• Veröffentlichungsdatum: 26.11.2020
  • – Letztes Update: 04.12.2020

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Die Garnison Graz 1920 bis 2020 - Teil 1

Mario Rauchenbichler

(Fotos: Archiv Rauchenbichler; Montage: Keusch)
(Fotos: Archiv Rauchenbichler; Montage: Keusch)

Die wechselhafte Geschichte der Garnison Graz wurde in den letzten 100 Jahren besonders durch die beiden Weltkriege beeinflusst. Wohnungsnot, Spardruck und Kriegsschäden prägen die Entwicklung der Garnison bis heute. Aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl der steirischen Landeshauptstadt dehnt sich das Ortsgebiet in alle Richtungen aus. Das veränderte auch die Nutzung der militärischen Infrastruktur.

Teil 1 der TD-Onlineserie mit 

  • dem (ehemaligen) Korpskommandogebäude,
  • den Dominikanerkasernen,
  • der Lazarett-(feld)kaserne und 
  • der Großen Leonhard Kavallerie Kaserne.

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(ehemaliges) Korpskommandogebäude

Am 20. September 1877 findet sich eine Wohnungsanzeige in der Grazer Tagespost, die „zwei möblirte Zimmer, Elisabethstr. 4, im 2. Stock, neben dem künftigen Generalcommando. Auskunft Glacisstraße 39, 2. Stock rechts." [sic] anbietet. Da die Kontaktadresse im Korpskommandogebäude war, liegt die Vermutung nahe, dass der Vermieter ein Heeresangehöriger war und der Hinweis auf das zukünftige „Generalcommando" lässt darauf schließen, dass als potentielle Mieter ebenso Heeresangehörige gesucht wurden.

Das angesprochene Gebäude in der Glacisstraße 39-41 wurde in den Jahren 1843 bis 1845 im Auftrag von Johann Christoph Kees erbaut, daher war auch die Bezeichnung Palais Kees geläufig. Wie aus der oben genannten Anzeige ersichtlich, wurde das spätklassizistische Gebäude ab November 1877 von der k.u.k. Armee als Generalkommando genutzt, ab 1883 mit der Funktion als 3. Korpskommando und Landwehrkommando. Zu Kriegsbeginn 1914 übernahm das neuaufgestellte Militärkommando „den Befehl" über das Objekt. Der ursprüngliche Mietvertrag lief bis April 1918, wurde jedoch noch während des Krieges um 10 Jahre verlängert. Weitere Vertragsverlängerungen wurden unterzeichnet, bis die Republik Österreich das Gebäude im Jahr 1967 kaufte.

Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie wandelte man das Militärkommando Steiermark in das Volkswehrkommando um, mit Sitz im nun „ehemaligen Korpskommandogebäude" genannten Gebäude. Es stand nun nicht mehr ausschließlich Offizieren zur Verfügung, sondern auch für Unteroffiziere konnten dort Kanzleien eingerichtet werden. So befand sich ab 5. September 1919 die steirische Zweigstelle der Berufsunteroffiziere im 2. Stock.

Das Korpskommandogebäude im Jahr 1912. (Bild: BY-NC-SA-4)
Das Korpskommandogebäude im Jahr 1912. (Bild: BY-NC-SA-4)

Mit der Aufstellung der 5. Brigade Steiermark am 21. Juli 1920 wurde das Brigadekommando im Gebäude untergebracht und im allerersten Brigadekommandobefehl verlautbart: „Das Brigadekommando befindet sich im II. Stock des Gebäudes des ehemaligen 3. Korpskommandos, Graz Glacisstraße 39." Neben dem Brigadekommando war im Gebäude bis zu dessen Auflösung im Jahr 1933 auch die Heeresverwaltungsstelle in der Steiermark. Als das 5. Brigadekommando im Jahr 1935 zur 5. Division erweitert wurde, blieb dieses weiterhin im ehemaligen Korpskommandogebäude untergebracht. Auch das neu formierte Militärkommando Steiermark erhielt seinen Sitz an dieser Adresse.

Der Anschluss an das Deutsche Reich im März 1938 führte zur Unterbringung des Stabes der 3. Gebirgsdivision. Neben diesen Stabseinheiten war auch die Gebirgssanitätsanstalt Nr. 43 in dem Gebäude stationiert. Als die 3. Gebirgsdivision bei Kriegsbeginn 1939 an die Front zog, blieben nur geringe Verwaltungseinheiten dort zurück.

