• Veröffentlichungsdatum: 20.04.2016

  • 16 Min -
  • 3106 Wörter

CPX/CAX "Roadblock 2014"

Markus Höfler

Die Führungsausbildung an Simulatoren ist eine zeitgemäße und ökonomische Möglichkeit,
um die Taktik und Gefechtstechnik zu erlernen. Die hier gewonnene Handlungssicherheit ist eine wesentliche Grundlage für das praktische Führen von Einheiten und Verbänden im Gefecht. Im Österreichischen Bundesheer sind verschiedene Simulationssysteme in Verwendung. Das Referat Simulation der Theresianischen Militärakademie hat zwei davon in einer Übungsreihe des Institutes für Offiziersweiterbildung zum Zusammenwirken gebracht und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen für ihren künftigen Einsatz. Das Ziel ist die möglichst realistische Vermittlung von Gefechtsabläufen.

Unter dem Titel „CPX/CAX ROADBLOCK 2014“ fanden heuer zwei Übungen zur Weiterbildung von Offizieren an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) statt. CPX bedeutet Command Post Exercise und bezeichnet eine Stabsrahmenübung, also das Üben von Führungsprozessen ohne real unterstellter Truppe. Die Abkürzung CAX steht für Computer Assisted Exercise (computerunterstützte Übung). Dabei laufen komplexe Gefechtsabläufe auf einem Simulationssystem zeit- und ressourcensparend ab. Kommandanten und Stäbe verschiedener Ebenen können unter annähernd realistischen Bedingungen in ihren Führungsaufgaben geschult werden.

Das wäre nichts besonderes, schließen doch sämtliche Weiterbildungslehrgänge für Berufs- oder Milizoffiziere mit einer Übung am Führungssimulator ab. Die Neuerung jedoch war, dass zwei verschiedene Simulationssysteme, nämlich der bewährte Führungssimulator (FüSim) und der Low-Cost-Simulator „Steel Beasts“, gleichzeitig verwendet wurden.

„Digital unterstützte Führungsausbildung“

Seit einigen Jahren wird das Simulationsprogramm „Steel Beasts“ an der Heerestruppenschule sowie der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule (FlFlATS) eingesetzt. Seit März 2011 gibt es das Projekt „Digital unterstützte Führungsausbildung“ an der TherMilAk, wo dieses System ebenfalls angewandt wird. Das Ziel ist, den Studierenden Gefechtsabläufe zu vermitteln. Diese werden durch die reduzierten Volltruppenübungen im Österreichischen Bundesheer nur mehr eingeschränkt selbst erlebt und erfahren.

Der Zweck des Einsatzes von Simulation in der Führungsausbildung ist die Verbesserung des Verständnisses für die Taktik durch plakative Beispiele. Sie sollen die Kommandanten in die Lage versetzen, Lösungen im Bereich des Kampfes der verbundenen Waffen leichter zu erfassen. Dabei kommt vor allem der Schnittstelle zwischen Gefechtstechnik und Taktik eine besondere Bedeutung zu.

Das Programm „Steel Beasts“, basierend auf einem Computerspiel, ist wegen der realistischen 3D-Darstellung (Gelände, Kampffahrzeuge etc.) und der hohen Qualität der Grafik für die gefechtstechnische Ebene besonders gut geeignet. Im Institut für Offiziersausbildung wird „Steel Beasts“ bei den Grundlagenunterrichten Taktik und bei Führungstrainings am Fachhochschul-Bachelor-Studiengang „Militärische Führung“ (FH-BaStg MilFü) eingesetzt. Dazu wurde eine Versuchsanordnung errichtet, die das interaktive Üben einer verstärkten Kompanie ermöglicht. Darüber hinaus haben Berufsoffiziersanwärter die Möglichkeit, das Programm im Selbststudium, als Private Edition zu erlernen und zu nutzen. Am Institut für Offiziersweiterbildung wird die Simulationssoftware bei der Taktikausbildung genutzt und zur Erprobung bei der Übungsserie „ROADBLOCK“ parallel zum Führungssimulator eingesetzt.

Ziel und Zweck der Übung

Dieselbe Übung fand 2014 im März und im September statt. Stabs- und Führungslehrgänge des Institutes für Offiziersweiterbildung übten dabei gemeinsam. Die dargestellten Ebenen waren das Bataillon und die Kompanie, teilweise auch vom Bataillon unmittelbar geführte Züge.

