• Veröffentlichungsdatum: 20.01.2017
  • – Letztes Update: 29.06.2017

  • 5 Min -
  • 1077 Wörter

Mörder und Volksheld - Gavrilo Princip

Martin Prieschl

(Foto: Gemeinfrei)
(Foto: Gemeinfrei)

Schon kurz nach dem Ende des Weltkrieges begann die Verherrlichung jenes jungen Mannes, durch dessen Schüsse auf Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo die Julikrise 1914 ausgelöst worden war und die in den Ersten Weltkrieg gemündet hatte.

Serie: Der Erste Weltkrieg in Europa

Straßennamen erinnern an ihn, der bosnische Volksmusiker Safet Isovic (1936 bis 2007) widmete dem jungen Mann ein Lied („Najljepša pjesma o Gavrilu Principu“), dessen schwülstiger - historisch falscher - Text von Predrag Kojdic den Mörder des Thronfolgers und seiner Gemahlin Sophie von Hohenberg verherrlichte: „(…) Die Sonne scheint von den blauen Bergen, Völker aus der Weite haben sich versammelt. Der herzhafte Held war unter ihnen, mit drei Schüssen hat er den Kaiser getötet. Gavrilo, Gavrilo, du junger Held aus Serbien, wir deine Landesmänner sind stolz auf deine Taten (…)“. (Der Autor bedankt sich bei Frau Merita Dobersberger für die Übersetzung des Liedes aus dem Serbokroatischen). Auch soll am 28. Juni 2014 im Kalemegdan (Parkanlage im Glacis der Burganlage in Belgrad) eine Statue von Gavrilo Princip enthüllt werden. 

Gavrilo Princip wurde 1894 als Kind eines Bauern und Postangestellten in Obljaj (heute ein Stadtteil von Bosansko Grahovo) in Bosnien geboren und verbrachte seine Kindheit in Sarajewo. Princip besuchte hier die Grundschule, danach eine Handelsschule in Tuzla und dann das Gymnasium seiner Heimatstadt, wo er Kontakt zur nationalistischen Organisation „Mlada Bosna“ (Junges Bosnien) knüpfte und deren Mitglied wurde. Ziel dieser Organisation war die Loslösung Bosnien-Herzegowinas aus dem habsburgischen Staatsverband und die Bildung eines gemeinsamen Staates mit dem Königreich Serbien sowie mit Montenegro. Gavrilo Princip selbst zog 1912 nach Belgrad, um nach dem Abschluss des Gymnasiums (als Externist) zu studieren.

Die beiden Attentäter Cabrinovic (1) und Princip (2). (Foto: Gemeinfrei)
Die beiden Attentäter Cabrinovic (1) und Princip (2). (Foto: Gemeinfrei)

Hier in der Hauptstadt Serbiens versuchte Princip von nationalem Eifer beseelt Mitglied in einer Tschetnikeinheit zu werden, doch deren Kommandant Major Vojin P. Tankosic (Mitglied der serbischen Geheimorganisation „Crna ruka“ - (Schwarze Hand), auch „Ujedinjenje ili Smrt“ - „Vereinigung oder Tod“ genannt) lehnte ihn als zu schwächlich ab. Der Schüler Princip musste unverrichteter Dinge in die bosnische Hauptstadt zurückkehren. 

Im Frühjahr 1914 erfuhr Gavrilo Princip vom anstehenden Besuch des Thronfolgers in Bosnien, der hier am Abschluss des Manövers des 15. und 16. Korps der k.u.k. Armee teilnehmen wollte. Das Datum kam auf Bitten des Statthalters von Bosnien-Herzegowina, Feldzeugmeister (FZM) Oskar Potiorek, zustande - der 28. Juni (nach dem Gregorianischen Kalender) ist und war für die serbische Bevölkerung ein Feier- und Gedenktag. An diesem Tag im Jahre 1389 kam es zur Schlacht auf dem Amselfeld zwischen Osmanen und Serben.

Princip beschloss mit zwei anderen jungen Männern - Nedeljko Cabrinovic und Trifun Grabež - auf den Thronfolger ein Attentat zu verüben. Sie knüpften Kontakte mit Geheimdienstkreisen rund um Milan Ciganovic und Vojin P. Tankošic, der ihn einst als Tschentnik abgelehnt hatte. Beide waren auch Mitglieder der Crna ruka. 

Ciganovic trainierte die jungen Männer im Gebrauch der Schusswaffen und stattete sie mit Pistolen sowie Bomben aus Beständen der serbischen Armee aus. Um nach dem Anschlag Selbstmord begehen zu können, gab er ihnen Zyankali mit. Im Mai wurden die drei mit Hilfe serbischer Behörden über die Landesgrenze nach Bosnien geschmuggelt und kehrten über Tuszla nach Sarajewo zurück. In Tuszla schloss sich der Gruppe ein vierter Attentäter, der Lehrer Danilo Ilic, an, der drei weitere Mitglieder der Verschwörergruppe anwarb  Vaso Cubrilovic, Cvetko Popovic und Muhamed Mehmedbašic.