Nach dem Kriegsende im Mai 1945 nutzten einerseits britischen Besatzungstruppen, aber auch eine Vielzahl von zivilen Dienststellen das ehemalige Korpskommandogebäude: eine Abteilung der österreichischen Demobilisierungsabteilung, die Sicherheitsdirektion für die Steiermark, das Landesjugendreferat, oder eine Suchstelle für Kriegsgefangene des Roten Kreuzes, um nur einige zu nennen. Diese Behörden blieben unterschiedlich lange im Gebäude.

Mit der Aufstellung des Bundesheeres der Zweiten Republik im Jahr 1955 stand wieder die rein militärische Nutzung des Gebäudes im Vordergrund. Die Heeresgliederung 56 organisierte das Bundesheer in drei Gruppenkommanden, von denen das Gruppenkommando II im ehemaligen Korpskommandogebäude in Graz stationiert war. Mit Wirkung von 1. Jänner 1974 wurden die Gruppenkommanden in Korps umgegliedert. Aus dem Grazer Gruppenkommando II entstand das I. Korpskommando. Damit schloss sich der Kreis und erstmals seit 1918 war wieder ein Korpskommando in diesem Gebäude untergebracht. Interessanterweise bekam dieses Objekt, als eines der wenigen im Österreichischen Bundesheer, keinen Namensgeber bei der Kasernenumbenennung 1967.

Die Lage des Palais an der verkehrsreichen Glacisstraße sowie das fortgeschrittene Alter des Gebäudes brachten jedoch immer größere Probleme im Bereich der Infrastruktur mit sich. Aus diesem Grund entschloss sich das Bundesministerium für Landesverteidigung, das Korpskommando in die Belgierkaserne zu verlegen. Am 25. Jänner 2000 fand die letzte Flaggenparade im ehemaligen Korpskommandogebäude statt und die Nutzung eines traditionsreichen Militärgebäudes endete an diesem Tag. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) verkaufte das Gebäude im Jahr 2009 für 9,5 Millionen Euro an die Österreichische Jugendarbeiterbewegung, die es in weiterer Folge zu einem Studentenheim umbauen ließ. Heute stehen dort Wohneinheiten für 215 Personen zur Verfügung.

Die klassische Fassade des ehemaligen Korpskommandogebäudes im Oktober 2020. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Die klassische Fassade des ehemaligen Korpskommandogebäudes im Oktober 2020. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Kleines Gebäude im Innenhof des ehemaligen Korpskommandogebäudes. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Kleines Gebäude im Innenhof des ehemaligen Korpskommandogebäudes. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Der Eingangsbereich lässt die klassische Architektur des 19. Jahrhunderts anhand der Bögen klar erkennen, obwohl die moderne Bauweise des 21. Jahrhunderts nun in diesem Gebäude mitintegriert wurde.(Bild: Archiv Rauchenbichler)
Der Eingangsbereich lässt die klassische Architektur des 19. Jahrhunderts anhand der Bögen klar erkennen, obwohl die moderne Bauweise des 21. Jahrhunderts nun in diesem Gebäude mitintegriert wurde. (Bild: Archiv Rauchenbichler)

Dominikanerkasernen

In den Jahren 1638 und 1639 wurde das Kloster der Dominikaner in Graz errichtet. Der Orden verließ das Kloster rund um die Andräkirche im Jahr 1807 und das Klostergebäude kam im Folgejahr in die Hände der Habsburgerarmee. Die ehemalige Klosteranlage wurde von nun an „Kleine Dominikanerkaserne“ genannt. Die Grundsteinlegung für die „Große Dominikanerkaserne" erfolgte noch im Jahr 1808 durch Erzherzog Johann. Beim Bau verwendete man Abbruchmaterial der Schlossbergfestung, das heute noch im Mauerwerk erkennbar ist. Im Jahr 1812 war der Umbau der Kaserne beendet. Damit waren auf dem ehemaligen Klosterareal zwei Kasernenbauten entstanden.

Blick in den Hof der Großen Dominikanerkaserne. Die Aufnahme entstand in der NS-Zeit, da die Bezeichnung „Panzer-Abwehr-Kaserne" lautet. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Blick in den Hof der Großen Dominikanerkaserne. Die Aufnahme entstand in der NS-Zeit, da die Bezeichnung „Panzer-Abwehr-Kaserne" lautet. (Bild: Archiv Rauchenbichler)

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges diente die Kleine Dominikanerkaserne als Infanteriekaserne einzelner Bataillone des Infanterieregiments Nr. 27, dem Grazer Hausregiment. Im Jahr 1912 war das III. Bataillon des IR Nr. 27 dort einquartiert. Darüber hinaus war vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch noch das Regimentskommando und ein Bataillon des bosnisch-herzegowinischen Infanterieregiment Nr. 2 in dieser Kaserne untergebracht. Als besondere Einrichtung gab es für die überwiegend muslimischen Soldaten dieses Regiments ein eigenes Betzimmer und ein Kaffeehaus.

