• Veröffentlichungsdatum: 03.07.2019
  • – Letztes Update: 23.07.2019

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Mountain Warrior 2019

Gerold Keusch

(Fotos: RedTD/Gerold Keusch; Montage: Rizzardi)
(Fotos: RedTD/Gerold Keusch; Montage: Rizzardi)

Militärische Übungen sind eine Herausforderung, die auf unterschiedlichen Belastungsniveaus durchgeführt werden können. Die wohl größte Herausforderung sind Gefechtsschießen, die im winterlichen Hochgebirge stattfinden. Das Jägerbataillon 24, das auf den Einsatz im Hochgebirge spezialisiert ist, hat sich dieser besonderen Aufgabe gestellt.

Vom 11. bis 22. März 2019 fand auf dem Tiroler Truppenübungsplatz Lizum/Walchen die MOUNTAIN WARRIOR 2019 statt. Diese zweiwöchige Übung war der Abschluss der Ausbildung der Grundwehrdiener des Einrückungstermines September 2018 beim Jägerbataillon 24. Die erste Übungswoche diente 

  • der allgemeinen Ausbildung der Alpinsoldaten,
  • dem Zusammenführen des Einrückungs­termines mit den Milizsoldaten des Bataillons, die ebenfalls an der Übung beteiligt waren, und
  • der Überprüfung des Ausbildungsstandes im Zuge eines „Combat Readiness Programs“ in Form eines Stationsmarsches im Hochgebirge.

Der Höhepunkt der MOUNTAIN WARRIOR 2019 war das Scharfschießen in der zweiten Übungswoche. Dabei wurde der Gegenstoß einer hochgebirgsbeweglichen Jägerkompanie mit den schweren Waffen des Bataillons im Hochgebirge trainiert.

Ein MG-Trupp in Stellung wartet im Anschlag auf die Feuerfreigabe. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein MG-Trupp in Stellung wartet im Anschlag auf die Feuerfreigabe. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Feuer und Bewegung im Hochgebirge

Der Angriff ist eine Einsatzart, bei der Feuer und Bewegung koordiniert eingesetzt werden, um einen Gegner zu vernichten, zu zerschlagen oder zu werfen. Körperliche Leistungsfähigkeit (Bewegung) und das Beherrschen der eigenen Waffensysteme (Feuer), auch unter hoher körperlicher Belastung, sind die Voraussetzungen dafür. Das ist bereits unter „normalen“ Gefechtsbedingungen schwierig, im Hochgebirge ist es eine besondere Herausforderung. Schließlich ist der Soldat dort mit speziellen Bedingungen konfrontiert, wie

  • geringem Sauerstoffgehalt der Luft und der damit verbundenen verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit,
  • steilem Gelände, in dem Bewegungen aufgrund der Hangneigung deutlich anstrengender, aber auch langsamer als im flachen Gelände sind,
  • eingeschränkter Beweglichkeit wegen Schnee oder schwer passierbaren Geländeteilen wie Felswänden, - den Gefahren der Natur, wie Lawinen, Steinschlag sowie Fels- oder Hangrutschungen,
  • (extremer) Kälte aufgrund der Höhenlage und des Windes,
  • sich rasch verändernden Wetter- und Umfeldbedingungen,
  • Lawinengefahr, aber auch
  • einem Maximum an Ausrüstung für jeden Soldaten, die persönlich mitzuführen ist, da die Anschlussversorgung schwierig ist oder ganz ausfallen kann. Hinsichtlich der eigenen Einsatzführung ergeben sich, neben den allgemeinen Auswirkungen der Höhenlage auf die Bewegung, Einschränkungen auch aufgrund
  • fehlender Deckungsmöglichkeiten,
  • weitreichender Sicht, die zwar große Entfernungen für die Beobachtung zulässt, aber den Einsatz weitreichender Waffensysteme bedingt, oder der
  • veränderten Waffenwirkung, die durch absplitternde Felsen entweder verstärkt oder durch Schnee vermindert werden kann.
Soldaten des U-Elementes bei der Höhe „General Tretter“ verwenden verschiedene Gefechtsanschläge, um ihre Waffen gemäß dem Grundsatz „Wirkung vor Deckung“ einzusetzen. Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Soldaten des U-Elementes bei der Höhe „General Tretter“ verwenden verschiedene Gefechtsanschläge, um ihre Waffen gemäß dem Grundsatz „Wirkung vor Deckung“ einzusetzen. Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Wirkung, Deckung, Beobachtung und Bewegung

