• Veröffentlichungsdatum: 24.05.2018
  • – Letztes Update: 06.06.2018

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Hintergrund, Inhalt und Ablauf der SETC

Jörg Loidolt

(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
(Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

Die SETC kann als Teil der Antwort der NATO auf die Verschlechterung der Sicherheitslage in Europa seit dem Beginn des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine angesehen werden. Aufgrund der Entwicklungen im Osten Europas wurde das „Strong Europe“-Konzept entwickelt, das auch als allgemeiner Überbau für den Panzerwettkampf dient.

Dieses Konzept kann durchaus als „Hilfe zur Selbsthilfe“ verstanden werden, wobei die amerikanische Handschrift deutlich zu erkennen ist. Die USA und ihre Truppen sind in Europa und besonders in Deutschland noch immer prominent vertreten. Die 7th U.S. Army mit ihrem Hauptquartier in Wiesbaden befehligt eine Reihe von Verbänden und Kommanden, die mit Masse in Deutschland stationiert sind. Dazu zählen unter anderem

  • das 2nd Cavalry Regiment, der älteste durchgehend bestehende Verband der U.S. Army, der heute eine Panzergrenadierbrigade ist,
  • die 18th Military Police Brigade,
  • das 10th Army Air & Missile Defense Command oder
  • das 7th Army Training Command in Grafenwöhr, das sich sowohl als Ausbildungsinstitution für die U.S. Army Europe selbst als auch für alle europäischen Partner versteht.

Innerhalb des 7th Army Training Command gibt es Ausbildungseinrichtungen wie eine Unteroffiziersschule, einen Lehrstab für allgemeine militärische Kurse oder eine ukrainisch-amerikanische-Ausbildungskooperation, in der Einheiten und Verbände geschult und zertifiziert werden.

Viele der NATO-Ausbildungen finden in Grafenwöhr statt. Dort befindet sich ein alter Truppenübungsplatz auf dem bereits die kaiserliche Armee unter dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Manöver abhielt. Heute wird das über 230 km² große Übungsgelände von der Grafenwöhr Training Area geführt, die nicht nur Schießplätze vergibt, sondern auch ganze Übungen anbietet.

Der Wettkampf als Ausbildungsmittel

Der letzte Teil des Wettkampfes ist die Tanker Olympics. Das ist Geländelauf, bei dem die Soldaten Munition und Ausrüstungsgegenstände mittragen müssen. (Foto: Panzerbataillon 14)
Der letzte Teil des Wettkampfes ist die Tanker Olympics. Das ist ein Geländelauf, bei dem die Soldaten Munition und Ausrüstungsgegenstände mittragen müssen. (Foto: Panzerbataillon 14)

Neben den Ausbildungen finden im Zuge des „Strong Europe Programme“ auch Wettbewerbe in Grafenwöhr statt. Einer davon ist die seit 2016 durchgeführte Strong Europe Tank Challenge, kurz SETC. Die Bewerbe verfolgen mehrere Ziele, wobei die Gefechtstechnik der jeweiligen Waffengattung im Mittelpunkt steht. Diese wird sowohl mittels Übungen im scharfen Schuss als auch anhand von Stationen überprüft.

Jeder Bewerb wird unter gefechtsnahen Bedingungen durchgeführt. Die Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit erfolgt laufend und in eigenen Bewerben. Die gesamte Challenge dauert fünf Tage und ist so ausgelegt, dass sie alle Teilnehmer bis zur letzten Minute fordert. Die Stärkung der Kameradschaft und Erhöhung der Interoperabilität sind zusätzliche „Metaziele“, die abseits der Bewerbe erreicht werden sollen.

Stationen des Panzerwettkampfes

Die Teilnehmer der SETC18 - Panzerzüge aus neun Nationen - müssen 13 Aufgaben bewältigen. Der anspruchsvollste Teil sind drei Zugsgefechtsschießen, wobei ein offensives, ein defensives und das so genannte „Shoot out“-Schießen zu absolvieren sind.

Die beiden Erstgenannten sind nicht nur Schießübungen, sondern verlangen vom Zugskommandanten ein Führungsverfahren inklusive Befehlsgebung sowie das Durchführen einer Gefechtsaufgabe unter ständiger Aufrechterhaltung der Verbindung mit dem vorgesetzten Kommando in englischer Sprache. Dabei werden das rasche und zielgenaue Treffen bewertet sowie die notwendigen zusätzlichen Tätigkeiten.

Demnach entscheidet nicht alleine das „schnelle Schießen und gute Treffen“ über den Sieg, sondern bereits die Sicherung während der Befehlsausgabe. Sind die Meldungen nicht nur schnell, sondern auch richtig, gibt es dafür ebenfalls Punkte, oder genauer gesagt: einen geringeren Punkteabzug. Das ist auch der Grund, warum diese Aufgabe bis zu drei Stunden in Anspruch nimmt.

