• Veröffentlichungsdatum: 09.10.2019
  • – Letztes Update: 30.10.2019

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Das Institut Jäger der Heerestruppenschule - Teil 2

Anton Czech-Lovetinsky

(Foto: Anton Czech; Grafik: Bundesheer)
(Foto: Anton Czech; Grafik: Bundesheer)

Der Fokus des zweiten Teils der Vorstellung des Instituts Jäger der Heerestruppenschule liegt auf der Sonderausbildung der Lehrgruppe 3. Diese geht aufgrund ihres breiten Spektrums und der Eigenart bzw. Spezialisierung über das Basisniveau der Laufbahnkurse hinaus. Dazu werden nun nachfolgend einige wichtige Ausbildungsgänge präsentiert.

Lufttransport 

Mit der Bezeichnung Lufttransport wird im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) die Fähigkeit beschrieben, Einsatzelemente mit Luftfahrzeugen so rasch wie möglich in Räume zu verschieben, die von eigenen Kräften kontrolliert werden. Die daraus resultierende hohe Aktionsgeschwindigkeit gegenüber dem Gegner, soll taktische Vorteile erzielen. Ein geeignetes Mittel zur Dynamisierung von Einsätzen ist es somit, die Luftbeweglichkeit der Jägerverbände zu forcieren. Für die dazu notwendige Ausbildung fordert das Institut Jäger beim Kommando Luftunterstützung den modernsten Hubschrauber des ÖBH, den S-70 „Black Hawk“, oder Agusta-Bell 212 an.

Das "Einstiegspaket" der Lehrgruppe 3 für den Lufttransport dauert regulär drei, oder in einer verkürzten Form zwei Tage. Die Ausbildung beginnt mit der Einweisung der Soldaten in die Hubschrauber und in die Sicherheitsbestimmungen für das sichere Aufnehmen und Absetzen. Schon am Nachmittag dirigieren die Einweiser die Piloten der beiden Fluggeräte in die Landezone. „Black Hawk“ und AB-212 starten anschließend für das Verlegen der Einsatzelemente von und zu den vorgegebenen Bereichen auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf. Der Höhepunkt des ersten Ausbildungstages sind Nachtlandungen in markierten Landezonen.

Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)
Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)
Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)
Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)
Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)
Lufttransportausbildung mit "Black Hawk" und AB-212. (Foto: Anton Czech)

Der zweite Tag der Lufttransportschulung steht im Zeichen des Transportes von Außenlasten mit den Lasthaken der Hubschrauber. Dazu hat eine Arbeitsgruppe ein Verfahren mit Normlasten entwickelt, mit dem die Bodenmannschaft Außenlasten zusammenstellen kann, die an die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der beiden Fluggeräte angepasst sind. Auch spezielle technische Eigenschaften wie die verschiedenen Lastgeschirre und die größere statische Aufladung des „Black Hawk“ fließen in diese Ausbildung ein.

Am dritten Tag starten die Teilnehmer - als Höhepunkt dieses Ausbildungsganges - in kleintaktische Lagen, wie beispielsweise die Inbesitznahme und das anschließende Sichern von Geländeteilen nach dem Absetzen in einer Einsatzzone. Wie bereits erwähnt, wird das Ausbildungspaket Lufttransport vom Team der Lehrgruppe 3 auch in verkürzter Form vermittelt, wobei das Thema Außenlasten kein Inhalt ist.

Scharfschützen – „Schieß-Spezialisten“ der Jägertruppe 

Die Einsatzgrundsätze der Scharfschützen des ÖBH haben in den Jahrzehnten nach dem Kalten Krieg eine bedeutsame Entwicklung erfahren. Vom Scharfschützenpaar in jedem der ehemals drei Züge einer Jägerkompanie im Zeitalter der Raumverteidigung, hat die Entwicklung zu einer spezialisierten Scharfschützengruppe auf Kompanie- und Bataillonsebene geführt. Den Auftrag der Schussbeobachtung, den früher einer der beiden Scharfschützen hatte, erfüllt heute der „Spotter“ mit seinen Beobachtungsmitteln. Um den Schutz der Scharfschützen kümmert sich nun ein eigener Sicherungsschütze im Nahbereich der Feuerstellung.

