• Veröffentlichungsdatum: 16.12.2016
  • – Letztes Update: 08.05.2018

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Die letzten Gefechte - Teil 2

Gerold Keusch

(Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)

Am 29. März 1945 überschritten Soldaten der Roten Armee die österreichische Grenze im Burgenland. Es war eines von vielen Ereignissen, das die Niederlage des Dritten Reiches ankündigte. Für Österreich markierte es das baldige Ende der deutschen Herrschaft. Zwei Wochen später fiel Wien und am 28. April überschritten die ersten US-Soldaten die Grenze zu Tirol. Der Zweite Weltkrieg war militärisch, politisch und symbolisch entschieden. Er war aber noch nicht beendet, und weite Teile Österreichs standen noch unter NS-Herrschaft.

Anmerkung: Die kursiven Textstellen sind Zitate von Zeitzeugen. Diese entstammen Büchern, Chroniken und Protokollen zum Thema oder wurden in Zeitzeugeninterviews vom Autor erhoben. 

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Die Ostfront im Alpenvorland bröckelt

Vom 2. bis zum 6. Mai 1945 wurden alle nicht mehr voll einsatzbereiten schweren Waffen sowie Nachschub-, Transport- und Instandsetzungseinheiten von der Front im Osten des Alpenvorlandes abgezogen. Nachdem die US-Truppen die Enns erreicht hatten, kamen die Operationen der Alliierten zum Stillstand. Obwohl erste amerikanische Aufklärungseinheiten über die Enns vorstießen, bestand keine unmittelbare Gefahr eines großen Angriffes. Der Oberste Befehlshaber der Deutschen Wehrmacht, Admiral Dönitz, befahl deshalb, die Absetzbewegungen im Osten zu beschleunigen. An der Niederlage gab es keine Zweifel mehr. 

Frontverlauf in Europa zwischen 1943 und 1945. Die blauen Gebiete zeigen jene Gebiete, die am 7. Mai 1945 noch unter deutscher Kontrolle standen. (Grafik: San Jose)

Die Hauptkampflinie an der Ostfront im Alpenvorland war ab dem 6. Mai 1945 nur noch stützpunktartig besetzt. Die deutschen Einheiten setzten sich Richtung Westen in Bewegung, wobei sie sich auf ein gut ausgebautes und leistungsfähiges Straßennetz abstützen konnten. Motorisierte Einheiten, die noch an der Frontlinie ausharrten, sollten die Absetzbewegungen verschleiern. Zu diesem Zeitpunkt mischten sich die Soldaten, auch jene der Waffen-SS, unter den Strom der Flüchtlinge in den Westen. „In den drei Tagen vor der Besetzung [hier der 9. Mai; Anm.] bewegte sich auf der Straße nach Oberösterreich ein breiter Strom von Soldaten und Zivilisten mit und ohne Fahrzeug. Die abgehetzten, verwildert aussehenden Soldaten (…) boten ein Bild der Trostlosigkeit und des Jammers.“

Die letzten Tage des Krieges zu überleben, hatte oberste Priorität bei den Soldaten an der Front. Konrad Radner hatte bereits zahlreiche gefährliche Situationen überlebt. Neben dem Glück war es vor allem wichtig, Gefahren zu erkennen und keiner „Versuchung“ zu erliegen. Von diesen gab es viele. Eine davon blieb ihm besonders in Erinnerung: „Im Krieg wurden Freiwillige gesucht, die den Führerschein machen sollten. Auch ich wurde gefragt. Die Ausbildung hätte drei Wochen gedauert, und ein paar Tage Heimaturlaub wären auch dabei herausgesprungen. Ich habe abgelehnt.“

Die Kraftfahrer bei den Fernmeldeeinheiten waren dem Tode geweiht. Die Funksprüche, die in den Fahrzeugen abgegeben wurden, konnten von den amerikanischen Truppen geortet werden. Kurz nachdem ein Funkspruch abgesetzt war, wurden sie zur Zielscheibe der Artillerie. Im Gegensatz zur Mannschaft, die absaß und eine Deckung aufsuchte, mussten die Fahrer im Fahrzeug bleiben. „Die Aussicht auf ein paar Tage weg von der Front war für viele Kameraden jedoch zu verlockend. Keiner von ihnen hat den Krieg überlebt - alle starben in ihren Fahrzeugen.“

Die Amerikaner kommen

Am 6. Mai 1945 trafen amerikanische Soldaten in Waidhofen/Ybbs ein. „Es wurde bekannt, dass der Abschluss der Kampfhandlungen unmittelbar bevorstehe und die Amerikaner an der niederösterreichischen Grenze stehen. (...) Sie werden auch zu uns kommen, hofften viele. (…)“ Die Sorge der Bewohner war nicht unberechtigt. Viele Soldaten berichteten von ihren Erlebnissen an der Front, aber auch von den Gräueltaten an der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Davon erzählte auch so mancher Fremdarbeiter, von denen damals viele in der Stadt und ihrer Umgebung waren. Die deutsche Propaganda tat ihr übriges, indem sie die Ostvölker, speziell die Russen, als Barbaren darstellte und vor der Roten Armee warnte.

