• Veröffentlichungsdatum: 07.03.2018
  • – Letztes Update: 13.03.2018

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NATO Mountain Warfare Centre of Excellence

Boštjan Blaznik

(Foto: NATO MW COE/Archiv)
(Foto: NATO MW COE/Archiv)

Neue Mitglieder der NATO werden gebeten zur Wirksamkeit des Bündnisses beizutragen, um die gemeinsame Leistung in bestimmten Bereichen zu verbessern. Ein solcher Bereich ist der Gebirgskampf. Exzellenzzentren sind eine etablierte Institution zur Effizienzsteigerung der NATO.

Gründung und Akkreditierung

Der Gebirgskampf hat in Slowenien und in der slowenischen Armee eine lange Tradition. Für ihre Bedürfnisse hat die slowenische Armee 1996 eine Gebirgsschule gegründet, die für die fachliche Ausbildung von Soldaten zuständig ist. Neben der Ausbildung für die slowenische Armee werden auch Schulungen für die Mitglieder der NATO-Truppen, als Teil der Ausbildung für die Entsendung von Kontingenten zur Krisenbewältigung organisiert. 

Slowenien hat eine entsprechende Gebirgslandschaft und solides Fachwissen im Bereich des militärischen Bergsteigens sowie im Gebirgskampf. Es verfügt über eine lange alpinistische Tradition, und auch die Mitglieder der slowenischen Armee sind in diesem Bereich gut ausgebildet. Die Regierung der Republik Slowenien hat am 14. März 2014 beschlossen, das Verteidigungsministerium der Republik Slowenien und den Generalstab der slowenischen Armee zu ermächtigen, das NATO MW COE zu gründen, entsprechende Abkommen zu erstellen und ihren Tätigkeitsbereich zu regeln. 

Die NATO-Mitgliedstaaten beschlossen, die Gründung des Exzellenzzentrums für Gebirgstruppen zu unterstützen, das bis zum Ende des Jahres 2015 auch geprüft und akkreditiert wurde. Die Republik Slowenien hat sich mit dem Regierungsbeschluss verpflichtet, als Gründungsmitglied die Infrastruktur und den Großteil des Personals des Zentrums sicherzustellen. Slowenien stellt für die NATO ein verlässliches Land dar, das in der Lage ist, diese Aufgabe zu erfüllen. Das NATO-Exzellenzzentrum für Gebirgstruppen wurde vor zwei Jahren vom Präsidenten der Republik Slowenien, ­Borut Pahor, feierlich eröffnet. Es feierte somit am 23. März 2017 seinen zweiten Jahrestag seit der Unterzeichnung des Gründungsmemorandums. 

Den Ländern Slowenien, Deutschland, Italien, Kroatien und Österreich, die derzeit die Tätigkeit des Zentrums unterstützen, werden sich bald Rumänien, Polen und Montenegro anschließen. Derzeit finden Gespräche über eine Kooperation mit weiteren NATO-Verbündeten und Partnerländern statt. Es ist geplant, dass sich dem Zentrum voraussichtlich in den nächsten zwei Jahren noch mindestens zwei weitere Länder anschließen. Das Zentrum vertritt die Interessen der teilnehmenden Länder professionell, entwickelt Konzepte und Doktrinen, verarbeitet Erfahrungen und bereitet Schulungen und Weiterbildungsveranstaltungen vor. Für Slowenien als eines der kleinsten Mitglieder der Gemeinschaft der NATO-Exzellenzzentren ist diese Mitgliedschaft einerseits eine große Ehre, andererseits eine große Verpflichtung, die Vision und die Mission, die für alle Mitgliedstaaten mit dem Konzept NATO MW COE verbunden sind, zu erfüllen. 

Die Zusammenarbeit mit den slowenischen Universitätsfakultäten für Gesellschaftswissenschaften, Sport und Organisationswissenschaften sowie dem Verband der Gebirgstruppen und dem slowenischen Alpenverband, eröffnete ein breites Spektrum von Möglichkeiten zur Entwicklung von Ausbildungsinhalten. Diese Institutionen tragen mit ihrem Know-how, ihren umfangreichen Erfahrungen und mit ihrer Leistung wesentlich zur erfolgreichen Entwicklung bei. 