Die Umstände des Kampfes im Hochgebirge können für die eigene Kampfführung ein Vorteil oder ein Nachteil sein. Hier ist entscheidend, ob man in der Lage ist, diese für die eigene Bewegung, Beobachtung, Wirkung und Deckung zu nutzen. Erfahrung und eine sich daraus ergebende umsichtige Einsatzplanung mit umfangreichen Zeitreserven sind der Schlüssel für den Erfolg von Gefechtssituationen im Gebirge.

Dabei dürfen die Kommandanten niemals vergessen, dass von dem Berg oder dem Wetter oft eine größere Gefahr ausgeht als vom Gegner. Das beweisen die Erfahrungen des Gebirgskampfes im Ersten Weltkrieg, wo mehr Soldaten unter Lawinen starben als im Kugelhagel. Die Kommandanten brauchen deshalb Geduld, Flexibilität und die Einsicht, dass sie eine militärische Aktion aufgrund der Umfeldbedingungen verschieben bzw. abbrechen müssen oder vielleicht gar nicht durchführen können. Zusätzlich hat die Kampfkraft­erhaltung in der lebensfeindlichen Umgebung des Hochgebirges eine wesentlich größere Bedeutung als im Flachland.

Die vier Komponenten Bewegung, Beobachtung, Wirkung und Deckung sind nicht isoliert, sondern im Verbund zu betrachten. Das gilt nicht nur für den Kampf im Gebirge, dort aber besonders. So ist beispielsweise die Bewegung im deckungsarmen und nur schwer gangbaren Gelände mit Fahrzeugen oder Hubschraubern nur bis zu einem gewissen Punkt möglich. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass der Einsatz von Hubschraubern die eigene Annäherung verraten kann und dadurch der ursprüngliche Kampfplan verworfen und ein neuer entwickelt werden muss. Der Einsatz weitreichender Waffen ist aufgrund des schwer zu passierenden Geländes mit einem hohen Zeitbedarf verbunden. Die langen Transportwege, die manchmal nur zu Fuß oder mit Tragtieren zu bewältigen sind, bedeuten eine geringe Menge an Munition für die verwendeten Waffensysteme und das unbedingte Einhalten der Feuerdisziplin. Beim Feuerkampf ist wiederum zu beachten, dass die Waffen so aufgelegt werden müssen, dass sie nicht im Schnee versinken. Deshalb müssen die Schützen Spezial- bzw. Hilfsanschläge kennen und/oder improvisierte Vorrichtungen verwenden, um ihre Waffen einsetzen zu können.

Ein Gruppenkommandant erteilt seinem MG-Trupp und einem Schützen einen Kampfauftrag. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Gruppenkommandant erteilt seinem MG-Trupp und einem Schützen einen Kampfauftrag. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Zugskommandant erteilt Befehle an seine Gruppenkommandanten an einem Übersichtspunkt hinter einer Geländekante über Funk. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Zugskommandant erteilt Befehle an seine Gruppenkommandanten an einem Übersichtspunkt hinter einer Geländekante über Funk. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Gefechtsschießen einer Kompanie

Das Scharfschießen war der Höhepunkt der MOUNTAIN WARRIOR 2019. Dabei wurde der Angriff einer hochgebirgsbeweglichen Jägerkompanie im Zuge eines Bataillonsangriffes praktisch durchgeführt. Die Ausgangslage dazu war die Teilnahme des hochgebirgsbeweglichen Jägerbataillons 24 an einer internationalen friedensschaffenden Mission, dessen Verantwortungsbereich in einem Hochgebirge liegt.