Neben der Angst vor der Rache der Sowjets gab es bei der Bevölkerung die Sorge, dass es zwischen Amerikanern und SS-Einheiten zu Kämpfen kommen könnte, und sie dazwischen stehen würden. „Am Sonntag, dem 6. Mai 1945 fuhren am Nachmittag plötzlich amerikanische Panzer (…) nach Waidhofen.“ Die Befürchtungen der Bewohner sind nachvollziehbar, trafen jedoch nicht ein. „Wir standen auf der Fußgängerbrücke (…) und konnten die Jeeps sehen. (…) Auf der Brücke, auf der wir uns befanden, patrouillierten deutsche Soldaten mit Gewehren. (…) Wir dachten uns, dass es jetzt gleich zu einem Gefecht zwischen Deutschen und Amerikanern kommen würde. Aber es geschah nichts. Beide taten so, als ob sie einander nicht wahrgenommen hätten. (…)“

Ein deutscher Panzer V (Panter) im Nellinggraben bei Waidhofen/Ybbs. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Letzte deutsche Einheiten am Stadtplatz in Waidhofen/Ybbs. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Letzte deutsche Einheiten am Stadtplatz in Waidhofen/Ybbs. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Die amerikanische Vorhut in Waidhofen/Ybbs zwei Tage vor dem Kriegsende inmitten deutscher Soldaten. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Die amerikanische Vorhut in Waidhofen/Ybbs zwei Tage vor dem Kriegsende inmitten deutscher Soldaten. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)

Vorhuten der US-Army

Amerikanische Truppen drangen am 6. Mai auch an anderen Orten in die zukünftige sowjetische Zone ein. Nicht überall verlief das so friedlich wie in Waidhofen/Ybbs. In Ernsthofen bei St. Valentin trafen die US-Soldaten auf erheblichen Widerstand. Am Vorabend hatten sie Kronstorf, an der gegenüberliegende Seite der Enns erreicht. Ab etwa 0800 Uhr in der Früh versuchten sie, den Fluss bei der Baustelle des Kraftwerkes zu überqueren, um nach Ernsthofen zu gelangen.

Einheiten der Waffen-SS, die sich auf den Hügeln hinter dem Fluss verschanzt hatten, nahmen sie unter Feuer. Dabei setzten die Verteidiger Fliegerabwehrkanonen im Erdeinsatz zur Abwehr des amerikanischen Angriffes aus dem Westen ein. Die US-Truppen mussten den Angriff abbrechen. Kurz darauf griffen sie erneut, dieses Mal jedoch mit Unterstützung von Tieffliegern an. Um etwa 15 Uhr gelang es ihnen schließlich, die Enns mit Schlauchbooten zu übersetzen. 36 amerikanische und neun deutsche Soldaten starben bei dem Gefecht. „In Ernsthofen befindet sich das letzte Widerstandsnest Deutscher Truppen”, meldete damals ein britischer Radiosender. Er sollte sich irren.

Nachdem sie Ernsthofen eingenommen hatten, marschierten die amerikanischen Soldaten weiter nach St. Valentin, wo sie auf keine Gegenwehr mehr stießen und vom Bürgermeister begrüßt wurden. Nach einigen Stunden vor Ort setzten sie sich wieder ab und gingen hinter die Enns zurück. Der Vorstoß galt vermutlich dem Nibelungenwerk in St. Valentin, einem der größten deutschen Panzerwerke.

Mehr als die Hälfte der etwa 8.500 Panzer IV, der meistgebaute deutsche Panzerkampfwagen des Krieges, wurden dort hergestellt. Das Werk war seit einem Bombenangriff am 23. März 1945 so stark zerstört, dass keine Panzer mehr produziert werden konnten. Die US-Soldaten wollten sich davon vermutlich selbst vor Ort überzeugen. Der Krieg in St. Valentin war dadurch jedoch noch nicht beendet. Am 7. Mai 1945 lag die Stadt unter dem Feuer alliierter Artillerie. Am gleichen Tag wurde auch bereits der erste Besatzungsbefehl durch die Gemeinde vorbereitet. Darin wurde, noch bevor die Besatzungstruppen vor Ort waren, die Abgabe von Waffen befohlen. Am 9. Mai marschierten schließlich die sowjetischen Truppen in St. Valentin ein und übernahmen dort die Kontrolle.