Im März bildeten die Teilnehmer des 38. Stabslehrganges 1 für Berufsoffiziere die Bataillonsstäbe, und die Teilnehmer des 38. Führungslehrganges 1 (Präsenzkader) stellten die Kommandanten auf der Einheits- und Zugsebene. Im September wurden die Bataillonsstäbe durch Teilnehmer des 19. Stabslehrganges/Teil B für Milizoffiziere, die Einheits- und Zugskommandanten durch die Teilnehmer des 38. Führungslehrganges 1 (Milizkader) gestellt.

Die Übungen hatten den Zweck, einerseits den Lehrgängen zur Ausbildung, andererseits zur Erprobung der parallelen Verwendung von „Steel Beasts“ und dem FüSim zu dienen. Bei den Lehrgängen der Berufsoffiziere wurde auch die Verwendung des Führungsinformations- systems „Phönix“ erprobt. Das Übungsziel für den jeweiligen Stabslehrgang 1 lautete: Die Tätigkeiten der Stabsmitglieder im Gefechtsstand und der beweglichen Befehlsstelle ausführen können. Für den Führungslehrgang 1: Gefechtstechnische Problemstellungen einer (Teil-) Einheit lösen - also das Führen im Gefecht.

Am Führungssimulator selbst werden die Kompaniekommandanten (KpKdt) weniger beübt. Das ergibt sich dadurch, weil sie keine Züge oder unterstellte Elemente führen, sondern einen Bediener (Operator). Dennoch werden die KpKdt auf der gefechtstechnischen Ebene gefordert. So wurden sie räumlich von ihren FüSim-Bedienern getrennt, mussten die Handkarte führen und die Befehle per Funk an den Operator übermitteln.

Am Simulationssystem „Steel Beasts“ liegt das Schwergewicht auf der Ebene Kompanie. Die Zugskommandanten sind vor Ort, Kompaniebefehle müssen gegeben und Züge über Funk
geführt werden. Zusätzlich wird das eigene Führungsfahrzeug im virtuellen Gelände bewegt.

Übungsanlage und Ablauf

Ausgangslage: Der kompaniestarke Roadblock der
Konfliktpartei in Scheiblingkirchen und die Reserve
in Krumbach. (Grafik: Höfler, Montage: Rizzardi)

Ein Eckpunkt der neuen Teilstrategie Verteidigungspolitik ist die Befähigung zum Kampf der verbundenen Waffen in der Bataillonskampfgruppe. Deshalb wird am Beispiel eines verstärkten Jägerbataillons geübt. Die Anzahl der Lehrgangsteilnehmer erforderte die Teilung in zwei Gruppen. Diese führten getrennte Simulationsvorhaben mit derselben Lage zeitgleich durch. Die übergeordnete Brigade und die Führung der Konfliktpartei wurden durch die Übungsleitung wahrgenommen.

Übungsvorhaben 1: Angriff des JgB41Dieses wird durch den FüSim dargestellt und die Elemente werden auf den taktischen Arbeitsplätzen von Unteroffizieren als Operatoren bedient. Ein Bataillonsgefechtsstand (BGefStd) und eine bewegliche Befehlsstelle (bwglBefSt) des JgB41 werden gebildet. Die Verbindung zu den unterstellten Elementen erfolgt mittels einer Funksimulation des FüSim. Zusätzlich wird das System „Phönix“ Führungsinformationssystem (FüIS) am BGefStd und der bwglBefSt verwendet.    

Übungsvorhaben 2: Angriff des JgB42
Zwei Kompanien werden hier auf dem Simulationssystem „Steel Beasts“ dargestellt und der Versuchsaufbau mit neun taktischen Arbeitsplätzenin die Übung integriert. Dabei werden zwei Kompanien mit je drei Zügen gebildet. Der neunte Arbeitsplatz wird vom Leitungspersonal bedient, um die Konfliktpartei und die Elemente der Kampfunterstützung einzuspielen. Es werden keine zusätzlichen Operatoren benötigt, da „Steel Beasts“ durch die Lehrgangsteilnehmer selbst bedient wird.