Lage der Konfliktparteien

Im Einsatzraum befinden sich irreguläre Kräfte, die die internationale Truppe in unregelmäßigen Abständen mit einer „Hit-and-run-Taktik“ angreifen. Ihr Ziel ist es, die Bewegungsfreiheit der internationalen Truppe einzuschränken und dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in diese zu stören. Im Lizumer Tal haben sich irreguläre Kräfte in Zugsstärke im Bereich Klammjoch festgesetzt und dort ein vorgeschobenes Sicherungselement eingesetzt. Kompaniestarke Reservekräfte, die innerhalb von drei Stunden den Zug im Klammjoch unterstützen können, befinden sich im Bereich Vögeleralm, etwa drei Kilometer südwestlich von dort. Zusätzlich sind gegnerische Kräfte in Bataillonsstärke etwa sieben Kilometer südwestlich vom Klammjoch im Raum Navis eingesetzt.

Der Kompaniekommandant am Funkgerät; aufgrund der großen Entfernungen ist die Verbindung eine wesentliche Komponente für die Auftragserfüllung im Hochgebirge.
Der Kompaniekommandant am Funkgerät; aufgrund der großen Entfernungen ist die Verbindung eine wesentliche Komponente für die Auftragserfüllung im Hochgebirge. (Foto: Gerold Keusch)

Eigene Lage

Das Jägerbataillon 24 hat den Verfügungsraum Lager Walchen gewonnen. Während der letzten Nacht haben der verstärkte Aufklärungszug und Scharfschützentrupps den Rosskopf (Scharfschützen) und den Nördlichen Schober (Aufklärungszug) gewonnen und dort Stellung bezogen. Der Aufklärungszug hat den Auftrag, Bewegungen der gegnerischen Reservekräfte beiderseits des Kammes zwischen Rosskopf und Nördlichem Schober im Bereich Küchlboden (Südost) und Rossboden (Nordwest) zu erkennen und zu melden. Die Aufklärung stellt sicher, dass der Bataillonskommandant ständig „ein Auge“ am Gegner hat, auf diesen reagieren kann und so handlungsfähig bleibt. Der Aufklärungszug ist mit einer Panzerabwehrlenkwaffen-Gruppe und einem Granatwerfer-Beobachtungstrupp verstärkt. Diese Elemente haben den Auftrag, gegnerische Kräfte auf Befehl zu bekämpfen und ihren Einsatz zu verzögern. Die Scharfschützentrupps haben den Auftrag, den Gegner im Angriffsziel Klammjoch zu beobachten und Lageänderungen zu melden. Ihre Feuereröffnung erfolgt ebenfalls auf Befehl, damit sie nicht frühzeitig erkannt werden.

Eigene Absicht

Das Kompaniegefechtsschießen ist ein Teil eines Bataillonsangriffes. Dabei wird jedoch nur das Gefechtsschießen einer hochgebirgsbeweglichen Jägerkompanie und der schweren Waffen des Bataillons praktisch durchgeführt. Bei diesem wird die folgende eigene Absicht des Kompaniekommandanten umgesetzt:

1. Kompanie greift irreguläre Kräfte im Klammjoch und in der Senke vor der Höhe „General Tretter“

  • in Übereinstimmung mit den „Rules of Engagement“,
  • im Verbund mit dem Jägerbataillon 24,
  • mit vorgestaffelter Aufklärung und vorgestaffeltem Einsatz von Panzerabwehrlenkwaffen, Granatwerfern und Scharfschützen,
  • entlang der Höhe „General Tretter“ über die Mölser Scharte und von dort weiter südwestlich des Kammes Rosskopf 
  • Mölser Sonnenspitze, - unter Einsatz von drei Unterstützungselementen (Höhe „General Tretter“, Rosskopf und am Kamm 500 m westlich der Mölser Sonnenspitze),
  • mit einem zugsstarken Stoßelement südlich der Mölser Sonnenspitze in Richtung Klammjoch an, um den gegnerischen Ansatz in Richtung Lager Lizum zu vereiteln und die Kontrolle über das Gebiet wiederherzustellen.
Die verstärkte Hochgebirgskompanie greift den Gegner beim Klammjoch mit vorgestaffelter Aufklärung und Einsatz von PAL, sGrW und Scharfschützen, über die Mölser Scharte und südwestlich des Kammes Rosskopf - Mölser Sonnenspitze, unter Einsatz von drei U-Elementen und einem zugsstarken Stoßelement, an.
Die verstärkte Hochgebirgskompanie greift den Gegner beim Klammjoch mit vorgestaffelter Aufklärung und Einsatz von PAL, sGrW und Scharfschützen, über die Mölser Scharte und südwestlich des Kammes Rosskopf - Mölser Sonnenspitze, unter Einsatz von drei U-Elementen und einem zugsstarken Stoßelement, an.

Befehlsausgabe und Herstellen der Gefechtsbereitschaft

Nach der Befehlsausgabe des Bataillons­kommandanten führt der Kompaniekommandant das, aufgrund des vorgegebenen Ablaufes, verkürzte Führungsverfahren durch. Danach gibt er den Befehl an die Zugskommandanten, die in einem ebenfalls verkürzten Führungsverfahren die Befehlsausgabe für ihre Gruppenkommandanten durchführen.

In der Befehlsausgabe werden die vorbereitenden Maßnahmen hinsichtlich des Angriffes festgelegt. Ein wichtiger Punkt ist die Vorbereitung der allgemeinen Ausrüstung, wobei neben dem Kampfanzug auch die Alpin-, Schi- und Wintertarnausrüstung am Mann sein muss. Zusätzlich wird festgelegt, wer, wann und wo Munition und Kampfmittel ausfasst und wie diese verteilt werden. Danach werden die Patronen der Maschinengewehre (MG), des überschweren MGs und die Granaten des Panzerabwehrrohres (PAR) innerhalb der Gruppen bzw. des Zuges aufgeteilt. Dabei genügt es nicht, die Anzahl der Munitionskisten oder Granaten durch die Zahl der Soldaten zu dividieren. Auch die Leistungsfähigkeit der Soldaten und die Mitnahme zusätzlicher Ausrüstung ist zu bedenken. Schließlich muss das eigene Element kampfkräftig an den Gegner geführt werden, um ihn bekämpfen zu können. Nach dem Abschluss der Versorgungsmaßnahmen sowie der Marsch- und Angriffsvorbereitungen wird die Vollzähligkeit der Ausrüstung (inklusive Alpinausrüstung) und die Funktion des „Lawinenpieps“ durch die Kommandaten persönlich überprüft. Danach stellen die Soldaten die Marschbereitschaft bis zum befohlenen Zeitpunkt her und melden diese.

Ein Kommandant vor dem Abmarsch zum Scharfschießen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Kommandant vor dem Abmarsch zum Scharfschießen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Durchführung

Der Angriff der Kompanie wird in mehreren Phasen durchgeführt. Das Teilen einer Gesamtaktion in mehrere Sequenzen berücksichtigt den Führungsgrundsatz der Einfachheit und erleichtert das Erstellen des Kampfplanes. Zusätzlich ermöglicht die Phasenbildung die Koordination der Teileinheiten und das leichtere Verständnis des Kampfplanes für die Kommandanten der Züge, Gruppen und Trupps, aber auch für die einzelnen Schützen. Das ist die Voraussetzung für die Koordination von Feuer und Bewegung innerhalb der Kompanie im Sinne des Kommandanten.

