• Veröffentlichungsdatum: 17.02.2017
  • – Letztes Update: 08.05.2018

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Der letzte Bombenangriff

Gerold Keusch

(Foto: Stadtarchiv Amstetten)

Als sich am letzten Tag des Zweiten Weltkrieges die Fronten auflösten, herrschte das Chaos. Die deutschen Truppen marschierten Richtung Westen und versuchten sich zu den Amerikanern abzusetzen. US-Soldaten, die ihre Zonengrenze an der Enns bereits drei Tage zuvor erreicht hatten, marschierten Richtung Osten, um mit den verbündeten Sowjets Kontakt aufzunehmen. Das verlief nicht ohne Vorkommnisse. Ein besonderer Zwischenfall ereignete sich in Amstetten, wo die letzten Bomben des Krieges in Österreich fielen.

Anmerkung: Die kursiven Textstellen sind Zitate von Zeitzeugen. Diese entstammen Büchern, Chroniken und Protokollen zum Thema oder wurden in Zeitzeugeninterviews vom Autor erhoben.

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Am 6. Mai 1945 reiste Generaloberst Alfred Jodl, der Chef des Wehrmachtführungsstabes, in das Oberste Hauptquartier der alliierten Streitkräfte nach Reims in Frankreich. Er hatte die Vollmacht für einen besonderen Auftrag. Der Generaloberst sollte für das Deutsche Reich die Verhandlung zur Kapitulation gegenüber den Westalliierten führen. Das Verhandlungsziel der Teilkapitulation konnte nicht erreicht werden. Die Westalliierten bestanden auf der Gesamtkapitulation Deutschlands, auch gegenüber der Sowjetunion. Aufgrund der aussichtslosen militärischen Lage akzeptierte die deutsche Führung diese Forderung. In den frühen Morgenstunden des 7. Mai 1945 unterzeichnete Jodl die bedingungslose Kapitulation. Am 9. Mai 1945 sollten ab 0001 Uhr die Waffen ruhen. Der Krieg und mit ihm das Tausendjährige Reich der Nationalsozialisten waren zu Ende.

Vormarsch aus Ost und West

Am Abend des 7. Mai sah die Front in Österreich nördlich der Alpen wie folgt aus: Amerikanische Truppen befanden sich an der Enns, dem Grenzfluss zwischen Ober- und Niederösterreich. Die Sowjets standen einige Kilometer westlich von St. Pölten. Die Fronten waren etwa 80 km voneinander entfernt. In der Früh des 8. Mai setzten die Sowjets ihren Vormarsch Richtung Westen fort. Ihr Vorgehen erfolgte rasch, aber nicht ohne Widerstand durch die zurückweichenden deutschen Truppen. 

Aus dem Westen stießen am Morgen des 8. Mai 1945 amerikanische Truppen über die Enns Richtung Osten vor. Dabei kam es in Ennsdorf und Behamberg zu den letzten Gefechten zwischen amerikanischen und deutschen Truppen in Österreich. Es waren die einzigen Orte, an denen die US-Soldaten an diesem Tag noch kämpfen mussten. In den anderen Ortschaften wurden sie erleichtert begrüßt. Die Hoffnung der Bewohner, dass die Amerikaner bleiben würden, wurde nicht erfüllt. Die meisten US-Soldaten setzten sich noch in den Westen ab, bevor die Rote Armee kam. Ein besonderer Zwischenfall fand am letzten Kriegstag zwischen amerikanischen, sowjetischen und deutschen Truppen in Amstetten statt. 

Ein Schock

Amstetten am Vormittag des 8. Mai 1945. Deutsche Truppen befinden sich in der Stadt und marschieren Richtung Westen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)
Amstetten am Vormittag des 8. Mai 1945 - der letzte Tag des NS-Regimes in Österreich. Deutsche Truppen befinden sich in der Stadt und marschieren Richtung Westen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)

Adolf, damals fünf Jahre alt, sah am 8. Mai 1945 in ernste und nachdenkliche Gesichter bei den Erwachsenen. Sie ließen ihn die Sorge um die Zukunft erahnen, die die Menschen damals bedrückte. Seit den frühen Morgenstunden hörte man Detonationen in Amstetten. Die flüchtenden deutschen Soldaten sprengten ihre Munitionslager. „Geh ja nicht aus dem Haus“, ermahnten ihn seine Eltern. Doch in einem günstigen Augenblick entschlüpfte er mit seinem vierzehnjährigen Bruder. Die beiden Kinder waren neugierig, wollten sich umsehen und gingen zum Hauptplatz.