Fotostrecke Nibelungenwerk

Der Panzer IV war der meistgebaute deutsche Panzerkampfwagen des Krieges. Mehr als die Hälfte der etwa 8.500 Panzer IV wurden in St. Valentin hergestellt. Das Bild zeigt den 100 Panzer dieses Typs, der im Nibelungenwerk produziert wurde. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)
Panzer IV verlassen das Nibelungenwerk mit der Eisenbahn Richtung Front. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)
Ein Angehöriger der SS bewacht einen KZ-Häftling im Werk. Die Produktion wäre nicht ohne den Einsatz von KZ-Häftlingen möglich gewesen. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)
Blick in eine Produktionshalle des Nibelungenwerkes. Die Splitterwände sollten im Falle eines Bombentreffers Schäden im Gebäude verringern. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)
Ein, beim Bombenangriff auf das Werk am 23. März 1945, beschädigter Panzer IV. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)
Die Wucht der Bomben zeigt sich am Ausmaß der Schäden im Werk. (Foto: Stadtgemeinde St. Valentin)

US-Patrouille in Waidhofen/Ybbs

Bei ihrem Vorstoß auf Waidhofen/Ybbs am 6. Mai 1945 ging einem amerikanischen Spähtrupp das Benzin aus. Die US-Soldaten hielten daraufhin einen deutschen Kradmelder auf und baten ihn um Treibstoff. Der Kradmelder ließ einen amerikanischen Soldaten, der ursprünglich aus Österreich stammte, aufsitzen, und fuhr mit ihm in das Schloss nach Waidhofen/Ybbs. Als er dort ankam, musste er vor einer Tür warten. „Er konnte ein lautes Streitgespräch hinter dieser Türe vernehmen. Als die Stimmen lauter wurden hörte er, wie jemand vorschlug, ihn zu erschießen. (…) Er riss die Tür auf und ging auf den Tisch zu, an dem einige hohe deutsche Offiziere saßen und schlug mit der Faust auf den Tisch. Er sagte auf Deutsch, dass er hier wäre, um die Kapitulation in die Wege zu leiten.“ 

Eine amerikanische Vorhut mit Zivilbevölkerung und deutschen Soldaten. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Eine amerikanische Vorhut mit Zivilbevölkerung und deutschen Soldaten. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)

Es war eine List, mit welcher der junge US-Soldat sein Leben retten wollte. Was er nicht wusste: Er befand sich im Hauptquartier der Heeresgruppe Ostmark. Diese hatte erst vor wenigen Stunden ihren neuen Gefechtsstand im Schloss bezogen. Das alte Hauptquartier befand sich in Erla, nur wenige Kilometer von Enns entfernt, das bereits in amerikanischer Hand war.

Der Kommandant der Heeresgruppe Ostmark, Generaloberst Lothar Rendulic, stand schon lange bei seinen Vorgesetzten im Verdacht, mit den Amerikanern über eine mögliche Kapitulation verhandeln zu wollen. Erst vor wenigen Stunden hatte er seinen Truppen befohlen, die amerikanischen Einheiten westlich der Ybbs nicht mehr zu bekämpfen. Den SS-Einheiten wurden sogar Verbindungsoffiziere zugeteilt, die sicherstellen sollten, dass dieser Befehl eingehalten wird.

Kurze Zeit später war auch der Zugskommandant des jungen amerikanischen Soldaten in das Schloss gekommen. Er teilte dem General mit, „dass er beauftragt war, die Sowjets zu finden und die Deutschen zur Kapitulation zu zwingen.“ Er bat den Generaloberst darum, seinen Zug in das Schloss nachholen und dort unterbringen zu dürfen. Da die Führung der Heeresgruppe Ostmark die Absicht hatte zu kapitulieren, willigte er ein. Am Abend des 6. Mai befand sich ein Zug amerikanischer Soldaten in Waidhofen/Ybbs. Rendulic befahl der Heeresgruppe Ostmark, ab 0800 Uhr des nächsten Tages die Kämpfe gegen die Amerikaner endgültig einzustellen. Die Teile des Großverbandes, die im Osten gegen die Sowjets kämpften, bekamen den Befehl sich abzusetzen.

