• Veröffentlichungsdatum: 11.03.2019
  • – Letztes Update: 04.04.2019

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Spuren der Militär-Luftfahrt in Mostar

Manuel Martinovic

(Fotos: Archiv Martinovic; gemeinfrei/ Montage: Keusch)
(Fotos: Archiv Martinovic; gemeinfrei/ Montage: Keusch)

Teil 1: Von 1912 bis 1945

Die Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina ist vor allem für ihre Altstadt und die „Alte Brücke“ bekannt. Diese ist ein Symbol der Kulturgrenze zwischen dem Morgen- und dem Abendland, die nicht nur am Bosporus, sondern auch am Balkan verläuft. Weniger bekannt hingegen ist, dass Mostar in den vergangenen hundert Jahren ein Zentrum der militärischen Luftfahrt war. Der Grund dafür ist die strategische Lage der Stadt am Tor zur Herzegowina und dem adriatischen Hinterland. Diese Lage ist auch der Grund, warum Mostar im 20. Jahrhundert zum Schauplatz von Kriegen und bewaffneten Konflikten wurde.

Am 25. Juni 1903 landet ein Flugzeug der k.u.k.-Streitkräfte im bosnischen Dorf Rakovica zwischen Banja Luka und Doboj. An Bord sind drei kroatische Offiziere der Habsburgerarmee, die in Wien gestartet waren. Mit ihrer Ankunft beginnt das Zeitalter der Luftfahrt in Bosnien-Herzegowina. Seit diesem Zeitpunkt finden in unregelmäßigen Abständen Armeeflüge von der Reichshauptstadt Wien in die bosnischen Städte Maglaj oder Bosanska Gradiška statt. Eine weitere Pioniertat der frühen Luftfahrtjahre am Balkan sind die Flüge von Ivan Vidmar, die er von Triest aus nach Kroatien unternimmt. Am 10. August 1912 führt ihn einer dieser Flüge nach Mostar. An diesem Tag sehen die Bewohner der Stadt an der Neretva zum ersten Mal eines dieser modernen Fluggeräte, die für die Region in den nächsten Jahrzehnten noch von Bedeutung sein werden.

Flugfeld Jasenica

Flugschüler des NDH-Staates bei der Ausbildung in Mostar. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Flugschüler des NDH-Staates bei der Ausbildung in Mostar. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)

Ab dem Jahr 1912 entwickelt sich die k.u.k.-Luftfahrt in immer schnellerem Tempo. Verantwortlich dafür ist vor allem Oberst Emil Uzelac, der seine familiären Wurzeln in der serbischen Lika hat und zum Kommandanten der k.u.k.-Luftfahrttruppen bestellt wird. 1913 werden Flugschulen in Görz, Wiener Neustadt, Fischamend, Przemysl sowie Sarajewo und Novi Sad gegründet, in denen Militär- und Feldpiloten ausgebildet werden. Am 2. Mai 1913 wird etwa fünf Kilometer südlich von Mostar auf dem Bisce Polje (Gemeinde Rodoc) das Militärflugfeld Jasenica mit zunächst vier stationierten Flugzeugen gegründet. Bereits 15 Tage nach Gründung des Fliegerhorstes kommt es zu einer Katastrophe. Der Kommandant des Flugplatzes, Hauptmann Teodat Andric, ist mit seinem Techniker, Joseph Flassing, in einem „Lohner Pfeilflügler“ in den Südwesten Bosnien-Herzegowinas aufgebrochen. In etwa 2.000 m Höhe fliegt er zunächst in das 25 km entfernte Nevesinje und von dort 65 km weiter nach Trebinje. Beim Rückflug, der ihn auch über das Neretvatal führt, verliert Andric bei Capljina das Bewusstsein und die Kontrolle über die Maschine. Das Flugzeug kann von Flassing zwar so weit unter Kontrolle gebracht werden, dass es nicht zu Boden „fällt“, ein Absturz ist aber unvermeidbar. In letzter Sekunde springt Flassing aus etwa drei Meter Höhe aus dem Cockpit und wird leicht verletzt. Andric überlebt diesen Unfall jedoch nicht.

