• Veröffentlichungsdatum: 04.06.2018
  • – Letztes Update: 24.08.2018

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Die drei neuen Fahrzeugtypen des Bundesheeres

Tristan Nikischer

(Foto: RedTD/Nikischer)

Am 4. Juni 2018 wurden in der Rossauer Kaserne drei neue Fahrzeugtypen des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) vorgeführt und präsentiert: das Aufklärungsfahrzeug „Dingo“ 2, das geschützte Universalgeländefahrzeug BvS10 AUT Hägglunds und der "Pandur Evolution".

Insgesamt 106 Fahrzeuge mit einer Beschaffungssumme von insgesamt 256 Millionen Euro wurden 2016 bei drei verschiedenen Firmen - BAE Systems, Steyr-Daimler-Puch und Krauss Maffei Wegmann (MKW) - in Auftrag gegeben. Im Zeitraum von 2017 bis 2019 werden sie an die Truppe ausgeliefert. Dieser Artikel stellt die drei neuen Fahrzeuge näher vor.

„Pandur Evolution“ Mannschaftstransportpanzer

Die Besatzung eines „Pandur Evolution“ vor ihrem Fahrzeug. (Foto: RedTD/Nikischer)

Am 4. Juni 2018 stellte das ÖBH ein neues Fahrzeug in der Rossauer Kaserne der Öffentlichkeit vor: der Mannschaftstransportpanzer „Pandur Evolution“.

2016 wurde die Beschaffung von insgesamt 34 Stück des Mannschaftstransportpanzers bei der Firma Steyr-Daimler-Puch in Auftrag gegeben. Gefertigt wird der „Pandur Evolution“ in Simmering/Wien. Der „Pandur“ ist eines der meistgenutzten Fahrzeuge des ÖBH. Er hat sich auch bei zahlreichen Auslandseinsätzen und Missionen als rasch und zuverlässig einsetzbar bewährt. Nun kommt die nächste Generation dieses Fahrzeugtyps.

Die Front des Fahrzeuges. (Foto: RedTD/Nikischer)
Besatzung eines „Pandurs“. (Foto: RedTD/Nikischer)

Ausstattung und Kosten

Die neue Verladerampe des „Pandurs“. (Foto: RedTD/Nikischer)

Aufgrund dieser starken Nutzung zählt der „Pandur“ zu den Engpassgeräten. Für die zukünftige Nutzung werden daher alte Fahrzeuge auf- und nachgerüstet beziehungsweise neue angeschafft. Der neuentwickelte „Pandur EVO“ verfügt über einen erhöhten Minenschutz, mehr Platzangebot im Inneren, größere Fahrsicherheit (Anti-Blockier-System), eine integrierte ABC-Anlage sowie eine leistungsfähigere Elektronik. Die Absitzstärke beträgt nun 1:7 (statt 1:6), das Aufwuchspotential beträgt 1,2 Tonnen, was mehr Schutz bietet, und die Leistung wurde auf 20 kW/t (bisher 11,3 kW/t) gesteigert, was die Mobilität erhöht. Außerdem verfügt der „Pandur“ nun über eine Rampe statt Hecktüren.

Der „Pandur EVO“ ist mit der gleichen Waffenstation (überschweres Maschinengewehr M2) ausgestattet, die auch bei den älteren Versionen verwendet wurde. Die Neuentwicklung verfügt über eine hohe logistische Gleichheit und ist in der Bedienung den älteren Versionen ähnlich, sodass ein minimaler Schulungsaufwand für die zukünftigen Besatzungen notwendig ist.

Der „Pandur Evolution“ hat sechs Räder auf drei Achsen verteilt. (Foto: RedTD/Nikischer)
Die Waffenstation des „Pandur Evolution“. (Foto: RedTD/Nikischer)

 

Die Kosten der Beschaffung belaufen sich auf circa 105 Millionen Euro. 2018 wird es den ersten Zulauf des Fahrzeuges zur Testung bei der Truppe geben.

Das geschützte Universalgeländefahrzeug BvS10 AUT Hägglunds

Zwei Fahrzeugteile des Hägglunds sind über ein Gelenk verbunden. (Foto: RedTD/Nikischer)

Die Präsentation dieser Neuanschaffung, die bereits 2016 eingeleitet wurde, fand ebenso am
4. Juni 2018 in der Rossauer Kaserne statt. 32 Stück des geschützten Universalgeländefahrzeug BvS10 AUT Hägglunds wurden beim schwedischen Rüstungskonzern BAE Systems in Auftrag gegeben.

Das Rundumsichtsystem verschafft Überblick im Einsatz. (Foto: RedTD/Nikischer)

Ausstattung und Kosten

Das Fahrzeug besteht aus zwei Fahrzeugteilen, die über ein Gelenk miteinander verbunden sind. Der BvS10 AUT Hägglunds ist äußerst geländegängig und kann mittels einer Auftriebshilfe sogar schwimmfähig gemacht werden. Zusätzlich besitzt das Fahrzeug einen erhöhten Minen- und Ballistikschutz sowie eine ABC-Schutzanlage zum Schutz von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren. Die Waffenstation (überschweres MG M2 im Kaliber 12,7 mm) ist elektrisch fernbedienbar und ein Rundumsichtsystem verschafft der Besatzung Überblick im Einsatz. Zusätzlich ist ein Maschinengewehr 74 auf dem hinteren Teil des Fahrzeuges verbaut.

