• Veröffentlichungsdatum: 14.01.2020
  • – Letztes Update: 15.01.2020

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AIRPOWER 2019

Erwin Gartler, Markus Togl

Die Airpower 2019 fand am 6. und 7. September in Zeltweg statt. (Foto: Bundesheer/Montage: Rizzardi)
Die Airpower 2019 fand am 6. und 7. September in Zeltweg statt. (Foto: Bundesheer/Montage: Rizzardi)

Das Bundesheer veranstaltete am 6. und 7. September in Zeltweg die Flugshow Airpower 2019 mit dem Land Steiermark und Red Bull als Partner. Unter dem Motto "Wir fliegen auf Österreich" wurden bei der Flugschau eindrucksvolle Fluggeräte, die beliebtesten Staffeln und die besten Solopiloten auf den Fliegerhorst Hinterstoisser gebracht. Zivile und militärische Luftfahrzeuge aus dem In- und Ausland zeigten trotz des trüben Wetters in dynamischen Vorführungen publikumsnah ihre Fähigkeiten sowie ihr fliegerisches Können.

Flugshows begeistern seit der ersten öffentlichen Veranstaltung in Reims im Jahre 1909 das Publikum. Ab 1920 entwickelte sich in England der Kunstflug als Sport. Diese Veranstaltungsform ist bis heute in den Grundzügen weltweit beinahe gleich geblieben. Eine Flugschau wird grundsätzlich in ein Static Display mit einer Präsentation der Flugzeuge auf dem Boden und in ein Flying Display mit Flugvorführungen von Solopiloten oder Flugstaffeln unterteilt.

Die Airpower fand erstmal im Juni 1998, damals noch unter einem anderen Namen, statt. Seitdem wurde sie bis jetzt alle zwei bis drei Jahre durchgeführt. 2019 aus budgetären Gründen beinahe abgesagt, lockte die Flugschau trotz des schlechten Wetters am Freitag, dem 6. September, etwa 80 000 und am Samstag etwa 105 000 Zuseher an. Das Wetter spielte heuer bei der Airpower erstmals nicht mit: Am Samstag mussten wegen tiefhängender Wolken über dem Fliegerhorst Hinterstoisser etliche Programmpunkte abgesagt oder vorgezogen werden.

Das Logo der Airpower auf der Breitwandwall. (Foto: Bundesheer)
Das Logo der Airpower auf der Breitwandwall. (Foto: Bundesheer)
Die Frecce Tricolori führen ihre Nationalfarben mit der Rauchanlage vor. (Foto: Bundesheer/Wolfgang Grebien)
Die Frecce Tricolori führen ihre Nationalfarben mit der Rauchanlage vor. (Foto: Bundesheer/Wolfgang Grebien)

Die Organisation

Eine Flugschau dient nicht nur zur Unterhaltung der Zuschauer, sondern ist gleichzeitig eine Übung der beteiligten Einsatzorganisationen. Geübt werden nicht nur Abfangmanöver, der Luftkampf oder Formationsflüge, sondern auch die Bodenorganisation bei der Bewältigung von Massenpanik, die medizinische Versorgung bei einem Massenanfall von verletzten Personen, die Krisenkommunikation und die Koordination mit zivilen Einsatzorganisationen. Die Airpower ist zugleich eine Übung für die Einsatzkräfte. „Über 4 000 Soldaten üben das Krisen- management, das wir in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und der Polizei durchführen“, sagte der Leiter der Airpower, Brigadier Arnold Staudacher. Von diesen eingesetzten Soldaten sind etwa 1 000 Soldaten des Miliz- und Reservestandes und rund 1 000 Grundwehrdiener. Mit etwa 200 Zivil- und Militärluftfahrzeugen aus über 20 Nationen zählt die Airpower zu den größten Flugshows in Europa. Neben dem Flugprogramm und der Präsentation von Flugzeugen am Boden waren rund 30 Aussteller mit ihren Informationsständen vertreten. Zudem bestand auch die Möglichkeit, das auf dem Gelände liegende Militärluftfahrtmuseum, eine Zweigstelle des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, zu besuchen.

