• Veröffentlichungsdatum: 24.09.2019
  • – Letztes Update: 26.09.2019

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Elektronische Drohnenabwehr im ÖBH

Robert Kulterer

(Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
(Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

Drohnen scheinen aktuell allgegenwärtig zu sein, und die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, nimmt damit zu. Das Österreichische Bundesheer reagiert auf diese Gefahr durch die Aufstellung eines Elementes zur elektronischen Drohnenabwehr, das Fluggeräte bis zu einem Gewicht von 15 kg orten, erkennen und „bekämpfen“ kann.

Um der Bedrohung von Fluggeräten inklusive Drohnen zu begegnen, gibt es im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) das Projekt C-EAT (Countering Emergency Air Threats) der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule. In dieses Projekt, bei dem die Drohnenabwehr ein Teilgebiet ist, sind alle Systeme und Elemente der Fliegerabwehr inkludiert. In der österreichischen Luftabwehr bestand bisher eine Fähigkeitslücke zur Abwehr von Fluggeräten bis 15 kg und der damit verbundenen Größe. Das ist jene Gewichtsklasse, in die handelsübliche Drohnen fallen und die mit den bis dato vorhandenen Radarsystemen wegen ihrer geringen Oberfläche nicht erfasst werden können.

Um der Drohnengefahr zu begegnen, wurde an der Führungsunterstützungsschule das Projekt ELDRO ins Leben gerufen. Das Ziel dieses Projektes ist die Erkennung und Abwehr von Mikro- und Minidrohnen und die Erweiterung des Fähigkeitsprofiles des ÖBH um dieses Segment. Die Abkürzung ELDRO steht für den Begriff Elektronische Kampfführung zur Drohnenabwehr und benennt die technische Lösung zur Abwehr dieser Fluggeräte: Mit einer elektronischen Frequenzerfassung wird eine Drohne geortet, identifiziert und bei Bedarf ihre Funkfrequenz gestört, wodurch diese neutralisiert wird. Somit ist ELDRO ein Teil der Elektronischen Kampfführung (EloKa) und nicht der Fliegerabwehr.

Die Tracker-Drohnen (Starrflügler) des Österreichischen Bundesheeres haben ein Gewicht von 8,5 kg und eine Reichweite von etwa sieben Kilometern. (Foto: Bundesheer/Klaus Frank)
Die Tracker-Drohnen (Starrflügler) des Österreichischen Bundesheeres haben ein Gewicht von 8,5 kg und eine Reichweite von etwa sieben Kilometern. (Foto: Bundesheer/Klaus Frank)

Einsatzszenarien

Der Einsatz eines militärischen Elementes zur Drohnenabwehr ist grundsätzlich in allen Szenarien möglich und sinnvoll. Aktuell hat das ELDRO-Element zwei Einsatzbereiche. Der erste Einsatzbereich ist der Objektschutz und die Sicherung militärischer Einrichtungen sowohl im Einsatz als auch im Frieden. Der zweite Einsatzbereich ergibt sich aufgrund einer Assistenzleistung nach Behördenanforderung, wobei die Bandbreite von der Überwachung eines Staatsbesuches bis zu einer zivilen Großveranstaltung reicht. In einem solchen Fall ist der gemischte Einsatz von Trupps des ÖBH und des Bundesministeriums für Inneres (BM.I) sinnvoll, da dem ÖBH die Wahrung der Lufthoheit obliegt, das BM.I jedoch für Gesetzesverstöße bzw. Übertretungen zuständig ist.

Drohnen

Die Möglichkeiten zur Drohnenabwehr und die Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen ergeben sich aus der jeweiligen Drohnenart. Hinsichtlich ihrer Bauart gibt es Starr- und Drehflügler, die sich anhand ihrer Eigenschaften bzw. Anschaffungskosten in Untergruppen einteilen lassen.

