• Veröffentlichungsdatum: 03.05.2019
  • – Letztes Update: 05.08.2019

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Beurteilung der Lage und Befehlsgebung

Markus Ziegler

(Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)
(Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)

Um eine Aufklärung durchzuführen, die verwertbare Ergebnisse bringt und damit die Voraussetzung für einen erfolgreichen Angriff schafft, sind zwei Dinge essenziell: eine strukturierte und sorgfältige Beurteilung der Lage und eine daraus resultierende einfache Befehlsgebung mit klaren Aufträgen an die einzelnen Elemente und Schützen. 

Ein Kommandant gibt einem Schützen anhand der Karte einen Auftrag, nachdem die Gruppe bei der letzten deckenden Geländekante abgesessen ist und sichert. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Kommandant gibt einem Schützen anhand der Karte einen Auftrag, nachdem die Gruppe bei der letzten deckenden Geländekante abgesessen ist und sichert. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)

Die Grundlage zur Beurteilung des Einsatzes der eigenen Aufklärung ist die Beurteilung der Konfliktparteien. Das Wissen über den Einsatz der gegnerischen Kräfte bis zu dessen vorgeschobenen Sicherungen und stehenden Spähtrupps ermöglicht eine Planung des eigenen Einsatzes. Das ist die Voraussetzung, damit ein unerkanntes Erreichen des Aufklärungszieles gelingen kann. Eine fahrlässige und oberflächliche Beurteilung, die mit nichtssagenden Floskeln im Befehl für die Aufklärung ihren Niederschlag findet, ist ein Garant, dass die eigene Aufklärung kein befriedigendes Ergebnis erbringen wird oder im Feindfeuer endet.

Der Weg, den die Aufklärungskräfte nehmen, ist jener, auf dem der Gegner mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Sicherungselemente eingesetzt hat. Der tatsächliche Weg kann im Detail erst von Geländekammer zu Geländekammer beurteilt werden. Gelingt es den eigenen Kräften, unerkannt durch die gegnerischen Sicherungselemente bis zur FEBA (Forward Edge of the Battle Area, Vorderster Rand der Verteidigung; Anm.) zu gelangen, und soll der Angriff den Gegner überraschen, so ist dieser Weg zugleich derjenige, den die Kompanie im Angriff nehmen muss. Um das sicherzustellen, muss zumindest ein Gruppenkommandant als „Pfadfinder“ zum Absitzraum zurückmarschieren und in weiterer Folge die Kompanie durchlotsen. Wenn der Gegner keine Lücken bei den vorgeschobenen Sicherungen gelassen hat, kann sich die Aufklärung maximal bis zu diesen Kräften bewegen. Das bedeutet für den Angriff, dass sich die Kompanie ab dieser Linie angriffsweise breit entwickelt und - von Geländekante zu Geländekante - der gegnerischen FEBA annähern muss.

Bei der nachfolgenden Darstellung der Befehlsgebung wird nicht auf alle Punkte des Befehlsschemas eingegangen, sondern nur auf die wesentlichen Punkte.

Befehlsgebung Kompanie

Im Vorbefehl befiehlt der Kompaniekommandant, aus welchen Teileinheiten und Organisationselementen sich die Aufklärung zusammensetzt und wer der Kommandant ist. Der Kompaniekommandant gibt die Befehlsausgabe geschlossen und persönlich an den Kommandanten der Aufklärung und die Kommandanten der eingeteilten Organisationselemente. Somit kann er den einzelnen Elementen direkte Aufträge erteilen.

Als Grundlage für die geplante Einsatzführung dient die Gefechtsidee, die im Punkt 3.a geplante Einsatzführung des allgemeinen Gefechtsschemas als Eigene Absicht befohlen wird. Basierend auf dieser befiehlt der Kompaniekommandant, wer was aufzuklären hat und den chronologischen Ablauf des Vorhabens.