Bei einem Gasthaus hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt. In der Stadt hatte sich das Gerücht verbreitet, dass die Amerikaner kommen würden. „Nachdem wir uns zu der Menge gesellt und kurze Zeit gewartet hatten, wurden wir Zeugen des Eintreffens der Amerikaner in Amstetten.“ An der Spitze des Konvois fuhren zwei M8 Panzerspähwagen, dahinter vier Jeeps und andere Fahrzeuge. Ein verminderter Aufklärungszug des 261. Regiments der 65. US-Infanteriedivision war in die Stadt eingefahren. Normalerweise bestand ein solcher Zug aus drei Panzerwagen und sechs Jeeps.

Die US-Soldaten fuhren an den Menschen vorbei, lachten sie an und winkten ihnen zu. „Ein älterer Mann versuchte, sich bei den Neuankömmlingen verständlich zu machen. Nach einigem Hin und Her verkündete er enttäuscht, dass die Amerikaner nicht bleiben würden.“ Die amerikanischen Soldaten hatten den Auftrag, mit den Sowjets Verbindung aufzunehmen. Danach mussten sie wieder hinter die Enns zurückgehen und die Stadt der Roten Armee überlassen. Ein Schock für die Bewohner, die hofften, dass sie bleiben würden.

Lazarett und Waffenlager

Der amerikanische Spähtrupp ist auf dem Hauptplatz von Amstetten eingetroffen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)
Der amerikanische Spähtrupp ist auf dem Hauptplatz von Amstetten eingetroffen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)

„Mein Bruder nahm mich an der Hand und drängte mich aus der Menge. Er hatte genug gehört und gesehen, und wollte nach Hause, um die Neuigkeiten zu erzählen.“ Als die beiden aufbrachen, kreuzte ein Schulfreund ihren Weg. Er teilte ihnen mit, dass das Lazarett im ehemaligen Gymnasium geräumt sei und wollte mit Adolfs Bruder dorthin gehen. „Er sagte zu, wollte mich aber zuerst noch daheim abliefern und schob mich ins Haus. Anstatt jedoch nach oben zu gehen, lief ich ihm nach.“

Zu dritt betraten sie das Gebäude in dem Waffen und Ausrüstungsgegenstände herumlagen. „Mein Bruder war vollauf damit beschäftigt, mich von diesem oder jenem abzuhalten. Nachdem er gerade verhindert hatte, mich einer Maschinenpistole zu nähern, übersah er die, auf einem Bett liegenden, eierförmigen Dinger. Ein Griff, und ich hatte eines in der Hand. Gerade noch rechtzeitig riss mir mein Bruder die Handgranate, die ich unbewusst gezündet hatte, aus der Hand und warf sie in die Zimmerecke.“ Dann explodierte sie.

Ein anderer Zeitzeuge war der damals 11-jährige Kurt. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt am Hauptplatz in Amstetten. Davor war auch er gemeinsam mit anderen Leuten in dem verlassenen Lazarett gewesen. Dort erfuhr er, dass die Amerikaner schon in der Stadt sind und ging hin. Am Hauptplatz hatte sich bereits eine Menschenmenge versammelt, um die US-Soldaten zu sehen. Die Fahrzeuge und Soldaten standen neben dem Kilianbrunnen vor dem Rathaus. Daneben waren Leute mit rot-weiß-roten Armbinden und Abzeichen in Form einer Österreichfahne. „Die Zeit war eine andere geworden - wir waren nicht mehr Deutsche, wir waren Österreicher. Es hieß, es wäre Friede“.