Wie viele Gebäude in den frühen 1920er Jahren, war auch dieser Kasernenkomplex noch nicht an das elektrische Stromnetz angeschlossen und mit Petroleumlampen beleuchtet. Die Schaffung eines elektrischen Netzes in der Kaserne war 1920 bereits in Planung, und man rechnete mit einer raschen Umsetzung der Pläne. In dieser Kaserne gab es in den ersten Jahren der Republik einen Garnisonssportplatz, an dem nicht nur Fußballspiele, sondern auch Sportfeste stattfanden. Darüber hinaus besaß die Kaserne einen Turn- und Fechtsaal und für Berufssoldaten standen einige kleine Wohneinheiten zur Verfügung. Ein wichtiger Teil der militärischen Infrastruktur war der Exerzierplatz, der sich südlich der beiden Kasernen erstreckte.

Die Große Dominikanerkaserne hatte in der k.u.k Monarchie einen möglichen Belag von 662 Mann, die Kleine Dominikanerkaserne von 35 Mann. Die geänderten Bedürfnisse im Bundesheer der Ersten Republik gestatteten einen Belag von 547 Mann für beide Kasernen. Die Kasernen wurden bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1938 vom Alpenjägerregiment Nr. 10 genutzt. Die offizielle Adresse der Kaserne lautete Kernstockgasse Nr. 12. Nach dem Anschluss war die Panzerabwehrabteilung Nr. 48 der 3. Gebirgsdivision bis Kriegsausbruch in der Kaserne untergebracht. Danach waren bis 1943 die Ersatzeinheiten dort untergebracht.

Blick auf den ehemaligen Kaserneneingang. Links im Hintergrund das Gebäude der Großen Dominikanerkaserne, rechts ein Teil der Kleinen Dominikanerkaserne. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Blick auf den ehemaligen Kaserneneingang. Links im Hintergrund das Gebäude der Großen Dominikanerkaserne, rechts ein Teil der Kleinen Dominikanerkaserne. (Bild: Archiv Rauchenbichler)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in der ehemaligen Großen Dominikanerkaserne ein Landesschülerheim für 480 Schülerinnen und Schüler untergebracht. Bombenschäden aus der Kriegszeit wurden nach und nach beseitigt und die Fassade erneuert. Nach einem längeren Leerstand wurde das Gebäude im Jahr 2004 an die Landesimmobiliengesellschaft verkauft. Seit dem Jahr 2019 wird im Hof der Kaserne an einem Neubau mit futuristischem Design gearbeitet. Dieser Neubau soll, gemeinsam mit den bereits im Altbau bestehenden Wohnungen, für annähernd 300 Studenten sowie Büroeinheiten Platz bieten. In der ehemaligen Kleinen Dominikanerkaserne sind heute Firmen und eine psychologische Beratungsstelle untergebracht. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz befindet sich das Bundesgymnasium/Bundesrealgymnasium Dreihackengasse sowie dessen Sportplatz.

Lazarett-(feld)kaserne

Die Lazarettfeldkaserne, auch „Lazarettkaserne" genannt, wurde 1851 erbaut und befand sich im Besitz des Staates. Sie bestand aus einem viergeschossigen Hauptgebäude mit einem kleinen Nebengebäude im Hof und einem separaten Gebäude II, das ursprünglich als Magazin bzw. Wohneinheiten für Verheiratete bestimmt war, sowie Stall- und Depotobjekten. Das Kasernenareal bot Platz für annähernd 600 Soldaten sowie an die 150 Pferde. Südlich der Kasernengebäude befand sich der dazugehörige Exerzierplatz, der im Süden bzw. Westen von der Ostbahnstrecke abgegrenzt wurde, im Osten vom heutigen Lazarettgürtel, und nördlich von der heutigen Hohenstaufengasse.