Phase 1: Beziehen Verfügungsraum

Das Beziehen des Verfügungsraumes erfolgt mit zwei Hubschraubern, einer Agusta Bell 212 und einem „Black Hawk“. Hier gilt es bereits in der Befehlsausgabe festzulegen, wer, wann mit welchem Luftfahrzeug transportiert wird, da die Hubschrauber nur eine begrenzte Anzahl an Schützen und Ausrüstung aufnehmen können. Darüber hinaus ist durch den Kompanie- und die Zugskommandanten der Einsatz einer Sicherung nach der Anlandung im Verfügungsraum zu koordinieren. Nachdem alle Kräfte dort angekommen sind, werden die letzten Maßnahmen für den Angriff abgeschlossen. Danach warten die Soldaten auf den Befehl zum Heraustreten aus dem Verfügungsraum.

Phase 2: Angriffsbeginn

Nachdem die Kompanie den Marschbefehl erhalten hat, bewegt sie sich in Gefechtsformation (Spitzenzug mit Spitzengruppe und Nahsicherern in Abständen von mindestens acht Schritten) zum Angriffsziel. Mit dem Überschreiten der Ablauflinie, einer fiktiven Linie im Gelände, beginnt der Angriff offiziell.

Ein Gruppenkommandant erteilt seinem MG-Trupp und einem Schützen einen Kampfauftrag. Die Soldaten beziehen die Stellungen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Gruppenkommandant erteilt seinem MG-Trupp und einem Schützen einen Kampfauftrag. Die Soldaten beziehen die Stellungen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Phase 3: Einsatz U-Element 1

Die Höhe „General Tretter“ ist das erste Angriffsziel. Das Nehmen dieses Geländeteiles erfolgt noch ohne Kampf. Es ist die Voraussetzung für den Einsatz des Unterstützungselementes (U-Elementes) in diesem Raum, vor dem sich bereits gegnerische Kräfte befinden. Diese sind ein Teil des Zuges auf dem Klammjoch, die sich bereits in der Senke südlich der Höhe „General Tretter“ festgesetzt haben. Der Einsatz des zugsstarken U-Elementes erfolgt, so wie das Nehmen dieses Geländes, lautlos und unbemerkt. Dadurch soll der Gegner bei der eigenen Feuereröffnung überrascht und die Wahrscheinlichkeit des eigenen Angriffserfolges erhöht werden. In dem U-Element befinden sich neben den Sturmgewehren auch leichte und schwere MGs, PAR und ein überschweres MG.

Nach dem Feuerbefehl durch den Kompaniekommandanten erfolgt die schlagartige Feuereröffnung auf die gegnerischen Kräfte, die als Scheiben dargestellt werden. Danach hat das U-Element den Gegner im Klammjoch für 45 Minuten niederzuhalten, um den Ansatz der Kompanie über den Kamm zwischen Mölser Scharte und Rosskopf zu gewährleisten.

Phase 4: Ansatz der Kompanie

Unter Feuerunterstützung des U-Elementes gewinnt die Kompanie hinter dem Kamm die Sturmausgangsstellung über die rechte Flanke. Auch diese Annäherung erfolgt mit Gefechtsabständen und einem Nahsicherungselement. Die Deckungsmöglichkeiten des Geländes werden so gut wie möglich ausgenützt, dennoch muss auch über freie Flächen marschiert werden. Währenddessen ist das Niederhaltefeuer des U-Elementes besonders wichtig. Bei der Mölser Scharte seilen sich die eigenen Kräfte an einer, von einem Vorkommando errichteten, Abseilstelle ab. Dabei schnallen sie die Schier ab und versorgen Waffen, Munition, Gepäck sowie Ausrüstung. Nach dem Abseilen stellen sie erneut die Marschbereitschaft her und setzen den Marsch Richtung Angriffsziel weiter fort, wobei zwei weitere U-Elemente eingesetzt werden.