Die Patrouille Suisse mit den F-5E "Tiger" II-Jets im engen Formationsflug. (Foto: Bundesheer/Wolfgang Grebien)
Die Patrouille Suisse mit den F-5E "Tiger" II-Jets im engen Formationsflug. (Foto: Bundesheer/Wolfgang Grebien)

Flugstaffeln und Programm

Den Auftakt der Flugshow machte die Kunstflugformation „Flying Bulls“ mit der Douglas DC6B und zwei Eurofighter „Typhoon“ des Österreichischen Bundesheeres. Die „Flying Bulls“ sind eine in Salzburg im Hangar-7 stationierte private Flugzeugflotte, die dem Unternehmer Dietrich Mateschitz gehört. Zu den Highlights des zweitägigen Events zählten drei der besten und bekanntesten Flugstaffeln weltweit. Die italienische „Frecce Tricolori“, die spanische „Patrulla Aguila“ und die Schweizer „Patrouille Suisse“. Diese Flugstaffeln fliegen die wohl spektakulärsten und anspruchsvollsten Flugmanöver, die von Piloten geflogen werden können.

Frecce Tricolori

Bei der italienischen „Frecce Tricolori“ (deutsch: dreifarbige Pfeile) handelt es sich um die derzeit größte und bekannteste Kunstflugstaffel der Welt. Ihre Ursprünge reichen bis in die 1920er-Jahre zurück. Im Jahr 1930 wurde schließlich die erste militärische Kunstflugstaffel Italiens gegründet. Die Piloten flogen damals auf sieben Jagddoppeldeckern vom Typ Fiat CR-20. Bis in die 1950er-Jahre formierten sich immer mehr Staffeln. Dem Wunsch des italienischen Generalstabes nach einer einzigen nationalen Gruppe folgend wurde 1961 schließlich die „Frecce Tricolori“ unter dem Namen „313° Gruppo Addestramento Acrobatico“ aufgestellt. Die italienische Kunstflugstaffel ist in Rivolto bei Udine stationiert und die Piloten seit 1982 mit zehn Aermacchi MB-339 PAN ausgerüstet. Das sind spezielle Kunstflugzeuge mit einer Maximalgeschwindigkeit von 926 km/h und einem Schub von 17,8 kN.

Der Tower hat den Überblick über alle Bewegungen am Fliegerhorst. (Foto: Bundesheer)
Der Tower hat den Überblick über alle Bewegungen am Fliegerhorst. (Foto: Bundesheer)

Für Major Gaetano Farina, dem Kommandanten der „Frecce Tricolori“, zählt das Fliegen bei der Airpower in Zeltweg zu den Highlights des Flugkalenders. Die Vorführungen sind fordernd und die Flugperformance speziell, da das Flugfeld in Zeltweg komplett von Bergen umgeben ist und somit ein ganz eigenes Szenario für die Staffel bestehte.

Die Spezialität der Staffel ist die häufige Teilung der Formation in eine Fünfer- und Vierergruppe, die dann von einem Soloflugzeug durchflogen, durchkreuzt oder spektakulär umflogen wird. Bei jedem Auftritt werden Rauchbahnen in den italienischen Landesfarben Grün, Weiß und Rot in die Luft gezeichnet. Zu den Highlights des italienischen Displays bei der Airpower zählten die Figuren „Schneider e ricongiongimento“, „doppio tonneau e piramidone“ und „alona e inserimento del solista“, bei der neun Flugzeuge in V-Formation die italienische Flagge in den Himmel zeichnen und durch einen entgegengesetzt kommenden Solisten von unten nach oben durchflogen werden.

Patrulla Águila

Die spanische Patrulla Águila (deutsch: Adlerpatrouille) wurde im Jahr 1985 gegründet und ist auf der Luftwaffenbasis San Javier bei La Manga del Mar in der Region Murcia stationiert. Die Vorgängergruppe der Kunstflugstaffel der spanischen Luftstreitkräfte trug den Namen „Patrulla Ascua“. Sie existierte von 1956 bis 1965. Die Staffel besteht seit 1988 aus insgesamt sieben Piloten, die eine modifizierte Version der CASA C-101 „Aviojet“ fliegen. Die Flugzeuge verfügen über größere Tanks für eine Flugdauer von bis zu sieben Stunden, eine eigene Lackierung sowie eine Rauchanlage. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 845 km/h, die maximale Dienstgipfelhöhe ist 14 000 Meter.

