• Veröffentlichungsdatum: 18.09.2019
  • – Letztes Update: 19.09.2019

  • 3 Min -
  • 644 Wörter

Militärforschung zum Angreifen

Robert Zanko

(Fotos: RedTD/Markus Togl; Montage: Keusch)
(Fotos: RedTD/Markus Togl; Montage: Keusch)

Das Österreichische Bundesheer präsentierte am 17. September 2019 seine laufenden Forschungsprojekte im Heeresgeschichtlichem Museum. Dort konnten Besucher die letzten Forschungsergebnisse, beispielweise zur Minimierung von Fluggefahren durch Vulkanasche, zur Abwehr von Drohnen oder zum Führungsverfahren erleben.

Die Abteilung Wissenschaft, Forschung und Entwicklung des Bundesministeriums für Landesverteidigung vergibt Forschungsaufträge innerhalb und außerhalb des Ministeriums. Damit werden Forschungsprogramme gefördert, die aus dem Europäischen Verteidigungsfonds - European Defence Fund - finanziert werden. Aktuell investiert die Europäischen Union in Projekte mit einem Volumen von etwa 13 Milliarden Euro für die Verteidigung. Bei dem Forschungsmarktag wurden bei neun „Marktständen“ Projekte präsentiert, wobei acht Stände im Museumsgebäude und einer außerhalb aufgebaut waren. Dort präsentierten die Forscher ihre Projekte persönlich und standen dem interessierten Besucher Rede und Antwort.

Drohnenabwehr durch „Jamming“

Bei dem Stand vor dem Museumsgebäude wurde die Detektion, Verifikation und Intervention einer 10 kg schweren Drohne vorgeführt, die um 5 kg „abgespeckt“ beispielsweise auch mit Kampfstoffen beladen sein könnte. Die Detektion erfolgt mit zwei optischen Sensoren (450 m) zur mehrdimensionalen Darstellung, einem Infrarotsensor (200 m), einem Radar (300 m) und einem Akustiksensor (100 m). Nach der Detektion erfolgen die Verifikation, das Erstellen eines Lagebildes und die Beurteilung einer geeigneten Intervention, der Gegenmaßnahme.

Das präsentierte Projekt zielt auf den Schutz des Nahbereichs eines Schutzobjektes ab, wobei die Gegenmaßnahme mit dem Jammer (Störer) gewählt wurde. Dazu wird zunächst eine vordefinierte Bandbreite (bei handelsüblichen Drohnen jene Frequenzbereiche, die durch in Industrie, Wissenschaft, Medizin lizenz- und zumeist genehmigungsfrei genutzt werden könne) 4.000-mal pro Sekunde gescannt. Im Bedarfsfall erfolgt die Intervention durch das „Jamming“ (Stören) der Verbindung zwischen Drohne und Steuereinheit. Die Signalstörung aktiviert das vorprogrammierte Notprogramm der Drohne, das die Flugmanöver Heimflug (Return Home), Schwebeflug oder Landung zur Folge hat.

Eine etwa zehn Kilogramm schwere Drohne stellt den „Feind“ bei einer Vorführung zur Drohnenabwehr dar. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Eine etwa zehn Kilogramm schwere Drohne stellt den „Feind“ bei einer Vorführung zur Drohnenabwehr dar. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Der Akustik-Sensor detektiert den Nahbereich des Schutzobjektes bis 100 Meter. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Der Akustik-Sensor detektiert den Nahbereich des Schutzobjektes bis 100 Meter. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Die Drohne wird durch zwei optische Sensoren, einen Infrarotsensor, ein Radar und (im nächsten Bild) einen Akustiksensor erkannt. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Die Drohne wird durch zwei optische Sensoren, einen Infrarotsensor, ein Radar und (im nächsten Bild) einen Akustiksensor erkannt. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Der Jammer detektiert und unterbricht die Verbindung zwischen Drohne und Steuereinheit. Dadurch stört er das Signal und zwingt die Drohne in die vorprogrammierten Notfunktionen bei Abriss der Verbindung. Diese sind: Heimflug, Schwebeflug oder Landung. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Der Jammer detektiert und unterbricht die Verbindung zwischen Drohne und Steuereinheit. Dadurch stört er das Signal und zwingt die Drohne in die vorprogrammierten Notfunktionen bei Abriss der Verbindung. Diese sind: Heimflug, Schwebeflug oder Landung. (Foto: RedTD/Markus Togl)