Phase 5: Einsatz U-Element 2

Nach der Abseilstelle wird ein weiteres U-Element im Bereich der Mölser Sonnenspitze eingesetzt, das aus einem PAR- und einem MG-Trupp besteht. Dieses hat den Auftrag, den Gegner beim Klammsee niederzuhalten und das Gewinnen der Sturmausgangsstellung des Angriffselementes zu gewährleisten. Dazu wird es neben den Scharfschützen platziert, wodurch es in einem anderen Winkel als das U-Element 1 nördlich der Mölser Sonnenspitze auf den Gegner wirken kann. Das Niederhaltefeuer erfolgt gemeinsam mit den Scharfschützen, die ab nun ebenfalls die Feuerfreigabe erhalten.

Phase 6: Einsatz U-Element 3

Das dritte U-Element wird, so wie das zweite, mit dem Auftrag eingesetzt, die gegnerischen Kräfte im Bereich Klammsee niederzuhalten. Der Unterschied ist, dass sie Stellungen auf der südlichen Seite der Mölser Sonnenspitze gewinnen und dem Angriffselement das Überschreiten des Kammes zwischen der Mölser Sonnenspitze und dem Nördlichen Schober ermöglichen sollen.

Ein Schütze verwendet seinen Rucksack als Waffenauflage. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Schütze verwendet seinen Rucksack als Waffenauflage. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Der Kampf im winterlichen Hochgebirge bedingt die Schibeweglichkeit der Soldaten inklusive Waffen, Ausrüstung und zusätzlichen Versorgungsgütern. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Der Kampf im winterlichen Hochgebirge bedingt die Schibeweglichkeit der Soldaten inklusive Waffen, Ausrüstung und zusätzlichen Versorgungsgütern. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Phase 7: Gewinnen der Sturmausgangsstellung

Auf Befehl des Kompaniekommandanten erfolgt die Feuereröffnung bzw. Feuerverdichtung aller U-Elemente. Durch diese Feuerzusammenfassung wird der Gegner von drei Seiten „in die Zange genommen“ und niedergehalten. Das gewährleistet ein möglichst ungefährdetes Überschreiten der Kammlinie Mölser Sonnenspitze - Nördlicher Schober und das Gewinnen der Sturmausgangsstellung Klammjoch durch das Angriffselement. Während dieser Phase finden Feuer und Bewegung gleichzeitig statt, und es kommt zum Überschießen und Vorbeischießen der eigenen Kräfte.

Phase 8: Kampf im Angriffsziel

Vor der letzten Sequenz des Scharfschießens wird zunächst ein Nahunterstützungselement eingesetzt. Dieses besteht aus einem PAR- und einem MG-Trupp, das Ziele in der Tiefe des Angriffszieles bekämpft. Zeitgleich bezieht das Angriffselement die Sturmausgangsstellung und wartet auf den Befehl für den Sturm. Dieser erfolgt, nachdem die Ziele in der Tiefe bekämpft sind. Auf Kommando erheben sich die Schützen und bekämpfen in Schützenkette die Scheiben, die den Gegner darstellen, und nehmen das Klammjoch.

Phase 9: Sicherung des Angriffszieles

Nach dem Werfen des Gegners wird über das eigentliche Angriffsziel gestoßen und eine Sicherung eingesetzt, um einen möglichen gegnerischen Ansatz zu erkennen. Danach werden eigene Kräfte nachgeführt und das Angriffsziel Richtung Südost abgeriegelt. Parallel dazu werden Versorgungsmaßnahmen durchgeführt. Diese würden im Einsatz vom Munitionsausgleich über die Verwundetenversorgung bis zum Abtransport von Gefangenen reichen. Beim Scharfschießen werden diese Maßnahmen nicht durchgeführt, jedoch die Sicherheit an allen Waffen hergestellt.

