• Veröffentlichungsdatum: 12.09.2018

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Heimat der Unteroffiziere

Rudolf Pfalzer

60 Jahre Unteroffiziersausbildung in Enns - eine Bildungsstätte mit Tradition

(Foto: Bundesheer/Montage: Rizzardi)
(Foto: Bundesheer/Montage: Rizzardi)

„Unteroffiziere sind der Kitt, der eine Armee zusammenhält“, sagte bereits Napoléon Bonaparte, der französische Feldherr und Kaiser. Oftmals auch als „Rückgrat“ oder „starkes Herz“ bezeichnet, beschreiben diese Allegorien und Metaphern die Bedeutung eines funktionierenden und gut ausgebildeten Unteroffizierskorps in einer Armee. Die Unteroffiziere des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik werden seit dem Jahr 1958 in Enns ausgebildet.

Geschichte der Garnison Enns

Bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus war Enns eine Garnisonsstadt und ein militärischer Knotenpunkt: Die römische Legio II Italica (die zweite italische Legion) errichtete das Legionslager Lauriacum auf dem heutigen Stadtgebiet. Dieses bestand bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts und war gleichzeitig Verwaltungssitz der römischen Provinz Noricum. Das Lager war an einer strategisch vorteilhaften Stelle, da es zwischen zwei Verkehrsstraßen topografisch günstig lag. In der Spätantike wurde die römische Garnison zum Stützpunkt einer Patrouillenbootflotte auf der Donau und es wurde unter anderem eine Schildfabrik im Lager errichtet. Vermutlich waren in diesen 300 Jahren ständig römische Truppen in Lauriacum stationiert, da die Befestigungen Teil des Limes (Grenzwall) waren, der die Provinz vor den Markomannen (germanischer Volksstamm; Anm.) schützte, die nördlich der Donau ihr Siedlungsgebiet hatten.

Militärische Nutzung bis 1914

Enns war nach der Antike bis ins 18. Jahrhundert hinein nur selten militärisch bedroht, da die türkischen Streifscharen in den Jahren 1529 und 1683 die Enns, bis auf wenige Ausnahmen, nicht überschritten hatten. Aus diesem Grund gab es keine Kasernengebäude in der Stadt. Wenn Truppen einquartiert wurden, dann erfolgte das in Bürgerhäusern für Offiziere und in eigens angemieteten Gebäuden für die Mannschaften. Ab dem Jahr 1741 wurde das Schloss Lerchenthal (an der alten Steyrer Straße) immer wieder als Quartier herangezogen und ab 1776 permanent abwechselnd als Kaserne oder Militärspital verwendet. Es bildete letztlich das „Fundament“ der heutigen Kaserne.

Ausmusterung von Offizieren an der Heeresschule in Enns 1927. (Foto: Bundesheer)
Ausmusterung von Offizieren an der Heeresschule in Enns 1927. (Foto: Bundesheer)
Die Front des Hauptgebäudes der Towarek-Schulkaserne. (Foto: Bundesheer)
Die Front des Hauptgebäudes der Towarek-Schulkaserne. (Foto: Bundesheer)

In der Zeit nach 1845 wurde das Schloss Lerchenthal schließlich zur Kavalleriekaserne umgebaut und 1857 mit dem Bau der „Cavallerie-Schul-Escadron“ begonnen. In dieser militärischen Einrichtung lernten etwa 120 Zöglinge pro Jahrgang das Reiten, den Kavalleriedienst und die Pferdepflege. Nach der Ausbildung musterten sie - je nach Leistung - als Korporale, Gefreite oder Gemeine aus. Zusätzlich entstand innerhalb von zwei Jahren Bauzeit eine Dragonerkaserne. Ab diesem Zeitpunkt war Enns zur Kavalleriegarnison aufgestiegen, wovon die regionale Wirtschaft und das Gesellschaftsleben profitierten.

Die Regimenter der Garnison wechselten häufig, jedoch lag das k.u.k. Dragonerregiment „Kaiser Ferdinand I.“ Nr. 4 am längsten in Enns. Der prominenteste Offizier des Regimentes war der spätere Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der sich von 1883 bis 1888 in Enns aufhielt. Gegenüber der Dragonerkaserne wurde in den Jahren 1906 bis 1908 die Militärunterrealschule - die heutige Towarek-Schulkaserne, in der sich die Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) befindet - errichtet. In vier Jahrgängen mit insgesamt 160 Zöglingen wurden damals die jugendlichen Burschen auf die Militärakademie vorbereitet. Ab 1908 war die südliche Vorstadt de facto zum Militärbezirk geworden.