Im Jahr 1900 befand sich in den Unterkünften ein Bataillon des bosnisch-herzegowinischen Infanterieregiments Nr. 2, die Einjährig-Freiwilligen Schule der 3. Feldartilleriebrigade, Magazine der Artillerie sowie die dazugehörigen Kanzleien. Es gab ausreichend Platz für die Artilleriegeschütze sowie die benötigten Pferde. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges war dort die Landwehr-Haubitzen-Division Nr. 22 untergebracht.

Eines der beiden Hauptgebäude mit dem Geschütz als Denkmal vor der Kaserne, die von einem Zaun umgeben ist. Aufnahme aus der Zwischenkriegszeit. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Eines der beiden Hauptgebäude mit dem Geschütz als Denkmal vor der Kaserne, die von einem Zaun umgeben ist. Aufnahme aus der Zwischenkriegszeit. (Bild: Archiv Rauchenbichler)

Am 5. November 1918 rückte der deutschsprachige Teil des Feldartillerieregiments Nr. 6 aus Ungarn kommend in Graz ein und hatte bis zur Aufstellung des Bundesheeres seinen Standort in der Lazarettkaserne. Familienangehörige konnten dort über das Schicksal der Soldaten dieser Formation Auskunft erhalten.

Bei den Stall- und Depotobjekten wurden in den Kriegsjahren drei Holzbaracken errichtet, die 1920 ebenfalls von Angehörigen der Südbahngesellschaft gemietet wurden. Der Mietvertrag für diese Eisenbahnerwohnungen endete erst im Jahr 1925. Die Südbahngesellschaft bzw. die Stadt Graz verpflichteten sich jedoch – auch im Falle einer früheren Räumung – diese Baracken zur Gänze abzubauen. Teile des Gebäudes II waren ebenfalls an die Südbahngesellschaft zur Unterbringung von Bahnbeamten vermietet. Aufgrund der enormen Wohnungsnot in Graz war an eine rasche Räumung jedoch nicht zu denken. Das Hauptobjekt stand jedoch für den sofortigen Bezug durch Truppen zur Verfügung.

In der Zwischenkriegszeit stationierte das Bundesheer der Ersten Republik zwei Truppenkörper in den beiden Hauptgebäuden dieser Kaserne: die Brigadeartillerieabteilung Nr. 5 (später steirisches leichtes Artillerieregiment Nr. 5), die auch bis ins Jahr 1938 planmäßig dort untergebracht war. Die Kaserne wurde darüber hinaus bis Oktober 1936 auch vom Pionierbataillon Nr. 5 als permanente Unterkunft genutzt. Als offizielle Adresse galt Lazarettgürtel Nr. 156.

Zu Beginn des Jahres 1936 ereignete sich in der Kaserne ein folgenreiches Unglück: „In der Lazarettfeldkaserne in Graz stürzte am 11. Jänner vormittags im Mitteltrakt des Mannschaftsgebäudes die Decke zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk ein.“ Neben der enormen Sachbeschädigung gab es auch Opfer unter den Soldaten. Ein Zugsführer wurde getötet, mehrere Soldaten verletzt. Es dürfte sich um die dramatischen Folgen eines Erdbebens gehandelt haben, das einige Tage zuvor das Gebäude beschädigt hatte. Aus diesem Grund musste die Mannschaft auf andere Kasernen der Garnison Graz aufgeteilt werden.

Der ehemalige Eingang über dem die Aufschrift „Lazarettfeldkaserne" stand. Rechts vorne erkennt man die Reste des nunmehr überwachsenen Zaunes. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Der ehemalige Eingang über dem die Aufschrift „Lazarettfeldkaserne" stand. Rechts vorne erkennt man die Reste des nunmehr überwachsenen Zaunes. (Bild: Archiv Rauchenbichler)

Die Deutsche Wehrmacht hatte in der Kaserne die I. und III. Abteilung des Gebirgsartillerieregiments Nr. 112 untergebracht. Nach dem Abmarsch an die Front, verblieben noch Ausbildungseinheiten in der Kaserne. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellte die britische Militärregierung im Herbst 1945 mit österreichischen Polizisten eine berittene Polizei-Abteilung auf, die in der Lazarettkaserne untergebracht war, da sich die Ställe dieser ehemaligen Kaserne für die Unterbringung der benötigten Pferde sehr gut eigneten. Der Großteil des Areals befand sich jedoch aufgrund von Schäden durch Fliegerbomben in einem desolaten Zustand. Im Jänner 1949 kam es daher zu einem erneuten Kaserneneinsturz. Da das betroffene Gebäude zu diesem Zeitpunkt unbewohnt war, gab es dieses Mal keine Opfer.