Das Wrack des Flugzeuges, in dem Teodat Andric tödlich verunglückte. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Das Wrack des Flugzeuges, in dem Teodat Andric tödlich verunglückte. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Hauptmann Teodat Andric, der erste Kommandant des k.u.k.-Flugfeldes in Jasenica. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Hauptmann Teodat Andric, der erste Kommandant des k.u.k.-Flugfeldes in Jasenica. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Die Gebäude auf dem Flugfeld in Jasenica während der k.u.k.-Ära. (Foto: Archiv Manuel Martinovic)
Die Gebäude auf dem Flugfeld in Jasenica während der k.u.k.-Ära. (Foto: Archiv Manuel Martinovic)
General Emil Uzelac. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)
General Emil Uzelac. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)

Die k.u.k.-Luftfahrttruppe im Ersten Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutet für die (Militär-)Luftfahrt eine sprunghafte Entwicklung. Das zeigt sich auch in der stetigen Anpassung der Struktur, der damals noch neuen Fliegertruppe. Emil Uzelac krempelt die Organisation um, und unterstellt die Fliegerkompanien (entspricht einer Staffel) an Verbände der Landstreitkräfte. Das ist auch in ihrer damaligen Aufgabe begründet, da Flugzeuge damals vor allem zur Aufklärung eingesetzt werden.

Fliegerkompanien

Diese Einheiten bestehen aus acht Flugzeugen, von denen sechs einsatzbereit sind und zwei gewartet werden und als Reserve dienen. Die Standardkompanie besteht aus 181 Mann: elf Offiziere (Kommandant, Kommandant-Stellvertreter und „Erster Pilot“, ein technischer Offizier und acht Beobachtungsoffiziere), 170 Unteroffiziere und Chargen. Sieben der acht Piloten sind Unteroffiziere. Die Masse des Personals hat Wartungs-, Instandhaltungs- sowie Verwaltungsaufgaben zu erfüllen. Ein Teil der Fliegerkompanie (etwa 60 Mann) ist als Sicherungselement vorgesehen. Die Struktur der Kompanien unterscheidet sich aufgrund kriegsbedingter und sonstiger Ausfälle, unterschiedlicher Ausrüstung sowie der zunehmenden Spezialisierung deutlich voneinander. Deshalb wird die Gliederung gemäß dem Organisationsplan weder personell noch materiell de facto nie erreicht.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gibt es neben fliegenden Aufklärungskompanien auf Korps- und Divisionsebene auch Fernspäh- oder Fotoaufklärungskompanien sowie Schlachtfliegerkompanien für die Unterstützung der Infanterie. Zusätzlich existieren Jagdfliegerkompanien, die gegen andere Flieger kämpfen sollen und über bis zu 18 Maschinen verfügen. Bis zum Kriegsende werden insgesamt 85 solcher Kompanien gegründet, von denen jedoch nicht mehr alle eingesetzt werden können. In Mostar ist die 4. und 6. Fliegerkompanie stationiert, die aus den friedenmäßigen Flugparks 4 und 5 hervorgegangen sind.

 

Ein Flugzeug vom Typ Albatros D.III, die von den k.u.k.-Luftstreitkräften und später vom SHS-Königreich verwendet wurden. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Ein Flugzeug vom Typ Albatros D.III, die von den k.u.k.-Luftstreitkräften und später vom SHS-Königreich verwendet wurden. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Flugzeug vom Typ Hansa Brandenburg während des Ersten Weltkrieges in Mostar. (Foto: Archiv Martinovic)
Flugzeug vom Typ Hansa Brandenburg während des Ersten Weltkrieges in Mostar. (Foto: Archiv Martinovic)

Fliegerersatzkompanie

Die Ausbildung des gesamten luftfahrttechnischen Personals - vom Piloten über den Mechaniker bis zum Hilfspersonal - erfolgt in den Fliegerersatzkompanien, die sich im Hinterland befinden. Österreichische Städte wie Wiener Neustadt, Klagenfurt oder Graz beherbergen solche Einheiten. In Bosnien-Herzegowina gibt es zwei von diesen Kompanien: eine in Mostar (11. Kompanie) und eine in Rajlovac bei Sarajewo (14. Kompanie). Bis zum Kriegsende werden 22 Fliegerersatzkompanien gegründet, die den zwei Bataillonen der Fliegerersatztruppe unterstellt sind.