Die restlichen Teile des JgB42 werden analog zum Übungsvorhaben 1 am Führungssimulator dargestellt. Der Bataillonsgefechtsstand und die bewegliche Befehlsstelle haben über den Truppenfunk CONRAD Verbindung zu ihren unterstellten Teilen. Die Verbindung innerhalb der beiden „Steel Beasts“- Kompanien erfolgt durch die dazugehörige Funksimulation (Software CNR). Vor den Simulationsphasen wurde das stabsdienstliche Planungsverfahren in den Bataillonskommanden durchgeführt und es erfolgte die Befehlsausgabe an die Kompanien. Mit den Teilnehmern des FüLG1 gab es eine Geländebesprechung, die auf der Lage „ROADBLOCK“ beruhte. Hier wurden die beiden vorne angreifenden Kompanien beurteilt und dann bei der „Steel Beasts“-Simulation dargestellt. In dieser Phase erfolgte auch eine dreistündige Bedienerschulung auf dem System.

Für einen Simulationsdurchgang wurde etwa ein Tag benötigt. Er begann mit der Organisation im Verfügungsraum und dem Ansatz der Aufklärung. Dann erfolgten der Angriff und die Sicherung des Angriffszieles. Auch die Reorganisation sowie die Versorgungsmaßnahmen wurden durchgespielt. Eine Nachbesprechung mit den Übungsteilnehmern beendete den ersten Durchgang. Danach wechselten die KpKdt und es gab eine neuerliche Befehlsausgabe. Der Wechsel hatte den Zweck, möglichst viele Teilnehmer des Lehrganges zu schulen. Am nächsten Tag erfolgte ein zweiter, und je nach Übungsverlauf war ebenfalls ein dritter Durchgang möglich.

Beide Übungsvorhaben müssen nicht synchron laufen - hier haben die taktischen Bataillonskommandanten (BKdt) Handlungsfreiheit. Die Simulationsdurchgänge wurden mit den Kommandanten und Stabsmitgliedern unverzüglich nachbesprochen. Danach hatten die BKdt Gelegenheit mit ihren KpKdt und dem Stab das Gefechtstraining nachzubereiten. Jeder Übungstag schloss mit einer Nachbesprechung für beide Übungsvorhaben mit allen Teilnehmern ab. Abschließend wurden die erkannten Fehler mit dem Übungsleiter, den Trainern und dem BKdt erörtert.

Szenario und taktische Lage

So könnte eine mögliche Lösung der taktischen
Problemstellung aussehen.
(Grafik: Autor, Montage: Rizzardi)

Die Lage „ROADBLOCK“ ist erprobt und wird im Institut für Offiziersweiterbildung bereits seit Jahren als Planspiel verwendet. Für die Übung wurde sie jedoch angepasst und modernisiert. Die Lage spielt in einem Post-Conflict-Szenario, wobei eine Konfliktpartei mit dem erneuten Einmarsch in eine abgespaltene, aber mittlerweile befriedete Provinz droht.

Ein österreichisches Jägerbataillon ist als Teil einer EU-geführten Mission eingesetzt, um ein sicheres Umfeld aufrecht zu erhalten. Aufgrund der militärischen Lage wurden von den EU-Mitgliedsländern Verstärkungskräfte aktiviert. Diese sollten innerhalb weniger Tage einsatzbereit und verfügbar sein. In der Zwischenzeit errichteten irreguläre Kräfte Straßensperren. Ihre Absicht war es, das  Einfließen der EU-Kräfte zu behindern und zu verzögern.

Die Konfliktpartei gegenüber dem eigenen Bataillon bestand aus Teilen, die im Raum Gleißenfeld - Scheiblingkirchen wirksam wurden und einem verminderten Bataillon, welches sich in Krumbach (Entfernung ca. 20 km) als Reserve zur Verfügung hielt.

Das Jägerbataillon erhielt den Auftrag, den Roadblock im Raum Scheiblingkirchen, der die Nord-Süd verlaufenden Straßen A2 und B54 sperrte, zu räumen, die Verbindungslinien zu öffnen und in weiterer Folge offen zu halten.

Bei der Gefechtsaufgabe selbst handelte es sich um einen selbstständigen Angriff eines verstärkten Jägerbataillons. Dieser erforderte sowohl das Zerschlagen (räumliches Zertrennen der gegnerischen Struktur) einer irregulären Feindgruppierung als auch das Wegtrennen eines Folgefeindes. Das dargestellte Bataillon bestand aus drei Kompanien mit je drei Zügen auf Mannschaftstransportpanzern (MTPz) und einer Stabskompanie mit einem Aufklärungs- und einem Granatwerferzug. Für den Angriff wurde es mit einer schweren Kompanie eines deutschen Fallschirmjäger-regimentes verstärkt.