Garnison Enns zwischen 1914 und 1945

Während des Ersten Weltkrieges war das k.u.k. Kaiserschützenregiment Nr. 2 in Enns stationiert, wofür neben der Kavalleriekaserne ein zusätzliches Barackenlager errichtet wurde. Nach dem Kriegsende im Herbst 1918 übernahmen ein Soldatenrat und die Ennser Volkswehr kurzzeitig die Verwaltung über das Gelände. Letztlich bildete in der Zwischenkriegszeit das Oberösterreichische Dragonerregiment Nr. 4 die meiste Zeit die Garnisontruppe in der Stadt. 

Ab 1920 fanden Offizierskurse für Teile der Volkswehr in der Ennser Garnison statt. Die Kaserne wurde schrittweise zur Heeresschule adaptiert und nach der Schließung der Militärakademie in Wiener Neustadt (wenn auch nur für einige Monate) zu einer Militärakademie aufgewertet. Zwischen 1928 bis 1934 war zusätzlich die Brigadeartillerieabteilung Nr. 4 in Enns stationiert. Oberst Rudolf Towarek wurde 1934 zum Kommandanten der Ennser Heeresschule ernannt, und im gleichen Jahr öffnete die Wiener Neustädter Militärakademie wieder ihre Pforten und Towarek wurde deren Leiter. Nun fand das Alpenjägerregiment Nr. 8 eine neue Heimat in der ehemaligen Schulkaserne. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 bezog die Kraftfahrabteilung 17 der Deutschen Wehrmacht die drei Ennser Kasernen. Es folgten weitere Umgliederungen. Letztlich wurde die Kraftfahr-Ersatz- und Ausbildungsabteilung 17 in Enns stationiert.

Erinnerung an den NS-Widerstand

Enthüllung des Gedenkschildes für Robert Bernardis mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer. (Foto: Bundesheer)
Enthüllung des Gedenkschildes für Robert Bernardis mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer. (Foto: Bundesheer)

Die Ennser Garnison weist eine personelle Verbindung zum Widerstand gegen das NS-Regime auf. Sowohl der Kriegsdienstverweigerer, Franz Jägerstätter, als auch der Widerstandskämpfer und Generalstabsoffizier, Oberstleutnant Robert Bernardis, sowie der Hitlereid-Verweigerer und NS-Gegner, Generalmajor Rudolf Towarek, waren in Enns stationiert. Zusätzlich zu diesen drei Personen wird das Gedenken an den Wiener Unteroffizier, Feldwebel Anton Schmid, als einen „Gerechten der Völker“ aufrechterhalten. Für alle vier Personen wurden Gedenkstätten in der Kaserne errichtet.

Franz Jägerstätter

Die Widerstandsbiografie von Franz Jägerstätter, dem bekanntesten Symbol des römisch-katholischen NS-Widerstandes in Österreich, ist eng mit der Ennser Kaserne verbunden. Jägerstätter rückte im Oktober 1940 in Enns ein, wo er die Grundausbildung absolvierte, bevor er im April 1941 als unabkömmlich eingestuft und vorläufig entlassen wurde. Am 1. März 1943 rückte er erneut in Enns ein, verweigerte dem NS-Staat den Wehrdienst, wurde am nächsten Tag in seinem Kasernenzimmer verhaftet und nach Linz überführt. Da er die Wehrdienstverweigerung nicht widerrief wurde er nach Berlin überstellt, wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg hingerichtet. Am 28. Februar 2013 wurde der Gedenkstein für den im Jahr 2007 seliggesprochenen Franz Jägerstätter in der Severinkapelle enthüllt und gesegnet.

