• Veröffentlichungsdatum: 27.05.2019
  • – Letztes Update: 04.10.2019

  • 6 Min -
  • 1145 Wörter
  • - 15 Bilder

Bunker gegen Hitler - Teil 2

Gerold Keusch

(Foto: Militärhistorisches Museum Prag, RedTD Barthou; Montage: Keusch)
(Foto: Militärhistorisches Museum Prag, RedTD Barthou; Montage: Keusch)

Organisation der tschechoslowakischen Landesverteidigung

Der Bau des Tschechoslowakischen Walls war das Ergebnis der militärstrategischen Überlegungen der Tschechoslowakei. Er war eine territoriale militärische Landesbefestigung, die aus Verteidigungslinien an der Grenze und im Hinterland bestand. Die Verteidigungslinie an der südmährisch-österreichischen Grenze - die in dieser Artikelserie behandelt wird - bestand aus einer bis vier Reihen von MG-Bunkern, die schachbrettartig angeordnet waren. Wie viele Reihen errichtet wurden, hing von der Beurteilung des Geländes ab.

Der Bau der Verteidigungsanlagen erfolgte in Anlehnung an das Gelände, um natürliche Hindernisse auszunützen. Er wurde nach dem französischen Vorbild der Maginot-Linie errichtet, was aufgrund des französisch-tschechoslowakischen Bündnisses von Vorteil war. Offiziere und Ingenieure der CSR fuhren nach Frankreich, um die dortigen Anlagen kennen zu lernen - die Franzosen kamen in die CSR, um die Planung und den Bau zu unterstützen. Der Baubeginn der ersten Fortifikationen erfolgte im Frühjahr 1935 in Nordmähren, wo sich das Schwergewicht der Verteidigung befand. 

Die Bunker wurden je nach Typ entweder von zivilen Firmen, speziellen Abteilungen der Armee oder in Kooperation erbaut. Hinsichtlich der Bunkertypen gab es 

  • leichte Bunker (Modell 37),
  • leichte Bunker (Modell 36),
  • schwere Bunker,
  • Artilleriewerke und
  • Werksgruppen.

Die Masse der schweren und leichten Werke (Modell 37) wirkte flankierend vor die Nachbarstellung entlang von Sperren. Zusätzlich gab es MG-Bunker (Modell 36), die frontal wirkten und die Schussfelder verdichteten. In Südmähren gab es keine Artilleriewerke und Werksgruppen, weshalb sie in diesem Beitrag nicht behandelt werden. 

Baustelle eines schweren Werkes vor einem leichten MG-Bunker. (Foto: Bundesarchiv Bild 146-2003-0038/CC-BY-SA 2.0)
Baustelle eines schweren Werkes vor einem leichten MG-Bunker. (Foto: Bundesarchiv Bild 146-2003-0038/CC-BY-SA 2.0)

Anordnung der Verteidigungsanlagen

Je nach Gelände wurden die leichten und schweren Werke so erbaut, dass möglichst wenige schusstote Räume bestanden und es eine Sichtverbindung zwischen den Bunkern gab. An besonders gefährdeten Punkten wie Bewegungslinien ergänzten schwere Anlagen die leichten. Für die Unterstützung mit Steilfeuer waren Artilleriewerke vorgesehen, die ebenfalls in das Schwergewicht wirken sollten und in dessen Umfeld erbaut wurden. 

Im gesamten Verteidigungsbereich waren Panzer- und Infanteriesperren errichtet worden. Im Panzergelände befanden sich Sperren in Form von Panzerigeln, Steck- und Betonsperren, Panzergräben und Minenfeldern, um die Bewegung mechanisierter Kräfte zu erschweren und zu kanalisieren. Zusätzlich waren im Infanteriegelände der Wälder Sperren in Form unterschiedlicher Drahthindernisse wie Spanische Reiter, Flandernzäune oder Stolperdrahthindernisse errichtet, die entlang von Schießschneisen angelegt waren. 

In den Gefechtsstreifen waren kleinere Kasernen mit Unterkünften, Versorgungseinrichtungen (Verpflegung, Sanität etc.) und Gefechtsständen sowie Lager für Munition, Verpflegung und sonstige Versorgungsgüter. Darüber hinaus gab es bei manchen Grenzübergängen Zollhäuser mit Schießscharten, die im Keller oder unter dem Eingangsbereich angelegt waren. Diese stellten zwar keine Verteidigungseinrichtung im eigentlichen Sinn dar, dienten jedoch als Gefechtsvorposten, die einen Grenzübertritt für mehrere Stunden hätten verzögern können. 

