• Veröffentlichungsdatum: 30.05.2018
  • – Letztes Update: 31.05.2018

  • 4 Min -
  • 706 Wörter

SETC18 - Ukraine

Jörg Loidolt

(Foto: U.S. Army/7th AJMTC, CC BY-SA 2.0; pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)
(Foto: U.S. Army/7th AJMTC, CC BY-SA 2.0; pixabay; Montage: RedTD/Nikischer)

Der fünfte Teil der Serie über die Teilnehmer an der SETC18 führt in die Ukraine. Das riesige Land südwestlich von Russland ist aktuell vor allem durch den schwelenden Konflikt in der Ostukraine in den Medien präsent. Die pro-westliche Ausrichtung, die eine Ursache dieses Konfliktes ist, macht vor den Streitkräften nicht Halt und bedingt die Annäherung an die NATO.

Ein klares Bild von der Panzerwaffe der Ukraine zu zeichnen ist schwierig. Der Konflikt im Donbass erwischte die Ukraine in einer Phase der Restrukturierung ihrer Streitkräfte. Tradierte sowjetische Organisationsformen sollten erneuert, das Gerät modernisiert und die Annäherung an die NATO durch Expeditionskräfte unterstützt werden. Durch den Konflikt mit Russland wurden viele dieser Pläne nicht umgesetzt, jedoch andere dringendere Vorhaben vorgezogen. Daher ist die Darstellung in diesem Beitrag als eine Annäherung an die tatsächliche Situation zu verstehen.

Gliederung der ukrainischen Panzertruppe

Ein Ukrainischer T-64BM bei der SETC17. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)
Ein Ukrainischer T-64BM bei der SETC17. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)

Die Gliederung der Landstreitkräfte, der wichtigsten ukrainischen Teilstreitkraft, sieht Brigaden als Hauptaufgabenträger vor. Diese sind wiederum einem der drei territorialen operativen Kommanden (Nord, Ost, West) unterstellt.

Kampfpanzerverbände finden sich in der 1. Panzerbrigade, der 17. selbstständigen Panzerbrigade sowie in der 14., 24., 30., 53., 54., 92. und der 93. Mechanisierten (Infanterie-)Brigade. Die Gliederung sieht eine Mischung der Kampfverbände im Verhältnis 1:3 vor. Damit verfügen die Panzerbrigaden über drei Panzerbataillone und ein mechanisiertes Infanteriebataillon; die mechanisierte Infanteriebrigade über drei mechanisierte Infanteriebataillone und ein Panzerbataillon.

Das führt zu einer Summe von 13 Panzerbataillonen, nur zwei mehr als Polen, was die Größe der polnischen Armee in Europa unterstreicht. Diese 13 Verbände haben eine große Anzahl verschiedener Kampfpanzertypen. Konkret handelt es sich um 1.000 Stück T-64, 99 Stück T-64BM, 260 Stück T-72, 167 Stück T-80, 30 Stück T-84BM und 50 Stück T-84UD; in Summe über 1.600 Kampfpanzer. Hier ist anzumerken, dass beispielsweise bei den 1.000 Stück T-64 zwar alle offiziell aufgelistet sind, eine hohe Anzahl jedoch vermutlich eingemottet ist. Darüber hinaus sind etwa 150 Kampfpanzer, verloren gegangen, seit im Jahr 2014 die Kämpfe im Donbass begonnen haben.

Über die genaue Gliederung der Verbände und Einheiten können nur Annahmen getroffen werden. Aufgrund der Annäherung an die NATO ist eine Gliederung in Züge mit vier Kampfpanzern und drei Kompanien im Verband wahrscheinlich. Sollten zu wenige Panzer einsatzbereit sein, ist auch die alte sowjetische Gliederung mit einer Panzerkompanie, die aus drei Zügen zu je drei Panzern und einem zusätzlichen Panzer für den Kompaniekommandanten besteht, möglich.

Gliederung der Panzerverbände der ukrainischen Streitkräfte. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)
Gliederung der Panzerverbände der ukrainischen Streitkräfte. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)

Kampfpanzer T-84

Bei der SETC17 nahm die Mannschaft aus der Ukraine mit T-64BM teil. Im Jahr 2018 sollen Panzer vom Typ T-84 „Oplot“ eingesetzt werden. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)
Bei der SETC17 nahm die Mannschaft aus der Ukraine mit T-64BM teil. Im Jahr 2018 sollen Panzer vom Typ T-84 „Oplot“ eingesetzt werden. (Foto: U.S. Army/7th AJMTC; CC BY-SA 2.0)

Der modernste Kampfpanzer der Ukraine ist der aus dem T-80 weiterentwickelte T-84 „Oplot“. Die ersten Prototypen stammen bereits aus dem Jahr 1994, wurden aber ständig verbessert. Thailand und Pakistan haben den T-84 ebenfalls eingeführt. Des Weiteren gibt es einen Demonstrator mit einer 120-mm-Glattrohrkanone für den westlichen Markt. Derzeit sollen bis zu 150 Stück T-84 „Oplot“ eingeführt sein und seit 2016 jährlich etwa 100 neue Panzer ausgeliefert werden.

Internationalen Berichten zufolge werden für die SETC18 sechs Stück T-84 „Oplot“ im Khariver Malyshev-Werk speziell überholt und bestmöglich ausgerüstet. Die Besatzung des Panzers besteht aus drei Mann, der Ladeschütze wird, wie bei Panzermodellen aus dem Osten üblich, durch eine Ladeautomatik ersetzt. Der T-84 verfügt über die KBA-3125-mm-Panzerkanone L48 (russische Bezeichnung: 2A46 oder D-81TM), die gemeinsam mit den Sicht- und Recheneinrichtungen eine effektive Bekämpfung gegnerischer Kampffahrzeuge bis auf etwa 2.100 m ermöglicht. Die zusätzlich verfügbaren Panzerabwehrraketen weisen eine Reichweite von 5.000 m auf. Diese Fähigkeit wird bei der SETC18 allerdings nicht bewertet.

Der trotz zusätzlicher Reaktivpanzerung mit 51 Tonnen relativ leichte Panzer verfügt mit seinem 1.200 PS-Motor über ein ausgezeichnetes Leistungsgewicht von 25 PS/t. Damit sind im Gelände Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h möglich. Die Reichweite des T-84 beträgt 450 km, was einen durchschnittlichen Wert darstellt. Der Temperaturbereich wird werksseitig mit -40 bis +55 Grad Celsius angegeben, seine Tiefwatfähigkeit beträgt bis zu fünf Meter. 

Einschätzung der ukrainischen Mannschaft

Nach dem etwas überhasteten Antreten mit dem T-64 im Jahr 2017 dürfte die ukrainische Armee ihre Beteiligung an der SETC18 sehr ernst nehmen, falls die Berichte über die eigens für den Bewerb überholten Panzer stimmen. Das macht insofern Sinn, da mit dem Wettbewerb auch die Chance verbunden ist, sich international vor potentiellen Käufern zu präsentieren. Ob das Abschneiden bedeutend besser sein wird als 2017 wird auch davon abhängen, wann sich die Besatzungen mit ihrem „Wettkampfgerät“ vertraut machen können.   

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillons 14 im Welser #panzerhort.

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