• Veröffentlichungsdatum: 31.05.2018
  • – Letztes Update: 01.06.2018

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SETC18 - Rumänien

Jörg Loidolt

(Foto: nicubunu, CC BY-SA 2.0; pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)
(Foto: nicubunu, CC BY-SA 2.0; pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)

Neben dem Vereinigten Königreich und Schweden ist Rumänien der dritte „Rookie“ bei der SETC18. Das Land am Donaudelta hat strategisch eine ähnliche Ausgangslage wie Polen. Rumänien hat zwar keine direkte Grenze mit Russland, aber zu Moldawien, in dessen Ostregion Transnistrien es einen ähnlich eingefrorenen Konflikt wie im ukrainischen Donbass-Gebiet gibt.

Die rumänische Armee hat sich nach dem NATO-Beitritt, der im Jahr 2004 erfolgte, als Truppensteller für internationale Missionen einen Namen gemacht. Sowohl die Spezialkräfte, die 6. Special Operations Brigade und die beiden Gebirgsbrigaden sind ausreichend ausgerüstet und genießen aufgrund ihres Engagements einen guten Ruf bei den NATO-Partnern.

Gliederung der rumänischen Panzerkräfte

Der Kampfpanzer TR-85 ist ein modernisierter T-55 aus sowjetischer Produktion. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)
Der Kampfpanzer TR-85 ist ein modernisierter T-55 aus sowjetischer Produktion. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)

Durch diese Spezialisierung der rumänischen Streitkräfte gingen aber - wie in vielen anderen Armeen auch - die konventionellen Fähigkeiten schrittweise verloren. Neben dem stark veralteten Gerät fehlt es beispielsweise an der Führungsunterstützung und der Führungsfähigkeit.

Im Bereich der schweren Teile gibt es fünf Panzerbataillone, je eines pro mechanisierter Brigade. Unter diesen fünf Brigaden ist die 282. Brigade als „High Readiness Brigade“ hervorzuheben. Die 282. und die 2. Gebirgsbrigade weisen den höchsten Ausbildungsstand auf und bilden den Kern der neu zu formierenden zwei Divisionen zur konventionellen Einsatzführung.

Die Art und Anzahl der einsatzbereiten Kampfpanzer schwankt stark in den vorhandenen Quellen, wobei teilweise von über 700 Stück gesprochen wird. Die Basis für die beiden in Verwendung stehenden Panzertypen TR-580 und TR-85 ist der sowjetische Kampfpanzer T-55. In zwei Modernisierungswellen wurde in den 1970er Jahren der TR-580 (im Westen auch TR-77 genannt) und um die Jahrtausendwende der TR-85 weiterentwickelt.

Aufgrund der unklaren Gesamtlage ist die Gliederung der Verbände, Kompanien oder Züge nicht darstellbar. Rumänien hat, ähnlich wie Polen, erfolglos versucht gebrauchte „Leopard“ 2 in Verbandsstärke zu kaufen, wurde dabei aber nicht fündig. Angeblich gibt es seitens der U.S. Army ein Angebot zur Überlassung eines „Abrams“-Bataillons.

Die Garnisonen der rumänischen Panzerbataillone. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)
Die Garnisonen der rumänischen Panzerbataillone. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)

Kampfpanzer TR-85

Ein Kampfpanzer TR-85 bei einer Parade in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. (Foto: nicubunu; CC BY-SA 2.0)
Ein Kampfpanzer TR-85 bei einer Parade in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. (Foto: nicubunu; CC BY-SA 2.0)

Der TR-85 ist ein Beispiel für die Erhaltung eines Fahrzeuges über seinen Lebenszyklus hinaus. Im Kern ist er ein T-55 geblieben, was sich am deutlichsten bei seiner Hauptwaffe zeigt. Diese ist eine rumänische Lizenzproduktion der gezogenen 100-mm-Panzerkanone 56L D-10T2S sowjetischer Herkunft. Diese Version verfügt zwar über eine Stabilisierung, das Kaliber ist gegen moderne Panzer jedoch de facto unwirksam.

Die Tatsache, dass die Besatzung noch aus vier Mann, inklusive einem Ladeschützen besteht, zeigt ebenfalls, aus welcher Ära der Panzer stammt. Schließlich besitzen alle modernen Ost-Panzer einen Ladeautomaten. Zusatzpanzerungen erhöhen die Überlebensfähigkeit der Besatzung zwar etwas, verringern jedoch die Mobilität. Die letzten Versionen dieses Kampfpanzers wiegen 50 Tonnen und haben einen 830 PS starken 10-Zylinder-Motor. Die daraus resultierenden 16,6 PS/Tonne sind am unteren Ende der Leistungskurve zeitgemäßer Kampfpanzer angesiedelt. Der TR-85 verfügt über einen elektronischen Feuerleitrechner, und die Ziel- und Sichteinrichtungen ermöglichen Tag- und Nachtsicht, die Zuverlässigkeit ist aber fragwürdig.

Einschätzung der rumänischen Mannschaft

Die rumänische Mannschaft verfügt sicherlich nicht über das beste Gerät. Wird die SETC18 allerdings durch Soldaten des 284. Panzerbataillon „Galati“ beschickt, so wären NATO-erprobte Soldaten bei dem Wettkampf vertreten, die in Rumänien bereits gemeinsam mit US-Verbänden geübt haben. Die Rumänen zählen vermutlich nicht zu den Anwärtern für einen Platz „auf dem Stockerl“. Unterschätzen darf man sie dennoch nicht, schließlich hätte auch den Soldaten des Panzerbataillons 14 kaum jemand den Sieg beim ersten Antreten zugetraut. Somit gilt für die Rumänen: Unterschätzt man sie, darf man sich nicht wundern, von ihnen geschlagen zu werden.

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillons 14 im Welser #panzerhort.

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