Der prinzipielle Aufbau einer Verteidigungslinie des Tschechoslowakischen Walles. Die Anlagen wurden an das Gelände angepasst und wichen deshalb deutlich von der Idealvorgabe der Skizze ab.  (Grafik: RedTD/Gerold Keusch)
Der prinzipielle Aufbau einer Verteidigungslinie des Tschechoslowakischen Walles. Die Anlagen wurden an das Gelände angepasst und wichen deshalb deutlich von der Idealvorgabe der Skizze ab.
(Grafik: RedTD/Gerold Keusch)

Einsatzführung aus dem Bunker

Die leichten Werke befanden sich in einem Normabstand von etwa 200 m im Wald und etwa 600 m im freien Gelände. Das bewaldete Gelände wurde nicht für einen Hauptstoß beurteilt, musste jedoch gesichert und verteidigt werden, um feindliche Bewegungen darin zu verhindern. Die Hauptschussrichtung der MG-Bunker 37 war in den Wäldern so angelegt, dass sie entlang einer etwa zehn Meter breiten Schießschneise wirkten, wo Infanteriesperren aufgebaut waren. Bei dem Versuch diese zu überwinden, sollten die Angreifer unter Feuer genommen und abgewehrt werden. 

Die Reihen der leichten Werke auf den freien Flächen waren in einem Tiefenabstand von etwa 200 m angeordnet. Sie verfügten über die gleiche Bewaffnung (7,92-mm-MG) wie jene in den Wäldern. Das begründete sich darin, dass zum Zeitpunkt ihrer Errichtung die Deutsche Wehrmacht lediglich etwa 2.000 Panzer (Panzerkampfwagen I und II) hatte. Diese verfügten nur über eine 5 bis 15 mm starke Stahlpanzerung, die mit einem 7,92-mm-MG durchschlagen werden konnte. Durchschlagskräftigere 4,7-cm-Panzerabwehrkanonen gab es nur in den schweren Anlagen, da bekannt war, dass neue Panzertypen mit stärkerer Panzerung und Bewaffnung - sowohl im Deutschen Reich als auch in der CSR - entwickelt wurden.

Die schweren Anlagen verdichteten die Waffenwirkung der MG-Bunker, die sich auf den freien Flächen befanden. Sie wurden vor allem in jenen Geländeabschnitten erbaut, in denen mit dem Durchstoß mechanisierter Verbände gerechnet wurde. In der Verteidigungslinie sollten, neben den Kräften in den Werken, auch bewegliche infanteristische und mechanisierte Komponenten bzw. Panzerabwehr- und Artilleriekräfte eingesetzt werden, um diese zu verdichten. 

MG-Bunker vom Modell 37 auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 in einer ehemaligen Waldstellung bei Slavonice. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 in einer ehemaligen Waldstellung bei Slavonice. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 in einer ehemaligen Waldstellung bei Slavonice. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
MG-Bunker vom Modell 37 in einer ehemaligen Waldstellung bei Slavonice. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Schwerer Bunker auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Schwerer Bunker auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Schwerer Bunker auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Schwerer Bunker auf einer freien Fläche bei Satov. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Zollhaus bei der Brücke über den Grenzfluss Thaya in Hardegg. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Zollhaus bei der Brücke über den Grenzfluss Thaya in Hardegg. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Zollhaus bei der Brücke über den Grenzfluss Thaya in Hardegg. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)
Schießscharten beim Stiegenaufgang des Zollhauses. (Foto: RedTD/Gerold Keusch)

Einsatzführung der Regimenter und Bataillone

Die ortsfest eingesetzten Regimenter und Bataillone hatten mit den ihnen unterstellten Kräften den stationären Einsatz in einem zusammenhängenden Gelände zu führen und waren de facto unbeweglich. Die Grenzjäger-Regimenter stellten jene Größenordnung dar, unterhalb derer das „tatsächliche Gefecht“ stattfinden sollte. Ihre Kräfte waren im Kampf aus den Bunkeranlagen bzw. im Zwischengelände geschult und auch im Frieden so organisiert, dass sie nach nur wenigen Stunden den Abwehrkampf hätten aufnehmen können. 