Die Parade der Sieger

Unerwartet tauchten sieben amerikanische Flugzeuge aus dem Osten auf, die in einigen hundert Metern Höhe zwei Runden über der Menschenmenge drehten. Plötzlich schwenkten sie ein und setzten hintereinander zum Sturzflug an. „Das ist die Parade der Sieger!" meinten einige Personen, als sich die Maschinen der Menschenmenge näherten. Die ersten drei Flieger waren schon wieder aufgestiegen, als sich vier Punkte vom vierten Flugzeug lösten. „Bomben!“ Ein Kind hatte als Erster die Situation erkannt. Nun rannten Zivilisten, deutsche und amerikanische Soldaten um ihr Leben und suchten in den Häusern und Luftschutzstollen Unterschlupf. „Ich lief in Panik in einen Durchgang beim Hauptplatz und weiter in den Rathaushof. Eine Bombe war dort eingeschlagen und alles war voll Trümmer. Ich lief weiter zu den Luftschutzstollen, wo man mich endlich hineinließ.“

Kurt ist nicht das einzige Kind, das noch am letzten Tag des Krieges vor den Bomben davonlief. „Ich bin an diesem Tag mit meiner Schwester beim Kilianbrunnen gesessen. Auf einmal waren die Amerikaner da. Als die sowjetischen Maschinen über den Hauptplatz geflogen sind, wollte ich nach Hause gehen. Ich hatte schreckliche Angst vor Flugzeugen. Als wir beim Eingang des Rathauses waren, hat es gekracht. Wir spürten den Luftdruck der Bombe, die den Brunnen zerstörte, neben dem wir gerade noch gesessen waren.“

Der Angriff der sowjetischen Jagdbomber hat begonnen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)
Der Angriff der sowjetischen Jagdbomber hat begonnen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)

Nicht alle Menschen hatten an diesem Tag so viel Glück wie die beiden Kinder. „Einem Franzosen riss es den Kopf weg, einer wurde verschüttet. Beide waren fleißige Arbeiter im Kloster gewesen. (…) Ein Flüchtlingszug der getroffen wurde, raste mit scheu gewordenen Pferden davon. Die getroffenen Pferde wälzten sich auf dem Boden. Alles lief, schrie, warf sich vor den immer wieder kreisenden Fliegern auf den Boden“.

Die sieben amerikanischen Flugzeuge, wurden von der Sowjetarmee verwendet. Sie wurden ihnen als alliierte Unterstützungsleistung während des Krieges geliefert. Nun schossen sie aus ihren Bordkanonen und warfen Bomben auf die Stadt. Der Auslöser für den Angriff dürfte der Beschuss der Maschinen durch eine Fliegerabwehrkanone gewesen sein. Ein „Vierlingsflak-Geschütz“ auf einem Hügel, etwa 500 m vom Hauptplatz entfernt, feuerte auf die Sowjets. Daraufhin begannen die Jagdbomber ihren Angriff, der etwa 20 Minuten dauerte. Der Kilianbrunnen, neben dem die amerikanischen Panzerspähwagen noch kurz zuvor standen, wurde bei dem Angriff total zerstört. Sowjetische Soldaten waren zu diesem Zeitpunkt schon in der Stadt, aber noch einen knappen Kilometer vom Hauptplatz entfernt.

28 Menschen, Einheimische, deutsche Soldaten, Flüchtlinge, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene starben durch die letzten Bomben, die im Zweiten Weltkrieg auf Österreich fielen. Darüber hinaus gab es zahlreiche Verletzte bei diesem Angriff, darunter auch einen amerikanischen Soldaten. Nachdem dieser medizinisch versorgt war, verließen er und seine Kameraden Amstetten und zogen sich Richtung Westen zurück. Die Soldaten des US-Aufklärungszuges waren nicht die einzigen, die an diesem Tag die Enns überschritten. Am 8. Mai waren mehrere amerikanische Aufklärungselemente östlich der zukünftigen Demarkationslinie unterwegs. Auch in Stadt Haag, Behamberg, Haidershofen, Kürnberg, St. Pantaleon, St. Peter/Au oder Stephanshart trafen US-Soldaten noch vor der Roten Armee ein.