Ein Kampfpanzer "Leopard" 2A4 der österreichischen Mannschaft beim Scharfschießen bei der SETC17. (Foto: Panzerbataillon 14)
Ein Kampfpanzer "Leopard" 2A4 der österreichischen Mannschaft beim Scharfschießen bei der SETC17. (Foto: Panzerbataillon 14)

Nur beim „Shoot out“-Bewerb ist lediglich die reine Schießtechnik gefragt. Dabei steht der Panzerzug in einer Riegelstellung, aus der Ziele mit einem möglichst geringen Munitionseinsatz rasch zu bekämpfen sind. Hier war die deutsche Mannschaft im Jahr 2017 eine Klasse für sich, jedoch zählte dieses Schießen noch nicht zur Gesamtwertung. Heuer ist das „Shoot out“ der 13. und somit der letzte und vielleicht entscheidende Bewerb der SETC.

Neben dem Kanonenschießen gilt es noch andere Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. So verlangt ein Pistolenschießen auf Entfernungen bis 25 m aus verschiedenen Stellungen während des Aufsitzens auf den Panzer den treffsicheren Umgang mit der Handfeuerwaffe. Des Weiteren gilt es, einen Panzer des Zuges unter ABC-Bedrohung zu bergen, einen durch eine Sprengfalle beschädigten Panzer instand zu setzen sowie zeitgleich einen Verwundeten zu bergen, zu versorgen und der Sanitätskette zuzuführen.

Der Panzerfahrer muss ebenfalls sein Können unter Beweis stellen, indem er bei geschlossenen Luken nur durch die Anweisungen des Kommandanten einen Parcours rückwärts und vorwärts bewältigen muss. Die Ausgangslage hierfür ist das Ausweichen unter feindlichem Steilfeuer mit erneutem Stellungsbezug. Ein weiterer Parcours dient dem Panzer- und Flugzeugerkennungsdienst, bei dem 40 Klappscheiben im Gelände zu finden, zu erkennen und zu melden sind.

Die Anforderung von Steilfeuer, ohne Zuhilfenahme des Laserentfernungsmessers des Panzers und das Schätzen von Entfernungen mittels Notvisier wird genauso abgefragt wie die Beobachtung einer Ortschaft. Bei dieser Station muss zwischen Zivilisten und Kombattanten unterschieden, ein Hochwertziel gefunden und dessen Verhalten gemeldet werden. Das angeforderte Steilfeuer wird tatsächlich geschossen und muss durch den Panzerkommandanten auch korrigiert werden.

Der "Leopard" 2A4, das "Wettkampfgerät" der österreichischen Mannschaft. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)
Der "Leopard" 2A4, das "Wettkampfgerät" der österreichischen Mannschaft. (Foto: Bundesheer/Daniel Trippolt)

In allen Bewerben ist das genaue, richtige und rasche Melden, unter Verwendung der NATO-Terminologie, ein fixer Bestandteil, der viele Punkte bringt. So muss der Verwundete bei der Station Hinterhalt zu einem Hubschrauber gebracht werden, der zuvor mittels eines standardisierten Funkspruches (9-Liner) angefordert werden muss. Je genauer dies erfolgt, desto rascher kommt die Rettung aus der Luft.

Die beschriebenen zehn Stationen werden von Montag bis Donnerstag im Wechsel absolviert. Damit gibt es donnerstagabends einen aussagekräftigen Zwischenstand, bevor der Freitag die Entscheidung bringt. Am Vormittag des letzten Tages stehen die beiden Fitnessstationen am Programm. Das ist zum einen die US-Hindernisbahn, die länger als die österreichische ist und zusätzliche Hindernisse beinhaltet, und zum anderen die Tanker Olympics. Dahinter verbirgt sich ein Geländelauf im Kampfanzug, bei dem die Soldaten Ausrüstungsteile ihrer Panzer, wie eine Laufrolle, Munitionskisten oder ein Abschleppseil mittragen müssen.

Nach diesem kräftezehrenden Prozedere und vier Bewerbstagen „in den Knochen“, steht als letzte Station das „Shoot out“ am Programm. Dann heißt es: „The Winner of the Strong Europe Tank Challenge 2018 is ...“

Major Mag.(FH) Jörg Loidolt, MA ist Kommandant (mdFb) des Panzerbataillons 14 im Welser #panzerhort.

zur Artikelserie

Die Trophäen der SETC17 vor der Siegerehrung. (Foto: Panzerbataillon 14)
Die Trophäen der SETC17 vor der Siegerehrung. (Foto: Panzerbataillon 14)
Die Mannschaft der "Welser Hesser" nach dem Sieg bei der SETC17. (Foto: Panzerbataillon 14)
Die Mannschaft der "Welser Hesser" nach dem Sieg bei der SETC17. (Foto: Panzerbataillon 14)
 

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