Fliegerarsenal

Das Fliegerarsenal ist kein Teil der k.u.k.-Luftfahrttruppe, sondern ein selbstständiges Element des k.u.k.-Kriegsministeriums. Seine Aufgabe liegt in der Verwaltung, Beschaffung, Testung, Instandhaltung sowie Entwicklung der gesamten Ausrüstung der Fliegertruppe. So wird jedes Flugzeug durch einen Piloten des Fliegerarsenals getestet und überprüft, bevor es den k.u.k.-Streitkräften übergeben wird. Der Hauptstandort liegt in Fischamend, wobei es Außenstellen in Aspern, Wien und anderen Orten - vor allem in Österreich - gibt. Etwa 10.000 Mann (ca. 450 Offiziere) dienen in diesem territorialen Organisationselement.

Fliegeretappenpark

Diese logistisch-technischen Einheiten im Hinterland der Front sind das Bindeglied zwischen dem Fliegerarsenal und den Fliegerkompanien. Sie haben im Wesentlichen zwei Aufgaben: Erstens sind sie für die Versorgung der Fliegerkompanien in luftfahrttechnischen Belangen zuständig, wobei sie Flugzeugteile, Motoren, Fotoapparate, Waffen, spezielle Ersatzteile etc. bereithalten und ausliefern. Zweitens sind sie für jene speziellen Reparaturen zuständig, die die Fliegerkompanien nicht selbst bewerkstelligen können. Insgesamt elf Fliegeretappenparks sowie vier Fliegerwerkstätten (nur Reparatur, keine sonstigen Logistikaufgaben) werden bis zum Kriegsende 1918 eingerichtet.

Etrich-Taube der k.u.k.-Luftfahrttruppe, die im Ersten Weltkrieg nur mehr bedingt eingesetzt wurde. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)
Etrich-Taube der k.u.k.-Luftfahrttruppe, die im Ersten Weltkrieg nur mehr bedingt eingesetzt wurde. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)

Die jugoslawischen Luftstreitkräfte nach 1918

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Habsburgermonarchie im November 1918 gibt es auf dem Territorium des späteren Jugoslawien zunächst zwei Staaten: das Königreich Serbien und der „Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“. Dieser erstreckt sich mit Masse auf die heutigen Staaten Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, existiert jedoch nur zwei Monate. Eine kurze Zeit, aber lange genug, um die Basis der jugoslawischen Luftwaffe zu schaffen.

Viele Angehörige der k.u.k.-Luftfahrtruppe, die aus dem südslawischen Raum stammen, identifizieren sich mit einem gemeinsamen Staat der Südslawen (= Jugoslawien). Aus diesem Grund fliegen sie mit ihren Flugzeugen in dessen zukünftiges Staatsgebiet und „liefern“ sie dort ab. Im November 1918 werden in Zagreb die Luftstreitkräfte des neu aufgestellten Verteidigungsministeriums gegründet. Ihre erste Aufgabe ist es, das gesamte Luftfahrtmaterial auf seinem Territorium zu sammeln und zu inventarisieren.

Im selben Monat werden die ersten drei Fliegerstaffeln in Zagreb, Zemun und Brod aufgestellt, bald darauf jene in Rajlovac und Mostar. Kurze Zeit später werden die Luftstreitkräfte in vier Gruppen mit mehreren Kompanien gegliedert. Die Standorte der Gruppen sind Zagreb, Ljubljana, Rajlovac und Mostar, da sie über einen Militärflugplatz und die logistische Infrastruktur verfügen. Die neuen Luftstreitkräfte werden nach dem grundsätzlichen Vorbild der k.u.k.-Luftfahrttruppe organisiert. Sie verfügen über eine Luftflotte von etwa 200 Flugzeugen, die jedoch nicht alle flugtauglich sind. 23 Maschinen sind in Mostar stationiert.

Am 1. Dezember 1918 werden das Königreich Serbien und der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben zum ersten jugoslawischen Staat vereint. Dieser heißt nun offiziell „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ (auch SHS-Königreich oder SHS-Staat). Dieses erste Jugoslawien, ist eine konstitutionelle Monarchie, dessen Oberhaupt aus dem serbischen Königshaus Karadjordjevic stammt.