Soldaten eines Spähtrupps sichern während sie einen freien Geländeteil überwinden. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Soldaten eines Spähtrupps sichern während sie einen freien Geländeteil überwinden. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Befehlsausgabe durch den Kompaniekommandanten an die Zugskommandanten anhand der Lagekarte am Gefechtsstand. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)
Befehlsausgabe durch den Kompaniekommandanten an die Zugskommandanten anhand der Lagekarte am Gefechtsstand. (Foto: Bundesheer/Thomas Lampersberger)

Als Anhalt für die geplante Einsatzführung ist zu befehlen:

  • die Abmarschzeit;
  • der Anmarsch, wobei befohlen wird, ob das Aufklärungselement selbstständig marschiert oder durch das Bataillonskommando mit anderen Elementen an den Gefechtsstreifen herangeführt wird. Bei Letzterem ist der Platz in der Gefechtsordnung zu befehlen;
  • der Marschweg mit Meldelinien und Koordinierungslinien;
  • die Führungslinie, ab der aus dem motorisierten Marsch zur Aufklärung übergegangen wird, und der Absitzraum. Ist dieser Raum nicht ident mit dem Absitzraum der angreifenden Kräfte, so muss er vorgegeben werden. Wenn ein Sicherungselement im Absitzraum vorgesehen ist, so muss das befohlen werden;
  • der geplante Weg für die Annäherung des Angriffselementes und eine alternative Annäherungslinie;
  • die geplante Ablauflinie; 
  • die Räume für die Feuerunterstützung und die dafür vorgesehenen Elemente; 
  • die Möglichkeiten für den Ansatz des Stoßelementes und das dafür vorgesehene Element; 
  • die Sicherungselemente an den Flanken und in der Tiefe bzw. welche Elemente dafür vorgesehen sind; 
  • die Regelung des Rückmarsches (Zeit) und die Festlegung der Teile, die am Gegner bleiben; - die Aufnahme der Aufklärungsteile (Zeit und Ort) durch eigene Kräfte; 
  • der Ort der Meldung des Aufklärungsergebnisses von den Kommandanten der Elemente, die am Feind verbleiben, an den Kommandanten der Aufklärung; 
  • die Organisation des Eingliederns der Kräfte, die sich am Gegner befinden, in die Angriffskräfte; 
  • der Ablauf der Sanitätsversorgung.

Beispiele für die Gefechtsaufklärung

Die folgenden Beispiele zeigen Möglichkeiten, wie Aufklärungselemente zusammengestellt werden können sowie die dazu möglichen Aufträge.

Beispiel 1: Halbzugs-Aufklärung durch den Kommandanten des Jägerzuges mit zusätzlichen Elementen. (Grafik: Markus Ziegler)
Beispiel 1: Halbzugs-Aufklärung durch den Kommandanten des Jägerzuges mit zusätzlichen Elementen. (Grafik: Markus Ziegler)
Beispiel 2: Halbzugs-Aufklärung durch den stellvertretenden 	Kommandanten des Jägerzuges. (Grafik: Markus Ziegler)
Beispiel 2: Halbzugs-Aufklärung durch den stellvertretenden Kommandanten des Jägerzuges. (Grafik: Markus Ziegler)
Beispiel 3: Aufklärung durch den Kompaniekommandanten mit drei Jägergruppen mit zusätzlichen Elementen. (Grafik: Markus Ziegler)
Beispiel 3: Aufklärung durch den Kompaniekommandanten mit drei Jägergruppen mit zusätzlichen Elementen. (Grafik: Markus Ziegler)

Befehlsgebung Zug

Auf Basis des Kompaniebefehles führt der eingeteilte Kommandant der Aufklärung (in diesem Fall ein Zugskommandant) seine Beurteilung der Lage durch. Da im Kompaniebefehl die Durchführung in zeitlicher und örtlicher Hinsicht bereits detailliert befohlen wurde und die Kommandanten der unterstellten Organisationselemente bei der Kompaniebefehlsausgabe vor Ort waren, muss der Zugskommandant lediglich den Einsatz seiner Kräfte nach diesen Vorgaben umsetzen. Dazu hat er nun die notwendigen Details für die Gefechtstechniken zu befehlen.