Widerstand

Als die amerikanischen Truppen am 5. Mai die Enns erreichten, erhielt die in Amstetten und Hollenstein stationierte Artillerie-Ersatz- und Ausbildungsabteilung 109 den Befehl, Stellungen im Raum Erlauf zu beziehen. Innerhalb der Abteilung hatte sich jedoch eine Widerstandsgruppe gebildet, der auch ihr Kommandant angehörte. Um den Befehl nicht ausführen zu müssen, fuhr dieser mit den Teilen der Amstettener Garnison nach Hollenstein. Dort wollte er mit seinen Männern das Kriegsende abwarten. Um diesen Plan zu verwirklichen, nahm er in der Früh des 6. Mai die örtliche NS-Führung fest und setzte Sicherungen am Ortseingang von Hollenstein ein.

Zurückflutende Soldaten bei Böhlerwerk. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)
Zurückflutende Soldaten bei Böhlerwerk. (Foto: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs)

Hollenstein lag auf einer der Rückzugsstraßen der bereits zurückflutenden deutschen Kräfte, viele davon kriegserfahrene Soldaten der Waffen-SS. Diesen verstellten die Widerstandskämpfer der Ersatzabteilung nun den Weg in die rettende US-Zone. „Auf eine Kriegsaktion, dass wir schießen müssen, darauf waren wir eigentlich gar nicht gefasst. Wir haben nur geglaubt, wir machen einen Überfall und aus.“ Als die Einheiten der Waffen-SS angriffen, zersplitterte sich die Abteilung und zog sich in die Berge der Umgebung zurück. Mehrere Widerstandskämpfer kamen bei den Kampfhandlungen ums Leben oder wurden kurz darauf hingerichtet.

Als die Rote Armee einige Tage später in Hollenstein eintraf, kamen ihnen die Angehörigen der Ersatzabteilung mit rot-weiß-roten Armschleifen entgegen. Die Sowjets nahmen jedoch keine Rücksicht auf die Widerstandstätigkeit der Abteilung. Im Gegensatz zu den Soldaten der Waffen-SS, die schon hinter der amerikanischen Linie waren, traten sie nun den Fußmarsch in die sowjetische Kriegsgefangenschaft an.

In den letzten Wochen des Krieges ereigneten sich im Alpenvorland mehrere „Endphaseverbrechen“. Dabei wurden vor allem Juden Opfer des NS-Regimes. Die Spur des Terrors zog sich in der Region von Hofamt Priel nördlich der Donau über Amstetten und Randegg bis nach Göstling und Gresten. Hunderte ungarische Juden wurden dabei noch zu Opfern von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von anarchisch agierenden Einheiten der SS ohne konkreten Befehl verübt wurden.

Patrouillen der Waffen-SS griffen auch immer wieder Deserteure auf. „Im Bezirk Amstetten wurden 37 Personen wegen Hochverrat, Wehrkraftzersetzung, Fahnenflucht usw. zu Freiheitsstrafen und zum Tod verurteilt. 15 Todesurteile wurden vollstreckt.“ Darüber hinaus wurden etwa 250 Deserteure vom März 1945 bis zum Kriegsende aufgegriffen. Fast alle wurden exekutiert, und „als abschreckendes Beispiel wurde der Großteil der erschossenen Soldaten (…) öffentlich zur Schau gestellt.“ Sie wurden häufig an Laternen aufgehängt oder auf offener Straße erschossen und dort liegen gelassen. 

General Jodl unterschreibt die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen am 7. Mai in Reims. (Foto: U.S. Archives)
General Jodl unterschreibt die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen am 7. Mai in Reims. (Foto: U.S. Archives)
Am 8. Mai 1945 wird die Unterzeichnung auf Wunsch der Sowjets in Berlin wiederholt. (Foto: U.S. Army)
Am 8. Mai 1945 wird die Unterzeichnung auf Wunsch der Sowjets in Berlin wiederholt. (Foto: U.S. Army)

Kapitulation

Die amerikanischen Soldaten in Waidhofen/Ybbs konnten ihren Auftrag, mit den Sowjets Verbindung aufzunehmen nicht erfüllen. Sie konnten jedoch eine andere wichtige Mission ausführen: Den Kommandanten der Heeresgruppe Ostmark zu ihrem Vorgesetzten eskortieren, um die Verhandlungen über die Kapitulation seines Großverbandes in die Wege zu leiten. Das war auch deshalb wichtig, weil damit ein für alle Mal das Gespenst der Alpenfestung gebannt war. Die Errichtung dieser Verteidigungsanlage war zwar immer illusorisch, dennoch hätten die deutschen Truppen über genug Soldaten, Waffen und Nachschubmittel verfügt, um den Krieg noch zu verlängern. In den Mittagsstunden des 7. Mai 1945 verließ Generaloberst Rendulic mit den amerikanischen Soldaten Waidhofen/Ybbs.