Ausbildungsunterstützung

Das Lehrpersonal des Institutes für Offiziersausbildung sowie Gastlehrer der Streitkräfte unterstützten die Übung aufgrund ihres Umfanges. Für jedes Bataillon war ein taktischer Kommandant eingeteilt. Dieser war zugleich der Stabstrainer für die bewegliche Befehlsstelle. Es wurde Wert darauf gelegt, dass es sich um tatsächliche BKdt oder Stellvertreter handelte, um deren Erfahrungen an die Lehrgangsteilnehmer weiterzugeben. Für den Bataillonsgefechtsstand standen eigene Stabstrainer zur Verfügung, bei den Einheiten waren zwei Trainer eingesetzt.

Der Übungsleitungsgefechtsstand wurde im Hörsaal Belgrad der TherMilAk eingerichtet, der wegen seiner Größe die Mitverfolgung und Steuerung durch die Übungsleitung ermöglichte. Die Geräteausstattung für das „Phönix“ Führungsinformations-system erfolgte durch die TherMilAk. Dabei wurde sie in der Vorbereitung durch einen erfahrenen S6 aus einem kleinen Verband unterstützt. Als Bediener wurde geschultes Personal abgestellt und durchhauseigenes Personal ergänzt.

Herausforderungen

Das Mengengerüst der Kursteilnehmer stellt regelmäßig eine Herausforderung dar. Relativ wenige Teilnehmer am StbLG1 und die hohe Anzahl an Teilnehmern am FüLG1 (sowohl Berufs- als auch Milizoffiziere) führen dazu, dass das Schwergewicht der Überlegungen bei der Übungsanlage vom Bataillonsstab zu den Einheiten verlegt werden muss.

Wie können möglichst alle Teilnehmer des FüLG1 mit gefechtstechnischen Aufgabenstellungen gefordert werden ohne den Bataillonsstab zu überfordern oder die taktische Lage zu künstlich und damit unrealistisch konstruieren zu müssen? Hier sind Abstriche in vernünftigem Rahmen durchaus in Kauf zu nehmen, um möglichst alle Lehrgangsteilnehmer zu fordern.

Lagebild

„Steel Beasts“ während der Übung: In der ersten Reihe hinter dem Leitungsschirm (Blendfeuer) befinden sich die KpKdt mit ihren Stellvertretern. (Foto: TherMilAk/Seeger)

Für die parallele Verwendung verschiedener Simulationssysteme ist es wesentlich, dass sich die (in den unterschiedlichen Systemen aufgesetzten) Elemente im virtuellen Raum nicht begegnen, da sie im anderen System nicht vorkommen. Kompanien, die auf „Steel Beasts“ aufgesetzt sind, sollen mit keinen eigenen Elementen in Kontakt kommen, die sich im FüSim befinden. Das gemeinsame Lagebild entsteht durch die Rückmeldungen der Kompanien in den Köpfen der Stabsmitglieder und des BKdt. Sie wird  auf den Lagekarten dargestellt. Diese  Koordination ist ein Schwergewicht der Übungsleitung. Das erfordert bereits in der Planung ein behutsames Lenken der Gefechtsidee, um die eigene Absicht des Bataillons auf den Simulationssystemen umsetzen zu können.

Lenken oder „freies Spiel“

Der Bataillonskommandant (re.) und sein S2 (li.)
beurteilen die weitere Feindabsicht.
(Foto: TherMilAk/Seeger)

Die beiden Übungen sind differenziert zu betrachten: Das Simulationsvorhaben 1 des JgB41 am Führungssimulator bietet dem BKdt Handlungsfreiheit bei der Entwicklung von Varianten und in der Entscheidung. Das JgB42 bei der zweiten Simulation muss sich für jene Variante entscheiden, die auch am System spielbar ist. Im konkreten Fall war das der Angriff aus dem Westen.

Bei der Übung muss vor allem der Gegner durch die Übungsleitung straff geführt werden. Feindelemente, die in einem Simulationssystem bekämpft wurden oder ausgefallen sind, dürfen auch im anderen System nicht mehr vorkommen. Die Übungsleitung ist gefordert, die Lage auf beiden Systemen so abzugleichen, dass für das Bataillon ein stimmiges Bild entsteht.