Starrflügler

Ein Starrflügler ist im Prinzip ein Modellflugzeug und weist auch dessen Flugeigenschaften auf. Er ist in der Lage, mit einer relativ hohen Geschwindigkeit zu fliegen, bietet wenig Wind-Angriffsfläche, kann aber nicht über einem Ziel schweben, sondern muss dieses umkreisen oder überfliegen. Die maximale Geschwindigkeit von Starrflügeldrohnen beträgt aktuell knapp 300 km/h. Sie sind hinsichtlich des Stromverbrauchs effizienter als Drehflügler und haben deshalb eine größere Reichweite bzw. längere Einsatzdauer als diese.

Eine Drehflügler-Drohne (Multikopter) mit Kamera für Film- und Fotoaufnahmen kann grundsätzlich auch für Aufklärungsaufgaben eingesetzt werden. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
Eine Drehflügler-Drohne (Multikopter) mit Kamera für Film- und Fotoaufnahmen kann grundsätzlich auch für Aufklärungsaufgaben eingesetzt werden. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

Drehflügler

Drehflügler sind Fluggeräte mit mehreren kleinen Rotorwellen und -blättern (Multikopter). Sie werden aufgrund dessen bzw. wegen ihrer Software (bei anspruchsvolleren Typen), die die Drehzahl der Rotorblätter regelt, stabilisiert. Drehflügler können über einem Ziel schweben, um Film- der Fotoaufnahmen anzufertigen oder auch, um kleine Sprengmittel fallen zu lassen.

Diese Drohnengruppe fliegt mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 km/h und kann, je nach Preisklasse, auch während des Fluges hochauflösende Aufnahmen liefern. Es gibt auch Test-Versionen, die schneller fliegen können, was sich jedoch negativ auf die Bildqualität auswirkt, weshalb diese Drohnen aktuell noch nicht sinnvoll verwendet werden können. Theoretisch wären Drehflügler auch als Waffe einsetzbar, die schon aufgrund ihrer Wucht eine tödliche Wirkung erzielen können. Drehflügler sind der aktuell verbreitetste Drohnentyp und jene Drohnengruppe, die in den Aufgabenbereich von ELDRO fällt. Sie lassen sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften in die Kategorien Billigst- und Billigdrohnen sowie (semi-)professionelle Drohnen einordnen. Diese Einteilung ist die Grundlage für die Beurteilung der Bedrohung, die von der jeweiligen Kategorie ausgeht.

Billigstdrohnen

Billigstdrohnen (Mikro- oder Spielzeugdrohnen) kosten ab etwa 30 Euro, sind etwa zehn Zentimeter groß, wiegen maximal 0,25 kg und haben eine Reichweite von ungefähr 30 Meter. Sobald die Funkverbindung abreißt oder ein kleiner Windstoß auftritt werden sie instabil und stürzen ab. Die Verbindung zwischen Sender und Empfänger erfolgt über Bluetooth oder WIFI, wobei WIFI-Steuerungen eine Reichweite von bis zu 200 m haben. Von dieser Gruppe geht aufgrund des geringen Einsatzspektrums so gut wie keine militärische Bedrohung aus. Dennoch können auch mit diesen Geräten Film- und Fotoaufnahmen durchgeführt werden, weshalb sie nicht komplett vernachlässigt werden dürfen.

Billigdrohnen

Billigdrohnen verfügen über eine Funksteuerung (Remote Control-RC) im 2,4 Gigahertz-Bereich, der heute Standard ist. Sie sind ab etwa 100 Euro im freien Handel zu erwerben, haben eine Reichweite ab 100 m, sind etwa 20 cm groß, wiegen ungefähr 0,5 kg und machen qualitativ brauchbare Film- und Fotoaufnahmen. Diese Drohnengruppe hat hinsichtlich der Kosten und Leistungsparameter eine große Bandbreite, ist für professionelle Anwendungen jedoch kaum geeignet. Die Gefahr, die von dieser Drohnenart ausgeht, ist für die Sicherheit (Verletzungen, Privatsphäre etc.) bereits ernst zu nehmen, militärisch jedoch wenig relevant.