Am 7. Mai 1945 unterschrieb General Jodl im Hauptquartier des westalliierten Oberbefehlshabers General Eisenhower in Reims die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Das Ziel der Verhandlungen war ein Frieden mit den Westalliierten, aber ein Weiterführen des Krieges gegen die Sowjetunion. Dieser Plan ging nicht auf. Die Westalliierten wollten die Gesamtkapitulation. Aufgrund der aussichtlosen Lage blieb der deutschen Delegation nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Jodl konnte jedoch erreichen, dass den Deutschen die Rückführung ihrer Truppen von der Ostfront in den amerikanischen Machtbereich innerhalb einer Frist von zwei Tagen zugestanden wurde.

Soldaten der Roten Armee rücken 1945 in Österreich vor. (Foto: HGM)
Soldaten der Roten Armee rücken 1945 in Österreich vor. (Foto: HGM)

Noch in der gleichen Nacht befahl Großadmiral Karl Dönitz das Absetzen aller an der Ostfront kämpfenden Teile nach Westen zu den Amerikanern. Bereits am 4. Mai meinte er, dass der weitere Verlauf des Krieges vor allem den Sinn habe, möglichst große Teile der deutschen Bevölkerung vor den sowjetischen Truppen in Sicherheit zu bringen. Im Wesentlichen ging es jedoch darum, möglichst vielen deutschen Soldaten die sowjetische Gefangenschaft zu ersparen.

Die Heeresgruppe Ostmark war über die allgemeine Lage der deutschen Truppen an den restlichen Kriegsschauplätzen schlecht informiert. „Das Oberkommando der Wehrmacht war nicht mehr zu erreichen. Es war mir auch unbekannt, dass Verhandlungen des Oberkommandos mit dem Gegner stattfanden.“ Die Fahrt mit den amerikanischen Soldaten, am Nachmittag des 7. Mai, führte Generaloberst Rendulic nach St. Martin/Innkreis (ca. 10 km nördlich von Ried im Innkreis). Dort unterschrieb er um 1800 Uhr die bedingungslose Kapitulation seines Großverbandes.

Am Abend des 7. Mai war die Verbindung zum Oberkommando der Wehrmacht wieder hergestellt. Die Heeresgruppe Ostmark erhielt den Befehl, sich möglichst unauffällig von den Sowjets zu lösen. Der Großverband sollte nun mit möglichst viel Verpflegung und nur mit Handfeuerwaffen im Gepäck bis 9. Mai 0001 Uhr die Enns überschreiten. Rendulic und Dönitz hatten unabhängig voneinander das gleiche entschieden - aufgrund der aussichtslosen militärischen Situation blieb ihnen jedoch auch keine andere Wahl.

Innerhalb von etwa 30 Stunden musste die gesamte Heeresgruppe Ostmark mit ihren Armeen, Korps und Divisionen, das Gefecht abbrechen und sich bis zu 80 km weit Richtung Westen absetzen. Die Front der Heeresgruppe löste sich daraufhin auf. Es gab keinen Zusammenhalt mehr an der Frontlinie, und jeder Verband versuchte selbstständig, die Demarkationslinie zu erreichen. Den Kräften im Alpenvorland standen dazu neben der Bundesstraße 1, das Donautal sowie die Bundesstraße über Scheibbs nach Waidhofen/Ybbs und von dort weiter bis nach Weyer, Ternberg und Steyr zur Verfügung. Daneben gab es noch einige kleinere Straßen, die ebenfalls von den zurückflutenden Truppen genutzt wurden.

Teil 3

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Offiziersstellvertreter Keusch ist Redakteur bei TRUPPENDIENST.

Amstetten nach Kriegsende. (Foto: Archiv Keusch)
Amstetten nach Kriegsende. (Foto: Archiv Keusch)
 

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Meinungen (1)

  • krenglmüller hermann // 26.01.2017, 13:55 Uhr War wieder ein weiterer hochinterresanter bericht vom ende der kämpfe in der ehem. ostmark, mkg,krenglmüller hermann STWM.