• Veröffentlichungsdatum: 26.05.2018
  • – Letztes Update: 29.05.2018

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SETC18 - Großbritannien

Jörg Loidolt

(Foto: Simon Q; CC BY-SA 2.0/pixabay; Montage: RedTD Nikischer)
(Foto: Simon Q; CC BY-SA 2.0/pixabay; Montage: RedTD Nikischer)

Der zweite Teil der Vorstellung der Teilnehmer der SETC18 führt über den Ärmelkanal, um die britischen Vertreter, die zum ersten Mal an dem Bewerb teilnehmen, näher zu betrachten. Unter den Kampfverbänden der Royal Army, der Landstreitkräfte des United Kingdom, finden sich drei Panzerverbände - die Royal Tank Regiments. Wie ähnliche Verbände anderer Staaten sind auch diese zwar dem Namen nach Regimenter, aber als Bataillone gegliedert.

Gliederung eines britischen Panzerregimentes. (Grafik: Loidolt)
Gliederung eines britischen Panzerregimentes. (Grafik: Loidolt)

Gerade die schweren Verbände trugen die Hauptlast der Umschichtungen der Umgliederung bzw. Reform „2010 Strategic Defense Review“ und mussten erhebliche Reduktionen zugunsten leichter Verbände hinnehmen. So wurden zwei Verbände aufgelöst und das Life Expanding Program (LEP) bis auf weiteres ausgesetzt. Dieser Trend setzte sich im Strategic Defense Review 2015 fort, wurde aber mit dem Programm „Army-2020-refine“ leicht adaptiert.

Die Zukunft der britischen Panzerverbände scheint zur Zeit mehr als unklar. So soll eines der Regimenter seine Kampfpanzer gegen leichtere Fahrzeuge, vermutlich vom Typ „Ajax“ (ein Panzerfahrzeug, das auf Basis des ASCOD-Projektes entwickelt wurde und de facto ein „Ulan“ und mit diesem in vielen Bereichen baugleich ist), tauschen. Die Heimat der schweren Waffen soll die 3. UK-Division mit einem Kern von zwei mechanisierten Infanteriebrigaden werden. Die verbleibenden Panzer sollen werterhaltend gelagert und „on-short-notice“ reaktiviert werden können. Hier stellt sich das Problem der raschen Verfügbarkeit von Besatzungen und eingespielten Einheiten.

Gliederung der britischen Panzertruppe

Ein Kampfpanzer Challenger II der britischen „Desert rats“ auf dem deutschen Truppenübungsplatz in Bergen vor der Verlegung in den Irak im Jahr 2003. (Foto: Paul Jarvis RLC; OGL 1.0)
Ein Kampfpanzer Challenger II der britischen „Desert rats“ auf dem deutschen Truppenübungsplatz in Bergen vor der Verlegung in den Irak im Jahr 2003. (Foto: Paul Jarvis RLC; OGL 1.0)

Derzeit verfügt das Empire noch über drei Panzerregimenter. Diese sind

  • The Queens Royal Hussars (die auch als “The Queen´s Own and Royal Irish” bezeichnet werden), die Teilnehmer an der SETC18,
  • The King´s Royal Hussars und
  • das Royal Tank Regiment.

Während The Queens Royal Hussars noch bis Mitte 2019 in Sennelager (Deutschland) stationiert sind, befinden sich The King´s Royal Hussars und das Royal Tank Regiment in Tidworth (etwa 40 km nordwestlich von Southampton), wohin auch The Queens Royal Hussars verlegen soll. Die Panzerverbände verfügen über jeweils 56 Stück „Challenger“ II-Kampfpanzer. Sie sind in drei Kompanien zu je vier Zügen gegliedert und verfügen auf der Einheits- und Verbandsebene über zusätzliche Kommandofahrzeuge. Jede Einheit verfügt neben einem Bergepanzer über zwei Sanitätspanzer, was als Lehre aus den Einsätzen des 21. Jahrhunderts bewertet werden kann.

Das Regiment verfügt ebenfalls über acht „Scimitar“ Aufklärungsfahrzeuge, womit die Aufklärungskräfte zwar nicht so deutlich ausfallen wie in Frankreich, aber dennoch wesentlich umfangreicher sind, als in anderen Armeen Mitteleuropas. Die schweren Pionierpanzertypen „Trojan“ und „Titan“ werden den Regimentern nur auf Zusammenarbeit angewiesen. Dabei gibt es designierte Pioniereinheiten, die schon im Übungsfall mit den Panzerbataillonen trainieren.

Weiters steht allen drei Regimentern das Royal Wessex Yeomarny zur Verfügung. Yeomarnys sind historisch gewachsene Milizstrukturen, die ursprünglich freie Bürger umfassten, heute aber als Personalreserve dienen. Im Fall des Royal Wessex Yeomarny sind das ehemalige Berufs- und Milizsoldaten der Waffengattung Kampfpanzer, die bei Übungen und Einsätzen Fehlstellen füllen, aber keine eigenen Teileinheiten oder Einheiten stellen.