Rückzug

Am 12. März 1938, dem Tag des Anschlusses von Österreich an das „Altreich“, marschierten deutsche Truppen in Amstetten ein und verwandelten die Stadt in ein Heerlager. Am letzten Tag, an dem Teile Österreichs noch zu Deutschland gehörten, sah man in der Stadt ein ähnliches Bild. Dieses Mal waren die deutschen Truppen aber auf dem Rückzug und marschierten nicht mehr Richtung Osten sondern in die entgegengesetzte Richtung.

Die letzten deutschen Soldaten verließen die Stadt um etwa 1300 Uhr. Kurz darauf traf die Rote Armee am Hauptplatz ein. Innerhalb weniger Stunden war Amstetten in den Händen von deutschen, amerikanischen und schließlich sowjetischen Truppen. Zu Kampfhandlungen zwischen deutschen und sowjetischen Soldaten kam es in der Stadt jedoch nicht mehr.

Die nationalsozialistische Führung wollte Amstetten, das ein Vorposten der Alpenfestung werden sollte, bis zur letzten Patrone verteidigen. Sie ließ Panzersperren und Stellungen errichten, aber auch Deserteure erschießen und an mehreren Plätzen öffentlich zur Schau stellen. „Im Kreis Amstetten wird gestanden und gekämpft“, stand auf verschiedenfärbigen Plakaten, die auf Anordnung der NS-Kreisleitung in der Stadt hingen. Zu diesem Kampf kam es nicht. Bevor die Alliierten eintrafen, waren jene, die für den Tod der Deserteure verantwortlich waren und dazu aufriefen „standhaft zu sein“, bereits selbst geflohen.

Der erste und der letzte Tag des NS-Regimes

Amstetten am 12. März 1938, dem Tag des Anschlusses an Deutschland. Soldaten der deutschen Streitkräfte marschieren Richtung Osten nach Wien. (Foto: Archiv Keusch)
Amstetten am 12. März 1938, dem Tag des Anschlusses an Deutschland. Soldaten der deutschen Streitkräfte marschieren Richtung Osten nach Wien. (Foto: Archiv Keusch)
Die letzten Bomben haben am 8. Mai 1945 den Kilianbrunnen zerstört. Weiße Flaggen wehen von den Häusern und die letzten deutschen Soldaten verlassen die noch rauchende Stadt Richtung Westen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)
Die letzten Bomben haben am 8. Mai 1945 den Kilianbrunnen zerstört. Weiße Flaggen wehen von den Häusern und die letzten deutschen Soldaten verlassen die noch rauchende Stadt Richtung Westen. (Foto: Stadtarchiv Amstetten)

Sie bleiben vielleicht zehn Jahre

„Am späten Nachmittag wurde ich von einem Freund aufgerufen, mit ihm die Sowjets anzusehen. Die Soldaten, die auf und in den Panzern saßen, sahen aus wie Menschen. Das Blatt der Geschichte hatte sich gewendet“. Die Sowjets fuhren weiter Richtung Enns. Auf ihrem Weg dorthin trafen sie in Strengberg mit Soldaten der US-Armee zusammen. Es war die erste „richtige“ Begegnung von Angehörigen der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte auf österreichischem Boden. Dort fanden der Handschlag und die Umarmung statt, die ein US-Filmteam in Amstetten aufnahm, die aber so nie stattfanden. Die Bilder, welche die Verbrüderungsszenen zeigen, entstanden einige Tage nach dem 8. Mai. Wenn auch nicht direkt in der Stadt, so fand die erste Begegnung von Soldaten beider Armeen doch im Bezirk Amstetten statt.