Zwei Soldaten eines Aufklärungsspähtrupps im Gelände. (Foto:HBF/Daniel Trippolt)
Zwei Soldaten eines Aufklärungsspähtrupps im Gelände. (Foto:HBF/Daniel Trippolt)
Ein Spähtrupp bewegt sich entlang einer Bewegungslinie. Obwohl Bewegungslinien bei einem Spähtrupp nach Möglichkeit zu meiden sind, müssen sie aufgrund des Bewuchses häufig dennoch benutzt werden. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Ein Spähtrupp bewegt sich entlang einer Bewegungslinie. Obwohl Bewegungslinien bei einem Spähtrupp nach Möglichkeit zu meiden sind, müssen sie aufgrund des Bewuchses häufig dennoch benutzt werden. (Foto: HBF/Daniel Trippolt)
Vier Soldaten eines Spähtrupps im Gelände. (Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)
Vier Soldaten eines Spähtrupps im Gelände. (Foto: Bundesheer/Gerhard Hammler)

 

Der Kommandant der Aufklärung soll dem Grundsatz der Einfachheit folgend die Befehlsausgabe geschlossen für alle Soldaten der ihm unterstellten Elemente durchführen. Dadurch verkürzt sich sowohl die benötigte Zeit als auch der Befehlsinhalt, den die unterstellten Kommandanten ihren Soldaten mitteilen müssen.

Als Anhalt für die geplante Einsatzführung ist zu befehlen: - die Abmarschzeit; - ob das Aufklärungselement selbstständig marschiert oder ob es in eine Gefechtsordnung eingegliedert ist;

  • die Marschreihenfolge;
  • der Ablaufpunkt;
  • die gefährlichen Geländeteile am Anmarschweg (beim motorisieren Marsch) und wie diese zu überwinden sind;
  • das Verhalten im Absitzraum: wer sitzt wo ab, und wie sind die Sicherungsbereiche eingeteilt;
  • die Einteilung eines Kommandanten der verbleibenden Kräfte im Absitzraum;
  • der Weg des Aufklärungselementes zum Aufklärungsziel;
  • die Festlegung weiterer Sicherungselemente und die Regelung, wer, wann, wo eingesetzt wird (wenn nötig);
  • der voraussichtliche Raum des Koordinierungspunktes, wo sich die Teilelemente der Aufklärung trennen;
  • die Aufträge an die Elemente mit der Einteilung, wer, wo aufklärt;
  • die Einteilung der Elemente, die am Gegner bleiben bzw. zurückmarschieren;
  • der Zeitpunkt des Rückmarsches;
  • die Aufnahme der rückmarschierenden Teile (wann, wo und wie);
  • der Ort und die Zeit der persönlichen Verbindungsaufnahme des am Gegner verbliebenen Kommandanten mit dem Kompaniekommandanten;
  • das Eingliedern der Kräfte, die sich am Gegner befinden, in die Angriffskräfte;
  • der Ablauf der Sanitätsversorgung.

Befehlsgebung Gruppe

Alle Soldaten der Gruppe waren bei der Befehlsausgabe des Zugskommandanten. Sie kennen deshalb die Lage der Konfliktparteien, die eigene Lage und die eigene Absicht des Zuges. Dadurch reduziert sich der Umfang der Befehlsausgabe des Gruppenkommandanten deutlich. Wesentlich ist, dass er bei jenen Punkten des Zugsbefehles, die sein Element betreffen, den Einsatz innerhalb seiner Gruppe regelt und seinen Schützen klare und konkrete Aufträge erteilt.

wird fortgesetzt

Oberstleutnant Markus Ziegler, MA ist stellvertretender Kommandant vom Truppenübungsplatz Bruckneudorf und war davor als Hauptlehroffizier Jäger an der Heerestruppenschule tätig.

 

 

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