Drohnenabwehrtraining in den Seetaler Alpen. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
Drohnenabwehrtraining in den Seetaler Alpen. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

Ansatz der elektronischen Drohnenabwehr

Alle handelsüblichen Drohnen sind mit einem drahtlosen System mit dem Bediener verbunden. Das gilt auch für jene, die über eine GPS-Steuerung verfügen, da sie den Bediener ständig mit Daten (Film etc.) versorgen. Wird die Verbindung zwischen Sender und Empfänger unterbrochen, stürzt die Drohne ab (billige Systeme) oder sie landet (professionelle Systeme). Hier setzt die Drohnenabwehr an. Sie stört die Verbindung zwischen Sender und Empfänger bis diese unterbrochen ist, und die Drohne abstürzt oder landet, wodurch sie neutralisiert wird.

Test- und Erprobungsphase

Während dieser Phase wurden im ÖBH zwei Drohnenerfassungs-, Ortungs- und Störsysteme von zwei Herstellern getestet. Diese zeigen den aktuellen Stand der Technik bzw. die grundsätzlichen Möglichkeiten der Drohnenabwehr mittels Richtfunk. Eines bedient sich einer 3D-Antenne, die es ermöglicht, die Höhe eines Flugobjektes anzuzeigen. Das andere basiert auf der „klassischen“ zweidimensionalen Funktechnik. Zusätzlich wurde ein Störgewehr erprobt, das im Vergleich zu den anderen Systemen mit wenig Aufwand eingesetzt werden kann.

Gemeinsamkeiten

Beide Systeme können Drohnen auf eine Entfernung von zwei Kilometer erfassen und diese innerhalb von 1,5 Kilometern „bekämpfen“. Sie können eigene Drohnen anhand der Frequenz erkennen, weshalb sie den eigenen Einsatz nicht gefährden. Das war auch eine Grundbedingung für die Systeme, da sich bei einem Einsatz auch eigene Drohnen im Luftraum befinden – vor allem bei Assistenzeinsätzen, bei denen Veranstaltungen gesichert werden. Die Identifikation von Fluggeräten erfolgt aufgrund der Frequenz bzw. der Frequenzsprungmuster. Anhand dieser kann ein erfahrener Bediener den Drohnentyp erkennen, da jeder ein charakteristisches Frequenzsprungmuster hat.

Auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe bei Judenburg wurden zwei Drohnen-Abwehrsysteme für das ELDRO-Element getestet. 3D-System zur Drohnendetektion und Abwehr. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
Auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe bei Judenburg wurden zwei Drohnen-Abwehrsysteme für das ELDRO-Element getestet. 3D-System zur Drohnendetektion und Abwehr. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

Auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe bei Judenburg wurden zwei Drohnen-Abwehrsysteme für das ELDRO-Element getestet. Drohnen-Detektions- und Störsystem. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
Auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe bei Judenburg wurden zwei Drohnen-Abwehrsysteme für das ELDRO-Element getestet. Drohnen-Detektions- und Störsystem. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)


Unterschiede

Eines der getesten Drohnendetektions- und Abwehrsysteme verfügt über eine 3D-Antenne (Empfänger), wodurch es Frequenzsender erkennt, die nicht fliegen – also keine Drohnen sind und aufgrund eines Software-Filters nicht auf dem Bildschirm erscheinen. Zusätzlich kann es ein dreidimensionales Flugmodell erstellen, wenn die Daten von drei Antennen zu einem Gesamtbild zusammengeführt werden, bei dem auch der Standort der Drohne ersichtlich ist. Außerdem kann dieses System die Wahrscheinlichkeit feststellen, ob eine erkannte Frequenz von einer Drohne ausgeht und folglich eine ist. Die Monitore müssen bei diesem System nicht permanent überwacht werden, da es eine Alarmfunktion gibt, was einen längeren bzw. konzentrierteren Einsatz des Bedieners erlaubt. Der Abwehrimpuls dieses Systems stört sämtliche Frequenzen innerhalb seiner Reichweite und legt sie lahm, weshalb eigene Drohnen ebenfalls neutralisiert werden würden. Deshalb wird in der Praxis das Störgewehr für Abwehrmaßnahmen benötigt.