Der Kommandant des sGrW-Zuges leitet das Niederhaltefeuer im Feuerstellungsraum beim Mölser Niederleger. Das Scharfschießen der Granatwerfer war ein Teil des Kompaniegefechtsschießens. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Der Kommandant des sGrW-Zuges leitet das Niederhaltefeuer im Feuerstellungsraum beim Mölser Niederleger. Das Scharfschießen der Granatwerfer war ein Teil des Kompaniegefechtsschießens. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Scharfschießen der schweren Waffen

Parallel zum Scharfschießen der Kompanie erfolgt das Scharfschießen der schweren Granatwerfer (sGrW) und der Panzerabwehrlenkwaffen (PAL). Diese haben den Auftrag, den Angriff der Kompanie zu unterstützen, indem sie gegnerische Kräfte im Bereich des Angriffszieles bzw. im Rossboden, etwa 1 000 m östlich des Annäherungsweges der Kompanie, bekämpfen.

Die PAL-Gruppe hätte gemäß der Lage bereits vorgestaffelt gemeinsam mit dem Aufklärungszug ihren Stellungsraum bezogen. Im realen Durchgang wird sie jedoch nicht vorgestaffelt eingesetzt, sondern als erstes Element mit Hubschraubern zum Nördlichen Schober geflogen. Dort stellt sie die Feuerbereitschaft her, beobachtet das Gelände und wartet auf weitere Aufträge bzw. das Auftauchen von Zielen, die bekämpft werden sollen.

Nach der Befehlsausgabe gewinnt der sGrW-Zug mit Fahrzeugen den Feuerstellungsraum beim Mölser Niederleger und stellt dort die Gefechtsbereitschaft her. Die Soldaten bringen zunächst die Granatwerfer in Stellung und richten diese ein. Danach laden sie Munitionskisten von den Lastwägen ab und tragen sie zu den Werfern. Dort nehmen sie die Granaten aus den Kisten und legen sie unter Planen, damit sie geschützt sind. Nachdem der Zugskommandant die Gefechtsbereitschaft gemeldet hat, warten die Soldaten auf den Befehl zur Feuerfreigabe.

Während des Scharfschießens erhält die PAL-Gruppe die Feuerfreigabe und der sGrW-Zug den Feuerbefehl. Die Flugkörper der PAL werden auf Felsen gefeuert, die in etwa die Abmessung einer Stellung haben, da dieses Waffensystem nicht nur gegen Kampffahrzeuge, sondern auch zur Bekämpfung eines Gegners in einer Stellung wirkungsvoll ist. Die Granatwerfer feuern in das Zielgebiet Rossboden. Dorthin schießen sie Niederhaltefeuer während des Gefechtsschießens der Kompanie.

Oberst Bernd Rott, der Kommandant des Jägerbataillons 24, bei der Dienstaufsicht und Führung des Bataillons. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Oberst Bernd Rott, der Kommandant des Jägerbataillons 24, bei der Dienstaufsicht und Führung des Bataillons. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Auf einen Blick

Umso näher ein Scharfschießen einem realen Gefechtsablauf folgt, desto höher ist der Wert der Ausbildung, da sich diese am Einsatz orientieren muss. Bei dem Kompaniegefechtsschießen waren die Phasen und die Zeitdauer des Angriffes real. Die Abfolge von Feuer und Bewegung hat gezeigt, wie ein Gefecht im Hochgebirge Erfolg versprechend umgesetzt werden kann. Dennoch gab es beim Scharfschießen Abweichungen zum realen Gefecht.

Diese sind einerseits durch die Sicherheitsbestimmungen im Frieden begründet und andererseits in der Ausbildung. So werden von den Schützen die gleichen Ziele (stehende Scheiben) mehrmals bekämpft, was sie im realen Gefecht nicht machen würden. Darüber hinaus würden die eigenen Kräfte auch nicht unbedingt sofort den Feuerkampf aufnehmen. Vielmehr würden sie den Gegner zunächst auffordern, sich zu ergeben, und erst wenn er das verweigert, mit dem Feuerkampf beginnen. Bei diesem würde sich ein realer Gegner jedoch wehren und zurückschießen, was die Scheibe natürlich nicht macht. Somit sind auch die psychischen Belastungen, mit denen ein Soldat im Einsatz konfrontiert ist, nicht simulierbar.