Robert Bernardis

Oberstleutnant Robert Bernardis absolvierte die Militärunterrealschule in Enns und die Offiziersausbildung von 1929 bis 1932 an der Heeresschule. Seine Widerstandstätigkeit entfaltete er in der Planung und Durchführung der „Operation Walküre“ bzw. dem Attentat auf Adolf Hitler durch Oberst Stauffenberg am 20. Juli 1944. Bei dieser Operation war er als Generalstabsoffizier der Wehrmacht und Kamerad von Stauffenberg vermutlich ab dem Februar 1944 in die strategische Planung eingebunden. Wegen seiner Beteiligung an dem Attentat bzw. dem geplanten Staatsstreich („Operation Walküre“), den er persönlich telefonisch auslösen wollte, wurde Bernardis am 8. August 1944 zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Seine Gattin Hermine und seine Schwiegermutter unterlagen der Sippenhaftung und wurden für einige Monate im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Am 11. Oktober 2004 wurde im Akademiepark der Towarek-Schulkaserne das Denkmal für Bernardis im Beisein der Witwe, Hermine Bernardis, und von Bundespräsident Heinz Fischer, Verteidigungsminister Günther Platter und anderen Spitzenvertretern der Republik enthüllt.

Anton Schmid

Der Wiener Unteroffizier und Angehörige der Deutschen Wehrmacht, Feldwebel Anton Schmid, rettete Juden im Getto von Wilna (Litauen), indem er sie versteckte, mit falschen Papieren ausstattete und in die Freiheit führte. Aufgrund dieser verbotenen Unterstützung wurde er am 25. Februar 1942 zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 in Wilna hingerichtet. Der Staat Israel ehrte Schmid am 22. Dezember 1966 mit der Bezeichnung als „Gerechten der Völker“, da er unter Einsatz seines Lebens Juden vor der Ermordung gerettet hatte. Der Umstand, dass sich der Unteroffizier tatkräftig gegen das Unrecht und die Barbarei des NS-Regimes stellte, soll nun als Vorbild für alle Unteroffiziere dienen. Zu diesem Zweck wurde der Vortragssaal der HUAk am 24. September 2012 nach Feldwebel Anton Schmid benannt und neben der Eingangstür eine Gedenktafel angebracht.

Generalmajor Rudolf Towarek. (Foto: Bundesheer)
Generalmajor Rudolf Towarek. (Foto: Bundesheer)

Rudolf Towarek

Generalmajor Rudolf Towarek war Angehöriger des Generalstabes der k.u.k. Armee und im Bundesheer der Ersten Republik bei der 4. Brigade in Linz tätig. Im Jahr 1934 wurde er zum Kommandanten der Heeresschule bestellt, die er im gleichen Jahr als Theresianische Militärakademie nach Wiener Neustadt „zurückbrachte“. 1938 weigerte er sich, die Burg der Wehrmacht zu übergeben, weshalb sich deren Übernahme um mehrere Tage verzögerte. Diese Widerstandshandlung blieb für Generalmajor Towarek genauso wie die Verweigerung, den Eid auf Hitler zu leisten, bis auf die Ruhestandsversetzung ohne Folgen, und er erhielt sogar die offizielle Erlaubnis, seine österreichische Uniform weiterhin tragen zu dürfen. Am 3. November 1968 wurde ein Gedenkstein im Eingangsbereich der Ennser Kaserne für ihren ehemaligen Kommandanten enthüllt.

Ennser Kasernen seit 1945

Am 5. Mai 1945 besetzten US-Truppen kampflos das Stadtgebiet von Enns und beanspruchten daraufhin die Kasernen. Entlang der Enns und der Donau stromaufwärts wurde nach dem Kriegsende die Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone eingerichtet, wo sich mit der Brücke über die Enns auch der bekannteste Übergang der Zonengrenze befand. Bereits 1947 gaben die US-Amerikaner die Schulkaserne wieder frei, die dort zuvor untergebracht waren. Die beiden anderen Kasernen waren weiterhin mit Flüchtlingen belegt. In der Lerchenthalkaserne waren Sudetendeutsche untergebracht, und die ehemalige Dragonerkaserne wurde als Unterkunft für Vertriebene genutzt. Im Jahre 1983 wurde die Dragonerkaserne abgerissen und lediglich die Winterreitschule blieb als architektonisches Überbleibsel der k.u.k. Monarchie erhalten.

Im Jahr 1953 bezog eine Abteilung der B-Gendarmerie, die Vorgängerorganisation des Bundesheeres, die Schulkaserne. 1956, ein Jahr nach der Gründung des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik, wurde die Militärakademie in Enns ins Leben gerufen, die jedoch 1958 wieder nach Wiener Neustadt an die Theresianische Militärakademie übersiedelte.