Das NATO MW COE soll als zentrale Einrichtung das Know-how für den Gebirgskampf bilden. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Das NATO MW COE soll als zentrale Einrichtung das Know-how für den Gebirgskampf bilden. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Die zahlenmäßige Anpassung der Truppen und der Kommanden, als eine  Reaktion auf die modernen Bedrohungen reicht nicht mehr aus, um Missionen effizient zu erfüllen. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Die zahlenmäßige Anpassung der Truppen und der Kommanden, als eine
Reaktion auf die modernen Bedrohungen reicht nicht mehr aus, um Missionen effizient zu erfüllen. (Foto: NATO MW COE/Archiv)

Rolle in der Allianz

Exzellenzzentren sind Organisationen, die auf einen Bereich spezialisiert sind und die bei ihrer Arbeit auf festgestellte Defizite und Fähigkeitslücken innerhalb der NATO-Truppen und Kommanden reagieren. Sie stellen eine wichtige Verbindung zwischen den operativen Bereichen der NATO und dem zivilen Umfeld dar. Die Zentren dienen aber auch der Steigerung und der Verbesserung spezifischer Leistungen und vor allem einer effizienteren Nutzung schon vorhandener Fähigkeiten der NATO-Mitgliedstaaten und Partnerländer. NATO-Exzellenzzentren bieten Leistungen und Unterstützung in der operativen Tätigkeit an, die der NATO die Transformation von Truppen und Kommanden erleichtert.

Das erste Exzellenzzentrum wurde 2005 gegründet und akkreditiert. In Hinblick auf den Rechtsstatus sind diese Zentren als unabhängige internationale Militärorganisationen tätig und gehören nicht ins Kommando- und Führungssystem der Streitkräfte des Gründungslandes und nicht in das Kommando- und Führungssystem der NATO. Die Hauptrolle in der Tätigkeit trägt der Lenkungsausschuss (Steering Committee). Dieser setzt sich aus den Vertretern aller Mitgliedstaaten des Zentrums zusammen und trifft die wichtigsten Entscheidungen für die Tätigkeit des NATO MW COE (z. B. Arbeitsprogramm, Jahreshaushalt, jährliche Tätigkeitsberichte usw.). Der Direktor des Zentrums trägt die Verantwortung für die Tätigkeit, für die Durchführung des Programms sowie für das Budget und ist dem Lenkungsausschuss verantwortlich. 

Warum NATO MW COE?

Das NATO Mountain Warfare Center of Excellence in Slowenien. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Das NATO Mountain Warfare Center of Excellence in Slowenien. (Foto: NATO MW COE/Archiv)

Die Analyse der bestehenden, mit dem Gebirgskampf verbundenen Formen und Strukturen zeigt, dass die Entscheidung der NATO richtig war, spezialisierte Einrichtungen zu gründen. Die Befähigung zu militärischen Aktionen in den Bergen sind in einzelnen Ländern sehr gut entwickelt und werden erfolgreich im Bereich der nationalen Kontingente für unterschiedliche Interessen genutzt. Im Gegensatz dazu arbeiten internationale Truppen, die in Gebirgsregionen entsendet werden, hauptsächlich auf der Grundlage bestehender nationaler Standards. Eine entsprechende Kompatibilität der einzelnen Elemente sicherzustellen, ist daher sehr schwer, und spiegelt sich oft in konkreten Schwierigkeiten, bei der Koordinierung auf dem Gefechtsfeld wider. In der Hierarchie der NATO-Standards wird dieser Bereich lediglich in Teilelementen behandelt. Das wiederum stellt nicht alle Bedürfnisse der Kommanden zufrieden. Das NATO MW COE wurde unter anderem gegründet, um das erwähnte Defizit auszugleichen, die benötigten Standards zu gestalten und eine effiziente und optimierte Arbeit der internationalen verbündeten Truppen im Gebirgskampf zu ermöglichen. Das Zentrum folgt dadurch seiner eigenen Vision, als zentrale Institution für die Entwicklung des Gebirgskampfes zu arbeiten und damit die anderen NATO-Mitgliedstaaten, Partnerstaaten und andere Staaten sowie internationale Organisationen dabei zu unterstützen, die Qualität des Gebirgskampfes zu verbessern. 

Erforschung der Einflüsse der Höhe und der Exponiertheit der Umgebung mit einem niedrigen Sauerstoffanteil auf die menschlichen Fähigkeiten. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Erforschung der Einflüsse der Höhe und der Exponiertheit der Umgebung mit einem niedrigen Sauerstoffanteil auf die menschlichen Fähigkeiten. (Foto: NATO MW COE/Archiv)

Die Tätigkeiten des Zentrums werden am besten anhand von Kriterien dargestellt, um die Akkreditierung zu erreichen, und die für die Gründung von der NATO wie folgt bestimmt wurden: 

