• Veröffentlichungsdatum: 20.12.2016
  • – Letztes Update: 09.01.2017

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Der Schlüssel zum Erfolg

Gerold Keusch

(Foto: Keusch)

Seit zehn Jahren besteht die Kooperation zwischen der Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) und der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Deutschen Bundeswehr. Die Kommandanten beider Dienststellen nutzten das Jubiläum, um das Projekt darzustellen und gaben einen Einblick in die praktische Umsetzung der gemeinsamen Ausbildung.


„Seien Sie immer darauf gefasst einen Lagevortrag zur Unterrichtung halten zu müssen, wenn ein Überprüfender kommt. Haben Sie aber keine Sorge! Sie leben in der Lage und wissen deshalb immer mehr als derjenige, der sie überprüft. Achten Sie aber auf die richtige Struktur! Darauf ist ihr Überprüfender konditioniert, nur so kann er ihren Ausführungen auch folgen.“
 So knapp und präzise bringt Oberst im Generalstabsdienst, Dirk Waldau, den Stabsdienst auf der Bataillonsebene auf den Punkt. Er muss es wissen; schließlich ist er der Kommandant der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in Hannover. Seine Schule ist der Kooperationspartner der Heeresunteroffiziersakademie in Enns.

Das Ziel dieser militärischen Zusammenarbeit sind der Erfahrungsaustausch und das gemeinsame Training. Begonnen hat die Kooperation vor zehn Jahren. Damals war die Situation in den europäischen Streitkräften, auch in Österreich von zwei wesentlichen Faktoren gekennzeichnet: Einer ständigen Reduktion der Wehrbudgets und dem Auftrag bei Auslandseinsätzen eine aktive Rolle für die internationale Sicherheit einzunehmen. Um diese beiden, sich eigentlich gegenseitig ausschließenden Aufgaben zusammenzuführen, sollte die Kooperation zwischen den Streitkräften verbessert werden.

Geschichte der Kooperation

Das erste gemeinsame Projekt zwischen der HUAk und der Schule für Feldjäger und Stabsdienst wurde 2006 verwirklicht. Dabei handelte es sich um die Ausbildung österreichischer Teletutoren für eine E-Learning Plattform in Deutschland. Das E-Learning Programm ist ein Eckpfeiler der ENCOA (European Non Commissioned Officer Academy - Europäische Unteroffiziersakademie). Diese Einrichtung ist eine virtuelle Unteroffiziersakademie für die internationale Weiterbildung, an der, neben Deutschland und Österreich, auch die Schweiz beteiligt ist.

Oberst Dirk Waldau (li.) von der Schule für Feldjäger und Stabsdienst und Brigadier Nikolaus Egger (re.) von Heeresunteroffiziersakademie. (Foto: Keusch)

Im Gegenzug unterstützte die HUAk ihre deutschen Kameraden bei der Ausbildung von Stabsmanagern im praktischen Stabsdienst in Kombination mit „Military English“. Die Stabsmanager der Deutschen Bundeswehr sind Fachoffiziere, die im militärfachlichen Bereich eingesetzt werden. Sie rekrutieren sich aus Unteroffizieren, die dann eine spezielle Ausbildung absolvieren. In Österreich gibt es zurzeit kein vergleichbares System.

2009 übersiedelte der deutsche Partner der HUAk von Sonthofen nach Hannover. Da sich die Entfernung beider Dienststellen verdoppelte war die Weiterführung der Kooperation anfangs ungewiss. „Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe“, so der Kommandant der HUAk, Brigadier Nikolaus Egger. Diese Wege wurden gefunden und die Partnerschaft blieb erhalten. Von 2009 bis 2014 nahmen jährlich etwa zwanzig deutsche Lehrgangsteilnehmer an der Stabsdienstausbildung in Enns teil. 2015 wurde die Zusammenarbeit vertieft, und der gesamte Lehrgang der angehenden Stabsmanager der Deutschen Bundeswehr trainierte eine Woche lang in Enns. Im Jahr 2016 waren es 50 Teilnehmer.

„Die Kooperation ist von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt“, so Oberst Dirk Waldau. Das ist eine wesentliche Basis, denn „voneinander lernen und einander kennen sind unerlässlich für eine Zusammenarbeit Schulter an Schulter in multinationalen Einsätzen. Grenzen dürfen in der internationalen Zusammenarbeit keine Rolle spielen“. Eine Sicht die auch der Kommandant der HUAk teilt, wenn er meint, dass „man sich auf gemeinsame Aufgaben auch gemeinsam vorbereiten soll“ und „beide Seiten von der Gegenüberstellung des Stabsdienstes beider Armeen profitieren.“

Oberstleutnant Heller unterrichtet zukünftige Offiziere der Deutschen Bundeswehr im Stabsdienst. (Foto: Keusch)
Die Kursteilnehmer bearbeiten eine Aufgabenstellung. (Foto: Keusch)
Ein zukünftiger Stabsmanager beim Lagevortrag. (Foto: Keusch)

Praktische Ausbildung

Die Ausbildung der angehenden Stabsmanager an der HUAk beinhaltete die folgenden Themen:

  • Stabsdienst praktisch
  • Training am Duellsimulator „Steal Beasts“
  • Körperausbildung

Die Ausbildung orientiert sich an Szenarien von Friedensunterstützenden Einsätzen (Peace Support Operations). So bleibt der internationale Bezug, das Kernelement der Partnerschaft, erhalten und es wird ein realistischer Bezug zu möglichen gemeinsamen Einsätzen hergestellt. „In der Ausbildung werden reale Lagen trainiert, die sich in Auslandseinsätzen tatsächlich abgespielt haben. Anhand dieser Beispiele ist es uns möglich eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und angehende militärische Keyplayer zu schulen.“ Erklärt Oberst Andreas Schiffbänker, der als Leiter des Institutes 2 der HUAk auch für die Ausbildung der deutschen Kameraden zuständig ist.