Der Auftrag des Scharfschützen umfasst heute deutlich mehr als das Bekämpfen von Hochwertzielen, wie Kommandanten oder Funker. Er liefert über seinen Kernauftrag hinaus zusätzliche Aufklärungsergebnisse und ergänzt den Truppenschutz mit der Option der präzisen Bekämpfung von Zielen auf weite Entfernungen. Die Absolventen dieser Schulung werden in ihren Bataillonen nach einheitlichen Einsatzgrundsätzen ausgebildet. Am Institut Jäger wird der Lehrgang zum Kommandanten eines Scharfschützentrupps sowie zum Kommandanten einer Scharfschützengruppe angeboten. 

Neben dem Lehrgang zum Scharfschützenausbilder werden auch Schulungen zum Kommandanten eines Scharfschützentrupps oder -gruppe angeboten. (Foto: Anton Czech)
Neben dem Lehrgang zum Scharfschützenausbilder werden auch Schulungen zum Kommandanten eines Scharfschützentrupps oder einer Scharfschützengruppe angeboten. (Foto: Anton Czech)
Neben dem Lehrgang zum Scharfschützenausbilder werden auch Schulungen zum Kommandanten eines Scharfschützentrupps oder -gruppe angeboten. (Foto: Anton Czech)
Neben dem Lehrgang zum Scharfschützenausbilder werden auch Schulungen zum Kommandanten eines Scharfschützentrupps oder einer Scharfschützengruppe angeboten. (Foto: Anton Czech)

„Crowd and Riot Control“

Bei internationalen Einsätzen des ÖBH, aber auch während Inlandseinsätzen macht es Sinn, vorsorglich ausreichend Einsatzkräfte mit CRC-Ausrüstung bereitzustellen. CRC bedeutet „Crowd and Riot Control“ - den Einsatz zur Kontrolle von Menschenmassen und Aufständen. Bei internationalen Einsätzen gibt es Konfliktparteien, die ihre Ziele unter anderem mit gewalttätigen Demonstrationen umsetzen möchten. Beim derzeitigen "Topthema", dem Schutz kritischer Infrastruktur ist es ebenfalls anzuraten, CRC-Einsätze zu planen, denn mit Demonstrationen vor Schutzobjekten ist zweifellos zu rechnen.

Die bei solchen Einsätzen verwendete CRC-Ausrüstung dient dem Schutz der Soldaten. Sie besteht aus Helm, Schild, Protektoren, Handschuhen und Schlagstock. Schon bald nach der Aufstellung des Institutes Jäger hat die Heerestruppenschule ein Regelwerk mit Grundsätzen für CRC-Einsätze entwickelt. Nach diesem „Reglement“ werden die österreichischen Kontingente für internationale Einsätze ausgebildet. Aber auch das Führungspersonal des ÖBH absolviert eine CRC-Ausbildung - beispielsweise die Jahrgänge der Theresianischen Militärakademie.

Eindrücke von der "Crowd and Riot Control"-Ausbildung. (Foto: Anton Czech)
Eindrücke von der "Crowd and Riot Control"-Ausbildung. (Foto: Anton Czech)
Eindrücke von der "Crowd and Riot Control"-Ausbildung. (Foto: Anton Czech)
Eindrücke von der "Crowd and Riot Control"-Ausbildung. (Foto: Anton Czech)

CRC-Ausbildung

Der erste Tag der Ausbildung beginnt mit dem Ausfassen der Ausrüstung und der Einweisung, wie diese angepasst und angelegt werden. Ins praktische Training wird mit den Grundtechniken eingestiegen, die den Gebrauch der Ausrüstung durch den einzelnen Soldaten lehren. Den nächsten Schritt bilden die Einsatztechniken, bei denen eine Gruppe oder ein Zug eine genormte Formation einnimmt oder sich aus dieser in die Bereitstellungsformation zurückzieht.