Das andere System benötigt kein Störgewehr, da es über eine intelligente Drohnenabwehr verfügt. Es erkennt die Frequenzsprungmuster eines Senders als Drohne, identifiziert diese und kann innerhalb der Reichweite die Funk- bzw. GPS-Signalübertragung gezielt stören. Alle anderen Drohnen können weiterfliegen und operieren, aber auch alle anderen funkbasierten Systeme wie WLAN ohne Einschränkungen funktionieren. Dieses System kann zwar kein dreidimensionales Bild erstellen, lässt jedoch eine Ermittlung der Flugrichtung zu, wenn mehrere Antennen aufgestellt sind.

Drohnenabwehr mit einem Störgewehr. Der Schütze zielt auf die Drohne, betätigt die Funk- und/oder GPS-Unterbrechung und zwingt die Drohne dadurch zum Landen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Drohnenabwehr mit einem Störgewehr. Der Schütze zielt auf die Drohne, betätigt die Funk- und/oder GPS-Unterbrechung und zwingt die Drohne dadurch zum Landen. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Störgewehr

Die technisch einfachste Lösung zur elektronischen Drohnenabwehr ist das Störgewehr. Dieses ist leicht, mobil und einfach in der Handhabung. Mit ihm lassen sich Drohnen wirkungsvoll bekämpfen, die ein Schütze entweder selbst erkennt oder zugewiesen bekommt. Die Effizienz dieses Systems kann durch ein Ortungs- und Erkennungssystem gesteigert werden, das den Störgewehrschützen frühzeitig über eine anfliegende Drohne und deren Richtung, Entfernung und Höhe informiert. Das gleicht den Nachteil der fehlenden „Freund-Feind-Erkennung“ aus, die ein Schütze nicht leisten kann.

Die Gewehre sind bei jeder Geschwindigkeit einsetzbar, solange der Bediener das Ziel erfassen kann, weshalb der Faktor Mensch die Grenze der Einsatzfähigkeit darstellt. Hinsichtlich der Bedienung ist dieses System mit der Panzerabwehrlenkwaffe 2000 vergleichbar. Der Bediener muss den Richtstrahl solange auf das Ziel richten, bis dieses „getroffen“ ist. Ein „Treffer“ ist einfach festzustellen, da die Drohne entweder abstürzt (billige Systeme) oder selbstständig den Landevorgang einleitet (professionelle Systeme). Hierbei ist es ausreichend, ein Ziel zwischen einer halben Sekunde (billiges System) und drei Sekunden (professionelle Systeme) zu „bekämpfen“, wobei das Störgewehr auch geschwenkt werden kann, wenn das Ziel nicht klar erkennbar ist. Das Störgewehr ist bis zur Landung auf die Drohne zu richten, da sich diese erst auf dem Boden ausschaltet und damit selbst neutralisiert. Die Wirkung im Ziel wird durch die Unterbrechung des Funk- und/oder des GPS-Signals vom Sender (Bediener) zum Empfänger (Drohne) erreicht, wobei es die Frequenzbereiche stört. Es ist eine handhabungssichere, verlässliche, technisch einfache und truppentaugliche Lösung, die wenig Ausbildungsaufwand erfordert und im Prinzip wie eine Richtfunkantenne arbeitet. Das Störgewehr ist nach ein paar Handgriffen einsatzbereit. Nachdem es ausgepackt und eingeschalten wurde, kann es bereits verwendet werden. Die Bedienung ist einfach, da es nur über zwei Tasten verfügt, eine für die Funk- und die andere für die GPS-Störung.

