtmeistern kameradschaftlich zu begegnen und sie in allen dienstlichen Bereichen zu unterstützen, um gemeinsam mit ihnen die Streitkräfte weiterzuentwickeln und das Bundesheer der Zukunft zu formen.

Vizeleutnant Othmar Wohlkönig ist Kommandounteroffizier der Streitkräfte.

 

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