Unteroffiziersausbildung in Enns von 1958 bis 1995

Logo der HUAk. (Foto: Bundesheer)

Im September 1958 erfolgte die Aufstellung des Kommandos und des Stabes für die Heeresunteroffiziersschule, deren erster Kommandant Major Paul Kaczirek war. Der erste Truppenunteroffizierskurs begann im Jänner 1959 und mit ihm die Unteroffiziersausbildung des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik. Bis heute wurden etwa 30 000 österreichische Unteroffiziere in Enns ausgebildet und ausgemustert. 1967 erhielt die Ennser Kaserne zu Ehren ihres ehemaligen Kommandanten den Namen „Towarek-Schulkaserne“, und 1968 enthüllte man den Gedenkstein für Generalmajor Towarek. Im Laufe der Jahre folgten einige Um- und Zubauten wie die Errichtung des Kreuzbaues und etliche Sanierungen der Gebäude.

Nicht nur die Infrastruktur der Kaserne, sondern auch die Ausbildung der Unteroffiziersanwärter bzw. der Unteroffiziere wurde einige Male modifiziert und adaptiert, was sich auf die Bedeutung der Ausbildungsstätte als auch auf die Kurse, die darin abgehalten wurden, auswirkte. So war der Stabsunteroffizierskurs, der damals die Bedingung für die Besetzung eines „C-Postens“ bzw. für die Funktion eines Fachunteroffiziers oder Zugskommandanten war, weit über die Grenzen des Bundesheeres hinaus bekannt und berüchtigt. Das lag vor allem an der Durchhalteübung - einem etwa 140 km langen Marsch, der mit der Alarmpackordnung von Kärnten über die Alpen nach Enns führte und eine der Voraussetzungen für den positiven Abschluss dieses Kurses bildete. 

Partnerschaften und Kooperationen

Die HUAk ist seit jeher eng mit der Stadt Enns verbunden, mit der seit dem Jahr 1983 eine offizielle Partnerschaft eingegangen wurde. Der zweite zivile Partner ist die Ennskraftwerke AG, mit der seit dem Jahr 1995 eine Partnerschaft besteht, die 1994 vom Landwehrstammregiment 41 in Steyr übernommen wurde. Als internationaler Partner beteiligte sich die HUAk seit 2005 gemeinsam mit der deutschen Unteroffiziersschule der Luftwaffe am Projekt „ENCOA“ (European Non Commissioned Officers Academy), die ein gemeinsames E-Learning-Modell anbietet. Eine Kooperation mit der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr besteht seit 2006 und mit der Schweizer Berufsunteroffiziersschule der Armee gibt es Kooperationsfelder.

Der Stadtturm ist das Wahrzeichen von Enns und das zentrale Element des Wappens der HUAk.  (Foto: Bwag; CC BY-SA 4.0)
Der Stadtturm ist das Wahrzeichen von Enns und das zentrale Element des Wappens der HUAk.
(Foto: Bwag/CC BY-SA 4.0)

Von der HUOS zur HUAk

Eine wesentliche Änderung für die Ennser Garnison brachte die Aufwertung der Heeresunteroffiziersschule zur Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) im Jahr 1995 mit sich. Die Heeresunteroffiziersschule verfolgte durch die „Umbenennung“ einerseits die Absicht, die Ausbildung der Unteroffiziere aufzuwerten und andererseits die Strategie, zur „Heimat des österreichischen Unteroffizierskorps“ zu werden. Das Konzept war und ist an jenes der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt angelehnt. Die sichtbarsten Zeichen waren die Verleihung von Lehrgangsnamen mit Abzeichen und die feierliche Ausmusterung der Wachtmeister auf dem Gelände der Towarek-Schulkaserne bzw. in der Ennser Stadthalle.

Mit der Veränderung der Organisation war die Überleitung der bisherigen UO-Ausbildung zu den Unteroffizierslehrgängen verbunden, die ab Oktober 1995 durchgeführt wurden. Bei diesen fanden der dritte und vierte Ausbildungsabschnitt an der HUAk statt, nachdem der erste Teil bei einer Ausbildungskompanie und der zweite an einer Waffen- und Fachschule absolviert wurden. Dabei standen die Themen Ausbildungsmethodik und Führungsverhalten an der HUAk deutlich stärker im Fokus als zuvor, womit diese militärische Bildungseinrichtung ihrem eigenen Anspruch, eine pädagogisch hochwertige Ausbildung anzubieten, gerecht wurde. Das Ziel dieses Ausbildungsabschnittes war, die Qualifikation als Gruppenkommandant zu erlangen. Zusätzlich wurden die dienstrechtlich relevanten Themen wie Wehrrecht, Dienst- und Besoldungsrecht oder Wehrpolitik vertieft behandelt, die die Voraussetzung für die Übernahme in ein unbefristetes Dienstverhältnis als Militärperson gemäß dem Beamtendienstrecht schaffte.