Eine ehemalige k.u.k. Albatros-Maschine in Mostar um 1920. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Eine ehemalige k.u.k. Albatros-Maschine in Mostar um 1920. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Mitglieder des Geschwaders 7 in Mostar in den 1930er-Jahren. (Foto: Archiv Martinovic)
Mitglieder des Geschwaders 7 in Mostar in den 1930er-Jahren. (Foto: Archiv Martinovic)
Eine Hansa-Brandenburg auf dem Flugfeld Jasenica bei Mostar. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Eine Hansa-Brandenburg auf dem Flugfeld Jasenica bei Mostar. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)

Das Ende der Pionierzeit

Das serbische Königreich hatte keine Luftwaffe. Deshalb stützt sich der SHS-Staat materiell auf die ehemalige k.u.k.-Luftfahrttruppe und personell auf die slowenische, kroatische und bosniakische Volksgruppe ab. Aus diesem Grund lässt die nächste Reform der Luftstreitkräfte nicht lange auf sich warten. Bei dieser werden die jugoslawischen Luftstreitkräfte in vier Geschwader gegliedert, die nun in Novi Sad, Sarajewo, Skopje und Zagreb stationiert sind. Die Militärflugplätze in Laibach und Mostar bleiben zwar bestehen, werden jedoch zu Außenstellen, wobei Mostar dem Kommando in Sarajewo unterstellt wird.

1920 kehrt General Emil Uzelac zurück. Der ehemalige Kommandant der k.u.k.-Luftfahrttruppe wird zum Kommandanten der Luftwaffe im SHS-Königreich bestellt. Er schafft das trotz massivem Widerstand im serbischen Offizierskorps, da er im Weltkrieg für die Habsburgermonarchie und somit für die Feindseite gekämpft hat. Uzelac leitet die nächste Reform ein. Er gliedert die Luftstreitkräfte in zwei Luftkommanden (je eines in Novi Sad und Mostar) und ein Fliegerarsenal, das sich in Peterwardein befindet (heute ein Stadtteil von Novi Sad). Im Jahr 1923 ist die Karriere von General Uzelac zum zweiten Mal beendet. Er quittiert den Dienst in den Luftstreitkräften des SHS-Staates und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Auf dem Militärflugplatz in Jasenica bei Mostar befindet sich neben dem Luftkommando auch das Schulgeschwader 9. Ab dem Jahr 1925 verfügt dieses über Flugzeuge der Typen Hansa-Brandenburg, Albatros D.III und der, bereits nach dem Weltkrieg hergestellten, französischen Potez 25. Der Militärflugplatz wird ausgebaut und um einige Gebäude erweitert. Ab den 1930er-Jahren wird eine Ausweichlandebahn, der spätere Flughafen Ortiješ, etwa drei Kilometer südöstlich von Jasenica, errichtet, jedoch so gut wie nie benutzt.

In den folgenden Jahren entwickelt sich die (militärische) Luftfahrt in gewaltigen Schritten weiter, und die letzten Flugzeuge der Pionierzeit der k.u.k.-Epoche werden mit modernen Flugzeugen, beispielsweise aus Deutschland oder Italien, ersetzt. Das Gleiche gilt für die technischen Einrichtungen auf dem Boden. Obwohl die alten Gebäude in Jasenica stehen bleiben und adaptiert werden, ändert sich die Einrichtung und das Gerät aufgrund der neuen und deutlich veränderten Flugzeugtechnik.

Der k.u.k.-Flugzeughangar in Jasenica, der den besten Zustand aufweist im Jahr 2018. (Foto: Manuel Martinovic)
Der k.u.k.-Flugzeughangar in Jasenica, der den besten Zustand aufweist im Jahr 2018. (Foto: Manuel Martinovic)
Seitenansicht des k.u.k.-Flugzeughangars, der später mit Wellplatten verkleidet wurde. (Foto: Manuel Martinovic)
Seitenansicht des k.u.k.-Flugzeughangars, der später mit Wellplatten verkleidet wurde. (Foto: Manuel Martinovic)
Rückseite des Hangars. (Foto: Manuel Martinovic)
Rückseite des Hangars. (Foto: Manuel Martinovic)
Die restlichen Hangars aus der Epoche der k.u.k.-Monarchie sind in desolatem Zustand. (Foto: Manuel Martinovic)
Die restlichen Hangars aus der Epoche der k.u.k.-Monarchie sind in desolatem Zustand. (Foto: Manuel Martinovic)
Blick in einen baufälligen Hangar. (Foto: Manuel Martinovic)
Blick in einen baufälligen Hangar. (Foto: Manuel Martinovic)
(Foto: Manuel Martinovic)
(Foto: Manuel Martinovic)
(Foto: Manuel Martinovic)
(Foto: Manuel Martinovic)
Konstruktion der Torelemente im Bodenbereich. (Foto: Manuel Martinovic)
Konstruktion der Torelemente im Bodenbereich. (Foto: Manuel Martinovic)
Konstruktion der Torelemente im Deckenbereich. (Foto: Manuel Martinovic)
Konstruktion der Torelemente im Deckenbereich. (Foto: Manuel Martinovic)
Das ehemalige Kommandogebäude der Flugfeldkaserne soll in Zukunft ein Museum beherbergen. (Foto: Manuel Martinovic)
Das ehemalige Kommandogebäude der Flugfeldkaserne soll in Zukunft ein Museum beherbergen. (Foto: Manuel Martinovic)
Ehemaliges Mannschaftsgebäude in Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Ehemaliges Mannschaftsgebäude in Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Renoviertes Gebäude in der ehemaligen k.u.k.-Kaserne, das von der Universität Mostar genutzt wird. (Foto: Manuel Martinovic)
Renoviertes Gebäude in der ehemaligen k.u.k.-Kaserne, das von der Universität Mostar genutzt wird. (Foto: Manuel Martinovic)