Durch die Verwendung von verschiedenen Simulationssystemen ergeben sich jedoch Einschränkungen in der Phase der Durchführung. Ein Staffelwechsel zwischen einer Kompanie auf „Steel Beasts“ und einer am Führungssimulator ist nicht möglich, ein Reserveneinsatz nur unter bestimmten Voraussetzungen. In diesen Fällen muss der Übungsdurchgang möglicherweise abgebrochen werden. Ein „freies Spiel“ der Kräfte ist deshalb nur eingeschränkt möglich.

Koordinierung der Ausbildungsunterstützung

Die Verwendung verschiedener Simulationsmittel erfordert einen hohen Koordinierungsbedarf beim Erstellen und Durchführen der Übung, die auf beiden Simulationssystemen durch das Referat Simulation aufgesetzt wird. Für den seit Jahren erprobten FüSim ist dies keine besondere Herausforderung. Beim System „Steel Beasts“ waren jedoch die materielle und personelle Unterstützung durch die Heerestruppenschule erforderlich. Das FüIS „Phönix“ erfordert die Einbindung eines ausgebildeten S6 in die Planung. Dieser sorgt für eine funktionierende Struktur und ein adäquates Informationsmanagement.

Erkenntnisse: Übungsanlage und zeitlicher Ablauf

Beide Simulationen wurden vom Referat Simulation installiert. So wurde sichergestellt, dass nicht nur der Übungsleiter die Gesamtsicht hatte, was zur Fehlererkennung bei der Erstellung des Szenarios notwendig war. Im Sinne der Einheit der Führung müssen alle Simulationssysteme in einer Hand sein!

Die Stabsorganisation (BGefStd und bwglBefSt) wurde von den eingeteilten Bataillonskommandanten und den Trainern als zweckmäßig und realitätsnah beurteilt. Die Shelter auf dem Dachboden der Militärakademie erinnern an Container im Auslandseinsatz und sind deshalb zur Darstellung von einsatznahen Bedingungen gut geeignet. Auf reale bewegliche Befehlsstellen, beispielsweise auf Pinzgauern, wurde aus Gründen der Sparsamkeit verzichtet. Das Lagebild in den Systemen hat sich für beide Bataillone als gleich gut dargestellt. Für das JgB42 waren keine Unterschiede oder Brüche aufgrund der Verwendung beider Simulationssysteme erkennbar.

Eine wesentliche Erkenntnis aus der Erprobung ist: Für die taktische Ebene ist es unerheblich, von welchem Simulationssystem es eine Rückmeldung bekommt. Die gemeldeten Fakten werden durch die qualifizierte Bewertung der Stabsoffiziere zu einem Lagebild zusammengefügt.Für die Einheitskommandanten ergibt sich ein differenziertes Bild: Die Verwendung­ beim Simulationsvorhaben 1 am Füh­rungs­simulator zeigte das altbekannte Muster, dass die KpKdt­ mehr eine Response Cell für das Bataillon sind. Gefechtstechnisch wurden sie nur wenig gefordert. Dies ergibtsich zwangsläufig aus der Eigenart des vverwendeten Simulationssystems. Beim zweiten Vorhaben trainierten zwei KpKdt, deren Stellvertreter und je drei ZgKdt auf „Steel Beasts“. Die restlichen Einheitskommandanten wurden räum-lich von den Operatoren getrennt und deshalb auch entsprechend gefordert.

Auf die Vorbereitung der Nachbesprechungen ist besonderes Augenmerk zu legen. Sie erfordert eine genaue Auswertung und Zeit für die Aufbereitung. Die Trainer müssensich bewusst sein, was sie zeigen sollen und welches System sie dabeiverwenden. Für „Steel Beasts“ empfiehlt sich ein Vorüben der zu präsentierenden Sequenzen. Das ergibt sich, weil hier unterschiedliche Perspektiven (Gelände, Karte, Blick vom Gefechtsfahrzeug, Vorschau etc.) eingenommen werden können. Daher ist ausreichend Zeit  für die Vorbereitung einer didaktisch sinnvollen Nachbesprechung einzuplanen. Um den Aufwand der Übung ökonomisch zu nutzen, sollten zumindest drei Tage für die Phase der Durchführung geplant sein.