Verabschiedung von Teilnehmern eines Stabsunteroffizierslehrganges in der ehemaligen Winterreitschule in Enns. (Foto: Bundesheer)
Verabschiedung von Teilnehmern eines Stabsunteroffizierslehrganges in der ehemaligen Winterreitschule in Enns. (Foto: Bundesheer)

Die Einführung der Unteroffizierslehrgänge bedeutete auch eine Adaption des bisherigen Stabsunteroffizierskurses zum Stabsunteroffizierslehrgang. Dieser wurde in weiterer Folge als zweisemestrige Ausbildung angeboten, wobei der erste Teil an der HUAk und der zweite Teil an einer Waffen- und Fachschule durchgeführt wurde. Das Ziel dieses Lehrganges war es, die Qualifikation zum Zugskommandanten bzw. zum Fachunteroffizier zu erlangen. Diese Ausbildung wurde ebenfalls zeitlich ausgedehnt und inhaltlich unter anderem durch eine Englisch-Sprachausbildung sowie IT-Kurse erweitert, die ein Teil des Curriculums wurden.

Die Ausbildung der Unteroffiziere ist seit damals einige Male angepasst und zweimal deutlich verändert worden. Aktuell wird diese als „Kaderanwärterausbildung Neu“ durchgeführt (siehe Artikel Kaderanwärterausbildung sowie TD-Heft 1/2017). Obwohl sich die Rahmenbedingungen damit deutlich geändert haben, bleibt dennoch der Anspruch der HUAk bestehen, eine möglichst zeitgemäße und effektive militärische Führungsausbildung anzubieten und die Heimat der Unteroffiziere zu sein. Dieser Anspruch ist durch die aktuellen Veränderungen nicht gefährdet, sondern unterstreicht diesen.

Leitbild der HUAk (Auszug)

Kaderanwärterausbildung an der HUAk. (Foto: Bundesheer/Traichl)
Kaderanwärterausbildung an der HUAk. (Foto: Bundesheer/Traichl)

Im Zuge der Ausbildungsreform 1995 wurde aus der Heeresunteroffiziersschule die Heeresunteroffiziersakademie. Die Unteroffiziersgrundausbildung muss den Grundsätzen militärischer Einsätze gerecht werden, modernen pädagogischen und soziologischen Grundsätzen entsprechen und den Weg in die Zukunft weisen. Bei der Bewältigung dieser zukunftsorientierten Aufgaben sind moderne Führungsinstrumente wichtige Hilfsmittel. Dies und ein niveauvolles Kommunikationsverhalten ermöglichen die Zusammenarbeit der HUAk mit allen Führungsebenen und vermitteln den Unteroffizieren des Bundesheeres ein Heimatgefühl.

Die Abstimmung und Ausrichtung der Akademie in diesem Sinne soll durch zukunftsorientiertes und ganzheitliches Denken im täglichen Dienstbetrieb erfolgen. In Fortführung der guten Tradition der zentralen Ausbildungsstätte aller Unteroffiziere des Bundesheeres sollen die Lehrer an der HUAk mit den Methoden zeitgemäßer Erwachsenenbildung das Unteroffizierskorps des Heeres prägen. Dynamisches Zukunftsdenken ist der Schrittmacher für die ausgebildeten Unteroffiziere des Österreichischen Bundesheeres. Das Miteinander im Team der HUAk steht im Vordergrund. Dieses Miteinander soll auch in der Lehre verwirklicht werden und so die Akademie als Heimat aller Unteroffiziere des Heeres erleben lassen. Die Basis für diese Zusammenarbeit ist ein gegenseitiges Vertrauen, das durch das gelebte Leitbild wachsen soll.

Vizeleutnant Rudolf Pfalzer ist Kommandounteroffizier der Heeresunteroffiziersakademie.

 

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