Fliegen trotz Vulkanausbruch

Ein Stand im Museumsgebäude präsentierte eine Simulation zum Herabsetzen von Flugausfällen in der zivilen Luftfahrt und der Erhöhung der Flugsicherheit für die Luftwaffe. Anlass dieses Forschungsprojektes ist der Ausfall von etwa 100.000 Flügen nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island im Jahr 2010 und die damals fehlende Flugsicherheit des Militärs, die auch bei solchen Ereignissen gegeben sein muss. Beispiele für weitere Gefahren, bei denen diese Simulation zum Einsatz kommen kann, sind großflächige kontaminierte Wolken nach einem Atomreaktorunfall oder Chemieunfall.

Das Ziel der Simulation mit dem Projektnamen „European Natural Airborne Disaster Information and Coordination System for Aviation“ ist es ein Lagebild zu generieren. Dazu führt es die Daten von Satelliten, Bodenstationen, Lasermessungen und die riesigen Datenmengen unterschiedlicher Airlines und Institutionen zusammen und generiert daraus ein aktuelles Lagebild. Das Erstellen der ersten Simulation ist bereits nach zehn Minuten möglich. Wäre diese bei dem Ausbruch des Vulkans auf Island bereits zur Verfügung gestanden, hätten die 100.000 Flugausfälle auf 5.000 reduziert werden können, da diese Simulation kostengünstige und vor allem sichere Flugrouten berechnen kann.

Mithilfe dieser Simulation hätten nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island im Jahr 2010 die erfolgten 100.000 Flugausfälle auf 5.000 reduziert werden können. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Mithilfe dieser Simulation hätten nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island im Jahr 2010 die erfolgten 100.000 Flugausfälle auf 5.000 reduziert werden können. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Mit der Virtual-Reality-Brille kann der Nutzer durch die Ortschaft spazieren und mit zwei Controllern Elemente in Form taktischer Zeichen einsetzen. (Foto: RedTD/Markus Togl)
Mit der Virtual-Reality-Brille kann der Nutzer durch die Ortschaft spazieren und mit zwei Controllern Elemente in Form taktischer Zeichen einsetzen. (Foto: RedTD/Markus Togl)

Führungsverfahren mit Brille

Brigade- und Bataillonskommandanten könnten bald zu Brillenträger werden. Konkret könnten sie eine 3D-Brille tragen, mit deren Hilfe sie ihre Planungsverfahren durchführen können, wovon sich die Besucher des Markttages beim Projekt „Visual Analytics im MilGeo-Raum“ ein Bild machen konnten. Durch die virtuelle Realität kann der Kommandant durch eine Ortschaft spazieren oder den Einsatzraum von oben betrachten und dabei mit zwei Controllern seine Elemente mit taktischen Zeichen platzieren. Der wesentliche Unterschied zu frei verfügbaren Online-Karten wie Street View ist, dass jeder Ort auf der Erde innerhalb von zwei Wochen aktuell und dreidimensional dargestellt werden kann.

Auf einen Blick

Alle Projekte des Forschungsmarkttages beim Heeresgeschichtlichen Museum präsentierten den letzten und somit aktuellen Stand der Forschung auf ihrem jeweiligen Gebiet. Einige Projekte, wie die „Erfolgsmessung im internationalen Krisen- und Konfliktmanagement“ könnten rasch implementiert werden. Andere Innovationen müssten zuerst in eine budgetäre Programmplanung aufgenommen werden, um nach ihrer Markt- und „Gefechtsreife“ in ausreichender Stückzahl zur Verfügung zu stehen. Allen Projekte haben jedoch die Gemeinsamkeit, dass sie High-tech-Tools sind, die dazu beitragen können, die Sicherheit zu erhöhen.

Oberstleutnant Mag. (FH) Robert Zanko ist Leitender Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Weitere Informationen zum Forschungsmarkttag 2019

 

Ihre Meinung

Meinungen (0)