„In der Nacht wurde es (…) sehr laut und lebhaft - die Sowjets feierten den Sieg. Das Lazarett war zur Kaserne der Sowjets geworden. So wie morgens die Deutschen ausgezogen waren, zogen abends die Sowjets ein. Von hier aus durchstreiften sie die Umgebung und drangen in die Häuser ein. Unser Haus war abgesperrt.“ Kurt saß mit seiner Familie daheim und rätselte „wie lange sie wohl bleiben würden: Sie bleiben bestimmt ein Jahr oder fünf? - Das gibt es doch nicht - Nicht? - Oder bleiben sie vielleicht gar zehn Jahre? - Du spinnst, das ist unmöglich!“

An diesem Abend feierten die Sowjet-Soldaten nicht nur in Amstetten. Generalmajor Dmitri Dritschkin, Kommandant der 7. Gardeluftlandedivision hatte sich im heutigen Gemeindeamt von Erlauf einquartiert. Um das Ende des Krieges gebührend zu feiern, ließ er den Kommandanten der 65. US-Infanteriedivision, General Stanley Reinhart, aus Linz holen. Gemeinsam stießen sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 auf den zukünftigen Frieden an. Dieser wird die Verbündeten, des gerade zu Ende gegangenen Weltkrieges, zu Gegnern machen.

Der Kilianbrunnen vor seiner Zerstörung. Bereits 1938 wurde die Steinfigur (ein SA-Mann) angebracht, der Brunnen selbst stand seit 1665 an diesem Platz. (Foto: Archiv Keusch)
Der Kilianbrunnen vor seiner Zerstörung. Bereits 1938 wurde die Steinfigur (ein SA-Mann) angebracht, der Brunnen selbst stand seit 1665 an diesem Platz. (Foto: Archiv Keusch)
Der Bombentrichter, an dem Platz, wo sich der Kilianbrunnen befand, wurde zur Grabstätte der letzten sowjetischen Soldaten, die am 8. Mai 1945 östlich von Amstetten fielen. (Foto: Archiv Kiermaier)
Der Bombentrichter, an dem Platz, wo sich der Kilianbrunnen befand, wurde zur Grabstätte der letzten sowjetischen Soldaten, die am 8. Mai 1945 östlich von Amstetten fielen. (Foto: Archiv Kiermaier)
Der neu errichtete Brunnen in Amstetten befindet sich dort, wo fast dreihundert Jahre lang der Kilianbrunnen stand. (Foto: Keusch)
Der neu errichtete Brunnen in Amstetten befindet sich dort, wo fast dreihundert Jahre lang der Kilianbrunnen stand. (Foto: Keusch)
Nach dem Abzug der Sowjets wurde der Grabstein vom Hauptplatz auf den Neuen Friedhof von Amstetten versetzt. (Foto: Stadtgemeinde Amstetten)
Nach dem Abzug der Sowjets wurde der Grabstein vom Hauptplatz auf den Neuen Friedhof von Amstetten versetzt. (Foto: Stadtgemeinde Amstetten)

Die letzten Opfer des Luftkrieges

„Als ich erwachte, fand ich mich im Krankenhaus wieder. Die Splitter der explodierenden Granate hatten mir eine schwere Kopfverletzung zugefügt, und ich hatte schon die letzte Ölung bekommen“. Adolf erfuhr erst im Krankenhaus von dem letzten Fliegerangriff auf Amstetten. Dieser hätte auch ihm fast das Leben gekostet. Das Rettungsauto, das ihn ins Krankenhaus bringen sollte, war in die erste Welle des Angriffes geraten. Der Fahrer hielt an und verließ das Auto, um vor dem einsetzenden Geschoßhagel Schutz zu suchen.

Der damals fünfjährige Junge hatte Glück: „Ich verdanke mein Leben zum Ersten einem Mann, der mich ins Krankenhaus trug, als ich im verlassenen Rettungsauto zu verbluten drohte. Zum Zweiten dem Umstand, dass ich operiert wurde, bevor die große Zahl der Schwerverwundeten des Fliegerangriffes eingeliefert wurde.“ Vielen von ihnen konnte nicht mehr rechtzeitig geholfen werden. Sie waren die letzten Opfer des Luftkrieges in Österreich.

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Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur bei TRUPPENDIENST.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Krenglmüller Hermann, Stwm. // 17.02.2017, 17:51 Uhr wie immer hochinterresant und sehr informativ, mit sehr vielen detail-angaben. beeindruckend.