Das Bewältigen einer komplexen Gefechtssituation im „Scharfen Schuss“, in das verschiedene Waffensysteme eingebunden sind, mit Bewegungsphasen, Vorbei- und/oder Überschießen, ist das anschaulichste Mittel, um im Frieden das Gefecht darzustellen und zu üben. Dabei wird nicht nur der Ausbildungsstand der Schützen und ihrer Kommandanten überprüft, sondern ihnen vor Augen geführt, wo sie stehen und ob sie in der Lage wären, eine solche Aufgabe zu meistern. Bei der MOUNTAIN WARRIOR 2019 haben die Hochgebirgsjäger vom Jägerbataillon 24 gezeigt, dass sie ihr Handwerk beherrschen und im „Scharfen Schuss“ bewiesen, dass sie in der Lage sind, den Kampf im Hochgebirge zu führen.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

Oberst Bernd Rott, der Kommandant des Jägerbataillons 24, erklärt den Ablauf des Scharfschießens. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Oberst Bernd Rott, der Kommandant des Jägerbataillons 24, erklärt den Ablauf des Scharfschießens. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Kommentar: Herausforderung gemeistert!

Bei der Hochgebirgsübung „MOUNTAIN WARRIOR 2019“ habe ich uns 24er im Bataillonsverbund bewusst und gezielt an die Grenzen der organisatorischen und persönlichen Leistungsfähigkeit geführt. Ziel war es ,unsere Handlungsfähigkeit als Kampfverband im extremen Umfeld unter außerordentlichen Bedingungen zu beweisen und weiterzuentwickeln.

Die 24er-Hochgebirgsjäger, Grundwehrdiener, Berufskader aller Führungsebenen, die 24er-Kaderpräsenzeinheit, die Kaderanwärter der KAAusb2 und unsere Miliz haben sich dieser Herausforderung gemeinsam gestellt. Sie haben erfolgreich gekämpft und diese bewältigt! Die Kampfgemeinschaft der 24er-Hochgebirgsjäger kann stolz darauf sein, diese Bataillonsaufgabe im extremen Gelände im scharfen Schuss erfolgreich gemeistert zu haben. Die gewonnenen Erfahrungen und gesteigerten Fähigkeiten im Kampf der verbundenen Waffen im winterlichen Hochgebirge sind wertvoll.

Die Kampfweise der Hochgebirgssoldaten wird vom extremen Umfeld der Berge vorgegeben. Bevor wir dem Gegner gegenübertreten, müssen wir uns zuerst dem Gebirge stellen. Um das zu können, benötigen wir Hochgebirgssoldaten zwei Eigenschaften: Unbeugsamen Willen und die Fähigkeit zum Kampf im Team. Der Wille, dem Gelände zu trotzen, dem Gegner in Eis und Fels gegenüberzutreten und ihn dort erfolgreich zu bekämpfen zeigt sich in konsequent gefestigtem Können, persönlicher Zuversicht und der nötigen „Härte im Nehmen“. Kein Hochgebirgssoldat kann alleine erfolgreich sein. Ohne die gegenseitige Unterstützung aller Kameraden des Kampfverbandes kann er nicht überleben, egal ob auf ihn geschossen wird oder nicht.

Bei allen Herausforderungen unseres extremen Einsatzraumes und der daraus abzuleitenden Härte der Einsatzvorbereitung dürfen wir 24er-Hochgebirgssoldaten, so wie alle anderen Soldaten auch, aber nie das „warum“ vergessen. Wir 24er-Hochgebirgsjäger erfüllen eine spezielle und ehrenvolle Aufgabe als Kämpfer in einem besonderen Umfeld: Wir schützen die Menschen unserer Heimat als Wächter und „Ultima Ratio“ der Republik Österreich!

Oberst Bernd Rott, MA ist Kommandant beim Jägerbataillon 24.

 

Video der MOUNTAIN WARRIOR 2019 des ukrainischen Militärfernsehens: 

MOUNTAIN WARRIOR 2019

 

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