Die Grenzjägerregimenter (zwei bis vier Bataillone) waren die wesentliche Organisationseinheit der tschechoslowakischen Verteidigungsbemühungen. Sie hatten ein lückenloses Zusammenwirken der Kräfte für das Sperrfeuer (frontal, flankierend und mittels Steilfeuer) zu gewährleisten und führten die Masse der Versorgungs-, Unterstützungs- und Führungsaufgaben durch.  Die Anzahl der Regimenter war im Frieden und im Einsatz gleich, um den Abwehrkampf jederzeit rasch aufnehmen zu können. Im Einsatz wurden ihnen zusätzliche Kräfte unterstellt, um Lücken zu schließen und über Kräfte (Reserven) für eine bewegliche Kampfführung zu verfügen.

Die Bataillone hatten je nach Einsatzraum einen besonderen Auftrag in einem taktisch zusammenhängenden Gelände zu erfüllen. Deshalb variierten sie in ihrer Zusammensetzung und verfügten über eine unterschiedliche Anzahl von Kompanien. Die Organisation des Feuerkampfes konnten die ortsfesten Bataillone nur begrenzt durchführen, da sie über keine Steilfeuerelemente verfügten und auch keine beweglichen Kräfte einsetzen konnten. Neben den ortsfest eingesetzten Bataillonen gab es Bataillone im Zwischengelände, um Lücken in der ortsfesten Verteidigung zu schließen oder Gegenangriffe durchzuführen. 

Soldaten der Tschechoslowakischen Streitkräfte mit einem MG 26 bei einer Übung. (Foto: unbekannt, gemeinfrei)
Soldaten der Tschechoslowakischen Streitkräfte mit einem MG 26 bei einer Übung. (Foto: unbekannt, gemeinfrei)

Einsatzführung der Kompanien, Züge, Gruppen und Trupps

Die Kompanien, die den Bataillonen und Regimentern unterstellt waren, sind eher als Verbindungs- und Versorgungsebene zu verstehen, jedoch weniger als Führungsebene. Die Hauptlast des Gefechts lag auf dem jeweiligen Werk, weshalb die Kompaniekommandanten - bis auf den Zeitpunkt der Feuereröffnung - kaum einen Entscheidungs- oder Handlungsspielraum hinsichtlich der Kampfführung hatten. Ihre Aufgabe lag vielmehr in der Überwachung aller notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen, wie dem Ausbau der Sperren, dem Vorüben der geplanten Kampfführung etc. Die Züge waren entweder geschlossen in einem schweren Werk oder auf sieben MG-Bunker (Gruppen) verteilt eingesetzt.

Die Züge in den schweren Werken waren geschlossene Elemente, in denen der Zugskommandant alle für das Gefecht notwendigen Tätigkeiten zu koordinieren und befehlen hatte, und somit die Beobachtung, die Koordinierung des Feuers sowie die Versorgung sicherstellen musste. Die Züge, die sich in mehreren MG-Bunkern befanden, waren - ähnlich wie die Kompanien - eher hierarchische, denn tatsächliche Führungselemente. Die konkrete Kampfführung fand somit auf der Gruppenebene statt. Dort waren es die Trupps, die von ihrem Gruppenkommandanten geführt, die Geschütze und Waffen der MG-Bunker bzw. eines schweren Werks bedienten.

Der Gruppenkommandant, aber auch jeder einzelne Schütze, hatte eine entscheidende Rolle für das Funktionieren der tschechoslowakischen Verteidigungsbemühungen. Sie sollten den Kampfauftrag der jeweiligen Anlage umsetzen, das Gelände beobachten und den Feuerkampf führen. Ihr Ausfall hätte eine Lücke gerissen, die von anderen Bunker übernommen werden musste. Dieser Umstand zeigt den Vorteil der schachbrettartigen und flankierenden Anordnung der Anlagen, weil dadurch mögliche Lücken auch ohne Reservekräfte relativ einfach geschlossen werden konnten.

Link zu Teil 3

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Ein leichter MG-Bunker vom Modell 37 im Böhmerwald. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
Ein leichter MG-Bunker vom Modell 37 im Böhmerwald. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
Zwei leichte MG-Bunker (Modell 37) einer Waldstellung in Böhmen. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
Zwei leichte MG-Bunker (Modell 37) einer Waldstellung in Böhmen. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
Leichter MG-Bunker (Modell 37) bei Satov in Südmähren. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
Leichter MG-Bunker (Modell 37) bei Satov in Südmähren. (Foto: Militärhistorisches Museum Prag)
 

Ihre Meinung

Meinungen (0)