Taktische Lage und Übungssteuerung

Der Kommandant des Führungslehrganges,
Oberstleutnant Wolf (vo.) und Vizeleutnant Handler (hi.)
steuern die Übung auf „Steel Beasts“.
(Foto: TherMilAk/Seeger)

Der Angriff des Bataillons erfolgte mit zwei Kompanien, eine dritte befand sich in der Tiefe als Reserve. Die vierte Einheit hatte eine selbstständige Aufgabe und konnte daher von den anderen räumlich getrennt eingesetzt werden. Dadurch konnten die vorne angreifenden Kompanien beim Simulationsvorhaben 2 problemlos auf „Steel Beasts“ aufgesetzt sein. Der infanteristische Ansatz reduzierte die Gefechtsgeschwindigkeit, was die Übungssteuerung erleichterte.

Bei der zweiten Übung im September wurde versucht, Eingriffe durch die ÜL zu unterlassen und Staffelwechsel sowie Reserveneinsätze zu ermöglichen. Die Übungsleitung musste alle eigenen Teile auf dem anderen Simulationssystem mitführen, damit für die KpKdt ein reales Bild entstehen konnte. Eigene Teile, die sich im virtuellen Raum begegnen, müssen sich auch sehen können. Wenn auf beiden Systemen alle Elemente, sowohl vom Gegner als auch von den Eigenen aufgesetzt sind, erhöht das die Handlungsfreiheit des übenden Bataillons und der ÜL.

Der Übungsleiter muss den unmittelbaren Zugriff auf die technische Übungssteuerung beider Einrichtungen haben. So kann er einen raschen Abgleich zwischen den Systemen herstellen. Bei schnellen Gefechten ist sonst kein „bruchfreier“ Ablauf zu erwarten. Die Kampfunterstützung (Artillerie etc.) muss durch die ÜL gesteuert werden, um synchron wirksam zu werden.

Der Trainereinsatz auf Bataillons-ebene ist zweckmäßig und sollte beibehalten werden. Für die Ebene Kp ist anzustreben, dass in jedem Bataillon zwei Kp-Trainer verfügbar sind. Das ist wichtig, da die Teilnehmer des Führungslehrganges schwergewichtsmäßig beübt werden - besonders die „Steel Beasts“-Kompanien.

„Steel Beasts“

Ein Lehrgangsteilnehmer führt den Jägerzug im Angriff.
(Foto: TherMilAk/Seeger)

Die Geländebesprechung mit den Teilnehmern des FüLG1 vor der Übung hat sich bewährt und wird beibehalten. Sie erleichtert das Orientieren und Zurechtfinden im virtuellen Raum auf „Steel Beasts“ wesentlich. Eine vorgestaffelte Einweisung des Leitungspersonals war notwendig, die zukünftige Zusammenarbeit mit der HTS ist für den weiteren Erfahrungsgewinn durch deren Expertise sinnvoll.

Die Ausbildung der Bediener stellte mit rund drei Stunden das absolute Minimum dar. Eine Bedienerschulung im Umfang von fünf bis sechs Stunden bei denen Standardsituationen, wie das Verhalten bei Sprengfallen oder Hinterhalten trainiert werden, wäre zweckmäßig. Hier muss zwischen Berufs- und Milizoffizieren differenziert und auf die Besonderheiten des FüLG1 für Milizoffiziere eingegangen werden: Dieser ist dicht mit Ausbildungsinhalten belegt und dauert nur zwei Wochen. Die Teilnehmer haben zu diesem Zeitpunkt, im Gegensatz zu den Absolventen der TherMilAk, noch keine Taktik auf der Ebene Bataillon erlernt.

Trotzdem bestätigte sich die, in der Evaluierung der ersten Übung getätigte Kernaussage: „Steel Beasts“ ist durch Lehrgangsteilnehmer mit einer minimalen Einweisung von drei bis vier Stunden bedienbar und für die gefechtstechnische Ebene optimal geeignet! Zusätzliche Bedienerabstellungen sind nicht notwendig. Die Ausgabe der privaten Version des Programmes für die Lehrgangsteilnehmer ist anzustreben, um sie rasch mit dem System vertraut zu machen.

Führungsinformationssystem „Phönix“

Durch die fundierte Vorbereitung und das hohe Engagement des gesamten eingesetzten Personals war der Betrieb des Führungsinformationssystems „Phönix“ ohne wesentliche Probleme möglich. Sowohl die Geräteausstattung als auch die Bedienerunterstützung blieben jedoch auf das absolute Minimum beschränkt. Der Einsatz von „Phönix“ beim JgB41 kam bei den Lehrgangsteilnehmern sehr positiv an.