Die Standorte der Garnisonen der britischen Panzertruppe beschränken sich nicht auf England. Auch in Deutschland ist ein Regiment stationiert, das jedoch nach Tidworth verlegen soll, wo sich die anderen Panzerregimenter befinden. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)
Die Standorte der Garnisonen der britischen Panzertruppe beschränken sich nicht auf England. Auch in Deutschland ist ein Regiment stationiert, das jedoch nach Tidworth verlegen soll, wo sich die anderen Panzerregimenter befinden. (Foto: OpenStreetMap; RedTD/Nikischer)

Hauptwaffensystem "Challenger" II

Großbritannien beschritt in der Panzerproduktion immer einen selbstständigen Weg und beteiligte sich an keinem der kontinentalen oder transatlantischen Joint-Ventures für den Panzerbau. 1991 bestellte die britische Regierung bei Alvis Vickers, dem Vorläufer von BAE Systems, vorerst 127 „Challenger“ II. 1993 konnte der Oman als Exportparner von insgesamt 38 Stück dieses Panzers gewonnen werden, und 1994 erhöhte man das britische Kontingent um weitere 259 Stück.

Ein britischer Kampfpanzer Challenger II im Einsatz in der Wüste Kuwaits. (Foto: Paul Jarvis RLC; OGL 1.0)
Ein britischer Kampfpanzer Challenger II im Einsatz in der Wüste Kuwaits. (Foto: Paul Jarvis RLC; OGL 1.0)

Bewaffnung und Besatzung

Die Konzeption des „Challenger“ II beruht auf einer Besatzung von vier Soldaten mit der klassischen Aufteilung Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze und Kommandant. Das Kampfgewicht beträgt 62,5 Tonnen bei einer Motorleistung von 1.217 PS. Dies entspricht 1.200 british horsepower, was die Zahl etwas leichter erklärbar macht. Damit verfügt der „Challenger“ II über etwas unter 20 PS pro Tonne, die ihn auf bis zu 59 km/h beschleunigen, was im Vergleich mit anderen Kampfpanzern einen unterdurchschnittlichen Wert darstellt. Die Hauptbewaffnung, die Challenger Main Armament (CAM), ist eine ungewöhnliche Lösung: Es handelt sich dabei um eine gezogene und vollverchromte 120-mm-Kanone L-55. Mit dieser einmaligen Waffe lässt sich wiederum nur die passende Munition verschießen, von der 50 Granaten im Panzer Platz finden. Als Zusatzbewaffnung stehen der Panzerbesatzung ein koaxiales Turm-MG und ein Turmdach-MG (beide Kaliber 7,62 mm) zur Verfügung. Eine weitere Eigenheit ist der Treibstoffvernebler, der es dem Panzer ermöglicht, sich rasch der Feindsicht zu entziehen.

Feuertaufe und weitere Entwicklung

Der „Challenger“ II erhielt 2003 beim Einmarsch im Irak seine Feuertaufe, nachdem er durch kleinere Verbesserungen an den Einsatzraum angepasst wurde. Von den 120 eingesetzten Fahrzeugen ging keines komplett verloren, es gab jedoch Verwundete durch RPG- und MILAN-Treffer. Manche Panzer wurden bis zu 15 Mal getroffen, dennoch gab es keinen einzelnen Gefallenen durch Feindfeuer.

Wie alle Armeen, die um die Jahrtausendwende neue Kampfpanzer beschafft haben, denken auch die britischen Streitkräfte über eine Nutzungsverlängerung (Life Extension Program) nach. Diese wurde mehrmals verschoben und inhaltlich überarbeitet. Die Umstellung auf eine 120-mm-Glattrohrkanone als Antwort auf die neuen russischen Panzer dürfte aber kein Teil des Programms sein. Art und Umfang der Life Extension soll 2019 endgültig an eines der beiden Bieterkonsortien, Rheinmetall oder BAE-Systems, vergeben werden.

Einschätzung der britischen Mannschaft

Die Briten sind bei der SETC18 als starke Mannschaft einzuschätzen. Die Berufsarmee ist weltweit für seine körperlich fitten und einsatzorientiert ausgebildeten Soldaten bekannt. Ob der „Challenger“ II hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Qualität mit seinen Besatzungen speziell bei den Eigenschaften Belastbarkeit und Einsatzwert mithalten kann, wird sich zeigen.

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillons 14 im Welser #panzerhort.

zur Artikelserie

Ein Challenger II beim "Tankfest 2009". (Foto: Simon Q; CC BY-SA 2.0)
Ein Challenger II beim "Tankfest 2009". (Foto: Simon Q; CC BY-SA 2.0)
(Foto: Russ Nolan RLC; OGL 1.0)
(Foto: Russ Nolan RLC; OGL 1.0)
 

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