Trotz ihrer seltenen Auslandsauftritte konnte die spanische Kunstflugstaffel heuer bereits zum dritten Mal für die Airpower gewonnen werden. Das Display bestand in diesem Jahr aus insgesamt drei Teilen. Die Spezialität der Staffel ist das simultane Landemanöver, das in dieser Form nur von den Spaniern durchgeführt wird. Zu den Highlights des Displays zählten neben den klassischen Manövern die – bei der Airpower noch nie gezeigten – Einzel-, Doppel- und Karoformationen der Spanier.

Den Piloten wird Höchstleistung abverlangt. (Foto: Bundesheer)
Den Piloten wird Höchstleistung abverlangt. (Foto: Bundesheer)

Patrouille Suisse

Die schweizerische „Patrouille Suisse“ wurde im Jahr 1964 aufgestellt und feierte bei der diesjährigen Airpower ihr 55-jähriges Bestehen. Sie ist auf dem Militärflughafen in Emmen im Kanton Luzern stationiert. 1994 wurde der Flugzeugtyp „Hunter“ durch F-5E „Tiger“ II-Jets ersetzt. Diese Kampfflugzeuge haben ein Abfluggewicht von 11,2 Tonnen, eine Maximalgeschwindigkeit von 1 700 km/h und einen Schub von 2 x 22 kN. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Einsatzfähigkeit der Schweizer Luftwaffe im In- und Ausland zu demonstrieren. Im Gegensatz zu anderen Staffeln sind sämtliche Piloten der Kunstflugstaffel in die Luftraumüberwachung eingebunden und Militärpiloten des Berufsfliegerkorps. Die Staffel gehört zu den populärsten Fluggruppen der Welt und ist bekannt für ihre besonders präzisen Manöver sowie die hohe Dynamik ihrer Vorführungen. Das Team wird außerdem von einer eigenen technischen Crew betreut. Die Patrouille Suisse zählt zu den wenigen Kunstflugstaffeln, die ihre Manöver mit Überschalljets fliegen.

Bei der Airpower 2019 feierte die Patrouille Suisse mit einem eigenen Jubiläums-Display ihr 55-jähriges Bestehen. Die sechs F-5E „Tiger“ II überzeugten dabei bereits zum vierten Mal mit präzisen Formationen. Bekannte Figuren wie der „Schwan“ oder das spektakuläre „Finale Grande“, bei dem die sechs Jets sternförmig in alle Himmelsrichtungen mit einem Leuchtkugelschweif auseinanderfliegen, zählten zu den Highlights des Displays.

Sicherheitsvorkehrungen und Unfälle

Um die Sicherheit des Flugfeldes und der Besucher zu gewährleisten war bei der Airpower 2019 ein Drohnendetektions- und Abwehrelement im Einsatz (siehe TD-Heft 02/2019). Die Soldaten konnten mittels elektronischer Waffen die Funksteuerung von etwaigen in den gesperrten Luftraum fliegenden Drohnen stören und sie zu einer Landung zwingen oder zum Absturz bringen. Doch die Soldaten des Bundesheeres hatten nicht nur die Flugsicherheit im Auge. Um die Sicherheit des Publikums zu gewährleisten, fanden an den Eingängen zum Gelände umfangreiche Personenkontrollen durch Milizsoldaten des Jägerbataillons Burgenland statt. Für die medizinische Versorgung waren mehr als 50 Ärzte mit rund 320 militärischen und zivilen Sanitätern aufgeboten worden, die während der Veranstaltung rund 200 Mal ausrücken mussten.