Am zweiten Tag des Einsatztrainings verlegt der Kurs in die Ortskampfanlage Angererdorf auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf, wo der Lehrstoff des ersten Tages wiederholt wird. Beim Formationstraining übernehmen die Fähnriche abwechselnd das Kommando über ihren CRC-Einsatzzug. Das Bundesheer sieht bei CRC-Einsätzen die Verwendung von Panzerfahrzeugen vor. Dabei wird der Kampfpanzer „Leopard“ 2 A4 vom Panzerbataillon 14 aus Wels bereitgestellt, der als „großer Bruder“  in die Formationen eingegliedert wird.

Der dritte Tag ist vier, aus aktuellen internationalen Einsätzen abgeleiteten, Einsatzszenarien gewidmet. Diese werden von den Militärakademikern gemeinsam mit einer Einsatzgruppe des Kommandos Militärstreife und Militärpolizei abgearbeitet. Den krönenden Abschluss bildet die traditionelle Fähnrichstaufe bei der ein Wasserstrahl die Standfestigkeit der Schilderwand der Militärakademiker prüft. Die Schilderwand hält - das Wasser findet dennoch seinen Weg durch die Spalten und alle Fähnriche bekommen die Nässe zu spüren. Für die Soldaten ist das mitunter eine höchst willkommene Abkühlung bei heißen Augusttagen.

Einmal im Jahr findet der Schießausbilderlehrgang statt. (Foto: Anton Czech)
Einmal im Jahr findet der Schießausbilderlehrgang statt. (Foto: Anton Czech)

Schießausbilderlehrgang 

Das Österreichische Bundesheer hat etwa dreihundert Schießausbilder. Deren Auftrag ist es, die Schießausbildung der Soldaten in ihren Bataillonen nach den einheitlichen Grundsätzen der Schießausbildung 2014 zu organisieren. Der Unterricht erfuhr in den vergangenen Jahren eine starke Veränderung. So wurde das statische Schießen auf größere Entfernungen mit Feuerkommandos oder ab Feuereröffnungslinien durch Schießtechniken ergänzt, mit denen aus aktuellen Einsätzen abgeleitete, typische Gefechtssituationen bewältigt werden können.

Dazu zählen etwa das Gewinnen einer Gebäudeecke samt dem Bekämpfen eines auftauchenden Zieles sowie rechtsseitiges aber auch linksseitiges Schießen aus Deckungen oder durch kleine Lücken im Mauerwerk, die durch Gefechtsschäden entstanden sind. Dabei ist es wichtig, genau zu „arbeiten“, denn das richtige und sichere Beherrschen der gefechtstechnischen Elemente des Scharfschießens ist die Basis für den nächsten Entwicklungsschritt. Bei diesem werden gefechtstechnische Teilelemente miteinander verschmolzen und im Trupp und der Gruppe auf der Schießbahn trainiert.

Die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt der Schießausbilderlehrgang, der einmal im Jahr durchgeführt wird. Der Lehroffizier für Schießausbildung und Scharfschützen bestreitet mit seiner „Small Arms Training Section“ die Schulung. Diese ist ein für ihre Aufträge maßgeschneidertes und modulares Team mit Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Heerestruppenschule und der Truppe. Sie hat sich auf die Schießausbildung spezialisiert und kann somit viel Erfahrung in diese hochwertige Ausbildung einfließen lassen. Schießausbilder absolvieren in mehrjährigem Abständen Fortbildungen bei denen die „Small Arms Trainings Section“ auf die Schießbahnen des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf ausrückt.

Interaktives Szenarientraining

Die militärischen Einsätze unserer heutigen Zeit fordern von Soldaten den Gebrauch und die Beachtung verschiedener Rechtsnormen. Besonders der österreichische Soldat mit seinem breiten Auftragsspektrum, das von der Landesverteidigung über den Assistenzeinsatz für die Sicherheitsbehörden, der Katastrophenhilfe bis zu internationalen Einsätzen reicht, unterliegt einer hohen Anforderung. Die Lehrgruppe 3 bietet mit dem interaktiven Szenarientraining eine zeitgemäße Hilfestellung. Das Ziel dieses Trainings ist die Verbindung von Auftragserfüllung, Gewaltvermeidung und Eigensicherung durch Kommunikation mit dem Gegenüber. Im geplanten Endausbau sollen zwei Szenarientrainer in jedem Bataillon des ÖBH mit Szenariendarstellern und Videoanalyse installiert sein. 