Stabsdienst 

Bei der praktischen Ausbildung im Stabsdienst wird die Arbeit in den verschiedenen Stabszellen mit ihren spezifischen Aufgaben geschult. Hier werden Beiträge der einzelnen Teilelemente ausgearbeitet sowie der allgemeine Lagevortrag zur Unterrichtung, das Führen der Lagekarte und andere Routineabläufe geübt. Die Aufträge werden dabei unter Anleitung eines österreichischen Stabstrainers in Kleingruppen bearbeitet und anschließend präsentiert.

Praktisches Üben am Gefechtssimulator Steal Beasts. (Foto: Keusch)

Gefechtssimulator

Die Schulung auf dem Führungssimulator beginnt mit einer theoretischen Einweisung in die technischen Parameter und die Möglichkeiten, die das System „Steal Beasts“ bietet. Danach wechseln die Teilnehmer in Kleingruppen zu je zwei Personen an die Computer, wo sie mit dem Programm praktisch arbeiten. Bei diesem Simulations-System wird ein reales Gelände, im konkreten Fall der Truppenübungsplatz Allentsteig, digitalisiert und es werden Gefechtsabläufe unter möglichst realistischen Bedingungen „durchgespielt“.

Den Kursteilnehmern wird in dieser Einheit das Idealbild der Ausbildung von konkreten Gefechtsbeispielen auf der Ebene des Zuges vermittelt:

  1. Theoretische Bearbeitung des Führungsverfahrens und der Befehlsgebung im Lehrsaal
  2. Üben des Gefechtsbeispieles am Simulator
  3. Praktisches Umsetzen der Gefechtssituation im Gelände

Die Szenarien die hier geübt werden basieren auf konkreten Erfahrungen, die österreischiche Soldaten im Auslandseinsatz zu bewältigen hatten. Diese werden insofern adaptiert, indem sich das Gelände ändert, die Situation jedoch gleich bleibt. Damit wird eine möglichst große Nähe zur Wirklichkeit erzeugt - das Ziel einer angepassten Ausbildung.

Körperausbildung 

„Der Soldat ist ein Leistungssportler, seine Disziplin ist der Gefechtsdienst!“ Mit diesen Worten fasst der Leiter der Station Körperausbildung die Bedeutung des Sports im Militär zusammen. Das Ausbildungsthema beginnt mit einem Unterricht im Lehrsaal, wo die Bedeutung der körperlichen Fitness des Soldaten für seine Tätigkeit anhand von Zahlen, Daten, Fakten und praktischen Beispielen erörtert wird.

Nach dem theoretischen Teil wechseln die Lehrgangsteilnehmer in die Sporthalle zum praktischen Teil der Ausbildung. Dort lernen sie einen Kraftausdauerzirkel kennen, der das Ziel hat, die allgemeine militärische Fitness zu erhöhen. Dabei werden Übungen, die Belastungen am Gefechtsfeld simulieren, durchgeführt. Bei einer Station wird das Schießen nach einer körperlichen Belastung mit einem Lasergewehr geübt und so die Verbindung zwischen dem Sport und dem Gefechtsdienst hergestellt.

Lehrgangsteilnehmer beim Kraftzirkel. (Foto: Keusch)
Der Leiter des Trainings zeigt das Schießen mit dem Lasergewehr vor. (Foto: Keusch)
(Foto: Keusch)

Fazit der Ausbildung

„Ausbildungsbreite ist wichtig! Zu Üben und Auszubilden ist, was den Anforderungen des militärischen Einsatzes entspricht. Dazu muss man die Komfortzone verlassen.“ Oberst Dirk Waldau bringt es auf den Punkt und formuliert das Ziel der gemeinsamen Anstrengungen in der Ausbildung: „Multinationalität ist der Schlüssel zum Erfolg im Einsatz.“

Gemeinsamer Abschluss

Anlässlich der zehnjährigen Kooperation wurde der Ausbildungstag mit einem offiziellen Festakt und einem gemeinsamen Abendessen beendet. Neben den Teilnehmern des Lehrganges, den Kommandanten beider Akademien und ihres Lehrpersonals waren auch Vertreter der zivilen Partner der HUAk und Gäste aus der regionalen Wirtschaft und Politik vor Ort. „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“ Mit diesem Zitat von Henry Ford betonte Brigadier Nikolaus Egger die Relevanz der gemeinsamen Partnerschaft. Diese soll in Zukunft nicht nur fortgeführt, sondern noch vertieft werden.

Offiziersstellvertreter Keusch ist Redakteur bei TRUPPENDIENST.

Heeresunteroffiziersakademie

Europäische Unteroffiziersakademie (ENCOA)

(Foto: Keusch)
 

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