Insgesamt gab es in der Geschichte der Airpower drei Unfälle. 2003 und 2011 gab es Probleme bei Fallschirmsprüngen. 2003 verletzte sich ein Mitglied des Red Bull-Teams bei einem Fallschirmsprung, der sich in den Leinen seines Schirmes verfing. 2011 stürzten zwei Fallschirmspringer des luftbeweglichen Jägerbataillons 25 aus Klagenfurt aus rund 25 Metern fast ungebremst Richtung Boden. Die Schirme der beiden Soldaten hatten sich kurz nach dem Absprung aus 200 Meter Höhe ineinander verheddert. In allen Fällen funktionierte die Rettungskette.

Die "Air to Air"-Fotografie produziert Bilder aus einer ungewohnten Perspektive. (Foto: Bundesheer)
Die "Air to Air"-Fotografie produziert Bilder aus einer ungewohnten Perspektive. (Foto: Bundesheer)

Bei der diesjährigen Veranstaltung kam es am Ende einer Flugdarstellung von zwei historischen Maschinen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges – einer Fokker DR1-Dreidecker und einer schwedischen CFM01 „Tummelisa“ – zu einem kleinen Zwischenfall. Das schwedische Muster kippte bei der Landung auf der Graspiste durch eine plötzliche Windböe um. Der schwedische Pilot blieb unverletzt. Es entstand nur Sachschaden.

Kritik

Neben den politischen Gruppierungen spielt die aktuelle Klimadebatte eine zunehmende Rolle, weshalb ebenfalls Flugshows in der Kritik stehen. Allerdings wird meist nur mit absoluten Zahlen ohne Vergleich und Einordnung in die Gesamtdebatte argumentiert. So fordern einige politische Gruppierungen generell das Ende solcher Flugveranstaltungen. Sie begründen das mit Kosten, Lärm und den hohen Schadstoffausstoß. Unterstützung erhalten sie von Klimaexperten. Forscher wie Gottfried Kirchengast vom Grazer Wegener-Institut bewerten die Airpower wegen ihrer Symbolwirkung als verheerend und sprechen von „Luxus-Emissionen“. Allerdings liegt hier ein Irrtum in der Argumentation vor. Alle Flugbewegungen während der Flugshow und der Vorbereitung sind durch das jährliche Flugstundenkontingent abgedeckt. Es werden keine zusätzlichen Flugstunden für die Flugshow angeordnet oder absolviert. Von den rund 200 Flugzeugen, die an dieser Flugshow teilnahmen, waren viele nur auf dem Boden zu besichtigen. Selbst die verursachten Emissionen durch die An- und Abreise der Besucher sind kein schlüssiges Argument gegen die Airpower. Demnach müsste jede größere Veranstaltung in Zukunft abgesagt werden.

 

Restaurierte Kampfflugzeuge wie hier die Chance Vought FU "Corsair" sind ein fixer Bestandteil jeder größeren Flugshow. (Foto: Bundesheer)
Restaurierte Kampfflugzeuge wie hier die Chance Vought FU "Corsair" sind ein fixer Bestandteil jeder größeren Flugshow. (Foto: Bundesheer)
Die Patrouille Suisse ist nach ihrer erfolgreichen Vorführung sicher gelandet. (Foto: Bundesheer)
Die Patrouille Suisse ist nach ihrer erfolgreichen Vorführung sicher gelandet. (Foto: Bundesheer)

Auf einen Blick

Die Airpower 2019 auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg konnte trotz des schlechten Wetters rund 185 000 Zuschauer begeistern. Bis auf einen kleinen Unfall mit Sachschaden verlief die Veranstaltung reibungslos. Neben den Flugvorführungen und der Ausstellung von Flugzeugen auf dem Boden konnte das Krisenmanagement und die Zusammenarbeit mit zivilen Einsatzorganisationen geübt werden. Die Kosten von rund 3,6 Millionen Euro werden zu je einem Drittel vom Bundesministerium für Landesverteidigung und den Partnern Land Steiermark und Red Bull getragen. Ob es in Zukunft wieder eine Airpower geben wird, hängt unter anderen von der budgetären Entwicklung des Österreichischen Bundesheeres ab.

 

Oberst Mag. Erwin Gartler, MSc MBA MPA ist Leitender Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Markus Togl, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

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