  • Transformation: NATO MW COE ist als Träger der NATO-Transformation tätig und für die Entwicklung, Erprobung und Übung neuer Verfahren, Konzepte, Strategien und Doktrinen für den Fortschritt der operativen Leistungen sowie für die Verbesserung der Verbindungen im Bereich des Gebirgskampfes zuständig.
  • Fähigkeiten: NATO MW COE bietet im Fachbereich Gebirgskampf Expertisen, die von anderen NATO-Institutionen für die Förderung der Transformation sowie für die Durchführung der vereinten und gemeinsamen Operationen in ihren Tätigkeitsbereichen nicht ausreichend vorhanden sind.
  • Fachlichkeit: NATO MW COE stellt qualifizierte Experten (Subject Matter Expert - SME) für den Nischenbereich sicher. Die Tätigkeit des Exzellenzzentrums dient zur Standardisierung und gleichzeitig dem Aufbau eines Netzwerkes.
  • Amtssprache: Gemäß der NATO-Direktive ist Englisch die Amtssprache im NATO MW COE.
  • Schulungen und Weiterbildung: Dieser Bereich ist durch das Supreme Allied Command Transformation (SACT) sowie der NATO-Politik geregelt, vor allem was die Planung und die Durchführung von Aktivitäten betrifft.
  • Sicherheit und Schutz: Sicherheitsverfahren und Schutz entsprechen den Standards und den Verfahren der NATO. Das Zentrum führt alle Sicherheitsverfahren durch und verwendet eine entsprechende Ausrüstung.
  • Verfügbarkeit für die NATO: Die Dienstleistungen des Zentrums stehen neben NATO-Mitgliedstaaten auch den Partnerstaaten zur Verfügung.
  • Verbindung: Das Zentrum stellt eine kontinuierliche Verbindung mit dem Lenkungsausschuss, den Agenturen und den Ländern sicher und pflegt diese.
  • Operative Leistung: NATO MW COE fördert die Weiterbildung und Schulungen als eine unmittelbare Vorbereitung für die Teilnahme an militärischen Operationen und Übungen. 

Standardisierung

Mit der Errichtung des NATO MW COE, gelang ein bedeutender Schritt in der Standardisierung. Aufgrund einer Vorschriftenstudie schlug das Zentrum der NATO offiziell vor, einen abgestimmten Standard für die Ausbildung im Gebirgskampf (Allied Training Publication /ATrainP) vorzubereiten. Der Vorschlag wurde sowohl von der NATO als auch von den Partnerstaaten akzeptiert und unterstützt. Das Zentrum wurde für die Erstellung der ATrainP als „Custodian“ (inhaltliche und organisatorische Verwaltung) beauftragt. Dieser Standard soll zu einer der grundlegenden NATO-Doktrinen für den Bereich des Gebirgskampfes werden. Ziel ist es, einen einheitlichen Standard zur Erreichung der Interoperabilität der Truppen bei der Ausführung spezifischer Aufgaben im Gebirge zu erreichen. Die Erarbeitung des Standards wird zwei Jahre in Anspruch nehmen.

In dieser Zeit werden in Slowenien und im Ausland mehrere Veranstaltungen stattfinden, in die Experten aus verschiedenen Bereichen eingebunden werden. Die Einführung des Standards in der NATO wird einen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung dieses Bereiches darstellen, der in der Vergangenheit von der NATO eher vernachlässigt wurde. Somit übernimmt das Zentrum die Zuständigkeit für die Entwicklung der Doktrin im Bereich des Gebirgskampfes. Sie enthält verifiziertes Wissen und empirische Erfahrungen, die den Kommanden zur Verfügung stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde eine Reihe von praktischen Versuchen durchgeführt, die der Erreichung der gewünschten Vereinheitlichung der drei Basisbereiche der militärischen Tätigkeit - Mobilität, Überleben und Kampf - in den Bergen dienen.

Für die weitere Entwicklung dieses Bereiches bedarf es eines Konzeptes, das sich in Hinblick auf die Zukunft orientiert. Das Exzellenzzentrum widmete sich aktiv den Aufgaben der Verteidigungsplanung der NATO, was sich in politischen Richtlinien für die Zukunft widerspiegelt. Dabei werden auch Prognosen zum Klimawandel und zu den Wasserressourcen einbezogen, in denen ein Zusammenhang mit Gebirgen wissenschaftlich bestätigt ist. 

Tätigkeitsbereich

Die Ausbildung im Gebirgskampf soll standardisiert werden um eine höhere Interoperabilität der Truppen zu erlangen. (Foto: NATO MW COE/Archiv)
Die Ausbildung im Gebirgskampf soll standardisiert werden um eine höhere Interoperabilität der Truppen zu erlangen. (Foto: NATO MW COE/Archiv)

Das NATO MW COE funktioniert als zentrale Einrichtung für internationale und nationale Kommanden, die das Know-how für den Gebirgskampf bilden. 