Auf dem Areal der Kaserne entstand eine Jugendherberge, die am 13. Mai 1949 offiziell den Behörden übergeben wurde. Es konnten 50 Personen beherbergt werden, doch war es möglich, den maximalen Belag kurzfristig zu erhöhen. In den 1970er Jahren erfolgte der Umbau der ehemaligen Kaserne in eine Wohnanlage. Im Zuge von Sanierungsarbeiten wurden ab dem Jahr 2012 neue Wohneinheiten direkt unter dem Dach errichtet. Diese Revitalisierungsarbeiten waren im Jahr 2017 abgeschlossen. Im Süden des ehemaligen Kasernenareals befindet sich heute die Postbus-Garagenanlage. Auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Einfamilienhaussiedlung errichtet.

Große Leonhard Kavallerie Kaserne

Die U-förmige Kasernenanlage wurde von 1840 bis 1842 erbaut und nach einer kurzen Phase der Miete im Jahr 1851 vom Militär gekauft. Gebaut und genutzt als Kavalleriekaserne, stand sie dem Bundesheer bis zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im März 1938 zur Verfügung.

In der k.u.k. Monarchie waren zwei Schwadronen des Dragonerregiments Nr. 5 in der Kaserne untergebracht. Das Grazer Tagblatt schrieb am 23. August 1893 über ein Manöver: „Gestern nachmittags um 4 Uhr rückten die in der Leonhard-Kaserne bequartierten zwei Escadronen des 5. Dragoner-Regimentes in der Richtung über Lustbühel ab, um den Ritt bis Nestelbach fortzusetzen."

Zeitgenössische Illustrierung der k.k. Reitschule in St. Leonhard. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Zeitgenössische Illustrierung der k.k. Reitschule in St. Leonhard. (Bild: Archiv Rauchenbichler)
Rechts der Neubau des Universitätsgebäudes. Im Hintergrund ein Teil der ehemaligen Reiterkaserne. (Bild: August 2020, Archiv Rauchenbichler)
Rechts der Neubau des Universitätsgebäudes. Im Hintergrund ein Teil der ehemaligen Reiterkaserne. (Bild: August 2020, Archiv Rauchenbichler)
Aufnahme des Innenhofes. Die Glasfassaden rechts und links entstanden während des Umbaues. (Bild: Oktober 2020, Archiv Rauchenbichler)
Aufnahme des Innenhofes. Die Glasfassaden rechts und links entstanden während des Umbaues. (Bild: Oktober 2020, Archiv Rauchenbichler)
Eine Seltenheit! In einer ehemaligen Kaserne befindet sich nun ein Konzertsaal. (Bild: Oktober 2020, Archiv Rauchenbichler)
Eine Seltenheit! In einer ehemaligen Kaserne befindet sich nun ein Konzertsaal. (Bild: Oktober 2020, Archiv Rauchenbichler)

Der Kasernenkomplex, welcher sich 1920 in einem desolaten Zustand befand, umfasste ursprünglich drei Gebäude und eine überdachte Reitschule. Die Große Kavalleriekaserne, die als einzige vom Bundesheer der Ersten Republik genutzt wurde, bot Unterkunft für 130 Soldaten sowie etwa 150 Pferde. Die Kaserne wurde zweckmäßig genutzt und diente in der Zwischenkriegszeit als Unterbringung für die Steirische Dragonerschwadron Nr. 5. Die offizielle Adresse der Kaserne lautete Leonhardstraße Nr. 80/82. Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich wurde die Kaserne als Unterkunft für das Regimentskommando des Gebirgsartillerieregiments Nr. 112 genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren britische Besatzungssoldaten die letzten militärischen Bewohner der Kaserne. Mitte der 1950er Jahre wurde die Kaserne von der Bundesgebäudeverwaltung übernommen und die militärische Unterkunft in Wohnungen und Büros umgewandelt. Ab 2005 wurde das Gebäude großzügig revitalisiert: die Mauer entlang der Leonhardstraße abgerissen und der Innenhof umgestaltet. Ein Neubau erweiterte das Platzangebot, das seit 2007 von der Kunst Uni Graz genutzt wird. Neben den üblichen Verwaltungs- und Unterrichtsräumen beinhaltet der erste Stock der ehemaligen Reiterkaserne eine Besonderheit: das ehemalige Militärgebäude beherbergt nun einen Konzertsaal.

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Mag. Mario Rauchenbichler ist Gymnasialprofessor, Historiker und Milizoffizier.

 

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