Beim interaktiven Szenarientraining stehen die Ausbildungsziele Auftragserfüllung, Gewaltvermeidung und Eigensicherung im Mittelpunkt. (Foto: Anton Czech)
Beim interaktiven Szenarientraining stehen die Ausbildungsziele Auftragserfüllung, Gewaltvermeidung und Eigensicherung im Mittelpunkt. (Foto: Anton Czech)
Beim interaktiven Szenarientraining stehen die Ausbildungsziele Auftragserfüllung, Gewaltvermeidung und Eigensicherung im Mittelpunkt. (Foto: Anton Czech)
Beim interaktiven Szenarientraining stehen die Ausbildungsziele Auftragserfüllung, Gewaltvermeidung und Eigensicherung im Mittelpunkt. (Foto: Anton Czech)

Kampf im urbanen Raum 

Seit dem Jahr 2008 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Trend der Urbanisierung wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter fortsetzen. Schon heute lässt sich dieser durch die zahlreichen Speckgürtel um die großen Städte ablesen. Bei der Analyse aktueller militärischer Einsätze stellt man rasch fest, dass Einsätze in verbautem Gebiet an Bedeutung gewinnen. Diesen Erfordernissen folgend hat die Heerestruppenschule Gefechtstechniken und Verfahren entwickelt, um Einsätze im urbanen Umfeld durchzuführen. Die Lehrgruppe 3 des Institutes Jäger hat daraus ein modulartiges Ausbildungsangebot für den Kampf im urbanen Raum entwickelt, das die zwei Bereiche Laufbahnkurse und Fortbildung abdeckt.

Das Basismodul vermittelt als Einstieg in das Ausbildungsthema die Grund- und Trupptechniken - auch im scharfen Schuss. Das Modul 1 beschäftigt sich mit den Gruppentechniken und beinhaltet auch den Einsatz von Panzerfahrzeugen als mobile Deckungen sowie die Fertigkeit zum Sprengen von Verbarrikadierungen von Türen und Fenstern – beides auch mit scharfer Munition. Beide Module dauern jeweils eine Woche.

Das Modul 2 dauert zwei Wochen und richtet sich an die Kommandanten der Kampftruppe an dem Zugskommandanten. In der ersten Ausbildungswoche werden die Zugstechniken und die Zusammenarbeit mit anderen Waffengattungen wie etwa mechanisierten Elementen zur Feuerunterstützung, Pionieren, Steilfeuerunterstützung und Sanitätsteilen ausgebildet. Die zweite Woche ist dem praktischen Training im Rahmen des verstärkten Jägerzuges gewidmet, um die Techniken der ersten Kurswoche umzusetzen.  

Das Modul 3 steht allen Kommandanten der Kampftruppe von der Kompanieebene aufwärts offen. Es beschäftigt sich mit der Einführung in den Kampf der verbundenen Waffen im urbanen Raum. Ausbildungsthemen sind die Zusammenarbeit mit Panzern und Panzergrenadieren, der Fliegertruppe, Militärpolizeielementen, der ABC-Abwehrtruppe und der Einsatz von Scharfschützen. Dieses Modul befindet sich zurzeit in der Weiterentwicklung. Angestrebt wird eine Aufteilung in eine vor allem inhaltsvermittelnde erste Woche und eine anwendungsorientierte zweite Woche mit einer Übung.

Anton Czech-Lovetinsky ist Militärjournalist.

Das Training für den Kampf im verbauten Gebiet gewinnt aufgrund des starken Zuzugs von Menschen in die Städte immer mehr an Bedeutung. (Foto: Anton Czech)
Das Training für den Kampf im verbauten Gebiet gewinnt aufgrund des starken Zuzugs von Menschen in die Städte immer mehr an Bedeutung. (Foto: Anton Czech)
Das Training für den Kampf im verbauten Gebiet gewinnt aufgrund des starken Zuzugs von Menschen in die Städte immer mehr an Bedeutung. (Foto: Anton Czech)
Das Training für den Kampf im verbauten Gebiet gewinnt aufgrund des starken Zuzugs von Menschen in die Städte immer mehr an Bedeutung. (Foto: Anton Czech)
 

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