Das Zentrum ist auf internationalem Niveau aktiv, besonders bei der Vorstellung seiner Arbeit. Die Zusammenarbeit mit Vertretern aus Politik, militärischen und diplomatischen Vertretern und NATO-Kommandanten ermöglicht eine Einsicht in die Bedürfnisse im Bereich der Gebirgstruppen. So wurde eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem NATO-Kommando für Landstreitkräfte in die Wege geleitet. Das Zentrum ist zuständig für die Organisation von zivil-militärischen Seminaren mit internationalen Teilnehmern. Eine der erfolgreichsten Veranstaltungen war das „Achte europäische Symposium über die Einflüsse der Höhe und der Exponiertheit der Umgebung mit einem niedrigen Sauerstoffanteil auf die menschlichen Fähigkeiten“ (8th European Hypoxia Symposium „High Altitude and Isobaric Hypoxia Influence on Human Performance Science and Practice“). Das Symposium ist ein gutes Beispiel dafür, wie Leistungen aus dem zivilen Bereich erfolgreich in den Aufbau von Fähigkeiten für den Gebirgskampf implementiert werden können. 

Im Herbst 2017 führte das Zentrum die ersten zwei internationalen Seminare durch. Am ersten Seminar sollten sich Angehörige aus NATO- und Partnerländern über ihre Erfahrungen im Gebirgskampf austauschen. Dabei ging es um spezielle Kenntnisse, die für eine erfolgreiche Durchführung von Operationen im herausfordernden Gebirge notwendig sind. Das zweite Seminar konzentrierte sich mehr auf den Vergleich und den Austausch von Kenntnissen, die für eine entsprechende Planung und die Schulung von Operationen im Gebirge notwendig sind. Ziel war es vor allem, Wissen für die Erstellung der Standards für die Ausbildung im Gebirgskampf beizutragen sowie neue oder bessere Möglichkeiten zu finden, die Methoden für die Planungen und die Ausbildung zu vereinheitlichen. Die beiden Seminare sind eine Grundlage für die spätere Planung von Kursen. 

In letzter Zeit hat man sich der Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der NATO und der EU gewidmet. Das Exzellenzzentrum arbeitet intensiv an der Zusammenarbeit mit der European Union Mountain Training Initiative - EU P&S MTI, mit der die Interessen und Ziele der EU und der NATO verbunden werden. Das NATO MW COE hat einen Beobachterstatus in der internationalen Vereinigung der militärischen Gebirgsschulen (International Association of Military Mountain Schools - IAMMS). Alle Aktivitäten und Inhalte werden vom Lenkungsausschuss beschlossen.

Ausblick

Die Transformation der NATO und ihrer Mitgliedstaaten stellt ein kontinuierliches Verfahren dar, das sich vor allem der Entwicklung gemeinsamer Fähigkeiten widmet. Die Transformation der militärischen Fähigkeiten ist in der modernen aber stark verletzbaren Sicherheitsumgebung hauptsächlich aus der Sicht der Erneuerung, der internationalen Zusammenarbeit sowie des ganzheitlichen Ansatzes wichtig. 

Robust bewaffnete Einheiten der NATO und NATO-Mitgliedstaaten wurden schon vor gut einem Jahrzehnt durch leichte und wendige Einheiten ersetzt, die in der Lage sein sollten, sich an die neuen Aufgaben anpassen zu können. Lediglich eine zahlenmäßige Anpassung der Truppen und der Kommanden, als eine Reaktion auf die modernen Bedrohungen reicht nicht mehr aus, um Missionen effizient zu erfüllen. 

Die Sicherstellung von neuen Fähigkeiten widmet sich heutzutage viel mehr als in der Vergangenheit der so genannten intelligenten Verteidigung (smart defence). Auch die slowenische Armee weicht den Veränderungen nicht aus, die sich aus den strategischen Zielen der Republik Slowenien sowie den Bedürfnissen der anderen NATO-Mitgliedstaaten und NATO-Partner ergeben. Slowenien arbeitet als Gründer des NATO MW COE aktiv an der Transformation der NATO-Kommandostruktur mit. Einem bekannten slowenischen militärischen Spruch entsprechend, ist man einen Schritt vor dem Berggipfel noch immer dem Tal näher als dem Gipfel selbst. Das gilt sinngemäß auch für die Arbeit des NATO MW COE, die ständig von neuen Herausforderungen geprägt ist.

Oberst Boštjan Blaznik ist der Direktor des NATO MW COE

 

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