Kurz vor dem Attentat versuchte angeblich der Chef des serbischen Geheimdienstes, der berüchtigte Dragutin Dimitrijevic (genannt Apis, ebenfalls Mitglied der Schwarzen Hand), die Verschwörer von ihrer Tat abzubringen. Doch vergeblich, Gavrilo Princip bestand auf die Ausführung des Anschlages. Einer der Vorbilder des jungen Attentäters war der Student Bogdan Žerajic, der ein fehlgeschlagenes Attentat am 15. Juni 1910 auf den bosnischen Gouverneur Marijan Freiherr Varesanin von Vareš ausgeführt und sich danach selbst erschossen hatte. 

Nachdem am 28. Juni 1914 Franz Ferdinand begleitet von seiner Frau mit der Eisenbahn von  Ilidža kommend in Sarajewo eingetroffen war, brachte eine Autokolonne den Thronfolger entlang des Flusses Miljacka Richtung Rathaus. Entlang des Kais hatten sich die Attentäter postiert. Als das Auto Franz Ferdinands vorbeifuhr, warf der Attentäter Cabrinovic eine Bombe auf das Fahrzeug, doch prallte diese ab und verletzte die Insassen des folgenden Autos. Cabrinovic, der vergeblich versucht hatte durch Zyankali Selbstmord zu begehen, wurde verhaftet.

In dieser Zelle in Theresienstadt wurde Gavrilo Princip nach dem Attentat eingesperrt. (CC BY 2.5)
In dieser Zelle in Theresienstadt wurde Gavrilo Princip nach dem Attentat eingesperrt. (CC BY 2.5)

Die Kolonne fuhr weiter zum Rathaus. Nach kurzem Aufenthalt fuhr die Wagenkolonne mit dem Thronfolger in Richtung Krankenhaus, um einen der beiden durch den Bombenanschlag verletzten Offiziere zu besuchen. Auf der Höhe der Lateinerbrücke bogen die Fahrzeuge versehentlich auf die ursprünglich geplante Route ab. Das Fahrzeug mit dem Thronfolger versuchte wieder auf den Kai zurückzugelangen und blieb dabei zufällig direkt vor der Stelle stehen, an der sich Gavrilo Princip aufhielt. Er zog die Pistole, schoss zweimal und traf dabei den Thronfolger und seine Gattin, die beide kurz darauf ihren Verletzungen erlagen. Princip versuchte wie Cabrinovic Selbstmord zu verüben, doch das Gift erbrach er und die Pistole wurde ihm entrissen. Er wurde von der wütenden Menge fast gelyncht bevor ihn die Sicherheitskräfte verhaften und abführen konnten. 

Gavrilo Princip, zum Zeitpunkt des Jahres noch nicht zwanzig Jahre alt, konnte nicht zum Tode, sondern nur zu zwanzig Jahren Kerker verurteilt werden. Princip wurde in der Strafanstalt Theresienstadt unter harten Bedingungen eingekerkert, wo er nach vier Jahren - am 28. April 1918 - an Knochentuberkulose starb. Nach dem Krieg wurden seine sterblichen Überreste exhumiert und am Friedhof Koševo in Sarajewo erneut beigesetzt.

Die Kolonne fuhr weiter zum Rathaus. Nach kurzem Aufenthalt fuhr die Wagenkolonne mit dem Thronfolger in Richtung Krankenhaus, um einen der beiden durch den Bombenanschlag verletzten Offiziere zu besuchen. Auf der Höhe der Lateinerbrücke bogen die Fahrzeuge versehentlich auf die ursprünglich geplante Route ab. Das Fahrzeug mit dem Thronfolger versuchte wieder auf den Kai zurückzugelangen und blieb dabei zufällig direkt vor der Stelle stehen, an der sich Gavrilo Princip aufhielt. Er zog die Pistole, schoss zweimal und traf dabei den Thronfolger und seine Gattin, die beide kurz darauf ihren Verletzungen erlagen. Princip versuchte wie Cabrinovic Selbstmord zu verüben, doch das Gift erbrach er und die Pistole wurde ihm entrissen. Er wurde von der wütenden Menge fast gelyncht bevor ihn die Sicherheitskräfte verhaften und abführen konnten. 

Gavrilo Princip, zum Zeitpunkt des Jahres noch nicht zwanzig Jahre alt, konnte nicht zum Tode, sondern nur zu zwanzig Jahren Kerker verurteilt werden. Princip wurde in der Strafanstalt Theresienstadt unter harten Bedingungen eingekerkert, wo er nach vier Jahren - am 28. April 1918 - an Knochentuberkulose starb. Nach dem Krieg wurden seine sterblichen Überreste exhumiert und am Friedhof Koševo in Sarajewo erneut beigesetzt.

Mag. Martin Prieschl, MA,  ist Experte für Rechtswissenschaft und Geschichte.

Die Lateinerbrücke (vormals Princip-Brücke) in Sarajewo - der Schauplatz des Attentats. (Foto: Baumi, CC BY-SA 3.0)
Die Lateinerbrücke (vormals Princip-Brücke) in Sarajewo - der Schauplatz des Attentats. (Foto: Baumi, CC BY-SA 3.0)
 

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