Relikte der k.u.k.-Luftfahrt in Mostar

Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Jasenica befinden sich vier Flugzeughangars aus der Zeit der Habsburgermonarchie. Diese werden zwischen 1917 und 1918 von der Wiener Firma Waagner-Biro errichtet. Die Gebäude bestehen aus einer massiven Stahlkonstruktion mit vorgefertigten Elementen, die mit großen Bolzen verschraubt sind, und haben eine Holzverkleidung. Die großen Tore lassen sich mit Stahlrollen, die auf Schienen aufgesetzt sind, öffnen und schließen. Die Flugzeughangars sind unterschiedlich groß. Die beiden äußeren haben eine Ausdehnung von 25 x 25 m, die beiden inneren von 30 x 30 m.

k.u.k.-Hangar in Krakau. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
k.u.k.-Hangar in Krakau. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)

Die vier Hangars sind ein Teil des ehemaligen Fliegerhorstes Jasenica. Im Einfahrtbereich der Anlage befindet sich ein Kommandogebäude, in dem ein Museum des 1. Gardeinfanterie-Regiments der bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte entstehen soll. Hinter den Hangars sind mehrere kleinere Gebäude, in denen sich einst Werkstätten und Unterkünfte befanden. Zusätzlich gibt es eine Transformatorstation, die hinsichtlich ihrer Architektur an eine Kapelle erinnert. Südlich der k.u.k.-Hangars wurden nach dem Ersten Weltkrieg weitere Hangars errichtet. Diese weisen aber nicht die Qualität wie jene von Waagner-Biro auf. Die vier Hallen stehen zurzeit im Eigentum der Universität Mostar. Sie werden jedoch nicht genutzt und stehen leer. Der Zustand der vier Gebäude ist unterschiedlich. Alle sind jedoch renovierungsbedürftig, da sie seit Jahrzehnten den Wettereinflüssen ausgesetzt waren und zusätzliche Schäden aus den Kriegen der Region aufweisen.

Die Flugzeughangars in Mostar sind nicht die einzigen, die die Habsburgermonarchie „überlebt“ haben. Ein Hangar steht in der polnischen Hauptstadt Warschau. Er war zuvor in Krakau wurde jedoch abgebaut und an seinen heutigen Standort verlegt. Ein weiterer k.u.k.-Flugzeughangar befindet sich im Belgrader Luftfahrtmuseum Surcin. Dort liegt er in einem Lager und wartet auf seinen Aufbau, der vielleicht niemals stattfinden wird. Sein ursprünglicher Platz war der k.u.k.-Marineflieger-Stützpunkt Kumbor in der Bucht von Kotor, die heute zu Montenegro gehört. Die Halle musste weichen, als man das Gelände in eine Yacht-Marina umwandelte. Somit sind die vier Flugzeughangars in Mostar zwar nicht die einzigen, die heute noch existieren, aber die letzten, die im Originalzustand auf dem Originalstandort stehen.