Systemeinführung ELDRO

ELDRO ist zwar ein neues Betätigungsfeld, baut jedoch auf den grundsätzlichen Fähigkeiten der Elektronischen Kampfführung auf. Dennoch musste hinsichtlich der Geräte und deren Anwendung bei Null begonnen werden. Um die Einführung des Projektes zu gewährleisten und ELDRO frühzeitig einsetzen zu können, gab es vier Phasen.

Phase 1: Aufstellung eines Kernelementes

Innerhalb von sechs Monaten wurde ein Kernelement mit sieben KIOP/KPE-Soldaten gebildet. Dieses hatte die Aufgabe, bestehende Systeme, die auf dem Markt für die elektronische Drohnenabwehr angeboten werden, zu evaluieren. Die erste Phase war der Beginn der Test- und Erprobungsphase für die Geräte dieses Elementes und dauerte bis 31. Dezember 2017.

Die Wiener Hofburg war der wichtigste Tagungsort während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)
Die Wiener Hofburg war der wichtigste Tagungsort während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

Phase 2: Aufwuchs und Herstellen der Einsatzbereitschaft

Das Ziel der zweiten Phase (vom 1. Jänner bis 30. Juni 2018) war der Aufwuchs des ELDRO-Elementes auf eine Stärke von 34 KIOP/KPE-Soldaten und das Herstellen der provisorischen Einsatzbereitschaft. Obwohl dieses nur über etwa die Hälfte des Personals verfügte, konnte bereits Ende Juni 2018 die Einsatzbereitschaft gemeldet werden. Somit wurde in nur wenigen Monaten nach der Lieferung des Gerätes und der Test-, Trainings- und Ausbildungsphase das geforderte Niveau erreicht, um eingesetzt werden zu können. Das war nur möglich, da das Personal über ein allgemeines Vorwissen verfügte, ein „Trockentraining“ ohne Geräte absolvierte und - nachdem alle Komponenten vor Ort waren - intensiv geschult wurde.

Phase 3: Einsatz während der EU-Ratspräsidentschaft

Das rasche Herstellen der Einsatzbereitschaft geschah vor dem Hintergrund der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 (vom 1. Juli 2018 bis 31. Dezember 2018). Bei diesem hatte das ELDRO-Element gemeinsam mit dem BM.I den Auftrag, Drohnen mit einem Gewicht von bis zu 15 kg abzuwehren. Diese Aufgabe wurde aufgrund der Anforderung des BM.I als Assistenzdienstleistung für die Luftraumsicherung im Objektschutz durchgeführt. Mit dem Ende der Phase 3 wurde auch die Test- und Erprobungsphase der Geräte beendet.

Phase 4: Evaluierung und strukturierter Aufbau

Nach dem Ende der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft wurden ab 1. Jänner 2019 die gewonnenen Erfahrungen evaluiert und das ELDRO-Element weiter ausgebaut. Noch ist unklar, welche Größenordnung dieses haben wird bzw. wem es unterstellt sein wird. Bis dato ist auch noch nicht geklärt, welches Gerät angeschafft wird, was eine Auswirkung auf die Struktur hat. Aufgrund der Erfahrungen der Testphase stand jedoch bald fest, dass eine Dreiergliederung sinnvoll wäre. Damit könnte man drei Ortungs- und Erfassungsgeräte desselben Systems an unterschiedlichen Stellen aufstellen, womit eine Drohnenortung durch Triangulation möglich ist. Hinsichtlich der Gliederung bzw. Aufteilung von Elementen gibt es mehrere Überlegungen. Sinnvoll wären ein Kernelement sowie eine Grundbefähigung bei der Truppe. Dort könnte die Drohnenabwehr eine Nebenaufgabe einer Teileinheit sein, bei der nicht alle Systemkomponenten vorhanden sein müssten und die Störgewehre (siehe Beschreibung) ausreichen würden.