Neben den Fahrzeugen werden 16 Anhänger und jeweils zwei Rüstsätze zur Verwendung als Gefechtsstands- und Sanitätstransportfahrzeug angeschafft. Die hohe Mobilität des Hägglunds erlaubt den Transport von Soldaten und Material in schwerzugänglichem Gelände wie Gebirgen.

Die Kosten der Anschaffung belaufen sich auf rund 85 Millionen Euro. Im Zeitraum von 2018 bis 2019 sollen die Fahrzeuge an die Gebirgstruppen und das Pionierbataillon 2 ausgeliefert werden.

Ein Soldat des ÖBH vor einem BvS10 AUT Hägglunds. (Foto: RedTD/Nikischer)
Ein MG74 ist auf dem hinteren Teil des Hägglunds verbaut. (Foto: RedTD/Nikischer)

Aufklärungsfahrzeug „Dingo“ 2

„Dingo“ 2 A3 PatSI. (Foto: RedTD/Nikischer)

2016 fiel der Entschluss des ÖBH 58 Stück des Aufklärungsfahrzeuges „Dingo“ 2 zu beschaffen. Das neue Patrouillensicherungsfahzeug „Dingo“ 2 A3 PatSI und das Materialerhaltungsfahrzeug „Dingo“ 2 A4 MatE werden zwischen 2017 und 2018 der Truppe übergeben. 

Die Besatzung vor einem „Dingo“ 2 A3 PatSI. (Foto: RedTD/Nikischer)

Ausstattung und Kosten

Diese Fahrzeugssysteme haben sich bereits bei der Deutschen Bundeswehr in Auslandseinsätzen, wie etwa in Afghanistan, bewährt. Der „Dingo“ 2 wird bei der deutschen Firma Krauss Maffei Wegmann (KMW) gefertigt. Das neue Aufklärungsfahrzeug des ÖBH verfügt neben einer Basis-Sensorik und einer Waffenstation mit einem Maschinengewehr 74 zusätzlich über eine elektrisch fernbedienbare Waffenstation (efWs), ein Wärmebildgerät und ein Laserentfernungsmessgerät. Bei einigen Modellen ist noch eine digitale Wetterstation verbaut.

Mit dem „Dingo“ 2 ist es möglich - splitter- und minengeschützt -Strahlungswerte und Chemieeinsätze festzustellen. Hierbei muss die Besatzung das 12,5 Tonnen schwere Fahrzeug nicht verlassen und bleibt folglich bei ihren Tätigkeiten geschützt. In das Aufklärungsfahrzeug können keinerlei chemische Stoffe eindringen, da es über ein Überdrucksystem verfügt.

Das Materialerhaltungsfahrzeug „Dingo“ 2 A4 MatE bei geöffnetem Verdeck. (Foto: RedTD/Nikischer)
„Dingo“ 2 A3 PatSI Frontansicht. (Foto: RedTD/Nikischer)

Die neuen, optimierten Fahrzeuge haben auch eine höhere Nutzlast und eine Drei-Farb-Flecktarnung. 2017 wurde die erste Tranche mit 18 Stück an die Truppe übergeben. Die zweite Tranche mit den restlichen 40 Stück wird ab Ende 2018 ausgeliefert (vier Stück pro Monat). Die Beschaffungskosten betragen ungefähr 64 Millionen Euro.

Der Kofferraum des Patrouillensicherungsfahzeug „Dingo“ 2 A3 PatSI. (Foto: RedTD/Nikischer)

Tristan Nikischer, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Kauf Michael // 05.06.2018, 10:55 Uhr Sehr geehrte Redaktion!
    Wenn schon wenig vorhanden und beschafft wird, so muss es zumindest eine sehr gute Qualität bieten - und m. E. ist das hier gegeben. Auf die Benutzertauglichkeit und Wartungsarmut wurde offenbar viel Wert gelegt, die Soldaten werden es schon in Friedenszeiten danken.
    Was mich wundert ist, dass von einer 3 Farbentarnung gesprochen wird, diese 3. Farbe aber schon sehr unscheinbar ist. Als an "Camouflage" schon aus Bastelzeiten Interessiertem, halte ich eine 3 Kontrastfarbe wie Ocker, Coyote tan, oder ähnlich für wirksamer, weil die Konturen damit aufgebrochen werden. Allerdings werden ja im BH oft Tarnnetze verwendet, die, wenn man hochwertiges wie von Barracuda nimmt, noch viel besser in allen Spektralbereichen wirken.
    Jedenfalls hätte ich (EF 1977) mich damals (PzB 10, 33) sehr über einiges von heute gefreut.
    Ich wünsche allen Benutzern eine unfallfreie Fahrt und
    beste Grüße!
    Michael Kauf, Olt dRes