Der Balkanfeldzug beginnt

Savoia-Marchetti SM.79 - dreimotoriger, mittelschwerer Bomber italienischer Herkunft. (Foto: Andra Nicola/gemeinfrei)
Savoia-Marchetti SM.79 - dreimotoriger, mittelschwerer Bomber italienischer Herkunft. (Foto: Andra Nicola/gemeinfrei)

Am 6. April 1941 greift die Deutsche Wehrmacht Jugoslawien an. Bereits am 17. April, keine zwei Wochen später, kapituliert Jugoslawien. Die heutigen Staaten Kroatien und Bosnien-Herzegowina werden - bis auf Teile Istriens und Dalmatiens, die von Italien besetzt werden - ein Teil des Ustaša-Staates (auch NDH-Staat für Nezavisna Država Hrvatska; Unabhängiger Staat Kroatien), einem NS-Satellitenstaat unter Führung von Ante Pavelic.

Vor dem Beginn des Balkanfeldzuges befindet sich das Bombergeschwader 7, das aus drei Gruppen (66, 67 und die 81) und jeweils zwei Staffeln besteht, in Mostar. Zusätzlich sind Fliegerabwehreinheiten mit Fliegerabwehrkanonen und Ortungseinrichtungen in Jasenica stationiert. Nach dem Beginn des deutschen Angriffs wird die 81. Bombergruppe mit 14 Stück Savoia-Marchetti SM.79 (mittelschwerer dreimotoriger Bomber italienischer Produktion) der Küstenregion zugeteilt. Am 9. April 1941 ist sie an der Bombardierung der dalmatinischen Stadt Zadar, damals ein Teil Italiens, beteiligt. Diese Aktion ist eine Vergeltung für italienische Bombenangriffe auf jugoslawische Städte.

Ein Flugzeug der 81. Bombergruppe Mostar erhält kurz danach einen besonderen Auftrag. Es wird eingesetzt, um den jugoslawischen König Peter II. mit einigen Regierungsmitgliedern, hochrangigen Staatsbeamten und einen Teil der staatlichen Goldreserven zu evakuieren. Am 13. April 1941 wird das Flugfeld in Jasenica von den Italienern bombardiert. An den Gebäuden und der Infrastruktur entstehen nur geringe Schäden, eine erhebliche Anzahl von Flugzeugen wird jedoch zerstört.

Nach dem Ende des Balkanfeldzuges und der Installierung der neuen politischen Verhältnisse taucht General Emil Uzelac wieder auf. Wie bereits in der k.u.k.-Monarchie und im SHS-Staat soll er die Luftstreitkräfte aufbauen - nun jedoch beim Ustaša-Staat. Dieser Aufgabe widmet sich der inzwischen 74-jährige Offizier bis zum 25. November 1941, als er zum dritten Mal und nun endgültig in den Ruhestand geht. Diese Tätigkeit wird ihm nach dem Krieg ins Gefängnis bringen und in Tito-Jugoslawien gesellschaftlich ächten.

Das Flugfeld Jasenica nach dem italienischen Bombenangriff 1941. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Das Flugfeld Jasenica nach dem italienischen Bombenangriff 1941. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Flugschüler des NDH-Staates bei der Ausbildung in Mostar durch die italienische Luftwaffe. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Flugschüler des NDH-Staates bei der Ausbildung in Mostar durch die italienische Luftwaffe. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Dornier Do 17 der Deutschen Luftwaffe. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-342-0603-25/Ketelhohn [Kettelhohn]/CC-BY-SA 3.0)
Dornier Do 17 der Deutschen Luftwaffe. (Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-342-0603-25/Ketelhohn [Kettelhohn]/CC-BY-SA 3.0)
Eine Messerschmitt Me 109 und eine Junkers Ju 87 "Stuka". (Foto: Bundesarchiv. Bild 101I-429-0646-31/Billhardt(CC-BY SA 3.0)
Eine Messerschmitt Me 109 und eine Junkers Ju 87 "Stuka". (Foto: Bundesarchiv. Bild 101I-429-0646-31/Billhardt(CC-BY SA 3.0)
Das Militärflugfeld Jasenica während des US-Bombenangriffes 1944. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Das Militärflugfeld Jasenica während des US-Bombenangriffes 1944. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)

Das Militärflugfeld im Zweiten Weltkrieg

Nach der Kapitulation Jugoslawiens gehört Mostar zunächst zur italienischen Besatzungzone, weshalb der Fliegerhorst Jasenica auch vorwiegend von den italienischen Luftstreitkräften genutzt wird.