Spezielle Software zeigt den Soldaten die Informationen der Drohnendetektions- und Abwehrsysteme an und sendet bei Erkennen einer Bedrohung ein Alarmsignal aus.  (Foto: Bundesheer)
Spezielle Software zeigt den Soldaten die Informationen der Drohnendetektions- und Abwehrsysteme an und sendet bei Erkennen einer Bedrohung ein Alarmsignal aus. (Foto: Bundesheer/Severin Jurka)

ELDRO-Einsatz beim Objektschutz

Der Einsatz eines ELDRO-Elementes sieht wie folgt aus: Der erste Schritt ist das Herstellen der Einsatzbereitschaft aufgrund eines Auftrages. Nachdem die Mannschaft und das Gerät vor Ort sind, werden vorbereitende Maßnahmen wie Absprachen, Erkundungen, die Befehlsgebung und der „Spektrumscan“ durchgeführt. Danach werden die Geräte, im günstigsten Fall auf dem Dach des Schutzobjektes, aufgestellt und in Betrieb genommen.

Die Bedienung erfolgt über einen Raum im Schutzobjekt oder bei einem Verbundsystem mehrerer Elemente von einem anderen Ort. Von dort kann ein Einsatz gesteuert werden, der grundsätzlich in vier Stufen abläuft:

  1. Anzeige eines Flugobjektes im Raum;
  2. Identifikation und Verifikation des Objektes;
  3. Festlegen der erfolgversprechendsten Gegenmaßnahme aufgrund des erkannten Drohnentyps;
  4. Durchführen von Gegenmaßnahmen.

Der Faktor Zeit ist eine besondere Herausforderung für die Auftragserfüllung. Innerhalb weniger Minuten müssen die oben angeführten Schritte gesetzt werden. Diese sind, inklusive des Führungsverfahrens und der Befehlsgebung, sofort auszuführen und müssen rasch erfolgen. Dazu ist vor dem Einsatz eine Aufschlüsselung des Geländes in Sektoren bzw. ein Gitterraster auf der Karte (ähnlich der Geländetaufe) durchzuführen. Diese Sektoren müssen für jeden Trupp/jede Stellung markiert werden, was man, angelehnt an das Auspflocken der Feuerbereiche, durchführen kann, wenn keine Triangulation möglich ist. Somit werden auch bei einem modernen und komplexen technischen System grundlegende soldatische Fähigkeiten benötigt.

Wenn sich ein verdächtiges Objekt nähert, kommt die Lageinformation: „Drohne aus dem Sektor (…)!“ Danach richten die Trupps ihre Störgewehre dorthin und haben „Feuer frei!“ Aufgrund des Zeitdruckes hat die Drohnenbekämpfung de facto keinen Handlungsspielraum und benötigt bereits im Vorfeld eine klare „Feuerfreigabe“ durch die vorgesetzten Stellen sowie eine permanente, rasche und sichere Verbindung zu diesen.

Die Drohnenabwehr kann sowohl am Tag als auch in der Nacht erfolgen. Das einzige Manko besteht, aufgrund der aktuell fehlenden Stellen im Organisationsplan, in der Gewährleistung einer Schichtfähigkeit, die bei einem längeren Einsatz jedoch notwendig ist. Schließlich ist das Beobachten eines Bildschirmes und das Feststellen von Unregelmäßigkeiten, die ein Indiz für eine Drohne sind, ermüdend und kann ohne Qualitätsverlust maximal über einen Zeitraum von acht Stunden durchgeführt werden.

Ein Schütze hat eine Drohne im Visier und zwingt sie zur Landung. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Ein Schütze hat eine Drohne im Visier und zwingt sie zur Landung. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Die wesentlichen Bauteile des Störgewehres sind der Akku (hinten), die Bedieneinrichtung mit den Haltegriffen, an denen sich auch die Tasten für die GPS- und die Funkunterbrechung befinden (Mitte), und der Zylinder, in dem der Richtstrahl generiert wird. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Die wesentlichen Bauteile des Störgewehres sind der Akku (hinten), die Bedieneinrichtung mit den Haltegriffen, an denen sich auch die Tasten für die GPS- und die Funkunterbrechung befinden (Mitte), und der Zylinder, in dem der Richtstrahl generiert wird. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Erkenntnisse