Der Zweck des „Kennenlernens“ der Systeme und des Gewöhnens an die digitale Unterstützung im Stabsdienst wurde erfüllt. Das FüIS „Phönix“ lieferte eine Lagedarstellung in hoher Qualität, da hier keine „Übermittlungsfehler“ wie beim Sprechfunk auftraten. Die Bediener bei den Kompanien müssen jedoch mit eigenen Funkgeräten ausgestattet sein, um den Führungskreis mithören zu können.

Auf einen Blick

„Steel Beasts“ bietet die Möglichkeit, die gefechtstechnische Ebene sinnvoll zu beüben. Dadurch verlagert sich aber das Schwergewicht vom Stabslehrgang zum Führungslehrgang. Für die Bataillonsstäbe macht es keinen Unterschied von welchem Simulationssystem sie eine Rückmeldung bekommen. Die gemeldeten Fakten werden durch die qualifizierte Bewertung zum Lagebild.

Das FüIS „Phönix“ ist als zusätzliches Tool zu verstehen, das sehr gut angenommen wurde. Es verbessert die Qualität des  Lagebildes, ersetzt die „analoge“ Stabsarbeit jedoch nicht! Mit neun taktischen Arbeitsplätzen auf „Steel Beasts“ist man bereits am Leistungslimit für Trainings dieser Art angekommen.

Für zukünftige kombinierte Übungen wäre der folgende Zustand anzustreben: Ein Bataillon, inklusive der beweglichen Befehlsstelle, sollte komplett auf „Steel Beasts“ aufgesetzt sein. So kann der BKdt auch Einblick ins Gelände nehmen. Jedes weitere Bataillon könnte am Führungssimulator dargestellt werden. Auf beiden Systemen können auch alle logistischen Abläufe geübt werden. Damit wären sowohl voneinander getrennte Übungen als auch jene unter einem gemeinsamen Kommando möglich.

Um die Einheit der Führung zu gewährleisten, gehören beide Simulationssysteme in eine Hand. Dies hat sich bei den Übungen bewährt und soll so bleiben. Nach Abschluss des Projektes „Digital unterstützte Führungsausbildung“ könnte die TherMilAk virtuelle Trainings für die Truppe auf beiden Systemen anbieten. Je nach Schwergewichtssetzung, entweder auf der taktischen oder der gefechtstechnischen Ebene, wird dann der FüSim oder „Steel Beasts“ angewendet. Die Qualität und die Erfahrung des Simulationspersonals der TherMilAk sowie deren Engagement sind eine wesentliche Basis für das Gelingen zukünftiger Aufgaben.

Eine Simulation kann nie die praktische Ausbildung mit Volltruppe im Gelände ersetzen. In Zeiten geringerer Ressourcen muss sie jedoch verstärkt eingesetzt werden. So wird die Ausbildungszeit der Berufs- und Milizoffiziere im Training ihrer Einsatzaufgaben sinnvoll genützt. Sowohl für die taktische, besonders aber für die gefechtstechnische Führungsebene bietet „Steel Beasts“ vielseitige Möglichkeiten.

Das Trainieren und Wiederholen komplexer Gefechtsabläufe hat eine hohe Handlungssicherheit der Kursteilnehmer zur Folge. Es wird daher in den beiden Instituten verstärkt zu nutzen sein! Die „Digital unterstützte Führungsausbildung“ mittels „Steel Beasts“ ist ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Führungskompetenz im Bundesheer und eine weitere Aufwertung für das Referat Simulation und die TherMilAk.

Oberstleutnant dG Ing. Mag. (FH) Markus Höfler ist Hauptlehroffizier für Taktik am Institut für Offiziersfortbildung an der Theresianischen Militärakademie.

Besuch während der Übung „ROADBLOCK“ durch (v. l. n. r.): Oberst Kralicek (Leiter Referat Simulation/Ausbildungsabteilung B), Oberst Pieber (Leiter Referat Simulation/TherMilAk), Brigadier Hohenwarter (Leiter Ausbildungsabteilung B/BMLVS) und Oberstleutnant dG Höfler (Übungsleiter). (Foto: TherMilAk/Seeger)
 

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