Italienische Luftwaffe

Von 1941 bis 1943 wird das Flugfeld in Jasenica vor allem von der italienischen Luftwaffe verwendet. Anfang des Jahres 1942 sind dort die 36. Staffel der 5. Gruppe (zehn Avron Caproni Ca.311 und vier Caproni Ca.111; leichte Aufklärer und Bomber) sowie die 51. und 69. Staffel der 39. Gruppe (je sechs mittlere Bomber Fiat BR.20) stationiert. Während dieser Zeit verlieren die Italiener vier Flugzeuge: eines aufgrund technischer Gebrechen, eines wegen Partisanenbeschuss und zwei aus ungeklärten Ursachen. Die Kapitulation Italiens im Jahr 1943 bedeutet das Ende der Allianz mit dem Deutschen Reich. Der Fliegerhorst Jasenica wird von der Deutschen Luftwaffe übernommen und verstärkt von der NDH-Luftwaffe genutzt. Das italienische Material wird von den deutschen Besatzern konfisziert und einige Flugzeuge an die Kroaten übergeben.

Luftwaffe des NDH-Staates 

Am 21. April 1941 wird der Befehl der Luftwaffenabteilung zur Einnahme einer vorläufigen Gliederung der Luftstreitkräfte des Ustaša-Staates erteilt. Daraufhin werden in Zagreb, Sarajewo, Mostar und Zemun Militärflugplätze eingerichtet. Ab Juni 1941 erhält der Ustaša-Staat den Großteil der Flugzeuge des Königreichs Jugoslawien. In Jasenica werden vier leichte Doppeldecker-Bomber Breguet 19 stationiert. Die Beziehungen zwischen Vertretern von Italien und dem NDH-Staat hinsichtlich der Nutzung des Flugfeldes gestalten sich als schwierig, weshalb man auf den Flugplatz von Slopice bei Mostar ausweichen musste. Bei der Pilotenausbildung funktioniert die Zusammenarbeit den Kroaten und Italienern besser. Etwa 100 kroatische Piloten werden in der Pilotenschule Jasenica auf Maschinen der Typen IMAM Ro.41 (leichter Doppeldecker-Jäger) und SAIMAN 200 bzw. 202 (Doppeldecker-Trainer) ausgebildet. Nach der Kapitulation Italiens 1943 werden das Bombergeschwader 7 (Dornier Do 17E) und das Geschwader 8 (SAIMAN 200) der NDH-Luftwaffe bis zum Jahresende in Mostar stationiert.

Deutsche Luftwaffe 

Nach der Kapitulation Italiens wird Jasenica für die Deutsche Luftwaffe zu einem Ausgangsort für Aufklärungsflüge in der Region Sarajewo-Mostar. Ende 1943 sind die 4. Gruppe des Jagdgeschwaders 27 (neun Messerschmitt Me-109), die 13. Staffel des Bombengeschwaders 151 (fünf Junkers Ju 87 „Stuka“), die 2. Staffel, der 12. Gruppe eines Kampfgeschwaders (14 Messerschmitt Me-109 und fünf Fieseler Fi 156 „Storch“) an der Neretva stationiert. Im Verlauf des Weltkrieges wird die Region zu einem Zentrum der Kämpfe zwischen Tito-Partisanen gegen die deutschen Besatzer und ihren Verbündeten. Als Antwort darauf werden die bei Mostar stationierten Fliegerverbände neu strukturiert und ein Nachtgeschwader aufgestellt, das Nachtangriffe auf Partisanenstellungen fliegt.

Kriegsende in Mostar

Das Militärflugfeld in Mostar im April 1945 mit Flugzeugen der Tito-Partisanen. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)
Das Militärflugfeld in Mostar im April 1945 mit Flugzeugen der Tito-Partisanen. (Foto: Archiv Martinovic/gemeinfrei)

Ab Oktober 1943 beginnen alliierte Luftangriffe auf militärische Einrichtungen an der adriatischen Küste und in dessen Hinterland. Zadar, Podgorica, Drniš und auch Mostar werden zum Ziel von Bombenangriffen. Am 14. Jänner 1944 erfolgt ein Angriff auf die deutschen Verbände, die in den vier ehemaligen k.u.k.-Kasernen der Stadt an der Neretva untergebracht sind. Dabei werden auch etwa 100 Zivilisten getötet. Ein weiteres Ziel dieses Angriffes ist der Militärflugplatz Jasenica. Acht deutsche und sieben kroatische Flugzeuge werden zerstört, die Infrastruktur bleibt aber weitgehend intakt. Gegen Kriegsende 1945 werden die deutschen Verbände abgezogen, jene der NDH-Luftwaffe lösen sich schrittweise auf. Viele Piloten desertieren, in dem sie nach Italien fliegen und dort auf einem Militärflughafen der USA oder Großbritanniens landen. Andere schließen sich den Tito-Partisanen an, die Ende April 1945 bereits über 30 Flugzeuge besitzen. Der Fliegerhorst bei Mostar ist zu diesem Zeitpunkt bereits in der Hand der Partisanen. Diese hatten ihn im Zuge der Dalmatien-Offensive im Februar 1945 erobert, kurz nachdem die dort stationierten NDH-Einheiten nach Rajlovac verlegt worden waren.