Die theoretischen Überlegungen und Erfahrungen des Test- und Probebetriebes zeigten, dass ein stationäres Erfassungssystem und eine mobile Störmaßnahme zum Verdichten günstig sind. Neben den elektronischen Komponenten wäre ein Radar zur Validierung sinnvoll. Aufgrund der Reichweite von bis zu neun Kilometern könnte man Flugobjekte damit frühzeitig identifizieren. Zusätzlich könnte man die Systeme um Hochleistungskameras erweitern, um die jeweilige Drohnenart zu erkennen. Diese Kameras sind jedoch nur bei Tag und guter Sicht einsetzbar, weshalb Farbwärmebild-Nachtsichtkameras mit einer Sichtweite bis zu 30 Kilometer die bessere, wenn auch die deutlich teurere, Wahl wären.

Bei ELDRO ist – wie in jedem anderen Bereich auch – die ständige technische Entwicklung zu bedenken und ein ständiges Update notwendig. Ein Beispiel für eine solche Entwicklung sind neue Radarsysteme, die aktuell in der Lage sind, eine Libelle auf eine Entfernung von bis zu neun Kilometern zu erfassen und darzustellen. Weniger brauchbare Systeme zur Detektion sind Akustikgeräte, die aufgrund der vielen zusätzlichen Geräuschquellen kaum verwertbare Daten liefern und nur im Labor funktionieren.

Bei allen technischen Geräten zeigt sich, dass vor allem der Faktor Geld die begrenzende Ressource darstellt. Umso mehr man sich einer 100-Prozent-Drohnenabsicherung nähert, desto teurer wird es. Hier sind vor allem zwei Dinge zu berücksichtigen: Erstens müssen die Bedrohung und die Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Zweitens sollte die Adaption neuer Systeme möglich sein. Darüber hinaus sind bei diesen Systemen auch bundesheerinterne Abläufe zu beachten. Beispielsweise fällt die Radarüberwachung in den Zuständigkeitsbereich der Luftraumüberwachung, die wiederum im Verantwortungsbereich der Flieger- und Fliegerabwehrtruppe liegt.

Somit stehen für die Elektronische Kampfführung zur Drohnenabwehr nur die Funküberwachung und die optische Überwachung zur Verfügung, die jedoch nicht in den Zuständigkeitsbereich von ELDRO fällt. Wichtig wäre ein grafisches Interface-Modul, das den eigenen Standort anzeigt, die Bewegung der Drohne erkennt und die Grundlagen liefert, damit geeignete Gegenmaßnahmen ausgelöst werden können.

Resümee

Das ÖBH hat innerhalb kurzer Zeit die Fähigkeit zur elektronischen Drohnenabwehr erlangt. Da viele andere europäische Armeen erst über eine geringe Expertise in diesem Bereich verfügen, hat das ÖBH hier eine Vorreiterrolle und eine Wissens- und Fähigkeitsnische besetzt, die sowohl für die österreichischen als auch für die europäischen Sicherheits- und Verteidigungsbemühungen relevant ist.

In Zukunft könnte dieses Sicherheitsinstrument als Ausgangsbasis für den Wissenstransfer und die Unterstützung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten bzw. das Erarbeiten von Einsatzprinzipien dienen. Darüber hinaus könnten ELDRO-Elemente den aktiven Drohnenschutz von Camps in Auslandsmissionen übernehmen.

Der entscheidende Vorteil von ELDRO liegt jedoch darin, dass es für die österreichische Bevölkerung in vielen Belangen einen Mehrwert für die Sicherheit bietet. Somit ist es ein wichtiger und zukunftsträchtiger Baustein der nationalen Sicherheitsarchitektur innerhalb des Bundesheeres.

Hauptmann Mag.(FH) Ing. Robert Kulterer ist Hauptlehroffizier IKT-Sicherheit an der Führungsunterstützungsschule und Kommandant des ELDRO-Elementes. 

 

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