Relikte des Zweiten Weltkrieges

Nachdem die italienischen Truppen den Flugplatz in Jasenica besetzt hatten, errichten sie vier Betonbunker, eine Dreiecks-Stellung aus Beton und Steinen mit Bunkern und einem Mannschaftsgebäude, Verbindungsgräben und mehrere betonierte Positionen für Fliegerabwehrkanonen sowie ein Munitionslager. Diese Anlagen dienten dem passiven Schutz für die dort stationierten Fliegerabwehreinheiten der Italiener bzw. zum Schutz der Infrastruktur. In ihnen waren infanteristische Kräfte zur Abwehr eines Angriffs am Boden (Maschinengewehr-Bunker) und Fliegerabwehrkräfte zur Abwehr eines Anriffes aus der Luft (Fliegerabwehrkanonen-Stellungen) vorgesehen. Die Gebäude stehen noch heute auf dem Gelände und zeugen von der Nutzung des Flugfeldes Jasenica durch die italienische Armee im Zweiten Weltkrieg.

Teil 2: Vom Beginn der Tito-Ära 1945 bis heute

Manuel Martinovic ist Jurist und Historiker aus Mostar.

Ein Turm der dreieckigen Befestigungsanlage am Flugfeld Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Ein Turm der dreieckigen Befestigungsanlage am Flugfeld Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Die Dreiecks-Befestigung in der Gesamtansicht. (Foto: Manuel Martinovic)
Die Dreiecks-Befestigung in der Gesamtansicht. (Foto: Manuel Martinovic)
Maschinengewehr-Bunker an der Südostecke des Flugfeldes. (Foto: Manuel Martinovic)
Maschinengewehr-Bunker an der Südostecke des Flugfeldes. (Foto: Manuel Martinovic)
Schießscharte eines Maschinengewehr-Bunker an der Südostecke. Die Betonstufen der Scharte dienten als Geschoßfang. (Foto: Manuel Martinovic)
Schießscharte eines Maschinengewehr-Bunker an der Südostecke. Die Betonstufen der Scharte dienten als Geschoßfang. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Maschinengewehr-Bunker von innen. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Maschinengewehr-Bunker von innen. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Maschinengewehr-Bunker in der Südwestecke des Flugfeldes Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Maschinengewehr-Bunker in der Südwestecke des Flugfeldes Jasenica. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Bunker hat die Form eines Dreiviertelkreises und ist heute verwachsen. (Foto: Manuel Martinovic)
Der Bunker hat die Form eines Dreiviertelkreises und ist heute verwachsen. (Foto: Manuel Martinovic)
Maschinengewehr-Bunker in Form eines Dreiviertelkreises in der Nordost-Ecke. (Foto: Manuel Martinovic)
Maschinengewehr-Bunker in Form eines Dreiviertelkreises in der Nordost-Ecke. (Foto: Manuel Martinovic)
Reste des Stellungssystems beim Maschinengewehr-Bunker an der Nordost-Ecke. (Foto: Manuel Martinovic)
Reste des Stellungssystems beim Maschinengewehr-Bunker an der Nordost-Ecke. (Foto: Manuel Martinovic)
Betonreste der Stellung für eine Fliegerabwehrkanone. (Foto: Manuel Martinovic)
Betonreste der Stellung für eine Fliegerabwehrkanone. (Foto: Manuel Martinovic)
 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Dr. Herwig Brandstetter // 01.04.2019, 18:39 Uhr Dieser Aufsatz von Manuel Martinovic über die Spuren der Militärluftfahrt in Mostar gibt eine hervorragende Übersicht über das umfassende Thema. Ich hoffe, dass er auch im PALLASCH publiziert werden könnte !